DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!
Es gibt Momente im Leben eines Technikers/Verkaeufers/Managers/Arsch fuer alles, die einem zeigen, wie gross das Unverstaendnis eines Kunden – und gleichzeitig – wie klein seine Vorstellungskraft ist, wenn es im die Ausmasse des Internet geht. Einer dieser Momente ereignete sich unlaengst, als ich den grossen Fehler beging, einen Rechner zu verkaufen. Computer eignen sich im Allgemeinen hervorragend als Internet-Endgeraet, nicht jedoch im Falle dieses besagten Systemes, das gerade einen unser pingeligsten Kunden als neuen Besitzer erwischte. Es gibt eben auch Momente im Leben eines Rechners, die schreien foermlich: “Verdammt, warum bin ich nicht schon an jemand anderen verkauft worden?!”.
An jenem schoenen Tag betrat Herr Ford unseren schoenen kleinen Laden. Herr Ford ist ein Mensch, der alles ganz genau nimmt, anders als sein Namensvetter, der den Fehler beging, Autos zu bauen. Herr Ford ist Lehrer – das ist zunaechst nichts schlimmes, allerdings muss man sich in einem Verkaufsgespraech darauf einstellen. Gerade Lehrer, warum auch immer, haben eine ehrgeitzige Art, fuer moeglichst wenig Geld moeglichst viel Leistung zu bekommen. Das beschraenkt sich nicht nur auf Computer, jedoch hat es hier fatale Folgen. Zum Beispiel lassen sich in 90% der Faelle, in denen uns ein Lehrer einen Rechner bringt der Macken hat, diese auf billige Hardware einschlaegig vorbestrafter Hersteller zurueckfuehren, die hier namendlich nicht weiter aufgefuehrt werden sollen. Manchmal ist billig eben doch sehr teuer
. Fahren wir aber nun mit Herrn Ford fort, der uebrigens einen VW faehrt.
Als Herr Ford den Laden betritt und sich wie ueblich selbst, vollkommen in Gedanken versunken, wegen der durch sein Eintreten ausgeloesten Tuerschelle erschreckt, mache ich den folgenschweren Fehler, hinter dem Tresen zu stehen. Warum ich diesen Fehler immer wieder mache ist mir in diesem Moment nicht klar, auch wenn ich angestrengt nachdenke. Das tue ich allerdings nur um an etwas anderes zu denken als an die Frage, die Herr Ford nun gleich stellen wird: “Herr Sternensucher”, beginnt er seine schon bereitgelegte Rede, fuer die er keinen Zettel braucht, “Herr Sternensucher, ich brauche einen neuen Rechner und… bevor Sie jetzt schon wieder an ihre Spiele denken”, phantasiert er vollkommen ohne Halt und Ansatz, “denken Sie lieber daran, dass ich mit dem System wirklich etwas bewegen muss. Ich brauche ein Leistungsstakes Arbeitssystem mit viel Speicher und – vor allem – aber das wissen Sie ja mit Sicherheit inzwischen selbst – mit viel Leistung.”. Ich atme tief durch. “Des weiteren habe ich nicht viel Geld dafuer eingeplant. Unsere Tochter studiert, wissen Sie? Das frisst an meinem Gehalt.”, setzt er nach. “Aber sicher”, denke ich bei mir. Im Kopf gehe ich die 20 Fehlgeleiteten BTO-Ruecklaeufer durch, die wir noch an den Kunden bringen muessen. “Also fuer IHRE speziellen und ausgesprochen aussergewoehnlichen Anforderungen haben wir Systeme ab etwa 450 Euro auf Lager”, setze ich an, ” aber – wie Sie sich sicher denken koennen – sind nach oben wie immer keine Grenzengesetzt.”. Ich sehe bei dem Wort “oben” seine Wimpern zucken.
An dieser Stelle moechte ich den Verlauf des Verkaufsgespraeches nicht weiter ausfuehren. Es verlief wie ein typisches Lehrerverkaufsgespraech, lediglich an einer Stelle, schon nachdem unser Herr Ford sich fuer den Rechner seiner Wahl – ein ganz normales P4 Arbeitsgeraet ohne schnoerkel – entschieden hatte, wendete sich das Gespraech, quasi noch im Bezahlvorgang, in eine voellig neue Richtung:
“Ach Herr Sternensucher, was ich vollkommen vergessen habe: wird mein Internet jetzt auch endlich schneller? Das hat frueher immer so EWIG gedauert mit den ganzen Seiten!”, faellt es ihm unglaublich frueh auf. “Was haben Sie denn fuer einen Internet-Anschluss?”, hake ich nach. “Ach wissen Sie, ich habe ISDN und bin damit immer zufrieden gewesen. Allerdings merke ich inzwischen, dass mein Rechner das alles nicht mehr verpackt. Ich bin eigentlich nicht so fuer diesen ganzen neuen Krams.”. Ich denke mit nostalgischem Blick an meine Modemtage zurueck. Herr Ford ruft mich jeoch schnell aus meinen Gedanken und noetigt mich zu einem Erklaerungsversuch: “Wissen Sie Herr Ford, ISDN…”, ich mache eine Pause und seufze, als haette ich es ihm schon 1000 mal erklaert, “ISDN ist eine Technik, mit einem _normalerweise_ feststehenden Limit von 7 bis 8kb/s. Heutige Webseiten sind haeufig mit Bildern und Animationen gespickt, die leicht mal 600kb gross sind. Der geneigte Mathematiker erkennt also schnell, dass eine derartige Seite dann schnell mal eine Minute bis 90 Sekunden laed. Und dabei gehen wir schon davon aus, dass alles optimal laeuft, was – wie Sie sicher wissen – selten genug passiert.”. Ich mache wieder eine taktische Pause. Herrn Fords Kopf nimmt eine fragende leicht geneigte Stellung ein, wobei seine Brille nervoes auf seiner Nase hin und her rutscht. “Sie wollen mir also sagen, dass der Rechner das Internet gar nicht schneller macht?!”. “Ich sage nur, dass die Moeglichkeit besteht.” … Soweit so gut. Nachdem ich Herrn Ford dann noch erklaert habe, dass er – je nach installiertem Browser – in diesen 1.5 Minuten mitunter gar nichts sieht, verlaesst dieser weniger zufrieden als gehofft den Laden.
Die naechsten 2 Wochen hoeren wir nichts von Herrn Ford, seinem Rechner und seinem ISDN Anschluss. Die Ruhe truegt. Das weiss zwar noch niemand, doch wir ahnen es. Die Gewissheit kommt wie immer prompt mit dem Betreten des Ladens durch den Kunden. Sein Gesicht macht ein Gespraech eigentlich unnoetig, aber trotz allem bricht es aus ihm heraus. Die Tatsache dass noch 3 Kunden vor ihm an der Reihe sind ist ihm herzlich egal: “Scheisse! Alles scheisse! Was soll das? Mein Internet ist langsamer als vorher, die Scheisskarre stinkt nach spaetestens 2 Stunden als wuerden da drinnen saemtliche Kabel schmoren und der Drucker von euch geht auch nicht! Scheisse Scheisse Scheisse!”. Erwaehnte ich eigentlich schon, dass Herr Ford Berufs-Choleriker ist? Man sieht den Chef und einen Azubi in heller Panik. Soetwas ist der GAU… man fuehrt ein Verkaufsgespraech und ein Kunde kommt mit genau dem Geraet unter dem Arm herein, das man gerade verkaufen moechte. Wenn er das Produkt der Wahl dann noch lauthals bewirbt, ist jeder Verkaeufer der Ohnmacht nahe. Um schlimmeres abzuwenden veranlasst mein lieber Chef (notiert: ohne dass ich mich wehren kann) einen sofortigen Aussendiensttermin mit mir in der Hauptrolle. “Das ist nicht mein Ding aber es gibt Momente… ” halt! Das hatten wir schonmal.
Ich reise also mit Herrn Ford in seinem VW zu ihm nach Hause. Dieser prinzipiell einfache Sachverhalt ist weiniger normal als man vermuten koennte, denn Herr Ford wohnt keine 100m von unserem Laden, sein Rechner ist sehr leicht und so einen Diesel faehrt man ja nur sehr ungerne mal eben so nur bis zum Baecker. Als er wie der Passatwind auf seine Einfahrt fegt, kippt im Kofferraum der Rechner um… wer ihn da hineingestellt hat?! Ich war es nicht. Dennoch wirft Herr Ford beaengstigende Blicke auf meine Nase, die inzwischen den Anschein erweckt, ich hiesse Rudolf und waere ein Paarhufer. Warum muss ich die Probleme meiner Kunden immer zu meinen machen?!. Ich weiss es nicht und wahrscheinlich werde ich es nie erfahren… wobei wahrscheinlicher ist, dass es die Ursache hat, dass ich davon lebe ihre Probleme zu meinen zu machen. Dennoch bin ich sehr Ahnungslos, als ich das Auto verlasse und den Rechner aus dem Kofferraum hole, der ein beaengstigendes Scheppern von sich gibt. Zu dem Zeitpunkt hoffe ich noch, dass das die nicht fixierten Kabel sind, die gegen die Gehaeuseseiten schlagen, doch diese Hoffnung soll sich bald… SEHR bald in Luft aufloesen – aehnlich schnell wie die Bettwaesche beim ALDI an Tagen verschwindet, an denen man sie dort wieder im Sonderangebot findet.
Als ich den Rechner in Herrn Ford’s Wohnung trage merke ich schon, warum er so ein Choleriker ist. Alles ist in grellen Rot-Toenen oder in Grau gehalten. Die Lichtsituation laesst einen zu emotionalem Eis erstarren und Fenster gibt es so gut wie keine. Ich bleibe vor Schreck stehen. Herr Ford reisst mir den Rechner aus der Hand und gibt mir mit einem “Geben Sie schon her!” zu verstehen, ich haette schon genug kaputt gemacht. Ich bin ueberrascht… ich haette nicht gedacht, dass er so zurueckhaltend und nett sein kann
. Nachdem wir sein Arbeitszimmer betreten haben, schliesst Herr Ford seinen Rechner gleich an den Strom an.. und schaltet ein. Es piept, ein Bild erscheint auf seinem Monitor und der Rechner geht aus… was dann passiert enbehrt jeglicher Logik: Herr Ford verstummt, tritt 2 Schritte zurueck und setzt sich in seinen Sessel. Er schweigt. Kein vorwurfsvoller Blick, kein Gebruell, lediglich ein zittern in seinem Mundwinkel. Es ist als haette ihn die Atmosphaere seines eigenen Heimes besaenftigt. “Sollen wir uns den Rechner mal von innen ansehen?” frage ich vorsichtig und bereit, hinter einem umherstehenden Moebel in Deckung zu gehen… noch traue ich dem Frieden nicht. Er aber nickt nur abwesend und zuckt weiter mit dem Mundwinkel. Vorsichtig ziehe ich den Schraubendreher aus meinem Werkzeug-Etui, die Bewegungen meines Gegenuebers immer im Auge behaltend. Keine Reaktion… nur weiterhin das nervoese Zucken in seinem Mundwinkel. Er hat mich ueberzeugt, keine Gefahr. Flink oeffne ich das Geraet, auf das Schlimmste vorbereitet. Die Seitenwand und der Deckel sind schnell entfernt.
Das Bild was sich mir bietet laesst mich tief durchatmen. CPU-Kuehler und Grafikkarte haben ihre angestammten Plaetze verlassen und sind innerhalb des Gehaeuses abgaengig auf Erkundungstour. Schnell untersuche ich die entsprechenden Halterungen auf Beschaedigungen… und atme auf. Keine nachhaltigen Schaeden. Ich setze die Hardware wieder ein, schliesse das Geraet erneut an und schalte ein… Das Zucken in den Mundwinkeln meines gebeutelten Kunden hoert schlagartig auf, als das Startlogo seines Betriebssystemes auf dem Monitor erscheint, ebenso verfluechtigt sich die wohlige Ruhe in seinem Verhalten. “Jetzt kann ich ihnen ja zeigen, was fuer ein Dreckshaufen dieses Geraet ist.”, faehrt er fort. Uebrigens ist das einzige was bisher verbrannt riecht der Schnurrbart des Herrn Ford, denn er spuckt wieder Feuer. Zumindest uebergeht er so spielend einfach die Tatsache, dass er um ein Haar seinen eigenen Rechner durch eine zu schnittige Kurvenlage zerlegt haette.
Nachdem der Rechner anstandslos gebootet hat und auch die Internetverbindung stabil mit 7.2kb/s eingemessen wurde erklaere ich ihm mit ruhiger gelassener Stimme, dass das bisher gezeigte Verhalten des Geraetes vollkommen normal ist und weder er, noch der Rechner etwas fuer diese Langsame Verbindung kann. Da ich meine Ruhe und Gelassenheit seinem Aufbrausen anzupassen versuche brauche ich fuer diese Erklaerungen mehr als 10 Minuten und da der Ausgang meiner Erklaerungsversuche ihn hoechst unbefriedigt laesst, erklaert er kurzerhand mich fuer schuldig: “Was fingern Sie da eigentlich die ganze Zeit an meinem Rechner herum? Meine Einstellungen waren doch alle in Ordnung?”. Naja… gut. Ich finde eine CD von Commundo im CD-Laufwerk und frage ihn ob er sie installiert haette… und er hat. Auf meie Frage, ob er darueber informiert sei, dass der Internetanbieter Commundo seit mehreren Jahren Lycos Online heisse und der beworbene Einheitenpreis von 1.8 Pfennig pro Minute auch schon seit spaetestens 2002 nicht mehr aktuell sei, reagiert er auf die gleiche Weise wie schon zuvor. erst faellt er in seinen Sitz zurueck, danach wieder ein kurzes Zucken mit dem Mundwinkel, doch er springt schnell wieder auf: “Ich weiss nicht was das damit zu tun haben soll, dass mein Rechner verbrannt riecht”. Aha. er lernt anscheinend dazu und versucht es mit der Verwirrungstaktik. Nach kurzem Schnueffeln erkenne ich jedoch keinen Brandgeruch in der Luft (von seinem lodernden Bart einmal abgesehen). Als ich ihn darauf hinweise bittet er mich, das Haus zu verlassen und mich Zwecks Besprechung der Rueckgabebedingungen fuer den Rechner zurueck in die Firma zu begeben – allerdings formuliert ER das etwas anders. Den genauen Wortlaut erspare ich euch lieber. Ich verrate euch allerdings dass die Worte “Scheissteil” “Arschloch” und “Chef” in engem Kontext zueinander stehend auftauchten, gefolgt von einem freundlichen “Raus hier!” als Verabschiedung.
Zurueck in der Firma hat Mike schon ein Auftragsformular fuer einen DSL-Anschluss in der Hand. “Er braucht nur noch zu unterschreiben”, fluestert er grinsend zu mir herueber, “Ich habe ihn schon fertig ausgefuellt”. Nie haette ich gedacht wie recht er hat.
Seid lieb zum Aussendienst, Auch zu dem der Telekom
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