Naja, kennen tut das bestimmt jeder Mensch, der schon einmal mit der Bahn gefahren und zu spaet gekommen ist. Man ist sauer, hat eventuell einen Anschluss verpasst und vermutlich verpasst man dadurch einen Termin, der - schlimmstenfalls - existentiell ist. Wenn das nicht der Fall ist, dann regt man sich zumindest maechtig auf, und macht seinem Aerger, unter Umstaenden noch auf dem Bahnsteig - oder noch besser - noch im betroffenen Zug lautstark Luft. Was man jedoch lassen sollte ist, sich zu lange mit dem Δrger aufzuhalten, vielleicht moeglich ganze 30 Minuten. Wozu das fuehren kann im einzelnen:
12:46 am Hauptbahnhof Duisburg. Der Regionalexpress von Wesel nach Koblenz hat gerade einen teil seiner Passagiere auf den Bahnsteig gespien und setzt sich - behaebig wie ein grosser langer roter Drache wieder in Bewegung. Einige der Fahrgaeste wuseln hektisch auf dem Bahnsteig herum, andere lassen sich - der Wartezeit auf den Anschluss entgegenblickend - auf den blitzblanken baenken nieder, diese vorher peinlich betastend. Ich beobachte das Treiben von Bahnsteig 5/6 aus quer durch den Bahnhof, waehrend ich mein lang ersehntes Mittagessen geniesse - und ja.. ich geniesse es wirklich. Hinter mir an meinem Bahnsteig hat sich - vor 2 Minuten sehr puenktlich - die Reginalbahn von Duisburg nach Moers in Bewegung gesetzt.
Ich sitze unfern der Notruf- und Informationssaeule, an der Reisende sowohl Trost, als auch Informationen erhalten - bestenfalls sogar welche, die sie weiterbringen. Trotzdem es am Bahnhof recht laut ist, hoere ich den Teil eines Gespraeches mit, dass ein Kunde der Deutschen Bahn mit der noch sehr hilfsbereiten Dame am anderen Ende der Leitung fuehrt. Ein Gedaechtnisprotokoll:
Er: Es ist eine Frechheit wie man als Kunde der Deutschen Bahn behandelt wird. Der verdammte Zug haette warten muessen! Das kann doch nicht sein, ich moechte nicht meine gesamte Zeit auf Bahnhoefen verbringen!”
Sie: Mit welchen Zug sind sie denn gekommen?
Er: Mit dem Regionalexpress von Wesel nach Koblenz. Ich kam an um 12:40, eigentlich, und tatsaechlich bin ich um 12:44 hier gewesen.
Sie: *tippertipper* Und sie muessen weiter nach…?
Er: Moers… nach Moers… und der Zug hat nicht gewartet!
Sie: *tippertipper* Sie meinen die Regionalbahn nach Moers um 12:44? Tatsaechlich hat sie den Bahnhof puenktlich verlassen. Was ist jetzt Ihr genaues Problem?
Er: Na wollen Sie mich nicht verstehen? Ich haette den Anschluss ohne Probleme bekommen, wenn der Koblenzer puenktlich gewesen waere. Da kann so ein Zug doch mal 2 Minuten warten!
Sie: *tipper* Da sind ja nur 4 Minuten zwischen Abfahrt und Ankunft. Das ist also gar kein Anschlusszug.
Er: Das heisst? Soll ich den in Zukunft dann nicht mehr nehmen?
Sie: Nein, das meinte ich nicht. Das bedeutet nur, dass er auf keinen Fall warten wird. Von einem Anschluss redet man, wenn der Zug mindestens 5 Minuten nach planmaessigem Eintreffen des Vorgangszuges abfaehrt. Sie haben also keine Chance, dass der Niederrheiner um 12:44 auf Sie wartet.
Er: Ja und jetzt? Jetzt stehe ich wier wieder bis in alle Ewigkeit herum und weiss nicht was ich machen soll…
Sie: Zunaechst mal koennen sie sich noch ein paar Momente mit mir unterhalten, dann kann ich Ihnen das nocheinmal in Ruhe erklaeren. Alternativ gehen Sie nach unten in den Bahnhofsbereich und beschweren sich schriftlich an der Beschwerdestelle. Die Adresse erhalten Sie dort am Schalter
Er: Das kann doch nicht wahr sein. Warum wartet so ein bloeder Zug nicht? Was ist das denn fuer eine Logik? Wo bleibt denn da der Service, wenn alles nur noch nach Plan laeuft.
Sie: Wir koennen uns auch noch Stunden darueber unterhalten, es bleibt dabei. Der Niederrheiner wartet nicht und wir drehen uns im Kreis.
Er: Guten Tag.
Sie haengt ein.
Nachdem er das Gespraech mit der - nicht aus der Ruhe zu bringenden - Bahnangestellten beendet hat, stuermt der Mann zur Beschwerdestelle.
Kurz darauf, etwa um 13:02, also etwa 8 Minuten vor Abfahrt des naechsten Niederrheiners ueber Moers nach Xanten, merke ich, dass ich keine Fahrkarte habe und begebe mich Richtung Automat in die Vorhalle. Dort sehe ich, waehrend ich den Automaten mit meiner EC-Karte fuettere, wie der Mann wild gestikulierend dem Mann am Schalter auf die Pelle rueckt. Auch dieser bleibt freundlich aber deutlich und erklaert dem Mann den Sachverhalt. Genaueres kann ich aber nicht verstehen. Der Angestellte legt ihm einen Vordruck vor die Nase und der Mann beginnt wie wild darauf herumzuschreiben. Ich nehme meine Fahrkarte um 13:07 aus dem Automaten und bewege mich Richtung Gleis.
Als ich einen Platz um Zug fuer mich gewonnen habe, setzt sich der Zug wieder in Bewegung. Im Augenwinkel sehe ich den Mann etwa 5 Sekunden zu spaet auf den Bahnsteig stuermen. Er gestikuliert und rudert mit den Armen - auch wuetende Schreie hoere ich. Ob die Dame in der Info-Saele nun immernoch freundlich bleibt? Der Mann zumindest muss auf den naechsten Niederrheiner um 13:44 nach Moers warten.