Eine kleine Kurzgeschichte…
“Es geht bargab”, sagte Markus mit einem bedaechtigen blick auf das die Glasschale vor ihm auf dem Tisch, in der ein Himbeer-Eis mit Sahne vor sich hinschmolz. Darun herumstochernd seufzte er tief und stuetzte den Kopf auf dem linken Arm auf. Birte und Michael sahen sich fassungslos an. “Was ist los, Markus? Du bist doch sonst immer so lebhaft.”, durchbrach Birte Markus’ Monolog. “Genau! Dein Eis ueberlebt sonst nichtmal eine Minute…”, frotzelte Michael dazwischen. “Ach wisst ihr, was soll der ganze Mist eigentlich? Morgends steh ich auf, gehe arbeiten, komme Abends nach Hause. Der einzige der mich gruesst ist der Kaktus im Flur… und das auch nur, weil er so verdorrt ist, dass der Luftzug ihn zum Wackeln bringt…”. “MEIN Kaktus?”. Birte war sichtlich schockiert, “Den habe ich dir letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt!”. Markus seufzte nocheinmal. “Sag mal, was erhoffst du dir in dem Eis zu finden? Du sollst das ESSEN, nicht darin herumbohren.”, meinte Michael mit einem ueberzeichnenden Tonfall. “Was solls denn? Ihr sitzt hier mit mir und ich frage mich ‘Warum eigentlich?’ und das tue ich mit allem was ich tue. Warum tue ich ueberhaupt irgendwas?”. “Man KANN nicht nichts tun.”, Birte war ueberzeugt, diese Feststellung muesse Markus aufmuttern - welcher sich hingegen nur zu einem erneuten Seufzer aufraffen liess. “Die Phantasie ist viel interessanter”, sagte Markus, inzwischen tief in Gedanken versunken, “wenn man sich mal so ueberlegt, was man sich alles vorstellen kann. Man braucht nichts tun ausser sich hinzusetzen und zu traeumen, ploetzlich ist alles moeglich”. “Na und dann?”. Michael schien Markus’ Meinung nicht zu teilen, “Was bringt dir das dann?”. “Ich sitze da und brauche nichts tun. In meinen Gedanken ist alles moeglich, weisst du? Wenn man diese kleine Wahrnehmungsgrenze ueberwinden koennte, die Phantasie in einem real wuerde, dann…”. “Du hast doch ne Macke!”, unterbrauch Michael, “Was soll das bringen? Davon wird die Welt auch nicht besser…”. “Deine vielleicht nicht, meine…” - “Sag ich doch!”, fiel Michael Markus erneut ins Wort. “Lass ihn doch mal ausreden mensch, unser Freund steckt in einer Krise…”. Birtes Ironie war kaum zu ueberhoeren. “Ihr haltet mich fuer wahnsinnig oder? Wenn der Traum so real wird wie die Realitaet…” - “Du hast es erfasst”. Wie aus einem Munde stimmten die beiden Markus zu, der noch immer in seinem inzwischen verfluessigten Himbeereis herumfuhrwerkte, den Kopf haltend als drohe er im naechsten Moment abzufallen. “Ihr seid doof. Was ich meinte ist: Wo ist denn der Unterschied? Wenn es in meinem Kopf wahr ist und ich akzeptiere dass es dass es wahr ist, was ist so falsch daran?” “Nichts… eigentlich. Aber was haben wir davon? Oder anders gefragt: was hast du davon?”, Michael schien noch immer nicht zu begreifen. “Ich sage doch, wo ist der Unterschied? Wenn es mir reicht?”, schom Markus nach. “Och Markus… du weisst doch, dass wir fuer dich da sind.” - Birtes letzter Versuch Markus zu troesten. “Ihr begreift es einfach nicht… ihr begreift es einfach nicht.”. Markus stand kopfschuettelnd auf, trug seine Himbeersuppe zum Tresen, zahlte und verliess das Lokal, Birteund Michael zuruecklassend, die sich Schulterzuckend Blicke zuwarfen. Dann oeffnete er die Augen, stand auf und verliess den Zug - den Geruch von Himbeeren noch immer in der Nase.
… Danke, euer Sternensucher.
