Wenn man mal rausgeht…

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Nun… an einem beonderen Tag wie diesem steht man etwas eher auf um puenktlich bei der Firma zu sein. Der letzte Bürotag in alten Raeumen. Wie? Habe ich das vergessen? Wir ziehen um und ich habe Ausblick auf ein eigenes Büro! Aber das nur nebenbei… Ich stehe auf jeden Fall um kurz nach 9 vor der Firmentuer und wundere mich. Keiner da. Ihr muesst wissen, dass ich in dem Moment noch gar nicht weiss, dass es erst kurz nach 9 ist. Seit einiger Zeit trage ich keine Uhr. Nachdem ich im Laden über fuerchterliche Verrenkungen vor dem Fenster auf der Uhr die Zeit ablesen kann, entschliesse ich mich, doch erstmal zum Baecker zu gehen, bevor ich aufschliesse. Beim Baecker angekommen steht vor dessen Tür, ich muss dazusagen, mitten auf der Hauptstrasse neben einer sehr engen verkehrsinsel ein weisser Golf 3. Mein erster Gedanke ist, dass eine ältere Frau den Wagen beim abbiegen abgewuergt hat. Ausserdem haben aeltere Leute die Angewohnheit, wie bei diesem Fahrzeug auch, saemtliche Ecken rund zu kollidieren. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass saemliche Scheinwerfer am Fahrzeug ihr Schutzglas eingebuesst haben - oder zumidnest alle, die ich auf den ersten Blick sehen kann. Waehrend ich noch kopfschuettelnd das Auto betrachte, steigt aus der Fahrertuer eine undefiniert junge Frau aus. Ich schaetze sie eher auf 40, wahrscheinlich ist sie aber wesendlich jünger. Sie traegt ein pinkes Hemd, einen Jeans-Rock, unter dem eine schwarze hautenge Aerobic-Hose hervorlugt. Sie tippelt auf ihren Pfennigabsaetzen etwas unbeholfen richtung Baeckerei. Ich kann mein amuesiertes Grinsen nicht verstecken, als sie vor die Tuer rennt, auf der in grossen Buchstaben steht “Tür oeffnet nach aussen”. “Naja, vielleicht ist sie Farbenblind und kann die rot leuchtenden Neonfarben nicht erkennen”, denke ich bei mir. Als ich vor der Baeckerei stehe hat sie es inzwischen geschafft in die Baeckerei zu kommen. Ich werfe einen Blick in ihr Auto, aus dem mich ein kleines Baby anschaut. Die traurigen Augen sprechen deutliche Worte: “Weisst du was ich durchmachen muss?!”. Ich nicke…

Hinter dem Auto der Frau staut sich inzwischen der Verkehr. Kein Mensch in diesem Dorf wuerde um diese Uhrzeit wegen soetwas hupen… zumindest noch nicht. Die gequaelten Blicke der Autofahrer zeigen mir ein breites Spektrum an Emotionen. Von einem fluchenden Blick Richtung Sperrung bis hin zu betenden bis flehenden Blicken in den Fahrzeughimmel. Ich betrete die Baeckerei. Fuer mehr Mitleid fehlt mir so frueh am Tag der noetige Kaffee. Vor mir am Tresen stehen 2 aeltere Damen und unterhalten sich ueber den Tag. Die Bedienung hinter der Theke redet ein bisschen mit, waehrend sie ihnen das Fruehstuekc aus der Reichhaltigen Auswahl in die Tueten sortiert. Hinter den Frauen steht ein Herr im Anzug, der etwas aufgeregt von einem Bein aufs andere tippelt, dahinter eine Frau mit einem Kinderkorb in der Hand. Das Baby darin blickt mit den gleichen Augen wie das im Auto auf unsere Autofahrerin, die direkt vor mir und hinter der dem Baby steht. Die Auto-Frau, nenen wir sie Pinky, verschafft sich bei den dem Anzugtraeger und der Babytraegerin Gehoer: “Wuerden sie mich mal vorbei lassen? Sie merken doch, dass ich in Eile bin!”. Beide blicken etwas verwirrt drein. “Mein Auto steht mitten auf der Strasse”. “Ist das mein Problem?”, erwidert der Anzugtraeger und bestellt seelenruhig seine Broetchen. Die Frau mit dem baby tritt deeskalativ einen Schritt zurueck und laesst die Frau vor. Die beiden aelteren Damen mustern Pinky beim herausgehen mit einem Blick zwischen skeptisch und abfaellig.

Inzwischen hat der Herr seine Broetchen erhalten und kramt in seinem Portemonaie. “2 Cent… die habe ich doch noch irgendwo. Ich bin mir sicher.”. Man hoert deutlich den provozierenden Ton in seiner Stimme und auch die Kassiererin kann sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen. Pinky ist hochrot und langsam aber sicher faengt die pinke Bluse ihr zu stehen an - sie passt zu ihrem Gesicht. Was man allerdings nicht erkennt ist, ob sie vor Wut oder Scham rot anlaeuft, denn inzwischen bricht auf der Strasse doch das unvermeidliche Hupkonzert los. Der Herr im Anzug hat inzwischen 2 Cent aus seiner Hosentasche gezaubert und winkt damit der Kassiererin, die sie ihm aus der Hand nimmt und in die Kasse legt, als sei das 2-Cent-Stueck ein rohes Ei. Der Mann nimmt seine Broetchen und schlendert aus dem Laden. Er grinst dabei so breit, dass man fast denken koennte, er haette die Broetchen umsonst bekommen. Als Pinky nun endlich dran ist, bruellt sie der Kassiererin buchstaeblich die Bestellung ins Gesicht: “5 Quarkbroetchen, 3 davon in einer seperaten Tüte. 2 Müslibroetchen in die Tuete mit den 2 Quarkbroetchen und dann noch zu den 3 Quarkbroetchen 2 Schokocroissants. Natuerlich noch eine ‘Bild der Frau’. Ich zahle getrennt.”. Der Kassiererin faellt jeglicher Sinn fuer Humor aus dem Gesicht. Sie rekonstruiert gedanklich die Bestellung, packt alles in eine Tuete, einschliesslich der ‘Bild der Frau’, summiert an der Kasse auf und nennt den zu zahlenden Betrag. Pinky’s Gesicht wird noch einen Schlag roter. Sie wiederholt ihre Bestellung nochmal und betont das “in einer seperaten Tuete” lautstark. Die sonst nette Bedienung reisst eine weitere Tuete vom Haken, zerknuellt sie, stopft sie in die Tuete mit den Broetchen un der ‘Bild der Frau’. Sie nennt den Betrag +20 Cent. Pinky bezahlt mit einem mehr als unfreundlichen “Hier hast du!”-Gesicht und verlaesst unbeholfen tippelnd die Baeckerei. Nachdem die Frau mit dem Baby ihre Bestellun auch erhalten und bezahlt hat und ich mein Fruehstueck in Haenden halte verlasse ich die Baeckerei. Der Anblick der sich mir bietet ueberrascht mich kein bisschen. Pinky steht mit ihrem weissen Golf quer auf der Verkehrsinsel, Ihre Raeder haengen in der Luft und der Verkehr steht. Genuesslich beisse ich in mein Schokobroetchen und mache mich auf, die Welt zu retten… in den Laden.

Machts gut, bleibt hungig und alles Gute

euer Sternensucher

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