“Der Sonne entgegen” dachte Ikarus… so wie sein Namensvetter schon vor vielen Jahrhunderten. Doch so ganz alleine mit dem Gleiter auf dem Dach war es schon ein anderes Gefuehl als in seinen Gedanken, als er - das was er jetzt zu tun bereit zu sein glaubte - geplant hatte. Erzaehlt hatte er es niemandem. Warum auch? Seine Bekannten erzaehlten ihm ja auch nicht, wenn sie Abends noch ein Bier trinken gingen.
Die Sonne war kurz davor im Westen den Tag zu einem Ende zu bringen und huellte sich in ein goldgelbes Wolkenkleid. Dunst stieg auf aus den Strassen. Der Tag war heiss gewesen und am spaeten Nachmittag hatte es geregnet. Auch auf dem Dach auf dem Ikarus stand gab es noch einige Pfuetzen. in denen sich die untergehende Sonne spiegelte. “Ein komisches Gefuehl”, dachte er so bei sich, “fast wie ein Pilot.”. Vor ihm lag das Dach wie eine Startbahn, die gluehenden Pfuetzen wie Positionslichter, die ihm verfuehrerisch entgegenleuchteten. Ein Ziel hatte er nicht vor Augen… vielleicht wollte er einmal die Stadt von oben sehen. Natuerlich wollte er heile landen, aber sonst…
“Es ist Zeit” dachte er und atmete durch. Der ganze Gleiter bebte und setze sich langsam in Bewegung… entschlossen und kraftvoll setzte er einen Fuss vor den anderen - erst langsam, dann immer schneller und schneller, lief, rannte schliesslich. Kurz bevor seine Fuesse ueber die Kante des Daches hinweg flogen, presste er den Greifhebel von sich um dem Gleiter den noetigen Auftrieb zu verleihen. Nur einen Wimpernschlag spaeter lagen zwischen ihm und dem Boden viele Meter Luft, auf der er nun durch den Abend segelte. In langsamen Kreisen stieg er auf mit dem Dunst, bis schliesslich auch das Haus, von dem aus er gestartet war unter ihm lag…