Guten Morgen…
“Man weiss ja nie, was noch kommt.” – und so ist es. Die letzte Nacht war die Hoelle. Nicht etwa, weil es ins Fenster geregnet haette oder ich durch irgendwelche unvorsichtigen Leute in meiner Umgebung gewecht worden waere, nein. Es kam schlimmer – und das schlimmste daran ist, dass ich nichtmal auf jemanden sauer sein kann
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Ich schlief gestern Abend relativ normal ein… genauer gesagt heute morgen so gegen halb 2. Ich hatte das Gefuehl, einen Grad Muedigkeit erreicht zu haben, der nicht so leicht uebertroffen werden kann und ging daher von einer problemfreien Nacht aus… ich haette nie gedacht, dass man sich SO irren kann – und was mich viel mehr ueberrascht – ich haette nie gedacht, dass man das nervtoetende geplerre eines Weckers so sehnlich erwarten kann.
Gegen halb 3 wurde ich ziemlich ploetzlich und unsanft wach. Warum weiss ich nicht mehr. Aber dieses Aufwachen war der Beginn einer grausamen Reise ins Ich.
- 2:30 – Nach einem Blick auf den Wecker seufze ich einmal tief und drehe mich zur Seite. Die Temperatur ist annehmbar, ich fuehle mich nicht durstig und EIGENTLICH ist alles in Ordnung. Als ich 10 Minuten auf der Seite liege und nicht einschlafe, drehe ich mich zur anderen Seite, wo mir das blaue Display-Licht des Radio-Weckers direkt in die Augen scheint. Ich schlafe wohl irgendwie recht zuegig wieder ein. – Was nun folgt ist eine zusammenfassung der Ereignisse, die sich meiner Erinnerung nach dann in meinem Kopf abspielen.
Zuerst einmal lag ich einfach irgendwann wieder wach… vielleicht 10 Minuten nach dem Einschlafen – und habe die Wahnvorstellung, ich muesse einige Microcontroller mit Software-gesteuertem Ethernet vernetzen. Diese fast unmoegliche Aufgabe haelt mich vom einschlafen ab… im Laufe des halbschlaflichen herumliegens variiert die Verbindungsart zwischen Ethernet, Infra Rot und Funk. Meine – rein gedanklichen – Versuche bleiben selbstverstaendlich erfolglos. Ich durchlebe allerdings sehr real die verschiedenen Phasen der Frustration, Resignation und Wut, die diese Art des erlebten Nicht-Funktionierens auch sonst in mir hervorbringen wuerde. Irgendwie bringe ich es dennoch fertig zu schlafen. - 3:00 – Das Wachliegen und die Gedanken an Microcontrollern weichen einem Wachliegen mit Gedanken an eine telefonanlage. Da diese Nudeln als Telefonkabel verwendet bleiben auch hier jegliche Versuche erfolglos, diese – wieder nur sehr real gedanklich erlebt – in Betrieb zu versetzen. Wieder und wieder erhaerten die Nudeln und brechen beim Abheben des Hoerers ab. Ich fange langsam an mich zu fragen, was mit mir los ist und gehe mit dem Restbewusstsein die letzten Stunden durch um eine eventuell vergessene Aufnahme von Betraeubungsmitteln auszumachen… diese Bemuehung verlaeuft allerdings aehnlich aussichts- und Erfolglos wie die Nudel-Verkabelung.
Ich doese in einem Spagettimeer vor mich hin – als einziger Trost bleibt, dass so die Telefone wenigstens schweigen. - ca 3:30 – Mein Koerper ist nun auch zu dem Schluss gelangt, dass etwas nicht stimmen kann. Dieser Ansicht gewahr, beschliesst er, mich ueber den Missstand zu informieren und meldet eine defekte Spannungsversorgung im linken Bein. Ich brauche 5 Minuten um zu realisieren, dass mein Bein keine Spannungsversorgung besitzt. Mein Koerper ist anderer Ansicht und laesst mich das innere meines Beins visualisieren. In gedanken schwebt ein Knochengeruest vor meinen Augen, um das herum Platinen angeordnet sind. in der Mitte steckt ein halb verdampftes VRM. Ich wehre mich nur maessig gegen den Gedanken aus Elektronik zu bestehen – ja, im Verlauf der naechsten Minuten scheint sogar der Gedanke plausibel, ich muesse noch andere Hardware bei mir am Koerper tauschen … Die Skurrilitaet dieser Vorstellung verleitet mich dazu einen memtest durchzufuehren, waehrend ich mein anderes Bein mit einer Post Code Karte versehe.
Zum Glueck schrecke ich wegen einer Katze draussen auf. Ich gehe ins Bad, tauche mein Gesicht in Kaltes Wasser, besuche kurz das Klo und nehme einen kraeftigen Schluck Wasser. Manchmal hilft das ja… - gegen 4:30 – Wasser und Elektronik, ich haette wissen sollen, dass das nicht gut geht. Ausserdem hat mich das kuehle Wasser jetzt erst so richtig wach gemacht. Ich liege da, eine geschlagene Stunde und beobachte die Deckenprojektion meines Radioweckers waehrend mit die Musik durch den Kopf geht, die ich in den letzten Tagen produziert habe. Ich beschliesse, dass die Decke nicht sehr interessant aussieht und setzte mich an meinen Schreibtisch. Von dort aus starre ich eine volle Stunde alles andere als muede einfach aus dem Fenster in die Nacht. Dann schlaegt mich ein Anfall von Muedigkeit nieder und noetigt mich, erneut das Bett aufzusuchen. Auf der Suche nach Schlaf rolle ich mich in die Decke ein und schliesse die Augen… weitere 30 Minuten vergehen, ich mache die Augen wieder auf und stelle fest, ich habe immernoch nicht geschlafen.
- 6:00 – Erneut raffe ich das Kopfkissen auf, die Voegel singen bereits. Ich drehe mich mit dem Gesicht zur Wand und grabe mich so tief es geht in das Bettzeug. “Weiche Licht!” denke ich, waehrend erneut die Zeit vergeht. Nichts ist frustierernder, als da zu liegen und zu warten, dass die Zeit vergeht ohne das etwas passiert. Es macht das Bett, welches sonst so angehem und gemuetlich ist zu einer einsamen Insel von der man fluechten moechte. Dazu kommt die Wut, dass einen so ideotische Wahnvorstellungen vom Schlafen abhalten. Als ich eine weitere halbe Stunde mit herumwaelzen und Augen auf – Augen zu verbrachte habe, doese ich wieder ein wenig weg. Dieses mal meint mein Koerper, es handele sich bei der Schlafstoerung um ein Software-Problem und schlaegt eine automatische WIederherstelung unter Zuhilfenahme der Installationsdatentraeger vor. Ich verwerfe den Gedanken und versuche im Geiste eine manuelle Dateisystempruefung. Ja meine Freunde, ich habe tatsaechlich einen fsck vor Augen, waehrend ich versuche zu schlafen. Und Ja, in diesem Moment scheint es mir real, dass ich meinen Kopf auf Dateisystemfehler pruefe. Naja, wo soll ich auch Installationsdatentraeger einlegen, was? Hiermit verbringe ich eine weitere Stunde, in der mehrere frustrierende fsck Versuche wegen Blockfehlern fehlschlagen.
- 7:00 – Nach einer kurzen Wachphase von etwa 15 Minuten, in der ich mich davon zu ueberzeugen versuche, dass ich weder eine Spannungsversorgung noch ein Dateisystem zum existieren benoetige und dass ich tatsaechlich NICHT aus PC-Hardware bestehe, schlafe ich endlich ein… bis um etwa 8:30 mein Wecker die viel zu kurze Nacht beendet… einerseits bin ich froh, abdererseits haette ich gut noch die ein oder andere Stunde schlaf ertragen koennen.
Dies schreibe ich euch quasi am fruehen Morgen des Mittwoch… ich hoffe – rueckblickend auf diese Katastrophe – die folgende Nacht verlaeuft angenehmer .
Ich wuensche euch allen eine angenehme Nachtruhe… kommt gut in den neuen Morgen.
Euer Sternensucher.