Tragbare Welt

Des Nerdes Freund ist sein Notebook, seine kleine informelle Trickkiste in der er, wann immer er will herumwuehlen kann und mit der er beeindruckende Kunststueckchen vollbringen kann, die, wenn sie auch fuer ein aussenstehenden Beobachter bisweilen an der definition einer “Verrueckten Spinnerei” nur haarscharf vorbeischrammen, ebenso beeindruckende Folgen haben koennen. Ich fuer meinen Teil durfte bis vor 2 Wochen mein iBook G4 als Trickkiste mit mir herumtragen und war damit auch sehr zufrieden - nicht zuletzt weil das Ding einfach knuffig ausschaute. Wie viele Kunststueckchen ich damit vollbracht habe bleibt ein Geheimnis, mit Sicherheit waren es nicht wenige ;).
Eines Tages kommt die Zeit fuer jeden dieser Begleiter an dem es irgendwo anfaengt zu klemmen, zu schrammen und zu klappern - DER Tag, an dem dieser Begleiter beginnt seinen Dienst nicht mehr mit so viel Freud-Verbreitung zu verrichten, wie anfangs, als er noch neu war. Meistens kommt dieser Tag erschreckend nah nach ablauf der Garantiezeit… und in jedem Fall viel weit entfernt von dem Tag, an dem man das Geld fuer einen neuen Begleiter zusammengespart haette. (Sei’n wir mal ehrlich, das ganze Geld landet eh immer wieder in so Spielereien wie Webcams und Modems ;) oder anderen Elementen aus $Spielerei[i] (i > 0)). In meinem Fall war das iBook ziemlich genau 1.75 Jahre alt. Im Mai waeren es 2 Jahre gewesen. Jetzt schon setzte das erste digital-Rheuma ein. Die On-Board Netzwerkloesung begann Sporadisch nicht mehr zu funktionieren… ein leises Klopfen auf den Gehaeuseteil in dem diese untergebracht war brachte in der ersten Zeit noch Linderung und das war ja eh nicht so schlimm… “Schliesslich hab ich noch AirPort”… AirPort ist ein wirklich wunderbar klingender Name fuer etwas, dass dem ambitionierten Nerd graue Haare regelrecht meterweise aus saemtlichen koerperteilen treibt, sobald dieser versucht sein liebstes Betriebssystem zu installieren. “Da gibts immernoch keine Treiber fuer das AirPort Extreme” war immer eine beliebte Antwort auf LUG-Treffen auf die Frage “Noch kein Linux drauf? Verraeter!”. Letzten endes hat sich inzwischen eine Gruppe dieses Problemes angenommen und einen inzwischen zumindest als Proof-of-Concept tauglichen Treiber zusammen-reverse-engineered, der die Stichhaltigkeit dieser Ausrede mehr und mehr schwinden laesst. AirPort Extreme rettete also meinen Tag mehrmals wenn das Stolperfallen-angebundene Netzwerkequiptment den Dienst verweigerte. Doch auch hier nagte der Zahn der Zeit. Das unverstellbare Grauen begann… Netzwerklosigkeit, Kommunikationsverlust. Der Halbtot eines Nerds tritt in dem Moment in dem die SSH-Sitzung zu seinem Lieblingsrechner alle 5 Minuten zusammenbricht. AirPort Extreme war Geschichte und zuletzt in einer Auflistung der PCI-Geraete gar nicht mehr vorhanden. “Naja… stecken wa halt mal ein USB Geraet dran…”. Diese Problemloesung half einige Tage. Im Wohnzimmer sitzend mit den Freunden in aller Welt den Abend verbringen, eine schoene Sache. Apple war immer fuer Ueberraschungen gut. Am 30. Januar als ich von der Firma nach hause kam ueberraschten sie mich mit einem Herrlichen Kurztheather. “Zwielicht” nannten Sie es, “Halbe Erblindung” nannte ich es. Fuer den interessierten Beobachter bzw. die interessierte Beobachterin stelle ich folgendes Bild in den Raum (Anmerkung: hier funktioniert AirPort gerade mal wieder durch spontanheilende Aura):

iBook im Halbschatten
iBook im Halbschatten

Ein irreparabler Ausfall der linken Hintergrundbeleuchtung fuehrte zu einem kurzen schockartigen Aufschrei, einem Augenreiben und dem blitzartigen Griff zur Digitalkamera (Dokumentationsfetischismus fuehrt dazu, dass man immer eine in Griffweite hat). Ich wollte es kaum glauben, wurde allerdings dazu gezwungen. Eigentlich wollte ich mir an diesem Abend noch eine Folge von “Ai Yori Aoshi” ansehen, doch die Idee schrieb ich bei dem Bild vorerst ab. Einige Minuten spaeter jedoch erreichte mich endlich die Erinnerung an den TV-Adapter fuer das iBook. “Mit dem waere das ja alles kein Problem… ich hol ihn schnell und die DVD mit dem DivX drauf…”… so weit so gut, nach Einrichtung und Verkabelung aller Einzelheiten des iBooks mit dem Fernsehgeraet fehlte nur noch das einlegen der DVD. Das typische Geraeusch beim Einlegen eines Datentraegers in das Slot-In Laufwerk des iBooks, dass eher auf Besorgnis erregende weise nach einem sich uebergebenden Hirsch klingt als nach dem erfolgreichen Einziehen eines optischen Datentraegers wurde eng gefolgt von einem ganz neuen Geraeusch. “Siiiup Siiiiiup - *tock* *tock*” klang es aus dem Laufwerk mehrere Male, danach warf es die DVD wieder aus. Gleichsam alle original CDs, DVD-ROM, DVD-R und alle -RW Medien, mit denen ich versuchte meinen Verdacht (auf einen weiteren Defekt am iBook) zu widerlegen. Das einzige was das Laufwerk noch lesen mochte waren CD-R und DVD+R. Hocherfreut ueber diese neue Erfahrung baute ich meine Verkabelung wieder ab und stellte das iBook in die Ecke. Fehlen taten nur noch die Worte “Schaem dich und komm erst wieder wenn du dir bewusst darueber bist was du getan hast.”. Da zu diesem Zeitpunkt aber auch Probleme mit der Soundkarte auftraten haette das Geraet diese wahrscheinlich eh gekonnt ueberhoert.
Einen Tag spaeter startete ich einen erneuten Versuch, meine boese Vorahnung eines drohenden Totalausfalles zu beseitigen. Die Argumente wogen schwer und meine Sorgen kreisten um die unausweichlich scheinende Feststellung, die jeder Besitzer eines Elektrogeraetes kennen wird: “Es ist kaputt.”. Ich trat ins Wohnzimmer, in die Ecke in die ich das iBook einen Abend zuvor mit Behutsamkeit abgesetzt hatte. Die Stand-By-Lampe pulsierte Beruhigend an dem Abend… und das tat sie jetzt nicht mehr. Ich dachte bei mir noch “Das sollte nicht sein, gestern war der Akku voll. Einen Tag sollte der schon noch Stand-By aushalten”. Ein sachter Druck auf die Status-Taste des Akkus gab Gewissheit: Irgendetwas stimmt nicht. Der Akku war voll… nur das Geraet war aus.
Es blieb auch aus… auch nach einem Druck auf die Power-Taste. Auch nach 2 und 3 und 4 Druck auf die Power Taste. Auch nach Reset der Power Management Unit… oder welchen namen dieses Design-Stueck auf der Obst-Platine auch immer tragen moege. Die Gewissheit schaffte sich Raum… Nach 2 Wochen kraenkelnder kleinteile bleibt das iBook nun fuer immer aus.Im Moment laufen die Vorbereitungen (insbesondere die Finanzierung betreffend) fuer die Bestellung eines IBM X60 (oder Lenovo… noch steht ja auch IBM drauf ;)). Ich hoffe damit habe ich mehr erfolg. Das folgende Bild zeigt eine Japanerin, die das Prachtstueck in die Kamera haelt. Freuen wir uns auf den neuen Begleiter und 4 Jahre Vor-Ort Service fuer solche Faelle.

Lenovo X60
Vertreterin mit dem Thinkpad X60

Der Sternensucher gruesst euch… Bis dann.

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