Es ist Mittwoch, der 3.12. und ich sitze in der Schule. Ich habe nichts besseres zu tun als auf das Display meines Notebooks zu starren. Ich chatte ein wenig herum, als ein Fenster mit einer Privat-Nachricht aufgeht: “Hast du Freitag bis Sonntag Zeit?”. Im Geiste gehe ich alle eventuellen Termine durch und komme zu einem klaren “nein”. Die Firmenweihnachtsfeier und ein Haufen unerledigter Kram – unter anderem die Waesche von 3 Wochen – liegen an. Einige Gefallen bei einem Freund sind noch versprochen… “Warum?” frage ich dennoch. “Da kannst du mit runter nach Oradea. Wir waeren Sonntag Abend wieder zu Hause und da muss noch jemand Auto fahren.”, lautet die ungefaehre Antwort – und es schwingt mit, dass mein “Nein” nicht “Nein”-genug ist. Der Freund, der sich dort meldet ist Tierschuetzer und begleitet nicht selten private Transporte von Haustieren zur Vermittlung in Deutschland. Ich ueberlege nocheinmal wie wichtig meine Termine am Wochenende sind und werfe einen Blick auf Google Maps. Oradea – eine kleine “Industriestadt” an der Grenze zwischen Rumaenien und Ungarn – ist eine Tour von etwa 1700km. Der Rueckweg sind weitere 1900km, rechnet man die Strecke auf, die gefahren werden muss um die Tiere zu den (meist ebenfalls privaten) Pflegestationen in Deutschland zu transportieren. Ich zweifele daran, dass man diese Strecke ueberhaupt in einer Zeit von 60 Stunden fahren kann – vorausgesetzt man verfuegt ueber einen ausgeschlafenen Fahrer. Doch jener Freund versichert mir, dass es nicht das erste Mal waere – ich solle mir das nocheinmal uberlegen. Trotz allem gehen wir nocheinmal saemtliche Alternativen durch – Freunde und Bekannte, deren Wochenende noch keine Planung vorsieht und die bereit waeren, relativ spontan eine groessere Fahrt anzutreten. Die Suche bleibt erfolglos.
Im Endeffekt ueberwiegen bei mir die Neugier auf Neues, mein dringendes Beduerfnis einmal raus zu kommen und der blanke Wahnsinn ueber die Termine die anliegen: Die Weihnachtsfeier und den Waescheberg. Auch moechte ich niemanden haengen lassen, wo doch wirklich nichts anliegt, von dem die Welt abhaengt. Ich sage zu – und bei der Weihnachtsfeier ab. “14 Uhr geht es los”, sagt er noch – und leider kollidiert das mit meiner Schulzeit, die zwar genau um 14 Uhr endet, leider jedoch am falschen Ort. “Das bekommen wir schon hin.” sind die Worte, mit denen wir uns dann am Donnerstag Abend trennen als ich meine Tasche mit ein paar “Road-Gadgets” wie GPS und dicken Socken spicke und meinen Notebookakku nocheinmal durchlade.
Der Freitag verlaeuft mit viel Hibbeligkeit. Ich bin aufgeregt, nicht wirklich wissend oder ahnend was mich erwartet. Ich hocke in der Schule und warte ab. Solche Aktionen sind Gift fuer mein Gewohnheitsbild. Ich bin ein Mensch der strikten Planung: Wenn nicht mindestens geklaert ist, wann, wo und wie, dann habe ich keine Ruhe. Eine Schocktherapie also fuer meinen Lebensstil und ein bisschen Freiheit. Kurz vor Ende der 4. Stunde erreicht mich eine frohe Botschaft: Die Abfahrt verzoegert sich um einige Zeit – Warum? Das bleibt im Dunkeln. Mit etwas mehr Ruhe trete ich also ersteinmal den Heimweg an, dusche, lade noch einige weitere Akkus und warte ab. Knapp halb 8 wird es, bevor der Vater des Freundes mit einem praeparierten Wagen auftaucht – ein Vito mit leicht modifiziertem Sitzausbau und voll mit praktischen Utensilien und Lebensmitteln – fuer die Pflegestation in Oradea, unser Ziel. Die Verspaetung kommt aus einer Fehlplanung der Autovermietung, die gleich 2 falsche Wagen zur Verfuegung stellten. “Das faengt ja gut an” denke ich und frage ihn nocheinmal, ob wir tatsaechlich am Sonntag Abend noch wieder zu Hause sein koennen, was er mir – grinsend – bestaetigt. Es ist nicht das erste Mal, dass er mit meiner planerischen Unsicherheit konfrontiert ist, vermute ich
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Ich schlafe relativ schnell auf der Rueckbank ein, verpasse erst die Strecke von unserem Wohnort bis Aschaffenburg, dann die Strecke von dort bis zur Grenze zwischen Oestereich und Ungarn. In Oesterreich haben wir ein bisschen mit dem Wetter zu kaempfen. Glatte Strassen und eisig kalter Nieselregen erschweren es, den Zeitplan einzuhalten. Ich schlafe – ungeachtet dessen und meiner Liegeposition – immer wieder ein.
Es ist frueh am Morgen – etwa 8 Uhr CET – und unser Zwischenziel ist eine Autovermietung in Györ, unweit der Grenze zwischen Ungarn und Oesterreich. Alles was wir wissen ist, dass sie nahe am Bahnhof liegt, was uns die Suche nur bedingt erleichtert. Selbst diese Information erreichte uns erst unterwegs auf dem Handy. Bei der Autovermietung soll ein zweiter Wagen gemietet werden, der von einem weiteren Tierschuetzer zuruek nach Deutschland gefahren wird. Die Strecke von Györ nach Oradea ist der Grund, warum ich an der Fahrt teilnehme, da wir sie mit 2 Wagen fahren muessen – und wir wissen alle, wie schwer ein Fahrer es haette, mit 2 Autos gleichzeitig zu fahren.
Einheimische koennen uns schliesslich den Namen der Strasse mitteilen, auch wenn sie uns an das vollkommen falsche Ende von Györ schicken. Mithilfe des mobilen Internets und relativ ungenauen Karten schaffen wir es jedoch schliesslich, die Strasse und dann auch die Autovermietung zu finden. Waehrend mein Freund in den Karten blaettert faellt uns wieder einmal auf, dass es kein gutes Kartenmaterial von Ungarn und fast gar kein Kartenmaterial von Rumaenien bei Diensten wie “Google Maps” und Konsorten gibt. In der Autovermietung ueberreicht man uns dann schliesslich die Schluessel zu einem weiteren Kleintransporter, so dass wir gegen 10 Uhr CET aufbrechen. Der Vater des Freundes moechte gerne noch ein kleines Tierheim in Györ besuchen und faehrt vor – ich habe etwas Muehe zu folgen. Ich bin kein besondes guter Autofahrer und viel zu unruhig um Kolonnen zu fahren – auch wenn es sich nur um 2 Autos handelt. Der Weg zu dem Tierheim fuehrt durch diverse Vororte, ueber oeffentliche Strassen, die in meiner Herkunftsregion so vermutlich nicht zu finden waeren. Wir erreichen das Tierheim – doch finden dort weder die Leiterin, noch irgendwelche Tiere vor. Sichtlich verwundert treten wir den Rueckweg Richtung Autobahn an und koennen die Stadt mit Richtung Osten verlassen. Die Schilder fuehren nach Budapest und ich verliere – wie immer beim Autofahren – jegliches Zeitgespuer.
Wer mich im letzten Jahr ueber die Ortsnamen in Ruhrgebiet hat fluchen hoeren weiss, dass ich den Stadtmuettern und -vaetern der Region jegliches Gespuer fuer Aesthetik abspreche. Die Ortsnamen, die uns unterwegs begegnen uebertreffen jedoch “Wanne-Eickel” und “Castrop-Rauxel” um Laengen und lesen sich eher wie “Katze auf Tastatur eingeschlafen”. Ich hoffe, dass diese fuer Menschen, die der ungarischen Sprache maechtig sind mehr Sinn ergeben als fuer mich der Name “Winnekendonk”.
Aus Experimentierfreude moechte der Vater des Freundes die Strecke nocheinmal ausprobieren, die mitten durch die Budapester Stadt fuehrt. Meine Bedenken und Erwartungen im Hinblick auf den Stadtverkehr und meine Faehigkeiten zum Kolonne-fahren werden von den Budapester Autofahrern beiweitem uebertroffen. Nach etwa einer Stunde Budapester Stadtverkehr und nachdem wir beschlossen haben, dass die Beschilderung zu den Autobahnen aus der Stadt nicht wirklich eindeutig ist, fuehrt uns dann doch ein Schild zurueck auf die Autobahn. Von hier aus sind es noch einmal etwa 230km bis Oradea. Es ist frueher Mittag und ich fuehle mich fit genug, den Rest der Strecke in einem Stueck durch zu fahren. Das Wetter ist wechselhaft. Bis etwa 80km hinter Budapest haben wir sonniges und schoenes Wetter, was die Trostlosigkeit der Haeuser und Staedte ein Stueck weit relativiert. Die Stimmung der Landschaft hingegen ist traumhaft. Taeler im Nebel und eine winterliche Mischung aus entlaubten Waeldern, Huegellanschaften und Feldern lassen mich die Fahrt geniessen. Keine 50km weiter jedoch beginnt es zu regnen und wir fahren in die Wolkenwand, die wir aus der Ferne schon sehen konnten – puenktlich zum verlassen der Autobahn. Es wirkt wie programmiert: Die Ortschaften sind trostlos. Der Regen untermalt die vorbeiziehenden Haeuserreihen mit einer grauen und emotionalen Leere. Es sind kaum Menschen auf den Strassen und ich habe das Gefuehl, dass selbige immer schlechter werden, je weiter wir nach Osten kommen.
Die Grenze zu Rumaenien ist leicht genommen. Ungarischerseits gibt es keine Ausreisekontrollen und bei der Einreise nach Rumaenien gibt man sich einsilbig – in Deutsch: “Die Papiere …. dankeschoen.”. Wie durch ein Tor stehen wir in einer noch gewaltigeren Trostlosigkeit. Ich mache keine Bilder aus dem Auto, wer aber die Ausstrahlung, rostiger alter Schwerindustrieanlagen kennt, weiss, wie sich Oradea dem Besucher praesentiert. Quer durch die Stadt laufen Pipelines, deren Ummantelung hervorquillt und braun triefend den Regen in sich aufsaugt. Als wir ein Fenster im Auto aufmachen, dringt ein Geruch zwischen Kloake und Wunderbaum ins Fahrzeug. Als vor uns ein braun qualmener Schlot auftaucht, wissen wir auch warum. Die Pfuetzen sind voll und schlagen beim durchfahren tief in die Federung. Die Autos produzieren meterhohe Fontaenen und jeder Fussgaenger bliebe besser zuhause, als sich in diese Bruehe zu begeben.

Tierstation im ‘Dunstkreis’ einer uebelriechenden Fabrik

Einsames Fabrikgebaeude bei Oradea (.ro)
Auch die Station zu der wir wollen liegt – umringt von grossen Wiesen – in Sichtweite der Industrie. Direkt nebenan befindet sich eine alte und verlassene Industrieanlage mit grossen Silo-Speichern. So verlassen das Werk aussieht, so sehr versichert man uns, es wuerde dort noch gearbeitet. Obwohl ich jemand bin, den alte Industrieanlagen anziehen, wie Licht die Motten, verzichten wir auf eine weitere Begutachtung des Gelaendes. Die Gruende: Der Zeitplan, das Schuhwerk und mangelndes Vertrauen in die Bausubstanz. Der Weg zur Station ist schon gut bewacht. Mindestens 7-8 Hunde stehen Spalier und rennen mehrere hundert Meter neben dem Auto her, weitere 20 stehen vor, unzaehlige in der Station.
Notstation fuer Hunde bei Oradea (.ro)
Als wir an der Tierstation ankommen, ist es etwa 15:30 CET und wir liegen noch gut in der Zeit. Die Hoffnungen, puenktlich wieder aufbrechen zu koennen sind gross, allerdings nicht sehr lange. Beim Umsetzen auf der nassen Wiese vor der Tierstation versenke ich die Vorderraeder des Vitos ersteinmal in einem Schlammloch. Zum Glueck handelt es sich um einen Hecktriebler. Als ob das nicht das einzige Problem bleiben duerfe, tauchen auch nacheinander noch Komplikationen mit den Tieren auf. 2 Kleintransporter waren vorgesehen fuer etwa 12 Tiere, nun sind es 29 – und auch die Rueckroute hat sich geaendert. Immer wieder ringen sich waehrend des Verladens mehrere Hunde um uns und versuchen mit uns zu spielen. Sie stossen ob des Wetters und der Kondition des Rasens leider auf wenig Begeisterung. Die Stimmung ist gedrueckt und die Diskussion beim Einladen der Transport-Boxen fuer die Hunde verlaeuft auf Rumaenisch, Englisch und Deutsch, mit Haenden und Fuessen. Die Hunde der Station hoeren nicht auf zu bellen, waehrend die Hunde, die wir in unser Auto laden schwanzwedelnd und still in ihren Boxen liegen. Nur die Katze schaut misstrauisch. Waehrend des Beladens kommt ganz beilaeufig das kleine Tierheim in Györ ins Gespraech, in dem wir niemanden angetroffen haben. Wir erfahren, dass die Betreiberin verstorben ist und die Tiere spontan – groesstenteils nach Deutschland – vermittelt wurden. Nach dem alle Unklarheiten beseitigt sind und die Papiere fuer die Tiere endlich zugeordnet werden konnten, haben wir 10 Hunde und eine Katze im Auto und obwohl das viel mehr ist, als eigentlich vorgesehen, haben alle noch Platz zum liegen, stehen und umdrehen. Man sagt mir, das sei – neben Wasser und einer angenehmen Temperatur – ein Garant fuer eine ruhige Fahrt. Als wir wieder aufbrechen koennen ist es allerdings ca 20:30 und damit viel spaeter als wir gehofft hatten. Unser Verlangen, laenger in dieser Gegend zu bleiben als noetig haelt sich in Grenzen, so gerne man all diese Tiere mitnehmen moechte, die einen teils traurig, teils bittend, anschauen. Zumindest ist es das, was ich in die Blicke der Tiere hineininterpretieren kann. Leider ist das Auto voll.
Nasser und sehr zutraulicher Hund
Wir fahren noch am selben Abend wieder los. Den Wagen, den wir in Györ abgeholt haben, lassen wir fuer den anderen Fahrer zurueck. Es geht noch nicht Richtung Heimat, zumindest aber zu einem kleinen Hotel auf der ungarischen Seite der Grenze. Da jedes einzelne der Tiere korrekte Papiere besitzt, erwarten wir keine Probleme. Dennoch werden wir auf einen Kontrollparkplarz gewinkt und mehrere Grenzbeamte kontrollieren uns vor unserer Einreise. Wie schon auf dem Hinweg gibt es keine Ausreise-Kontrollen. Die Grenzbeamten haben nichts zu beanstanden und winken uns weiter. Ohnehin waren sie nach eigenen Angaben auf der Suche nach “Zigaretten, Geld und Drogen” und an unseren Vierbeinern nicht sonderlich interessiert. Am Hotel angekommen ist es Zeit zu schlafen – bis halb 2. Wir haben keine Zeit zu verlieren und bis nach Hause noch ca 1800 Autokilometer vor uns.
Ich werde wach als man mich anstubst und pfluecke mir das Ohropax aus den Ohren. Es ist fuenf vor zwei – trotzdem fuehle ich mich halbwegs ausgeschlafen. Als ich zum Auto komme sind die Hunde so still wie am Tag zuvor und versorgt. Die Katze maunzt etwas ungehalten vor sich hin, dennoch kann uns nichts davon abhalten, den Heimweg fortzusetzen, der uns diesmal nicht durch Budapest fuehren soll. Die Strassen sind fast leer und ich lasse mir bestaetigen, dass die ungarischen Autobahnen selbst zu Stosszeiten nicht annaehernd so voll sind, wie die A3 nachts zwischen Emmerich und Wesel. Bis auf einige Fernfahrer begegnet uns kaum jemand.
Der Weg durch Ungarn geht deutlich schneller als auf dem Hinweg – zumindest fuehlt es sich so an. Ich doese noch die ein oder andere Stunde vor mich hin und kraule die Katze, die neben mir in einer Transportbox auf einer Hundebox steht. Sie maunzt ab und and etwas beunruhigt. Die Hunde sind jedoch ruhig und auch die Einreise nach Oesterreich gestaltet sich unkompliziert. In Oesterreich selbst jedoch beginnt es erst zu regnen, dann zu schneien, dann wieder zu regnen. Die Strassen bleiben allerdings befahrbar und so kommen wir trotzdem schnell voran.
Katze klug, Katze schlaeft.
Nach einem Fruehstueck in Oesterreich und einem Grenzgang nach Deutschland fahren wir weiter durch den Regen. Witzigerweise ist deutlich zu merken, dass wir in Deutschland sind: Die Zahl der unumsichtigen Autofahrer nimmt wieder gewohnte Masze an. Zwischen Passau und Regensburg faellt Wasser aus dem Himmel, als gaeb es einen Jahrelangen Wassermangel aufzuholen. Der Zeitplan jedoch draengt, der Regen gefaellt also gar nicht. Als wir gegen 10 Uhr Regensburg erreichen meldet sich das Tierheim, welches wir zuerst anfahren. Es liegt noch 300km voraus und wie auch bei der Autovermietung in Györ kommen die Details zu unserem Zwischenziel erst nach und nach ans Licht. Wir rechnen damit, gegen 13 Uhr bei dem Tierheim zu sein, welches uns mitteilen laesst, es sei erst ab 16 Uhr jemand zu erreichen. Angesichts der knapp 800km, die es nacher noch zu fahren gibt, erweckt der lapidare Kommentar “Lassen Sie sich also Zeit” Unmut und Aerger. Die Ursache: Eine Zeitzusage, die so nicht haette gemacht werden duerfen, veranlasste die Verantwortlichen zu einer etwas anderen Zeitplanung als unserer. In diesem Tierheim sollen 5 Hunde und meine Sitznachbarin – die Katze – ersteinmal unterkommen, bis sich fuer sie ein neues Zuhause findet.
Als wird das Tierheim dann gegen 14 Uhr endlich finden, ist noch niemand da, was sich aber schnell genug aendert um die Stimmung zu reparieren. Die Entsprechenden Tiere werden aus dem Auto geholt und die verbleibenden 5 etwas erledigt schauenden Vierbeiner werden etwas geraeumiger umgebettet. Ich verabschiede mich nocheinmal von der Katze, die die letzte Stunde vorwiegend unbeeindruckt geschlafen hat. Auch der grosse Hund, der hinter meinem Ruecken die Fahrt verbracht hatte und sich ein wenig als Rudel-Leitwolf versucht hat verlaesst uns. Ab dem Tierheim uebernehme ich nocheinmal das Steuer und wir fahren ueber die A14 und die A2 Richtung Heimat. Mit Einbruch der Dunkelheit endet auch die kurze Schwaechephase und ich bin nun endgueltig davon ueberzeugt, dass ich durch und durch ein Nachtmensch bin. Die A2 ist relativ voll, aber der Verkehr laeuft. Mein Glueck jedoch, dass erst kurz nach dem Steuerwechsel ein Stau vor uns auftaucht. Es ist 18 Uhr und wir haben noch Hoffnungen, die letzten 220 Kilometer vor 21 Uhr zuruecklegen zu koennen. Der Stau laesst uns jedoch mit jeder Minute skeptischer werden.
Wenn der Freund und ich schon laengst wieder zu Hause sind, machen die 5 Tiere noch eine weitere Tour in eine nahe gelegene Stadt, wo sie zur voruebergehenden Pflege und Weitervermittlung bleiben. Sicherlich deutlich laenger werden die Bilder in Erinnerung bleiben, von den grauen Schoenheiten von Oradea, die im Regennassen Schlamm liegen und noch immer mit dem Schwanz wedeln, wenn sich jemand zu ihnen herunterbeugt. Ein kurzes Wochenende, an dem wieder 29 dieser geheimnisvollen Wesen mit Vorgeschichte in eine andere Welt gebracht wurden – in der es waermer ist, aber in der manchmal die freundlichen Leute fehlen, die sich zu ihnen herunterbeugen.
Gerade jetzt zu Weihnachten moechte ich nocheinmal verdeutlichen, dass wer Tiere schenkt auch Verantwortung schenkt und traegt. Die Tiere die schon in Not sind sind das Eine, die Tiere die jedes Jahr erneut (Dummheit stirbt nie aus?) An Autobahn-Raststaetten aufgefunden werden – manchmal zu frueh, manchmal zu spaet – sind das Andere.
In diesem Sinne: Macht es gut, und wuschelt eure 4-Beiner mal lieb von mir.
