Blumen im Kopf
Monday, August 27th, 2007Hallo…
es war wieder einer dieser Tage, an denen man nichts so wirklich toll findet, jede Idee einem eigentlich auf die Nerven geht und man sich in seinem Kopf einmauert - einer dieser Tage, wo man sich eine Fernbedienung mit Vorspulknopf wuenscht, weil eigentlich NICHTS so ist wie es sein soll, trotz allem zweifelnd ob das wohl helfen wuerde. An diesem Tag - dem vergangenen Samstag - habe ich mich dann mal widerwillig dazu entschlossen, mir einige Netlabel releases anzuhoeren, die ich vor einigen Wochen mal in einer Bulk-Aktion heruntergeladen hatte. Nach einigen hinauf und hinabscrollen sprang mir der Name Miasmah ins Auge… eventuell habe ich den letztens in meinem Beitrag ueber “Nest -Nest” erwaehnt. Zufaellig waehlte ich einige Releases aus, einiger Dub war dabei, etwas Minimal und eine winzige Portion Ambient… nicht gerade das, was ich mir vorgestellt hatte in diese Situation.
Meine Reise endete vorerst bei der EP “mia049 - aphilas - Instumentally Ill”. Diese angespielt konnte ich meine Ueberraschung kaum verbergen. Hatte ich etwa aus versehen doch die Groove Salad Playlist aufgemacht? Was zur Hoelle war das? Freudig erschreckt ueber die mir sanft entgegenwehenden erfrischend unelektronischen Klaenge blieb ich erst bei diesem Release. Charakterisieren laesst es sich schwer - es schwankt mit seinen lebendigen, trotz allem unhektischen Grooves, den geborgenen Harmonien und einer Stimmung zwischen “Sonnenuntergang” und “Standkulisse”, den verwendeten Jazz-Instrumentarien und der Entwicklung ueber die 6 Tracks zwischen Chillout-Downtempo und Textless Hip-Hop.
“Lifelong Fiction” beginnt die etwa 30 Minuten lange Reise mit einer ruhigen getragenen Stimmung, die von Strings, E-Piano loops und einfachen Gitarren bestimmt wird. Kleine Stimmeinlagen beleben die Mischung. Mit “That’s just what it’s for” fuehrt man - die Stimmung erhaltend - weiter in diese Richtung. Anleihen aus Jazz und die weiterhin sehr treffenden Vocal-loops - eher ungewoehnlich auf meinem bisherigen Weg durch die Netlabel - heben diese Musik in ein Genre, welches mir liegt. “collective memory loss” intensiviert die Elemente aus Jazz und Hip-Hop. Sax- und Synthie Melodien treiben dieses etwas schnellere Stueck durch die kirzen 3 Minuten. “remain solid” Ein Aufruf? Die Atmosphaere zumindest bleibt “solid”, jedoch wird mit weniger melodischen Elemten eher auf den Beat gezeigt. Nach 4:30 fuehrt diese Reise in ein Stueck namens “blind matador techniques”, das wieder deutlich auf die Hip-Hop-Wurzeln dieser EP. Die leicht verstimmten Synthie-Background-Pads und eine eingaengige Klarinetten-Linie setzten auf dem immernoch sehr tragenden Beat und den Gitarrenriffs auf und schweben leichtgaengig daher. Die leider viel zu kurzen 4 Minuten sind der einzige Haken an diesem Lied :/. Die Reise endet in einem Stueck namens “the dubbed coil of smoke”. Zu einer passenden Uebersetzung bin ich nicht gekommen. Es scheint das ruhigste der Stuecke zu sein. Obwohl es auch einen sehr durchgaengigen Beat besitzt, koennte man es wahrscheinlich ohne weiteres auf Space-Night spielen. Tragende Vocals und Synthie-Pads werden ohne hemmungen mit Jazz-Trumpet-samples verquirlt. Emuliertes Vinyl scheint uns entgegen - und auch der gegen ende etwas in Rage geratene Schlagzeuger vermag uns die vertraeumtheit nicht zu nehmen, die wir so lieb gewonnen haben. Was macht man nur mit so einer EP? Herunterladen. Unter http://www.archive.org/details/mia049 findet ihr das liebenswerte Release (kostenlos) zum Download.
Mit dieser EP hat sich ‘aphilas’ zweifelsohne direkt in mein musikalisches Gedaechtnis gespielt und wird mich nicht mehr los. Fuer mich immer wieder ein Grund zu suchen sind genau diese EPs, die einen hinterruecks anfallen und stundenlang fesseln, auch wenn sie viel zu wenige Minuten dauern. Der Ansicht sind auch einige Kommentator(inn)en auf archive.org. Hier liest man zum Beispiel:
I hate do be a bandwagon jumper but this album is great! Great trip hop, chill out sound to it–interesting loops, much more professional sounding than most netlabels releases. — mmdanziger
this release had me hooked at the first song. i cant stop swaying and bobbing my head. in fact– i think im gonna have to stop writing because i cant see the screen well enough– the music is just moving me too much. — Jon Drews
if you have read the other reviews, you should know that you need to download this ep now! this is absolutely essential netaudio listening. one of my favorite releases ever! great grooves - very unique and original. — electrocelt
Und etwa diese Art Reaktion muss es gewesen sein, die einige Leute bei m3erck records dazu bewog, diese EP als LP auf echtem Vinyl zu veroeffentlichen. Ein Segen fuer alle, die an der Nadel haengen. Unbekannt ist mir allerdings, ob man noch eines der 1500 limitierten Exemplare bekommen kann :). Findet es heraus.
