Wie aus der Not die Tugend wurde

oder: das Maerchen von der Treiber-CD.

Als Angestellter/Auszubildender mit Kontakt zum Einzelhandel im Bereich EDV (auch bekannt als Elektronische Devisen-Verbrennung) kommt man, wie es die Sache will, viel zu oft in Kontakt mit neuen Errungenschaften auf dem Markt. Diese, meist in den Computer eingebaut oder ueber - gaebe es diese schoenen und vor allem teuren Spielsachen nicht - voellig unnoetige Hochgeschwindigkeitsanschluesse mit diesem Verbunden, sind oft nur dann zu betreiben, wenn ihnen ein entsprechender Treiber zum Frasz vorgeworfen wird. Schon fast ohne es zu merken laesst der Windows-Benutzer vor Anschluss des Geraetes (oder in den Faellen, wo wir uns nacher meist nach den Regeln des im vorherigen Beitrag genannten Irrtums 1, 2 oder 4 treffen NACH Anschluss des Geraetes) die CD ins Laufwerk gleiten, um sich von den Werbeanimationen und bunten Installationsanleitungen, die der Hersteller ihm kostenlos dazuspendiert, berieseln zu lassen. Aber haben wir eigentlich vergessen wie es in Zeiten aussah, in denen der Platz auf Treiberdisketten noch begrenzt war? Wie war es damals in Zeiten der ersten Modems, wo die AT-Befehlssaetze und Eigenschaften des Geraetes noch von Hand in die Programme eingegeben werden mussten? Als Treiber schlicht unnoetig waren? Die Hersteller haben damals trotzdem Hardware verkauft. Und heute? Nehmen wir als Beispiel einen USB-Stick der Firma TrekStor. Der Stick - Packungsrueckseitig als Kompatibel mit Windows ME/2k/XP und Linuxbetriebssystemen Ausgewiesen - traegt zu unserer Überraschung was? Richtig! Eine suendhaft teure Treiber-CD im kleinen 8cm Format. Warum? Ein Blick verraet es uns. Werbematerialien und sog. Bonusprogramme (Shareware) werden uns angeboten, sowie ein Installationshandbuch (fuer eine vom Betriebssystem unterstuetzte Plug&Play/Hotplug Hardware). Fuer mich ein Einzeiler “Dranstecken, tut”.

Hardware, die schlicht keiner Treiber bedarf verursacht uns so Muell, Verwirrung und Kopfzerbrechen. Dem Hersteller, somit vor allem aber auch dem Kunden, verursacht dieser unnoetige Aufwand Kosten. Wuerde ich zaehlen, wie oft mich schon Kunden nach dem Sinn einer Treiber-CD gefragt haben, so muesste ich langsam Zettel und Stift zu Hilfe nehmen. Den Mehraufwand in Form von Kosten und Arbeitszat jedoch nimmt der Hersteller billigend in Kauf, weiss er doch schon, dass der Kunde, der das neu erworbene Geraet zuhause aus der Verpackung schaelt, fuer die Inbetriebnahme des selben als notwendig waehnt. Warum also nicht die Monitorflaeche des Kunden als Werbeflaeche nutzen, und diesen - waehrend man als Alibi ein bisschen Shareware installiert - seinen neu geweckten Begehrlichkeiten ueberlassen? Nichts wirkt als Kaufanreiz besser als ein “Diese Funktion, die Ihr Geraet noch nicht hat, erwerben Sie mit der naechst groesseren Version des Produktes.” - am liebsten noch in der Software, mit der das Geraet am Ende betrieben werden soll. Das gilt fuer Flachbildschirme und DVD-Brenner ebenso wie fuer Digitalkameras und Videokarten.
Liebe Kunden, wo bleibt eure Muendigkeit?

Mit diesen Worten wuensche ich euch einen schoenen Abend

Euer Sternensucher

One Response to “Wie aus der Not die Tugend wurde”

  1. starseeker says:

    Hmm… viel zu vergesslich dieser Sternensucher. Ich wollte eigentlich noch loeblich erwaehnen, dass Hersteller wie Toshiba und IBM/Lenovo sich inzwischen besonnen haben. Mit den meisten PC-Systemen und Notebooks liefern meide Hersteller selbst nun gar keine CDs mehr aus. Die Recovery CDs, die sich der Kunde selbst brennen kann sind weitestgehend frei von Werbung und Unnoetigkeiten - wahrscheinlich alleine um dem Kunden die Frustration zu ersparen, festzustellen, dass er gerade 7 Recovery CDs gebrannt hat, von denen er 5 nicht gebraucht haette, wenn man sich auf das Wesentliche beschraenkt haette :). Jetzt aber gut.

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