Kompetenzfragen
DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!
Es gibt Momente im Leben, da wuenscht man sich, jemand haette lange vor besagtem Moment eine Axt erfunden, die sich bequem in der Tasche aufbewahten und bei bedarf entfalten laesst. Meint ihr nicht auch? Nein? Ok… vielleicht sieht man gleich, warum ich immer immer wieder so denke….
*Rueckblende*
Einer dieser Momente ist der in den ich gerade zurueckgeblendet habe. Ich stehe mal wieder hinter dem Tresen und schaue aus der Waesche wie ein nicht abgeholter Koffer mit Loesegeld. Das passiert selten, denn meistens bleibt mir zwischen meinen 3 Hauptaufgaben “Aufregen”, “Kunden betreuen” und “Zurueckhaltung ueben” wenig Zeit fuer derartiges Benehmen. Wie auch an diesem Tag. Es bleibt mir nicht viel Zeit Loecher in die Luft zu gicken, denn die Lichtschranke an der Tuere macht das Geraeusch, auf dass ich aehnlich trainiert bin wie ein Tanzbaer auf die Musik… Bloss schnell wegbewegen, sonst tuts weh!… aber es ist zu spaet.
Vor mir baut sich ein Popeye-verschnitt in dem mitt-Dreissigern auf und legt, weniger vorsichtig als grobmotorisch, seine Notebooktasche auf die Theke. Wiedereinmal freue ich mich, dass wir diese recht dicken soliden Holzplatten und nicht etwa eine aus Glas haben einsetzen lassen. Der Popeye verschnitt schaut mich aus den Augenwinkeln an als wollte er mich im naechsten Moment durch eins seiner Nasenloecher einatmen. Ich setze meinen “Kann ich ihnen helfen” Blick auf, doch bevor meine Gesichtsmuskeln ihre Position erreichen hoere ich den Satz, der mir meine dritt-genannte Hauptbeschaeftigung immer wieder merklich erschwert. “Is’ dein Chef da?”, scheppert es in meinen beiden Ohren. Wie ich feststelle ist dieser Herr durch und durch grobmotorisch… Von den Fuessen bis hin zum Hirn.
Lasst mich kurz erklaeren, warum mich dieser Satz zur Weissglut treibt. Menschen, denen die Arbeitsstruktur in diesem kleinen Laden nicht gelaeufig ist, mag es schwer verstaendlich sein, aber schliesslich ist, in diesem Moment, wo ich das hier erzaehle der Laden zu und ich habe ein paar Minuten. Mike und ich teilen uns die Aufgaben recht genau. Er weiss ueber die Wirtschaft bescheid, mein Bereich ist die Technik… er Verkauft, ich repariere… er schreibt Angebote, ich nehme Daten auf. Er weiss ueber die neusten Trends, ich ueber die alten Luecken… so ergaenzen wir uns ganz gut… manchmal hilft er mir in der Werkstatt und manchmal helfe ich auch im Verkauf. Eine seiner Aufgaben in der Werkstatt sind z.B. so Frickeleien mit der Heissklebepistole… mit der ich wiederum in seinem Arbeitsbereich die Kunden erziehe. Wie ihr seht, jeder weiss wo sein Platz ist und gerade im Moment sitzt Mike an ein paar wichtigen Angeboten und ich stehe im Laden und versuche die Kunden zu beraten, die sich zu uns verirren. Leider sehe ich aus wie ein kleiner Schrauberling, weshalb ich anscheinend oft nicht ernst genommen werde… wie war das mit der Heissklebepistole?
Dieser Grobmotoriker… richtig! Da waren wir stehen geblieben. Ich habe ihm noch immer nichts geantwortet, nur mein Blick verzieht sich zu meinem typischen “Koennten Sie das bitte nocheinmal wiederholen, sollten Sie das tatsaechlich ernst gemeint haben?”-Blick. Die Tatsache dass er mich einfach duzt stoert mich aktuell mehr als die, dass er nach dem Chef verlangt. “Weisst du, mein Chef ist gerade nicht zu sprechen, ich kann dir aber mit Sicherheit weiterhelfen.”. Mein Verdacht erhaertet sich. Den Wink mit dem Zaun versteht er leider nicht… nur sein Blick verzieht sich hin zu einem Ausdruck unverbluemter Skepsis: “Das glaube ich zwar nicht, aber das wirst du ja noch sehen. Ich habe ein etwas spezielles Problem.”. Ich bin gespannt… spezielle Probleme sind mein Ressort! “Ich habe ein Notebook und moechte da Arbeitsspeicher einbauen. Ich brauche einen Gigabyte .. oder zwei. Hat dein Chef den da?”. Hmm… ich wuerde ja erstmal gerne das Notebook sehen. “Hast du mir dein Notebook denn auch mitgebracht?”. Inzwischen habe ich das Gefuehl, ich winke mit mehreren Zaeunen direkt vor seiner Nase herum. Das einzige, was er merkt ist allerdings, dass ich kurz verschwinde… um meinen Chef zu holen denkt er… um einen passenden Mini-PH-Schraubendreher fuer sein Notebook zu holen denke ich.
Einige skeptische Blicke spaeter stehen wir vor dem Innenleben seines Notebooks und haben festgestellt, dass er seine Idee vom “seinem Gigabyte oder zwei” vergessen kann. “Im Maximalfall treffen wir uns in der Mitte”, gebe ich hoffnugnsvoll zu bedenken… muss aber einige Sekunden spaeter hinzufuegen: “Mehr als 1.5GB sind nicht drin mit dem Geraet. Und den fehlenden Speicher muss ich bestellen.”. Kleine Rauchwoelkchen entsteigen seinem rechten Ohr als ich “muss ich bestellen” sage. “Ich brauche dann noch deinen Namen, eine Telefonnummer und eine Anzahlung von 25 Euro.” Fuege ich hinzu, waehrend sich in seinem Kopf eine Sicherung nach der anderen in die Haende eines Lichtbogens uebergibt. Waehrend er die 25 Euro zusammensucht und mit der verbleibenden Motorik eine Telefonnummer und “Herr Frederikson” auf einen Zettel kalligraphiert, baue ich sein Notebook wieder zusammen. Bevor ich es ihm in die Hand gebe nehme ich noch einmal den Zettel in die Hand, lese leise “Herr Frederikson” in meinen Bart und sage dann nocheinmal “Du kannst unsere Geschaeftsraeume ja naechste Woche nochmal aufsuchen, ich denke dann hat mein Lieferant deinen Speicher geliefert.”. Fast stockend greift er nach dem Notebook packt es in die Tasche und verlaesst wortlos den Laden… eine kleine, nach verschmortem Plastik stinkende rauchspur zieht sich jedoch an seinem Kopf entlang bis hinaus auf die Strasse….
ob er jemals wiederkommt?