Archive for November, 2008

Was ist schon ein einzelner Affe…

Wednesday, November 26th, 2008

… in einer Herde von Katzen?

Wenn ich den Tag heute betrachte, dann frage ich mich, warum er ueberhaupt stattgefunden hat. Ich fuehl mich sche***e und es ist, als waeren die letzten Jahre irgendwie ueber Nacht… oder mitten im Satz verpufft. Wie koennen einen 2 Gedanken, die sich scheinbar in der Warteschlange vor meinem Bewusstsein unterhalten und spontan verstanden haben, einen Gedanklich in eine Zeit zurueckversetzen, die – gefuehlt – mehr weh tut als in dem Moment in dem sie eigentlich stattfand? Und verdammt nochmal, wo kommt das ganze Wasser auf einmal her!?

Es scheint so zu sein, dass diejenigen Menschen, die einem mit aller Kraft nicht weh tun wollen es genau durch den Versuch schaffen eben das abzuwenden. Murphy hat dafuer zwar kein Gesetz, aber es kommt dem sehr nahe. Was du sagst ist falsch, so gut du es meinst. Und eigentlich hat ja niemand etwas gesagt, also ergaenzen wir das ganze mal um ein “… oder nicht sagst …” und stellen es in den Raum. Und da wird mir klar, dass diese Phase des Nichts-sagens nunmehr viereinhalb Jahre andauert. Bedauerlich, es kann allerdings noch nichtmal jemand etwas dafuer, aber wahr: Ach das ist doch alles ein grosser Haufen Sche***.

Es scheint als stuende heute, an dem Tag an dem ich eigentlich mit meinem wenigen geliebten Mitmenschen ein wenig zusammensitzen sollte – am besten mit einer Kanne Tee am See und mit einem besonders geliebten Menschen an der Seite – das Motto ueber allem: “Gedanken ueber Dinge, die jetzt nicht mehr gehen”. Torschlusspanik? Reue? Es ist die Melancholie die mich Bedrueckt und mit der ich zurueckblicke, es ist der Rueckblick, der mich wuetend macht auf meine langst vergangene Reaktion, auf meine vor mir selbst ruecksichtslose Vorsicht, Schuechternheit und Angst, die Dinge beim Namen zu nennen. Vielleicht habe ich gedacht “Bevor du jetzt was falsches machst, mach lieber gar nichts, das wirst du schon ueberstehen.”, und stehe jetzt, nachdem fuer alle anderen beteiligten Personen die Dinge laengst geklaert sind vor dem Problem, dass bestimmte Fragen jetzt nicht mehr beantwortet werden koennen/wollen/sollten. Zumindest habe ich das Gefuehl, eine einmalige und ueberlebenswichtige Chance verpasst zu haben, eine Antwort zu erhalten – die Frage ist mir allerdings selbst bis heute nicht halb so klar wie diese Einsicht.

Ich habe selten so sehr wie heute das Gefuehl gehabt, einige Jahre meines Lebens vertan zu haben – Erfahrungen, Gelegenheiten, Katastrophen und Niederlagen eingeschlossen. Waehrend andere lebten, liebten und weiterlebten, mit der Chance das alles als jugendlichen Leichtsinn oder eine verspielte Schwaermerei abzutun sass ich in meinem Kaemmerchen und legte Wert auf andere Dinge – wurde zu dem Menschen, der erst heute merkt, welche Chancen er vertan hat und sich auch sonst viel zu vieler Dinge bewusst wird. Manchmal ist es ein Segen, manchmal ist es ein Fluch.

Meistens ist es ein Fluch. Dabei ist da nichts was offen ist. Alles ist quasi gesagt, ist zumindest vertanden – wenn auch wortlos – und akzeptiert worden. Diese Halde der Gedanken gehoert mit einem Schild versehen: “Schoen anzusehen und unglaublich schoen erlebt zu haben, aber keinesfalls zur Wiederholung empfohlen” – nicht zuhause nachmachen Kinder.

Und dann frage ich mich, was mir mein Leben damit sagen will, wenn der eine Wunsch den ich habe mich davon abhaelt eine Phase in meinem Leben zu geniessen, die schon in ein paar Monaten unwiederbringlich vorbei sein kann. Nichts laesst einem diese Frage so klar werden wie wenn einem die Leute gratulieren, dass man schon wieder ein Jahr aelter ist. Die klare Tatsache, dass es nicht wenige Monate, sondern noch viele schoene Jahre sein koennen, erscheint – aus welchem Grund auch immer – so gering, dass sie es nur in diesen Text, nicht aber in mein emotionales Bewusstsein schafft. Und es koennten so schoene Jahre werden wenn diese Chance es in mein Bewusstsein schaffen wuerde. Na? Merkt ausser mir noch jemand den Teufelskreis, die Zwickmuehle, die besch***ene Sackgasse in der ich mich die letzten viereinhalb Jahre so haeuslich eingerichtet habe? Klasse! Alle habens gemerkt, sogar ich…  nur mein besch***enes Bewusstsein kriegt die Kurve einfach nicht.

Und das ist noch nicht alles. Als waeren Gedanken nicht schon schlimm genug: Einsamkeit ist ein schlechter Ratgeber. Einsamkeit fuehrt zu Einsamkeit fuehrt zu… moment, das hatten wir schon. Gibts in dem Leben hier keinen Rueckwaertsgang? Wo ist die verdammte Bedienungsanleitung mit den Garantiebedingungen. Irgendwas ist da naemlich kaputt. Auf jeden Fall fuehrt Einsamkeit zu Dingen die man besser lassen sollte. Selbstmitleid, Schuld, Verzweiflung… und dann kommt Vernunft… DER Ratgeber ueberhaupt daher und fuehrt mit meinem einsamen Ich einen Dialog:

V: Hallo Einsames Ich.
E: Hallo Vernunft.
V: Du bist vollkommen auf dem falschen Dampfer da mit deiner Situationsbewaeltigung
E: Hoe?
V: Einsam wird man durch Einsamkeit. Das einzige was du da machst ist deinen Selbsterhaltungstrieb stillen, damit dein Gewohnheitsmitleid nicht abhanden kommt.
E: Bitte?!
V: Jo. Schau dich doch mal an.
E: Ja, ich bin wie ich bin.
V: Und fuehlst du dich gut dabei?
E: Bist du dumm? Natuerlich nicht!
V: Na dann… GEH RAUS und triff Menschen.
E: Ich hab keine Lust, ich bin unmotiviert und fuehle mich schwer.
V: Ach nee.
E: Und jetzt? Sprachlos oder was?
V: Nein, ich warte dass du aufstehst… und ich mache dir ein schlechtes Gewissen.
E: Und dann? Willst du mich weichkochen?
V: Nein, ich warte bis du nicht mehr anders kannst.
E: Ich kann dich gar nicht hoeren… lalalalalalaaaa und doof bist du auch.

Und alles was man davon hat ist Einsamkeit und ein schlechtes Gewissen. Ein Gefuehl wie ein rostiger Fiat in einem Neuwagenhandel… “Waer ich doch zumindest mal zum lackieren gegangen… ich koennte immernoch…” und gleichzeitig: “Ach es ist doch eh zu spaet… aber so will mich ja auch keiner.” … und man hoert ja auch nicht auf zu rosten wenn man im Regen steht, im Hinterkopf zu allem Ueberfluss auch noch die Angst, was einem als rostige Muehle alles so passieren kann, wenn man dann doch aus Versehen jemanden findet der einen haben will… oder was man diesem jemand ganz aus versehen antut… man weiss es ja nicht besser.

Und genau waehrend du das hier liest – wer auch immer du bist – genau in diesem Moment mache ich das was ich immer mache. Genau dieser Text bringt micht zum rosten, macht mich angreifbar, schwach und unattraktiv. Und trotz allem kann ich ihn nicht drin behalten. Sag mal, merk ich noch was? Anscheinend nicht – nicht mal heute.

Und nur nochmal, damit wirklich keine Fragen offen bleiben bei dieser einen Person, die sich angesprochen und angeklagt fuehlen koennte: “Du hast alles richtig gemacht. Ich komm nur nicht damit klar.” – und ich mag dich auf so unglaublich viele Arten, dass du es dir mit mir wohl kaum verscherzen kannst und moechte das auch nicht aufgeben – wenn auch nur als Freund.

Eine gute Nacht wuenscht

der Sternensucher.

Vergessen…

Wednesday, November 26th, 2008

Der Moment in und das Gesicht mit dem sie vor ihn trat, sollte sich tief in sein Gedaechtnis einbrennen – und es fuehlte sich auch in etwa so an als wuerde er das gerade tun. Irgendwo zwischen Schmerz und Kummer war er gerade dabei den Verstand zu verlieren. Hatte sie das wirklich gerade gesagt? Na sicher hatte sie, nur warum? Wer haette noch gestern gedacht, dass soetwas ueberhaupt moeglich sei – sie kannten sich schliesslich nicht erst seit gestern und er kannte ihre Mimik vermutlich so gut wie sie seine – zumindest glaubte er das. Nicht zum ersten mal wuerde es Streit geben und nicht zum ersten mal haette er lieber in einem Loch im Boden gehockt als mit dieser Situation konfrontiert zu sein. “Wir muessen reden” hatte sie gesagt. Und nach allem was er wusste sollte nun, keine 2 Sekunden nachdem sie den Satz vollendet habe der beruehmte Folgesatz kommen: “Es ist aus.”. “Nein Nein Nein”, dachte er sich und fummelte in Gedanken an dem Pflock der in seinem Herzen steckte. Er konnte die Schmerzen nicht mehr ertragen. Wenn jetzt auch noch die schoenen Momente der letzten Jahre an ihm vorueberzoegen… da waren sie schon. “Oh mein Gott”, dachte er weiter, “Es ist vorbei”.

Aus ihren Augen sprach der Wahnsinn der Unmittelbarkeit und als er hineinsah hatte er Muehe, jenes Strahlen aus den Augenwinkeln zu erkennen, dass ihn damals dazu gebracht hatte, sich naeher mit ihr zu beschaeftigen. Hatte sie wirklich allen Eindruck, allen Ausdruck verloren oder war das nur wieder so ein Gefuehl? Es war nicht zu ertragen. In Zweifeln versunken schabte er all seinen Mut zusammen und fragte: “Worueber?”. In ihren Augen formte sich Wut, Verwunderung und purer Aerger. Ihr nachdenkliches Gesicht formte eine eindrucksvolle Emotionswand, die unerbittlich auf ihn zu schoss. Gleich wuerde sie ihm Vorhaltungen machen, warum er denn nicht wisse worum es geht, gleich wuerde sie ihm vorwerfen, ER sei unfaehig ein geregeltes Leben zu fuehren und nicht in der Lage Probleme zu erkennen. Ausserdem wuerde sie sagen er sei auf noch ungefaehr 200 weiteren Gebieten vollkommen unterbelichtet und ohnehin haette es ja anscheinend viel zu wenig Sinn ueberhaupt ein Gespraech mit ihm fuehren zu wollen – ueber etwas wichtiges. Genau so wuerde es kommen, jawohl!

“Du hast es vergessen?”, sprach ihr Mund, der rest von ihr bliebt vollkommen bewegungslos, nichtmal ein Blinzeln. Ihre Worte waren wie der Geruch aus dem Kuehlschrank, kalt und unangenehm. Sie drangen tief in seinen Kopf, an die Stellen an denen er Dinge vergrub, die er gerne vergessen wollte, aber es nicht schaffte. Er fuerchtete, es sei wieder so eine Frage, auf die er nur die falsche Antwort wuerde geben koennen. Ein “Ja” waere ein katastrophales Eingestaendnis seiner Schuld und seines Vergessens und wuerde nur bestaetigen, was er dachte was sie dachte. Ein “Nein” waere eine glatte Luege – auch wenn er ja nichteinmal wusste wovon die Rede war. Zumindest hatte sie nicht “Es ist aus” gesagt – schonmal ein grosser Stein, der von seinem Herz stuerzend ein lautes Poltern in seinem Inneren verursachte – so erstickend leise war es. Aber was nun? Sie starrte immernoch fragend, ja fast drohend auf seine Augen, abwechselnd auf das linke und das rechte – kontrollierend, so als wolle sie verhindern, dass eins von beiden vielleicht die Flucht aus dem Raum in Betracht zoege. “Ich habe nichtmal eine Vorstellung, worum es geht”, sagte er. Ohne dass sich ihre Mimik wirklich zu aendern schien, bildeten ihre Mundwinkel ein unterschwelliges, ja fast diabolisches Laecheln aus. Ihr ganzes Gesicht, ja ihr ganzer Koerper sprach “Klar!”, ja bruellte es geradewegs in sein Gesicht. Er gruebelte erneut, warf alle Gedanken durcheinander, brachte alle auf einen Haufen und begann sie nach und nach wieder zu sortieren. Er driftete ab und sie, sie hielt ihn im Auge – liess ihn zappeln. Ihr Geburtstag? Nein, der ist schon was her, noch kein ganzes Jahr, aber fast. Ein Termin mit irgendjemandem? Er konnte sich nicht an einen Termin erinnern – zumindest keinen, der so wichtig gewesen waere. Die Gedanken rasten durch seinen Kopf – und waehrend sein Gesicht nun eher verzweifelte und schwer gruebelnde Zuege annahm, zeigte ihres weiterhin keine Regung – bis auf das kontrollierende Patroullieren ihrer Augen auf seinem Gesicht.

“Du hast es echt vergessen, oder?”. Er stand da, einen Gedanken in beiden Haenden haltend, das Elend der Welt in den Augen und ein Gesicht, dass nichts deutlicher tat als schoneinmal im Vorhinein um Verzeihung zu bitten. Er hatte nichts gesagt, sich nicht getraut auch nur zu fragen worum es ging. Statt dessen stand er da, wuehlte in Gedanken und hoffte, sie wuerde zuerst aufgeben und den Raum verlassen. “Ich hab es mir gedacht”, schob sie nach und lockerte ihr strenges Gesicht ein wenig, “du hast es wirklich und ehrlich vergessen.”. “…. Anscheinend”, sagte er und seine Einsilbigkeit war ueberwaeltigend. Waehrend sein Mund diese Botschaft der Aufgabe von sich gab, war auf seinem Gesicht kein Zeichen der Resignation zu erkennen, nein eher ein verzweifeltes Fragen. Er sagte dennoch nichts und hoffte noch immer auf ein Zeichen von ihr. Ihr Ausdruck machte einen Wandel von Drohung zu Mitleid, sie seufzte und nahm ihn in den Arm. Er wusste nicht was er sagen sollte, entgleiste innerlich und obwohl sich seine Hoffnung auf selbststaendige Loesung des Problems fast noch besser erfuellt hatte als er zu hoffen jemals gewagt hatte, wagte er nicht, es als beendet hinzustellen. “Alles gute zum Geburtstag”, sagte sie und drueckte ihn nocheinmal an sich. Sie nahm ihn bei den Schultern, schaute ihm mit einem zufriedenen Gesicht in die noch immer vollkommen sprachlos verdutzt ins leere blickenden Augen: “Ich hab eine Kanne Tee dabei”, sprach sie.

Sie hatte offensichtlich mit Anna gesprochen…