Neues aus der Welt der verkaufsfoerdernden Kurzfilme
Guten Morgen liebe Freunde
Seit etwas laengerer Zeit bin ich mal wieder etwas frueher aufgestanden, da ich gleich zu IKEA fahre… ich muss in meinem Zimmer mehr Stauraum bekommen (die aelteren unter euch erinnern sich vielleicht noch an den “Grossen Chaoskiller 2005″, die bislang groesste Reinigungs und Aufraeumaktion in meinen 6 Waenden… Ich habe da etwas groesseres vor. Naja… ich bin eigentlich Krank und sollte mich auskurieren, aber wer die Photos aus meinem Zimmer sieht wird mich verstehen: es ist an der Zeit!.
Mit Ikea und dem Thema aufraeumen sind wir eigentlich schon fast in der richtigen Ecke. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten unter euch auch viel Werbung ertragen muessen. Sobald mal einen Film schaut, der nicht auf einem der oeffentlich-rechtlichen Sender laeuft wird man ja quasi dazu genoetigt. Angenehmere Erfahrungen sind da die Spots von VW, IBM oder eben von IKEA, der neue Spot von Sharp fuer die Aquos LCD TVs und - waere der Spot nicht von Vodaphone - auch der dieser Firma (ich sage nur Eintagsfliege). Nennen sollte man hier auch Sony mit einigen recht einfallsreichen Ideen oder auch die (etwas angestaubte) Doppelkeks Werbung mit den singenden Erdbeeren (wer von euch zwischen 1986 und 1992 schon TV-Junkie war wird sich mit sicherheit an die kurzlebige Sorte “Erdbeere” erinnern). Neben diesen Werbespots, die auf irgendeine Weise einfach nur Stil haben und bei denen durchscheint, dass sich einige Leute doch noch Gedanken darueber machen, wie man ein Produkt ins rechte Licht rueckt, gibt es auch immer wieder welche bei denen man nur denkt “Oh Mann!”. Hier waeren saemtliche Spots fuer Reinigungsmittel (Cilit Bang und Freunde), Kosmetik und Pflege (Thema “Haesslich gebohren, verkleistert gestorben”) sowie viele der Lebensmittel-Spots (Besonders Frischware wie Kaese, Suessigkeiten und so weiter, ich sage nur Fruchtzwerge (siehe MaBU)) ein treffendes Beispiel. Diese scheinen einen einfach nur fuer unglaublich Dumm zu halten oder versuchen sich auf genau diese Weise in unser Unterbewusstsein zu schleichen. Dieser Gruppe widme ich meinen heutigen Zornessturm.
Ich ganz persoenlich halte Werbespots fuer ein Gesellschaftsabbild aus erster Hand… kein besonders treffendes, zumindest aber eins, dass zeigt, was die Werbe- und Produktdesigner dieser Welt von unserem Kaufverhalten halten oder wie sie es sich vorstellen.
Was wie beworben wird scheint mir oft genug ein recht zuverlaessiger Spiegel fuer unsere niedersten Aengste zu sein. Als Beispiel koennten so ziemlich alle Werbespots fuer Damenkosmetik sowie auch die juengst vermehrt auftauchende Werbung fuer Herrenkosmetik sein. Diese spielen mit unserer unbeschreiblichen Panik vor dem alt werden. Jeden Samstag Abend, den ich vor dem Fernseher verbringe frage ich mich erneut “Was bitte soll das?”. Dort werden Frauen und Maenner gezeigt, die (reduziert dargestellt), beschmiert mit dem Produkt der Firma X endlich von ohrer Umwelt geliebt werden. Diese Darstellung bleibt, ob man will oder nicht, haengen und ich frage mich morgens vor dem Spiegel, wenn ich dann mal wieder auf den matschigen Kloss auf meinem Hals schaue (von dem ich genau weiss, dass er sich in spaetestens einer Stunde wieder in seiner alt bekannten und hinreichend schoenen Form befindet), ob ich nicht doch mit bestimmten Pflegeprodukten schoener waere… zumidnest fuer einen kurzen Moment frage ich mich das, dann uebernimmt das Gehirn wieder die Kontrolle und verjagt diese Gedanken mit Feuer und Mistgabel aus meinem morgendlich verschlafenen Unterbewusstsein. Warum ueberhaupt schoener werden als man ist? Jeder von uns wird auf seine weise schoen gebohren und ich frage mich immer wieder, warum man sich nicht einfach akzeptiert? Warum streben so viele danach begehrenswerter, “huebscher” oder wie auch immer auszusehen? Ich haette gerne mal eine Antwort darauf von jemandem, der so ueber sich denkt. Es interessiert mich wirklich. Wenn eine mir entfallene Firma (ich glaube aber es war Jade) fuer ein Anti-Aging Produkt wirbt, so ist fuer meinen Geschmack alleine der Name eine Farce. Wir werden alle aelter (naja, ich gebe zu, ich mit meinen 21 Jahren noch nicht so sichtbar ;)) und ich bin der Meinung, jeder fuer sich sollte das akzeptieren. Thema Eintagsfliege und so… wissen schon… mit dem was man an sich findet zufrueden sein und so. Ausserdem sind die Frauen und Maener aus der Werbung aus vorher schon - dem beworbenen Ideal entsprechend - schoen. Ich moechte sagen, dass ich die meisten davon einfach nur ueberzogen und haesslich finde.
Lebensmittelwerbung ist ein anderes interessanes Feld, dass schon wieder ganz anders beworben wird. Hier wird selten mit, wie ich es jetzt mal nenne “Folgeauswirkungen” des Konsums (”Nachdem sie sich diese Wunderpaste ins Gesicht geschmiert haben werden Sie von allen geliebt werden!!”), sondern vielmehr mit der Zufriedenheit fuer den Moment geworben. “Ich will Genuss, sofort” - ein alter Werbespruch eines Kaffeeroesters, der damals noch erschreckend offensichtlich aeusserte, auf was der Spot zielte. In der Lebensmittelwerbung rueckt der Zustand, in dem man grenzenlos zufrieden ist und sich jeden Genuss sofort leisten kann in freifbare naehe… zumindest fuer die 15 Sekunden Sendezeit, in der man dieser Illusion ausgeliefert ist. Ein Beispiel, dass ich immer weider gerne heranziehe ist die Toffifee-Werbung mit der Mutter, die immer volles Haus hat. Mit einer Selbstverstaendlichkeit die Ihresgleichen sucht haucht uns die selbsternannte Toffi-Fee ein “Klar - hab ich!” durch den Aether und erwartet, dass wir wie die Schafe in die Laeden Rennen und Toffifee kaufen. Besonders interessant ist hier, wie in vielen Lebensmittel-Spots, wie mit der Torschlusspanik gespielt wird. “Bloss immer Suessigkeiten da haben, damit mich meine Kinder und deren Freunde auch moegen!”. Angesichts der Tatsache scheinen Aktionen wie die Ferrero-Sommerpause auch wie ein billiger Scherz. Hier wird eine Zeit, in der traditionell kaum Schokolade konsumiert wird auf zugegebenerweise recht intelligente Art fuer einen gleich doppelten Verkaufserfolg genutzt. Einmal vor der Sommerpause “Thema Torschlusspanik”) und einmal danach (Thema “Endlich wieder da”). Auch spriessen hunderte Spots aus dem Boden die fuer sogenannte Sonderausgaben oder Limitierte Ausgaben werben. Nicht umsonst klingt mir beim Thema Werbung immer das typische “Jetzt nur fuer kurze Zeit”-Singsang im Ohr. Um allerdings schlussendlich zum Ausgangspunkt zurueckzukehren bleibt nur festzustellen, dass Lebensmittelwerbung uns den Moment des Konsums als besonders genussvoll und herausragend und erstrebenswert dazustellen. Ich sage nur “Happy Meal”…
Auch eine sehr interessante Gruppe an Werbespots sind die fuer Reinigungsartikgel. Diese traditionell auf undglaubliche weise entstellten Werbespots haben unter den genannten Gruppen mit Abstand die verzerrteste Weltsicht. Da man Reinigungsmittel im allgmeinen nicht geniesst oder durch sie zu einem agesehenen Menschen avanciert bleibt fast nur, mit deren Effektivitaet in bestimmten Problembereichen zu werben. Einige Hersteller jedoch (besonders traditionell sticht hier Lenor aus der Erinnerung ins Bild. Wer erinnert sich nicht an die Lenor-Flasche, die mit unglaublicher Sanftheit in den Handtuchstapel faellt und die vielen Gesichter die an der Lenor-bedufteten Kleidung schnuppern. Auch Perwoll bleibt im Hinterkopf) werben trotzdem mit Genuss, Wohlgefuehl oder Anerkennung. Die Regel ist allerdings wie angedeutet die Effektivitaet des Produktes. In der vergangenen Zeit schwappte eine Welle an Werbung fuer - wie ich sie nenne - Wundermittelchen aus Amerika zu uns herueber. In diesen Kurzwerbespots wird auf erschreckend alberne Weise von einem Moderator oder einer Moderatorin (schlecht synchronisiert) gezeigt wie gut ein Waschmittel Fett loest oder wie gut ein Badreiniger kalk entfernt. Die Beispiele sind offensichtlich gestellt und auch die befragten Personen schaemen sich nicht, das Produkt vor laufender Kamera ueber den gruenen Klee zu loben wahrscheinlich ohne es jemals benutzt oder auch nur gesehen zu haben. Wem klingt es bei dem Gedanken nicht noch im Ohr: “Und um zu beweisen wie effektiv es ist, geben wir noch eine ganze Flasche Jod dazu”. Aber auch die traditionellen Reiniger glaenzen weniger durch ein nach Anwendung sauberes Bad, sondern vielmehr durch die ausgesprochen schwachsinnige Selbstdarstellung. Offensichtlich fuer Dumm verkfauft uns Konsumenten z.B. die Werbung fuer einen Badreiniger-Allrounder, der auch verstopfte Abfluesse frei bekommen soll… dazu kippt man - laut Werbung - einfach in das Halbvolle Waschbecken und: Tadaaaa!! Der Haarknoten ist hinfort! Wer da nicht sofort 3 Flaschen davon in das Waschbecken kippt (dass sich daraufhin sofort schaeumend aufloest) muss ja vollkommen WAHNSINNIG sein. Angesichts der Inhaltsstoffe wird so allerdings der eben genannte gruene Klee bald eher verwelkt und braun sein, denn gesund sind diese mit Sicherheit nicht.
Eine letzte Gruppe, die ich zur Sprache bringen moechte sind die Spielwaren. Bei meinen wenigen Beruehrungen mit dem privaten Kinderfernsehen (Spongebob… wissen schon) breche ich regelmaessig zusammen in einer Mischung aus Wut und Beklopptheit. Wenn einem einmal klar wird auf welch stumpfe Weise man versucht Kindern Spielwaren zu verkaufen, moechte man noch einmal Kind sein und diese Werbung aus Trotz schlicht ignrieren. Kinder sind die in der Werbung am meisten fuer Dumm verkaufte Zielgruppe… und anscheinend zumindest in Teilen zurecht. Hier moechte ich jedoch auf Beispiele verzichten, denn im Prinzip sind alle Spots gleich strukturiert: Ein Produkt wird in einer vollkommen Weltfremden Kulisse und Situation als unglaublich kurzweilige langanhaltende und vielseitige Unterhaltung dargestellt - diese hat bei den Jungen-Speilzeugen meist mit Action und Krawall zu tun, bei den Maedchen mit einem beschaulichen Prinzesschen-Dasein. Die Situation wird untermalt mit einer absolut unpassenden Musik und einem Sprecherkommentar der die zahlreichen Features des Produktes anpreist. Diese sind, aus zeitlicher Ferne und Reifheit betrachtet, fuer etwa 5 Minuten unterhaltsam und dann schon wieder langweilig. Anscheinend wirkt es jedoch auf unsere Kleinen aeusserst bereichernd und beeindruckend.
Um diesen Wahnsinn nicht auf eine gefaehrliche Spitze zu treiben werde ich an dieser Stelle einmal aufhoeren. Ich denke es ist hinreichend klar geworden aus welchem Grund ich immer mehr auf das Privatfernsehen verzichte, so lange es nicht einen wirklich sehenswerten Film zu sehen gibt.
Ich wuensche euch in diesem Sinne einen schoenen Tag.
Euer Sternensucher
May 30th, 2006 at 20:51
In Sachen Waschmittel:
Persil machts mit dem ewigen Reinheitswahn nicht besser, aber genial.
Auch wenn einem der Mechanismus der Werbung sofort bewusst wird kann
man sich nicht davon abhalten, einen kurzen Moment dieses wohlige
“Reinheitsgefühl” nachzuvollziehen. Das dieses nur mit Persil erreicht wird ist natürlich Unsinn.