Archive for the ‘Geschichten’ Category

Der Naechste bitte - Einleitung und Vorwort

Saturday, August 19th, 2006

“Der Naechste bitte” ist eine Hoerspielvorlage, die ich immer mal umsetzen wollte aber mangels Freizeit nie dazu gekommen bin. Bisher war es nur eine wirre Ansammlung an Gedanken, aber eventuell entwickelt sich daraus ja etwas produzierbares.

DIE CHARAKTERE:

Jürgen (erste Hauptrolle) - Jürgen ist ein junger Mann mitte Vierzig, frustriert von seinem Leben, seinem Arbeitsrhythmus und eigentlich seinem gesamten Tagesablauf. Was er tut tut er widerwillig und nur, wenn es absulut unvermeidbar ist. Wenn ihn etwas stoert dreht er vollkommen durch, verliert die Kontrolle und tut Dinge, an die er sich spaeter nur ungerne erinnert.

Chris (zweite Hauptrolle) - Chris ist ein 16 Jahre alter Jugendlicher, ein richtiger Draufgaenger und eigentlich immer unterwegs mit genuegend Dummheiten im Kopf um im Knast zu landen. Auch er ist leicht reizbar, allerdings eher durch Leute die ihm bloed kommen. Die meiste Zeit zieht er mit seiner “Crowd” - wie er sie nennt - durch die Strassen. Wo immer sie langkommen hinterlassen sie eine Spur der Verwuestung.

Doris - Doris ist die Freundin von Jürgen. Ohne sie waere er wahrscheinlich total im Chaos untergegangen. Sie zwingt ihn dazu, sich immer mal wieder am Riemen zu reissen, auch wenn es ihr immer schwerer faellt, das von ihm zu verlangen. Immer wieder spielt sie mit dem Gedanken sich von ihm zu trennen, aber sie kann ihn nicht seinem Schicksal ueberlassen, auch wenn sie sich oft alleine gelassen fuehlt und seine Launen nur schwer ertragen kann. Wenn sie sich mal nicht sehen koennen ruft sie ihn immer zur selben Zeit auf seinem Handy an.

DER SCHAUPLATZ:

Das Hoerspiel findet statt in einer groesseren Stadt ohne einen speziellen Namen. Man kann sich, um es sich besser vorstellen zu koennen, vielleicht eine Stadt wie Essen vorstellen. Kaum Charakter, duestere Atmosphaere und kaum Menschen die Laecheln.

Jürgen lebt in einem groesseren Mietshaus in der Weidemannstrasse im 4. Stock. Das Haus liegt direkt an einer Bushaltestelle. Wenn er im Wohnzimmer sitzt kann er selbst bei geschlossenem Fenster die Strasse hoeren, auf der taeglich tausende Autos an seinem Haus vorbeifahren. Wenn er die Strasse nicht hoert, dann hoert er in der Nachbarwohnunh ein Baby schreien oder wie sich die Nachbarn ueber ihm wieder ueber kleinigkeiten streiten. Ihn regt das auf, aber er sagt selten etwas.

Doris lebt nicht bei Jürgen. Auch wenn sie schon viele Jahre zusammen sind - das wuerde sie nicht ertragen. Dafuer besucht sie ihn oft. Da Jürgen zuhause arbeitet kommt er eher selten bei ihr vorbei.

Chris lebt bei seinem Vater, auch wenn sie sich fast nie sehen. Wenn Chris um 9 Uhr das Haus verlaesst um, wie sein Vater denkt zur Schule zu gehen ist dieser schon 2 Stunden auf der Arbeit. Chris’ Vater ist Vermoegensberater und viel unterwegs. Sein Sohn besucht allerdings seit mehreren Monaten die Schule nicht mehr und sorgt dafuer, dass die Briefe der Schule und des Jugendamtes nicht in der Villa ankommen in der beide Wohnen. Chris’ Vater stoert das Verhalten seines Sohnes zwar, aber er ist machtlos dagegen.

Exkurs: Warum Kunden einen missverstehen - das ‘Kurze Frage’-Syndrom

Friday, August 18th, 2006

Liebe Freundinnen und Freunde des oertlichen Einzelhandels,

in meiner letzten Geschichte erwaehnte ich einen Zug in der Psychologie des Kunden an sich, der sich einem schnellstmoeglich offenbaren sollte - sonst geht man frustriert im Alltag unter.

Das Problem: Ein Kunde oder eine Kundin erwischen einen in einer sehr unguenstigen Situation und begreifen nicht, dass diese Situation unguenstig ist, auch wenn man es ihnen mehrfach mitteilt.

Ursache: Kunden wenden sich an einen als eine art hoehere Instanz. Sie klassifizieren ein Problem in seiner Wichtigkeit nach ihrem eigenen - gelegentlich nicht ausreichenden - Fachwissen. Dass Probleme dadurch fuer Sie groesser erscheinen als sie in Wirklichkeit sind versteht sich von selbst. Da sich viele dieser Kunden ihres unzureichenden Wissens durchaus bewusst sind, klassifizieren sie das Problem der gefragten Person gegenueber neu - nach den Maßstaeben des bei der gefragten Person vermuteten Wissens.

Ein Loesungsansatz: Aufgrund der haeufig vorkommenden Ueberschaetzung treten somit 2 Klassifizierungen fuer das Problem auf. Fuer die Person selbst ist es ein schwerwiegendes Problem, dass schnell geloest werden soll. Fuer die gefragte Person hingegen ist das Problem aus Sicht des Kunden eine Kleinigkeit. Fragt ein Kunde also nach dieser “Kleinigkeit”, so ist er sich der Tatsache nicht bewusst, dass das Problem ansich zwar ein einfaches ist, allerdings die Interpretation der Beschreibung und die Erklaerung des Loesungsweges aufgrund des deutlichen Wissensunterschiedes erhebliche Zeitmengen in Anspruch nehmen. Wegen dieser Fehleinschaetzung seitens des Kunden ist ein “Ich habe nicht viel Zeit” fuer den Kunden gar kein Problem, denn er denkt ja immernoch, dass das Problem schnell zu loesen waere.

Wichtig fuer das Uebrigbleiben eines kleinen Fetzens Gelassenheit ist daher die Kenntnis ueber diesen Sachverhalt, der dem Kunden oder der Kundin vorsichtig erklaert werden will. Besondere Vorsicht ist bei nachhaltigen Draenglern geboten. Je vehementer eine Person auf Bearbeitung eines Problemes draengt, um so schwerer ist es fuer die gefragte Person, die Problemqualitaet einzuschaetzen ohne der fragenden Person vor den Kopf zu stossen.

Hoffe geholfen zu haben, der Sternensucher ;)

Kundentypen vorgestellt: Falsch beraten.

Friday, August 18th, 2006

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Ich glaube ich habe vor einiger Zeit schoneinmal erklaert, warum ich den Sinn unseres Buerotages nicht ganz nachvollziehen kann. Es hat zwar seine guten Seiten mal ungestoert von Kunden die Serviceauftraege bearbeiten zu koennen (versteht mich nicht falsch, ich MAG Kunden… WIRKLICH), aber dafuer muesste dieser Buerotag von unseren Kunden auch respektiert werden. Es ist naemlich gerade wieder dieser Tag und ich stehe schon eine Stunde an der Werkbank, dabei einem Rechner die Viren und Trojaner aus den Rippen zu puhlen. Mike sitzt an seinem Schreibtisch und schreibt Angebote. Ein energisches Klopfen reisst uns aus unseren tiefen Gedanken. Ich blicke zu Mike, er schaut mich schulterzuckend an und lugt vorsichtig durch den Lamellenvorhang vor unserem Buerofenster. Er deutet wortlos in Richtung Tuer, was soviel bedeutet wie “Schau mal nach…”. Als ich den Vorhang passiere und mein Blick auf die Tuer faellt sehe ich ein junges Paar. Er der braun gebrannte Machotyp, dem es sichtlich peinlich ist, fremde Hilfe anfordern zu muessen, sie ebenfalls braun gebrannt mit Mini-Rock und an seinen Arm geklammert. Beide studieren ausgesprochen selbstbewusst die Oeffnungszeiten. ‘Nicht schon wieder’, denke ich, ‘gleich machen sie wieder einen fuerchterlichen Fehler.’. Und tatsaechlich: kaum habe ich die schwere Stahlstange von der Tuer entfernt und diese aufgeschlossen stuermen die beiden auch schon wie selbstverstaendlich in den Laden. Ich bin etwas peinlich beruehrt in solchen Situationen… was sagt man solchen Kunden? Ich starte einfach einen Versuch: “Entschuldigen Sie, eigentlich haben wir heute geschlossen.”. Die Botschaft war anscheinend nicht ganz eindeutig: “Die Tuer ist aber jetzt offen und wo Sie schonmal da sind… wir haben nur eine klitzekleine Frage.”. Die Frau schaut lieb - zu lieb als dass ich keinen Verdacht schoepfen wuerde. “Aber wirklich nur eine kurze Frage bitte.”. Dieser Satz wird von Kunden immer missverstanden. Ich habe inzwischen mehrere psychologische Erklaerungen dafuer gefunden warum das so ist, aber damit will ich aktuell niemanden langweilen.

Ueberraschender Weise ist die Frage wirklich kurz: “Kommen Sie auch raus?”. Ich bin verbluefft. Eine Frage mit weniger als 20 Worten an unserem Buerotag. Das ist neuer Rekord! Ich moechte unseren neu gewonnenen Spitzensportlern den Wunsch natuerlich sofort erfuellen, oeffne die Tuer und bitte darum das Gespraech draussen weiter zu fuehren. Die beiden folgen mir etwas irritiert zoegernd. “Und?”, frage ich, “Was wollen Sie draussen?”. Der Mann fasst allen Mut und stellt das eigentliche Problem dar: “Wir brauchen einen Techniker vor Ort. Unser Internet funkitoniert nicht. Wir haben da so einen Fritz gekauft der Kabelloses Internet machen soll…”. ‘Ahh! Eine Fritz!BOX…. die Leib und Magenspeise unseres Aussendienstes.’, denke ich. Das Problem bei den Geraeten ist, dass sie zwar ein sehr einfach gestaltetes Interface besitzen, aber sich nie so verhalten wie man es von ihnen erwartet. Ich lasse den Mann weiterreden: “Wir haben jetzt auch schon alles versucht, aber wenn wir das Kabel abziehen ist das Internet auch wieder weg.”. Ich ahne noch nicht was dieses Pahr schon hinter sich hat. Er faehrt fort: “Wir brauchen das ganz dringend fuer unseren Laden. Die haben uns gesagt, das geht ganz einfach und ohne den Aussendienst, aber da wurden wir wohl falsch beraten.”. Mit ‘die’ meint er den Merkur-Markt in der nahen Grossstadt. Die beraten da eigentlich nur nach Preisen… je hoeher um so gut. Allerdings wuerde ein dortiger Mitarbeiter wahrscheinlich den Unterschied zwischen einer Waschmaschine und einem Monitorkabel nicht selbststaendig erkennen. Diese beiden wuerden das allerdings sehr wahrscheinlich auch nicht aber dafuer sind wir ja im Rahmen der Oeffnungszeiten immer da. Mit “ganz dringend fuer den Laden” moechte er anscheinend rechtfertigen, dass er an unseren Buerotag den Fehler begabgen hat an unsere Tuer zu klopfen. “Haben Sie denn eine WLan Karte in dem betreffenden Rechner?”. Ich versuche zur Sache zurueck zu kommen und etwas Licht ins Dunkel zu bringen… leider vergebens: “Ja. Wo soll ich denn sonst bitte das Kabel angeschlossen haben?!”. Ich habe gedanklich schon aufgegeben und verlasse mich nun auf meinen Aussendiensttechniker.

Man kann ein solches Gespraech allerdings nicht so abrupt beenden. Es bedarf eines feinen Gespueres fuer die Befindlichkeiten der Kunden um den richtigen Weg zu einem friedlichen Auseinandergehen zu finden. Ich lenke daher ein und tue so als wuesste ich genau, dass er eigentlich recht hat und es nicht sein Fehler war: “Na dann sollte das ja eigentlich funktioniert haben.”. Es wirkt… und er holt nocheinmal aus: “Ich war mit dem Rechner auch bei einem Bekannten in Leipzig. Da hatte ich das selbe Problem.”. “Hat der denn die gleiche Fritz!BOX?”, frage ich vorsichtig nach. “Nein… der hat gar kein Internet, aber der wuerde das ja gerne mitbenutzen.”. Merkur, Merkur was machst du nur? Vielleicht sollte ich erwaehnen, dass Leipzig etwa 550 Autokilometer von unserem kleinen Staedtchen entfernt liegt. “Moment”, versichere ich mich der Funktionsfaehigkeit meiner Ohren und meines Gehirns, “Sie moechten das Wlan von Ihnen Zuhause in Leipzig benutzen?!”. Beide blicken mich verstaendnislos an. “Ja klar… “, sagt er, sie nickt zustimmend. Ich befuerchte, DEN Zahn muss ich den beiden Ziehen BEVOR unser Aussendienst dieses Problem reparieren soll. “Nun… Wlan nach 802.11g - was die Norm ist, die die Fritz!BOX die Sie vermutlich besitzen unterstuetzt - hat einen Empfangsradius von ungefaehr 30 Metern in Gebaeuden und ca 100m ausserhalb.”, versuche ich den inzwischen sehr interessiert blickenden Menschen zu erklaeren: “Es ist also rein fuer den Hausgebrauch geeignet und auch nur in diesem Radius mit geeigeten Netzwerkkarten benutzbar.”. Aus Interesse wird schnell Enttaeuschung: “Aber man hat uns versichert, dass man es _ueberall_ benutzen kann.”, sagt sie fast persoenlich verletzt. “Damit muss der Merkur-Mitarbeiter ‘ueberall im Haus’ gemeint haben…”. “Das heisst, das geht auch nicht in HongKong?”, fragt die Frau nocheinmal nach. Ich kommentiere das aus lauter Verzweifelung nicht weiter, hole einen blauen Zettel, bitte die beiden Ihre Adresse und einen Terminwunsch zu notieren und versuche ein paar troestende Worte zu finden: “Nun… Wir koennen ja trotzdem versuchen, dass Sie ihren Internetanschluss zumindest im Laden nutzen koennen - Und wir haben da einen SEHR faehigen Mitarbeiter…”. Die beiden notieren geknickt ihre Adresse und sagen, der Techniker moege sehr bald erscheinen. Danach verlassen beide wortlos den Laden, sich gegenseitig troestend, waehrend ich die schwere Eisenstange wieder vor die Tuer haenge und diese fest verschliesse…

Ikarus - Der Sonne entgegen

Monday, July 31st, 2006

“Der Sonne entgegen” dachte Ikarus… so wie sein Namensvetter schon vor vielen Jahrhunderten. Doch so ganz alleine mit dem Gleiter auf dem Dach war es schon ein anderes Gefuehl als in seinen Gedanken, als er - das was er jetzt zu tun bereit zu sein glaubte - geplant hatte. Erzaehlt hatte er es niemandem. Warum auch? Seine Bekannten erzaehlten ihm ja auch nicht, wenn sie Abends noch ein Bier trinken gingen.

Die Sonne war kurz davor im Westen den Tag zu einem Ende zu bringen und huellte sich in ein goldgelbes Wolkenkleid. Dunst stieg auf aus den Strassen. Der Tag war heiss gewesen und am spaeten Nachmittag hatte es geregnet. Auch auf dem Dach auf dem Ikarus stand gab es noch einige Pfuetzen. in denen sich die untergehende Sonne spiegelte. “Ein komisches Gefuehl”, dachte er so bei sich, “fast wie ein Pilot.”. Vor ihm lag das Dach wie eine Startbahn, die gluehenden Pfuetzen wie Positionslichter, die ihm verfuehrerisch entgegenleuchteten. Ein Ziel hatte er nicht vor Augen… vielleicht wollte er einmal die Stadt von oben sehen. Natuerlich wollte er heile landen, aber sonst…

“Es ist Zeit” dachte er und atmete durch. Der ganze Gleiter bebte und setze sich langsam in Bewegung… entschlossen und kraftvoll setzte er einen Fuss vor den anderen - erst langsam, dann immer schneller und schneller, lief, rannte schliesslich. Kurz bevor seine Fuesse ueber die Kante des Daches hinweg flogen, presste er den Greifhebel von sich um dem Gleiter den noetigen Auftrieb zu verleihen. Nur einen Wimpernschlag spaeter lagen zwischen ihm und dem Boden viele Meter Luft, auf der er nun durch den Abend segelte. In langsamen Kreisen stieg er auf mit dem Dunst, bis schliesslich auch das Haus, von dem aus er gestartet war unter ihm lag…

Kundentypen erklaert. Heute: der Profi

Monday, July 31st, 2006

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Am Anfang eines jeden Tages erstrahlt dieser in jungfraeulicher bunter und ungetruebter Stimmung. Man freut sich unter Umstaenden sogar auf die Arbeit… und mit ein bisschen Arbeitserfahrung ist es dem Tag fast unmoeglich, einem diese Stimmung zu zerstoeren. (Na? wer hat aufgepasst? Richtig! Ich sagte “fast”). Manchmal hat der Tag Helfer - kleine fiese Helferlein, die einen in den Wahnsinn treiben, einfach dadurch, dass sie da sind. “Der Profi”, wie Mike und ich einen dieser Helfer getauft haben ist der Chef-Helfer, weshalb er versucht sich gut zu tarnen. In unserem heutigen Fall tarnt er sich als das wohl am haeufigsten unterschaetzte Wesen in der freien Wildbahn… als Kunde.

Mike und ich sprachen gerade die letzten Details des neuen “CU P0w3r4tør” durch. Ein Spiele(r)-Rechner, der zweitens durch Leistung und erstens durch einen unglaublich bescheuerten Namen die Herzen der Spielergemeinde hoeher schlagen lassen sollte. Fuer einen Moment lang waren wir uns einig gewesen, das System “Shy Style” zu nennen. Die phonetische Verwandschaft mit weniger verkaufsfoerdernden Begriffen liess uns allerdings schnell wieder von der Idee ablassen. Alle Hardwaredetails fuer den “UC P0w3r4tør” waren soweit auch schon klar, nur suchten wir gerade nach einem moeglichst billigen Gehaeuse. Billige Gehaeuse sind erstens billig und zweitens immer potthaesslich und bunt - zwei Eigenschaften, die an keinem Gamer-PC fehlen duerfen. Waehrend wir noch zwischen einem giftgruen-orangenen Alien-Acid-Style Gehaeuse und einem violet-rot-leuchtenden Rundeck schwanken klingelt die Tuerglocke. Mike nickt mir zu und deutet mir damit, dass er selbst sich der Sache annehmen moechte. Ich setze mich also an seinen Schreibtisch, den Blick auf den Ueberwachungsmonitor geheftet und harre der Dinge, die da kommen.

Ein Paerchen hat soeben den Laden betreten, beide etwa Ende 40 und gekleidet in unauffaelligen teuren Zwirn - ueberhaupt sind sie recht unauffaellig und ich bin einen Moment lang Froh, dass wir die Tuerglocke haben. Meines Chefes “Wie kann ich ihnen helfen” beantwortet die Frau mit einem “Wir schauen uns erstmal bei Ihnen um.”. Ihr Mann hingegen wirft Mike nur einen laessigen Blick zu, der Baende spricht: “Glaub ich nicht, dass du uns helfen kannst”. Ich zucke zusammen… mir war als leuchteten seine Augen fuer einen kurzen Moment. Eine Spiegelung in der Kamera? Ich muss mich wohl getaeuscht haben. “Verkaufen Sie auch richtige Computer?”, fragt der Mann in einem 80er Jahre Cabrio-Ton. Ihm fehlt nur die Zigarette im Mundwinkel. Mike schaut unglaeubig in Richtung Komplettsysteme-Ausstellung. “Meinen Sie soetwas?”, sagt er, auf die 10 Systeme deutend, die im Schaufenster stehen als wuerden sie - nach draussen blickend - sehnsuechtig auf Kundschaft warten. Der Mann schielt aus dem Augenwinkel veraechtlich auf meine Handgebauten Meisterwerke. “Ich dachte eher an etwas professionelles”. In dem Moment ist wird es mir schlagartig klar. Ich habe mich nicht vertan. Ich habe seine augen tatsaechlich rot aufleuchten sehen! Es MUSS stimmen. Es ist “Der Profi”.

Mike ist seelenruhig, aber seine linke Schulter zuckt ein wenig - ein untruegliches Zeichen dafuer, dass auch er inzwischen Begriffen hat, was hier gespielt wird. “Na gut, dann verraten Sie mir doch mal, was Sie sich so in etwa vorgestellt haben. Sie werden sich ja auch Ihre Gedanken gemacht haben.”, faengt Mike ein herkoemmliches Verkaufsgespraech an. Die Frau bekommt einen besorgten Gesichtsausdruck, ihr Mann hingegen ist weniger besorgt als irritiert. “Nun ja… ich dachte an etwas mit Leistung, mit VIEL Leistung. Viel viel Arbeitsspeicher und auch ner grossen Festplatte.”. “Das ist ja noch kein Problem”, denke ich so bei mir. Ich sehe wie Mike dem Kassen- und Beratungssystem die noetigen Komponenten in die Rechnungssoftware klickt. “Das ist ja soweit noch kein Problem”, sagt er daraufhin. Ich oeffne derweil an seinem Notebook die Kalkulation, die er gerade bearbeitet um mir ein genaueres Bild verschaffen zu koennen und stutze kurz. Mike laesst echt keine Wuensche offen. Ein System mit top Dual Core Pentium 4, 4GB DDR2 Arbeitsspeicher und einem Raid 1 aus 2x 400GB S-ATA2 Spezialplatten. Die Kosten… sprechen wir nicht darueber, aber wer etwas professionelles moechte, muss eben auch seinen Geldbeutel ein gutes Stueck weit oeffnen. Der Profi schaut unglaeubig auf den Monitor, der fuer seinen Blickwinkel extrem unguenstig steht. Trotzdem er blinzelt scheint es ihm unmoeglich alles zu lesen, was Mike kalkuliert. Scheinbar macht ihn das unruhig.

Die Taktik des Profis ist immer die gleiche: Meckern was das Zeug haelt, wenig fundierte Fakten gegen die Kalkulation vorbringen und mehr fordern. Mike ist ein Fuchs. Wer nicht weiss was kalkuliert wird kann nicht meckern. Ich muss ein wenig grinsen. “Brauchen Sie irgendwelche Spezialhardware in Ihrem System? Zum Beispiel eine Grafikkarte zum Spielen oder…”. Kein Wunder, dass er den Satz nicht beenden kann. “Eine Soundkarte… ich brauche eine gute Soundkarte.”…

Von hier an ueberschlagen sich die Ereignisse, denn Mikes Frage was der Mann im Endeffekt mit der Soundkarte machen moechte ist vollkommer Sprengstoff. Wen wundert die folgende Reaktion des Profis? “Alles… das muessen SIE doch wissen. SIE wollen mir doch einen Computer verkaufen. Also muessen SIE auch wissen was ich fuer eine Hardware brauche!” “Nun ja… es gibt keine Karte die alles kann. Sie sollten sich schon fuer ein Spezialgebiet entscheiden.”. Der Mann rastet nun vollkommen aus. “Na hoeren Sie mal! Bauen Sie einfach das Beste ein was es gibt! Ich kann ja wohl davon ausgehen, dass Sie das dann so lange tauschen, bis ich zufrieden bin!”. “Davon sollten Sie allerdings nicht ausgehen. Schliesslich gehen Sie auch nicht zum Baecker und verlangen nach diesem Schema ein Broetchen, dass nach allem schmeckt was Sie moegen.”. Mein Grinsen wird immer breiter, dem Mann hingegen zerfliesst vor Wut das Gesicht. Das leuchten, dass ich eben nur in seinen Augen erahnen konnte, ist nun deutlich sichtbar ueber seinen gesamten Kopf erstreckt. “Sie werden noch in der Zeitung von mir lesen und dann werden Sie allle Kunden verlieren, die sie je hatten…”. “Und alle die wir nie haben wollten”, fuege ich gedanklich hinzu. Mit Vergleichen kann man jedem Kunden unverbluemt und dennoch dimplomatisch die Dummheit in seinen Worten unter die Nase reiben.

Frau Profi’s besorgtes Gesicht hat sich inzwischen zu einem peinlich beruehrten Grinsen ausgepraegt. “Lass gut sein Ernst, lass uns gehen, du regst hier noch alle auf!”. “Richtig, werden Sie mal wieder ernst, Ernst” fuegt Mike sueffisant laechelnd hinzu. Herr Profi’s Kopf schwillt zu einem blutroten Ballon an, der zu platzen droht. “Seien sie nett zu ihm, er ist leicht cholerisch.” richtet die Frau einen Rat an Mike. Sie schiebt ihren Mann Richtung Ladentuer. Dieser tobt immernoch knallrot angelaufen. “Sie werden sich noch wundern! Das wird ein Nachspiel haben!”. Mike ist amuesiert, ich ebenfalls. Vor mir auf dem Monitor schliesst sich das Fenster mit der Kalkulation. “Wollen Sie speichern?”. Die Frage beantworte ich mit “Nein”. Ein weiteres “professionelles Kapitel” schliesst sich fuer immer.

Bleibt lieb, euer Sternensucher

(korregiert wird spaeter)

“Der Wahnsinn am Telefon” - oder: “Die Reklamationsabteilung” - Teil 1, Typ 2

Sunday, May 14th, 2006

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Liebe Leserinnen und Leser… was Ihr bisher gelesen habt war eine recht einseitige Darstellung der Vorgaenge zwischen mir und einigen Kunden, die es nicht besser wissen koennen. Es sei ihnen verziehen, dass sie in den meisten Faellen durch ihre mehr oder weniger unqualifizierten Kommentare einen armen arbeitenden Menschen in den Wahnsinn treiben… wie bereits gesagt, sie wissen es nicht besser und wahrscheinlich werden sie es nie lernen…
Wer es aber besser wissen sollte sind die Hersteller der Produkte, die die Kunden dazu bringen sich unqualifiziert zu aeussern. Mit ihnen hat man zum Glueck nur in 7% der Faelle ueberhaupt kurzfristig zu tun… Ja, ihr habt richtig verstanden: Etwa 7% der Artikel sind in dieser Branche bei der Auslieferung entweder schadhaft oder ganz defekt… geht ein Geraet spaeter kaputt kuemmert es die meisten Leute einfach nicht. Warum? Vielleicht haben Sie zu viel Freude daran, bei uns etwas neues zu kaufen. Da sich die meisten Leute dennoch erst 2-3 Wochen nach Kaufdatum bei uns melden, da einige tatsaechlich erst dann merken, dass es sich bei der vorliegeneden Funktionsweise des gekauften Geraetes augenscheinlich um einen Defekt handelt, ist dann ein unkomplizierter Umtausch bei unserem Haendler nicht mehr moeglich und und somit leider ein Anruf beim Hersteller notwendig.

So kommt es zumindest dazu, daß ich taeglich etwa 4-5 Anrufe bei irgendeinem Unternehmen fuehre, die sich um das Thema “Reklamation” drehen. Eigentlich gibts da nur etwa 3 verschiedene Anruf-Verlaeufe…

Ich sitze an meinem “Schreibtisch“, neben mir einen Stapel an Geraeten. Eins davon ist ein Grucker der Firma “GO”. “GO” baut herrliche Drucker - besonders wenn man gerne mit den Menschen an der Hotline spricht. “GO”’s Hotliner(innen - es sind vorwiegend Frauen) sind unglaublich nette Menschen. Zumindest wollen sie einen dadurch davon ueberzeugen, dass sie sehr lange mit einem sprechen. Ich freue mich also auf einen langen Anruf, als ich mit geschulten Fingern die 01805er Rufnummer in das Telefon haemmere. Wenige Sekunden spaeter nimmt ein Telefoncomputer das Gespraech an:

“Herzlich Willkommen bei der Firma ‘GO - Generic Objects’. Wir freuen uns ueber Ihren Anruf.” ‘Juchuu’, Denke ich noch, ‘gleich kommt wieder die Stelle mit dem Service Pack 2!’. Der Computer beginnt unglaublich zu nuscheln: Bitteachten Sie auchunsere Hinweizum Servicepackzwei auf wwwpunktgopunktcomslashdeslashdownload”. Ich werde Weitergeleitet und darueber informiert, dass der Anruf zu Schulungs- und Qualitaetssicherungszwecken aufgezeichnet werden kann, und schon sitze ich in der Warteschleife…
Was euch in einer Warteschleife erwartet wisst ihr nie vorher. Spielt zum Beispiel die Aktivierungshotline von Microsoft des Nachts Robbie Williams’ Advertising Space mit einer unglaublichen Kontinuitaet, so wartet “GO” jedes mal mit einem anderen Kabinettstueckchen Bayrischer Volksmusik auf. Da lobe ich mir Microsoft.
Als ich endlich das ersehnte Klingelzeichen in der Leitung vernehme kann ich die Melodie auswendig mitpfeifen. Eine Frau meldet sich nach kurzer Pause: “Herzlichen Dank fuer ihren Anruf bei ‘GO - Generic Objects’. Mein Name ist Dorotta Berger. Wie kann ich ihnen weiterhelfen?”. Sie hat noch nicht zu Ende gesprochen, da weiss ich schon, dieses Gespraech ist ein “Typ 2″-Gespraech. “Typ 2″ heisst so viel wie “Ich stelle Sie zu einem Techniker durch”*. Diese Art begegnet einem auch gerne bei der Deutschen Telekom - dort allerdings eher als “Typ 2b”, bei dem mit genanntem Satz ein sofortiges Ende der Verbindung verbunden ist. “Typ 2″ ist typisch fuer “GO” und viele andere Hersteller und oft frage ich mich, warum man nicht gleich die versierten Techniker(innen) als Agents ins Callcenter setzt. “Rensig mein Name, Firma Computers United, Schoenen guten Tag. Ich habe ein Problem mit einem BestJet 3210, unsere Kundennummer 12351234G, das Geraet ist von einem Kunden und geht nicht an.”. An dieser Stelle beginnt Frau Berger in einer Liste zu blaettern und ich weiss, ich muss mindestens 5x “Jap” in die Leitung donnern:

“Haben Sie das Geraet an den Strom angeschlossen?” - “Jap”
“Haben Sie das Netzkabel an einem anderen Geraet erfolgreich getestet?” - “Jap”
“Haben Sie den Power-Knopf des Geraetes betaetigt?” - “Jap”
“Haben Sie das Geraet ordnungsgemaess gelagert?” - “Jap”
“Sind die Transportsicherungen entfernt?” - “Jap”
“Sind Sie der Eigentuemer des Geraetes?” - “Nein”,

und jetzt wirds erst interessant…

“Warum haben Sie das nicht gleich gesagt…”
“Ach, wissen Sie. Ich spreche einfach unglaublich gerne mit Ihnen.”
“Nun gut. Bitte geben Sie mir noch das Kaufdatum und die Seriennummer des Geraetes.”

Ich gebe ihr die Daten der Rechnung unseres Kunden, was sie mit einem “Ich verbinde Sie rasch mit einem Techniker” quittiert. Nur wenige Sekunden spaeter befinde ich mich wieder im tiefsten Bayern.
Als man mir das 2 Minuten lange Musikstueck 3 weitere Male vorgespielt hat und ich drohe, komplett dem Wahnsinn zu verfallen erbarmt sich ein Techniker… denke ich zumindest.

“Herzlichen Dank fuer ihren Anruf bei ‘GO - Generic Objects’. Mein Name ist Dorotta Berger. Wie kann ich ihnen weiterhelfen?” - Ich hatte es fast erwartet: “Schoenen guten Tag Frau Berger… ich weiss nicht genau warum ich Sie wieder an der Leitung habe. Eigentlich wollten Sie mich mit einem Techniker…”. “Ach Herr Rensing, das tut mir wirklich sehr leid… vielleicht spreche ich einfach viel zu gerne mit ihnen.”, Sie kichert etwas und fuegt so ironisch hinzu, dass mir das Telefon fast in der Hand zerschmilzt: “Einen Moment bitte, ich versuche es nochmal.” Und wieder fuehle ich mich den Alpen naeher als einer Druckerreklamation.

Als die Zeitanzeige des Telefons auf Minute 12 umspringt hoere ich es klicken. “Guten Tag Herr Rensing, mein Name ist Beate Freidland. Ich schicke ihnen ein Fax mit der entsprechenden Ruecksendenummer zu. Wenn Sie noch Fragen haben rufen Sie uns doch bitte an.” “Sie haben also keine Fragen mehr?” “Nein, wir haben keine Fragen mehr. Ich waere ihnen nur sehr dankbar, wenn Sie der Kollegin das naechste mal direkt sagen, dass es sich um ein Kundengeraet handelt, dann muessten wir nicht immer wieder unsere Fragen stellen.” …

Na Prima…

Kompetenzfragen

Sunday, May 14th, 2006

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Es gibt Momente im Leben, da wuenscht man sich, jemand haette lange vor besagtem Moment eine Axt erfunden, die sich bequem in der Tasche aufbewahten und bei bedarf entfalten laesst. Meint ihr nicht auch? Nein? Ok… vielleicht sieht man gleich, warum ich immer immer wieder so denke….

*Rueckblende*

Einer dieser Momente ist der in den ich gerade zurueckgeblendet habe. Ich stehe mal wieder hinter dem Tresen und schaue aus der Waesche wie ein nicht abgeholter Koffer mit Loesegeld. Das passiert selten, denn meistens bleibt mir zwischen meinen 3 Hauptaufgaben “Aufregen”, “Kunden betreuen” und “Zurueckhaltung ueben” wenig Zeit fuer derartiges Benehmen. Wie auch an diesem Tag. Es bleibt mir nicht viel Zeit Loecher in die Luft zu gicken, denn die Lichtschranke an der Tuere macht das Geraeusch, auf dass ich aehnlich trainiert bin wie ein Tanzbaer auf die Musik… Bloss schnell wegbewegen, sonst tuts weh!… aber es ist zu spaet.
Vor mir baut sich ein Popeye-verschnitt in dem mitt-Dreissigern auf und legt, weniger vorsichtig als grobmotorisch, seine Notebooktasche auf die Theke. Wiedereinmal freue ich mich, dass wir diese recht dicken soliden Holzplatten und nicht etwa eine aus Glas haben einsetzen lassen. Der Popeye verschnitt schaut mich aus den Augenwinkeln an als wollte er mich im naechsten Moment durch eins seiner Nasenloecher einatmen. Ich setze meinen “Kann ich ihnen helfen” Blick auf, doch bevor meine Gesichtsmuskeln ihre Position erreichen hoere ich den Satz, der mir meine dritt-genannte Hauptbeschaeftigung immer wieder merklich erschwert. “Is’ dein Chef da?”, scheppert es in meinen beiden Ohren. Wie ich feststelle ist dieser Herr durch und durch grobmotorisch… Von den Fuessen bis hin zum Hirn.

Lasst mich kurz erklaeren, warum mich dieser Satz zur Weissglut treibt. Menschen, denen die Arbeitsstruktur in diesem kleinen Laden nicht gelaeufig ist, mag es schwer verstaendlich sein, aber schliesslich ist, in diesem Moment, wo ich das hier erzaehle der Laden zu und ich habe ein paar Minuten. Mike und ich teilen uns die Aufgaben recht genau. Er weiss ueber die Wirtschaft bescheid, mein Bereich ist die Technik… er Verkauft, ich repariere… er schreibt Angebote, ich nehme Daten auf. Er weiss ueber die neusten Trends, ich ueber die alten Luecken… so ergaenzen wir uns ganz gut… manchmal hilft er mir in der Werkstatt und manchmal helfe ich auch im Verkauf. Eine seiner Aufgaben in der Werkstatt sind z.B. so Frickeleien mit der Heissklebepistole… mit der ich wiederum in seinem Arbeitsbereich die Kunden erziehe. Wie ihr seht, jeder weiss wo sein Platz ist und gerade im Moment sitzt Mike an ein paar wichtigen Angeboten und ich stehe im Laden und versuche die Kunden zu beraten, die sich zu uns verirren. Leider sehe ich aus wie ein kleiner Schrauberling, weshalb ich anscheinend oft nicht ernst genommen werde… wie war das mit der Heissklebepistole?

Dieser Grobmotoriker… richtig! Da waren wir stehen geblieben. Ich habe ihm noch immer nichts geantwortet, nur mein Blick verzieht sich zu meinem typischen “Koennten Sie das bitte nocheinmal wiederholen, sollten Sie das tatsaechlich ernst gemeint haben?”-Blick. Die Tatsache dass er mich einfach duzt stoert mich aktuell mehr als die, dass er nach dem Chef verlangt. “Weisst du, mein Chef ist gerade nicht zu sprechen, ich kann dir aber mit Sicherheit weiterhelfen.”. Mein Verdacht erhaertet sich. Den Wink mit dem Zaun versteht er leider nicht… nur sein Blick verzieht sich hin zu einem Ausdruck unverbluemter Skepsis: “Das glaube ich zwar nicht, aber das wirst du ja noch sehen. Ich habe ein etwas spezielles Problem.”. Ich bin gespannt… spezielle Probleme sind mein Ressort! “Ich habe ein Notebook und moechte da Arbeitsspeicher einbauen. Ich brauche einen Gigabyte .. oder zwei. Hat dein Chef den da?”. Hmm… ich wuerde ja erstmal gerne das Notebook sehen. “Hast du mir dein Notebook denn auch mitgebracht?”. Inzwischen habe ich das Gefuehl, ich winke mit mehreren Zaeunen direkt vor seiner Nase herum. Das einzige, was er merkt ist allerdings, dass ich kurz verschwinde… um meinen Chef zu holen denkt er… um einen passenden Mini-PH-Schraubendreher fuer sein Notebook zu holen denke ich.
Einige skeptische Blicke spaeter stehen wir vor dem Innenleben seines Notebooks und haben festgestellt, dass er seine Idee vom “seinem Gigabyte oder zwei” vergessen kann. “Im Maximalfall treffen wir uns in der Mitte”, gebe ich hoffnugnsvoll zu bedenken… muss aber einige Sekunden spaeter hinzufuegen: “Mehr als 1.5GB sind nicht drin mit dem Geraet. Und den fehlenden Speicher muss ich bestellen.”. Kleine Rauchwoelkchen entsteigen seinem rechten Ohr als ich “muss ich bestellen” sage. “Ich brauche dann noch deinen Namen, eine Telefonnummer und eine Anzahlung von 25 Euro.” Fuege ich hinzu, waehrend sich in seinem Kopf eine Sicherung nach der anderen in die Haende eines Lichtbogens uebergibt. Waehrend er die 25 Euro zusammensucht und mit der verbleibenden Motorik eine Telefonnummer und “Herr Frederikson” auf einen Zettel kalligraphiert, baue ich sein Notebook wieder zusammen. Bevor ich es ihm in die Hand gebe nehme ich noch einmal den Zettel in die Hand, lese leise “Herr Frederikson” in meinen Bart und sage dann nocheinmal “Du kannst unsere Geschaeftsraeume ja naechste Woche nochmal aufsuchen, ich denke dann hat mein Lieferant deinen Speicher geliefert.”. Fast stockend greift er nach dem Notebook packt es in die Tasche und verlaesst wortlos den Laden… eine kleine, nach verschmortem Plastik stinkende rauchspur zieht sich jedoch an seinem Kopf entlang bis hinaus auf die Strasse….

ob er jemals wiederkommt?

Die unglaubliche Entdeckung der Meinungsverschiedenheit mit sich selbst

Wednesday, April 26th, 2006

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Nundenn… so mag es am ein oder anderen Tag vorkommen, dass ein Kunde mit der ueberzeugung den Laden betritt, er waere im Recht. Was er moechte ist erstmal zweitrangig… vielleicht moechte er auch gar nichts… hauptsache er ist im Recht. Die Folgende Situation ist zwar frei erfunden, aehnelt aber rein zufaellig einer Situation die es so nie gegeben hat. Zumindest sitze ich gerade an meinem Schreibtisch als folgendes passiert.

“Ich muss nur noch diese 2 RMA’s abwickeln, dann kann ich erstmal eine Pause machen”, denke ich und hebe den Hoerer von der Gabel meines Telefons. Ein knacksiges Freizeichen, welches in mein rechtes Ohr dringt wie eine Staplergabel, die von einem Pakinsonkranken durch ein Nadeloehr gefuehrt werden soll, gibt mir zu erkennen, dass wiedereinmal jemand an meinem Telefonkabel herumgespielt hat. Ich erhebe mich von meinem Platz, schlendere zur Stelle des groessten Misstrauens im Kabel (eine Steckverbindung in der Naehe der Werkbank wo immer wieder Leute auf die Idee kommen mein Telefonkabel zum testen von Modems zu benutzen wenn ich gerade nicht hinsehe) und stecke die Verbindung neu. Als ich zurueck zum Telefon schlendere hoere ich, wie draussen vor der Tuer eine Autotuer zugeschlagen wird. Egal. Unbeirrbar muss man sein, weshalb ich einfach davon ausgehe: “Der will nicht zu uns”. Ich nehme Platz und das Freizeichen gleitet in mein Ohr wie ein Seidentuch… Ich waehle mit einem zufriedenen Laecheln auf den Lippen. Nach wenigen Sekunden saeuselt schon die Wartemusik daher, unterbrochen von einem “Herzlich Willkommen, Sie sind mit der Reklamationsabteilung verbunden”. Ich warte… und schaue vertraeumt und immernoch laechelnd an die Wand. In dem Moment, in dem sich das semi-melodioese gesaeusel in ein Freizeichen wandelt klingelt die Tuere und jemand tritt bestimmt in den Laden. Ich lasse mich zu einem lauten “Einen Moment bitte” hinreissen. Wie so oft bon ic halleine im Laden. Mike ist Essen holen gefahren… anscheinend kocht er es selber und sammelt die Zutaten von Hand. Zumindest ist er seit 2 Stunden nicht mehr da.

Meine Worte unterbrechen den sich gerade vorstellenden Mitarbeiter der Reklamationsabteilung. Ich entschuldige mich und frage der Hoeflichkeit nach nocheinmal nach seinem Namen, woraufhin er sich erneut vorstellt. Seinen Namen kann ich allerdings immernoch nicht verstehen, da der Kunde, der sich vorn im Laden aufgebaut hat beginnt, seiner Ungeduld eine Stimme zu verleihen: “Kommen Sie bald mal nach vorn? Das ist ja nicht zu fassen!”. “Ich muss noch ein Gespraech fuehren! Bitte warten Sie noch einen Moment.” Bruelle ich freundlich (ja, das geht) nach vorne in den Laden. Der Mitarbeiter am anderen Ende ist inzwischen hoerbar irritiert: “Warum fuehren Sie das Gespraech dann nicht erst, bevor Sie mich anrufen?”. “Nein, Sie waren doch nicht gemeint. Ich sprach mit einem Kunden bei uns im Laden…. Ich habe auf jeden Fall ein Problem mit einem Kundengerae aus Ihrem Hause…”. Lautes Pfeifen unterbricht mich… nicht etwa aus der Leitung… nein, es ist der Kunde, der sich im Laden aufgebaut hat und aus vollen Rohren ‘Alle meine Entchen’ zum besten gibt. Er gibt sich alle Muehe keinen einzigen Ton zu treffen… “Am besten ist, Sie rufen spaeter nocheinmal an. Die Leitung scheint gestoert zu sein.”, verstehe ich gerade eben noch aus dem Telefon. Im Laden beginnt derweil der Versuch einer Pavarotti-Parodie. Ich denke der Mitarbeiter der Reklamationsabteilung hat Verstaendnis und ich lege auf. Ein bisschen bemitleide ich ihn.

Als ich in den Laden trete verstummt der Laerm urploetzlich und vor mir steht ein aelteres Ehepaar. Ich begruesse beide freundlich und stelle die obligatorische Frage: “Wie kann ich ihnen weiterhelfen?”. Naja… ich versuche sie zu stellen… nach dem “W…” faellt mir der aeltere Herr schon ins Wort. “Endlich kuemmert sich mal jemand um uns, wir sind alte Leute und koennen nicht mehr so lange stehen wie Sie!”. Bei dem Gedanken an meinen Miniskus ueberkommt mich urploetzlich das Verlangen nach einem Stuhl. Ich verkneife mir diesen und ignoriere den Kommentar des Kunden… noch. “Wie kann ich ihnen weiterhelfen?”. Diesmal schaffe ich sogar auszureden. “Wir haben ein Problem mit unserem Computer. Er funktioniert nicht mehr… was kann das sein?”, sagt der Mann. Ich stelle mir vor wie der Mann in einen Eisenwarenladen kommt und sagt “Ich brauche eine Schraube”. Mein Grinsen entgeht ihm nicht, also erklaere ich: “Nun… dazu muessten wir ersteinmal wissen, was alles nicht funktioniert. Vielleicht haben Sie das Geraet dabei?”. “Natuerlich nicht”, erwidert der Mann ohne zu zoegern. Ich wuenschte mir meine Netzwerkverbindungen haetten die Latenz seine Antworten. Es waere angenehmeres Arbeiten im Netz. “Meinen Sie in meinem Alter kann ich so einen Rechner noch durch die Gegend tragen?”, fuegt er etwas angesaeuert hinzu. “Dann koennen Sie versuchen mir ihr Problem moeglichst genau zu beschreiben. Dann kann ich versuchen zusammen mit ihnen eine Loesung zu erstellen.”. Mein fuersorglicher Versuch sein Problem in einem kostenfreien Beratungsgespraech zu loesen bleibt ihm verborgen. Fuer ihn scheint es ein Angriff auf seinen technischen Sachverstand zu sein. “Hoeren Sie mal, das muessen Sie doch wissen! Bin ich der Fachmann oder Sie? Das ist ja wohl die Hoehe!”. In dem Moment zweifele ich sehr daran, dass bei diesem Herrn ueberhaupt irgendein Verstand zu finden ist, der gross genug waere um als Ziel fuer einen Angriff zu dienen. Ich versuche ihm mein Problem allgemeinverstaendlich zu erlaeutern: “Nun… Computer sind aeusserst komplexe elektrische Anlagen. Es kann millionen Ursachen haben, warum ihr Geraet nicht funktioniert. Noch viel mehr Symptome gibt es. Bitte beschreiben Sie einfach was passiert, wenn Sie versuchen Ihr Geraet einzuschalten.”. Endlich. Sein Hirn beginnt zu arbeiten… zumindest sieht es fuer einen Moment so aus. Er wendet sich zu seiner Frau. “Erna? Weisst du noch was passiert?”. Seine Frau zuckt vielsagend mit den Schultern. Er wendet sich daraufhin zu mir zurueck, schaut einen Moment lang loecher in meinen Kopf und beginnt dann einen wohlueberlegten Satz in dem er all sein Wissen verpackt: “Er geht nicht an.”. ‘Guuut!’ denke ich bei mir. Rechner die nicht angehen… das ist schonmal ein leicht eingrenzbares Problem. “Es tut sich ueberhaupt nichts mehr?”, frage ich vorsichtig. “Nein!”, erwidert er, “gar nichts! Es macht nur *klick*”. Ich nehme mal an, das *klick* kommt vom Schalter… also grenze ich das Problem noch weiter ein: “Dann haben Sie wahrscheinlich ein defektes Netzgeraet in ihrem Computer… nicht ausgeschlossen waere auch ein Defekt in der Hauptplatine.”. Der Mann ist ueberrascht: “Wie wollen Sie das wissen junger Mann? Sie haben mein Geraet doch noch gar nicht gesehen!”. Ich denke eine Sekunde nach… erkenne, dass es keinen Sinn macht darueber nachzudenken und lausche weiter seinen Ausfuehrungen: “Sie sagen es ist das Netzgeraet… ich glaube ihnen das aber nicht. Wer sind Sie ueberhaupt?”. Nur schwer kann ich mir mein ‘Ich will den Chef sprechen’-Grinsen verkneifen. “Ich bin der Techniker dieser Firma. Ich repariere die Geraete und diagnostiziere Probleme, so wie ihres.”. Auf seiner Stirn bilden sich tiefe Falten. “Koennen Sie das denn ueberhaupt?”, sagt er mit seitlich geknicktem Kopf, “Sind Sie dazu in der Lage, frage ich!”. Ich nicke und sage ruhig: “Ja. Natuerlich kann ich in Ihrem Fall nichts versprechen aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass es sich in den meisten Faellen die sich gestalten wie Ihrer um einen Defekt im Netzteil handelt.”. Nach einer kurzen Pause fahre ich fort: “Ich koennte versuchen meinen Verdacht zu bestaetigen, wenn Sie mir den Rechner vorbeibraechten.”. Der Mann schaut, als haette ich ihm gerade meine Liebe zu seiner Frau gestanden. “Was? Wenn Sie meinen Rechner reparieren wollen kommen Sie doch bei mir vorbei! Aber erwarten Sie nicht dass ich Sie hereinlasse!”. Der Mann dreht sich um und verlaesst den Laden. Seine Frau folgt wortlos.

Als ich mich umdrehe bin ich froh. Ich kann endlich in Ruhe versuchen die Reklamationsabteilung zu erreichen.

Die Grundversorgung

Thursday, April 13th, 2006

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Es ist inzwischen Nachmittag geworden und mein Magen knurrt. Der Computereinzelhandel ist wohl eine der wenigen Branchen die es sich aus Kundenfreundlichkeit und Arschkriecherei nicht erlauben duerfen eine Mittagspause einzulegen. Zumindest hoere ich mir das jeden Tag von unseren Kunden an, die sich ueber unseren statt der Mittagspause eingefuehrten Ruhetag den Mund fusselig diskutieren. Keiner von ihnen ist jedoch bisher auf die Idee gekommen diesen Tag (wie ich) einfach aus dem Grunde fuer total schwachsinnig zu erklaeren, dass man von niemandem verlangen kann die ganze Wocke durch Mittags zu fasten und sich dann den ganzen Ruhetag lang mit Lebensmitteln zu befuellen.
Da ich dieser Meinung bin, mache ich jeden Tag einen kleinen Ausflug zum oertlichen Lebensmittelfachhandel und besorge mir 2 Liter Fertigtee und 4 Milchbroetchen. Diese ausgewogene Kost soll fuellen und mit Fluessigkeit versorgen. Beide Aufgaben erfuellt sie aeusserst gewissenhaft… sofern man denn dazu kommt sie zu sich zu nehmen… (lasst mich euch an dieser Stelle in die Handlung zurueckhelfen):

Ich habe gerade, bewaffnet mit meinem Mittagessen den Laden betreten, als mich auch schon Mike zum Tresen winkt. Dort hat sich jenseits (auf Kundenseite) bereits eine 4 koepfige Familie aufgebaut, bereit uns nach allen Regeln der Kunst ueber den Tisch zu ziehen sofern wir damit nicht schneller sind. Eltern, Tochter und Sohn sind bewaffnet mit Prospekten und Angeboten unserer Mitbewerber.
In dem Moment wird mir klar warum Mike mich zum Tresen geholt hat… es ist seine humoristisch-sadistische Ader, die ihn zwingt mich in den Zwiespalt zwischen “Essen fassen” und “Dieses Spektakel grinsend miterleben” zu zuwingen. Es gelingt ihm sofort. Lasst mich das Gespraech zusammenfassen:

  • Er: Wir brauchen einen Rechner fuer unsere Kinder und fuer uns. Der muss schon was koennen. Fotobearbeitung und wir wollen auch Texte damit schreiben und lesen koennen. Ganz wichtig ist, dass der schnell im Internet ist… unser alter ist so langsam!”
  • Mike: Was besitzen sie denn derzeit fuer ein System?
  • Er: Was?
  • Mike: Wat kann ihre Kiste jetz?
  • Er: Das ist ein 24X PC mit 80GB Prozessor und ich glaube 256MB Festplatte. Mit dem Arbeitsspeicher muss ich nochmal schauen. Das teil ist sooo langsam im Internet!
  • Ich: Was haben Sie denn fuer nen Internetanschluss?
  • Er: Gar keinen. das geht bei uns ueber Telefon

An dieser Stelle moechte ich euch um euer Mitleid bitten. Wir im Computereinzelhandel brauchen ein unglaubliches Fehlerkorrektur- und Interpolationsvermoegen fuer Kundenangaben, dass es fast keine Art mehr hat.

  • Mike: Jaaa… das wird nicht zwingend schneller nur weil sie nen neuen Rechner kaufen.
  • Er: Nich?
  • Sie: Nich?
  • Mike: Nein. Schon ein Pentium 1 System kann das, was durch eine Modem-getriebene Verbindung geht ohne weiteres verarbeiten.
  • Er: Pentium! Genau so was steht bei mir auch vorne drauf.
  • Ich: Top Systeme. DIe laufen einfach… wenn sie nicht gerade von Aldi sind.
  • Sie: Was haben Sie gegen Aldi-Computer?
  • Mike: Die besseren Angebote. Es ist keine Kunst. Aldi’s Masche ist es die Kunden mit grossen Zahlen zu blenden. Dann schaut man gar nicht mehr auf den Preis.
  • Er: Daher kommen wir zu ihnen (ob er damit nur ablenken moechte von der Tatsache wie sein letzter Computerkauf zustande gekommen ist?)
  • Mike: Der Rechner den sie haben wollen steht hier schon. Es ist wieder ein Pentium, diesmal von HP und das Geraet hat Kaefer-Charakter. Anmachen … und er laeuft und laeuft und laeuft. Ausserdem unterstuetzt er alle neuen Technologien von Hause aus… und natuerlich noch die alten.
  • Er: Hat das Geraet keinen Card Reader?
  • Mike: Nein. Sowas braucht man da wo die Rechner fuer gewoehnlich stehen seltener. Wir bauen gerne noch einen stil-echten ein. Der kann dann auch Floppys lesen.
  • Sie: Wo stehen die denn? In der dritten Welt? Jeder braucht Digitalkameras heute!
  • Mike & Ich: Im Buero.
  • Er & Sie: Ahh….
  • Mike: Speicherkarten sind eine tolle Sache, aber mal im Ernst… man kann auch vorne die Kamera anschliessen, die Bilder herunterladen und dann weitermachen.
  • Sohn: (wedelt mit einem Saturn Prospekt) Der hier hat nen 24 in 1 Card Reader!!
  • Mike: Also der HP kostet 549 Euro. So neu wie er vor uns steht, was heissen soll: Fabrikneu und vorinstalliert.
  • Er & Sie: Das ueberlegen wir uns lieber nochmal. Das ist schon ein Haufen Geld.
  • Mike: Was hatten Sie ueberlegt anzulegen?
  • Er: 900 Euro in etwa… aber 1549….
  • Milke (laut): FUENF-HUNDERT-NEUN-UND-VIERZIG!
  • Er: Das ist zu billig, die wollen uns hier verschaukeln. Komm Schatz, wir gehen.

Ich schaue Mike an, er schaut mich an. Sein Grinsen ist nicht zu uebertreffen, hat aber einen wehmuetigen schlag versetzt bekommen. “Weisst du, ich glaube wir sollten unsere preiswerten Systeme auch fuer 900 Euro verkaufen. Dann gingen sie wesendlich schneller weg.” sagt er. Nun habe ich endlich Zeit mein Milchbroetchen zu mampfen.

— Fortsetzung folgt —

Der Tragoedie erster Teil

Saturday, April 1st, 2006

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Es ist 10 Uhr, der Wecker klingelt. Es ist Dienstag…. *rewind* .oO(Ich habe gar keinen Wecker). Es ist 10 Uhr und ich raekel mich aus dem letzten Rest Schlaf, der mir noch in den Knochen steckt. Es ist eigentlich viel zu spaet. Ich denke mal wieder daran eher schlafen zu gehen, waehrend ich mich ins Badezimmer schleppe um meine Morgenhygiene ueber mich ergehen zu lassen. Im Schrank suche ich mir das schlabbrigste T-Shirt aus der Menge, dass ich finden kann und springe hastig hinein. Mein Blick bleibt fuer einen Moment an dem “Team CU” Poloshirt haengen. Team CU… das sind wir. Das ist das Team der (fiktiven) Firma Computers United. Dorthin werde ich mich aufmachen.. aber vorher ….

In der Kueche steht noch das Fruehstueck, anbei eine Kanne Kaffee, die ich, bevor ich meine Tasche schnappe und mich in die Hoehle des Loewen aufmache um einige 100ml erleichtetere… inzwischen ist es fast 12. Wie habe ich das wieder geschafft? Egal, ich muss mich beeilen, ich muss zu Fuss zur Firma und das dauert immer ein paar Minuten.. also zuegig (ein Wort dass ich hasse… und das um 12? Hoelle! andere Leute schlafen noch!).

“Na?” Schallt es durch die Tuere vor deren tiefer verschlossenheit mich immer wieder die Ehrfurcht vor moderner Schliesstechnik dahinrafft. Mein Chef Mike winkt mir schelmishc durch die Tuere entgegen, laeuft dann seelenruhig ins Buero und holt die Schluessel. Ich stehe bei eiseskaelte in draussen und warte… und warte… und warte. Von hinten schubst mich ein aelterer Herr. “Wollen Sie nicht reingehen? Ist niemand da?” “Mein Chef sucht den Schluessel”. “Aha” sagt er und drueckt die Tuer auf, die gar nicht abgeschlossen war. Welch ein Tag.

Ich folge dem aelteren Herrn in das Ladenlokal, passiere die Theke und haenge meine Jacke ins Buero. Mikes grinsen ist inzwischen so breit geworten, dass ich grosse Lust bekomme ihm ein 19″ Patchpanel zwischen die Beisser zu schrauben. “In der Kueche liegen noch welche”, erinnere ich mich. “Kommt mich hier langsam mal jemand bedienen?!” schallt es aus dem Verkaufsraum. Ich erinnere mich fluechtig, der aeltere Herr. “Ich entschuldige mich. Ich komme sofort. Ich wollte nur eben ankommen, bevor ich mich um Sie kuemmere.”. Ein Blick auf die Uhr raet “Keine Eile”. Es ist fuenf vor 12, ich war schnell genug und wir oeffnen erst um 12. “Was ist denn nun?”. Diese und noch 2 weitere Aufforderungen, sowie 2 Minuten spaeter mache ich einen Schritt nach vorne in den Verkaufsraum, das Mikes Grinsen noch um einige Zentimeter uebertreffend. “Wie kann ich ihnen weiterhelfen?”, saeusele ich durch meine angespitzten Zaehne. “Ich habe nur eine kurze Frage… Ich suche einen Rechner. Haben Sie einen da?”. Ich liebe ihn.. ich liebe ihn einfach diesen Mann. Er kommt in einen Computerladen und stellt diese Frage. “Ich muss ihnen Recht geben, eine einfache Frage.”, antworte ich, “Ja. Wir haben einen Computer da.”. Auf mein breites Grinsen starrend versucht der Mann sich zu erinnern was er wollte. Ich helfe ihm etwas auf die Spruenge. “Was wollen Sie denn mit dem Rechner machen?”. “Der ist fuer meinen Enkel… der macht nicht viel damit… nur Spiele”

*schnitt* - Wir aus dem Computerfachhandel haben die Angewohnheit, uns in solchen Situationen mit Autohaendlern zu vergleichen. Woher das kommt wird nicht verraten, jedoch sei gesagt: meistens trifft es zu. *schnitt*

“Stellen Sie sich folgende Situation vor. Ein Mann tritt in eine Niederlassung eines Volkswagenpartners und bittet um eine Beratung. Als er gefragt wird was er gerne haette antwortet dieser ‘Ach nur ein kleines Auto.. Fuer meinen Sohn, wissen Sie? Es muss nichts wildes sein. Er macht nicht viel damit. Nur ein paar Rennen fahren.’”. Der Mann versteht nicht ganz was ich meine. “Wissen Sie, Spiele sind eigentlich die einzige Sache, die einem Rechner das letzte abverlangt was er vorgibt zu koennen.”. Sein Blick rutscht von meinem Grinsen ein Stueck hinab in die Angebote, die in kleinen Plastikaufstellern vor ihm auf dem Tresen stehen und pendeln unglaeubig zwischen zwei aufstellern hin und her. “CU Gaming 799,-” und “CU Office Basic 399,-” Steht darauf. “Sie haben Recht. Der Spielecomputer ist deutlich teurer.”. Zutiefst betruebt verlaesst er den Laden. Seinen Kopf kann ich noch eine Weile gedanklich wackeln sehen, als er die Strasse herablaeuft.

Nachdem der wackelnde Kopf hinter der Bushaltestele verschwunden ist drehe ich mich um und verlasse den Verkaufsraum durch den magischen Vorhang. Auf einem Schild steht “AUSSCHLIESSLICH PERSONAL”. Das Schild ist allerdings wesendlich unwirksamer als das Kotzgruen des Stoffes aus dem der Vorhang ist. Meinen Appetit auf Kaffee habe ich allerdings immernoch nicht verloren. Mike sagt immer “Der Kaffe muss so stark sein, dass ein Amboss gerade eben drauf schwimmen kann. Ich teste es mit der Kaffekanne und einer alten SCSI-Festplatte… welche in der Kanne sofort sinkt. Dennoch kann ich nicht widerstehen mit einen Pott voll einzugiessen und genuesslich durch meinen Hals fliessen zu lassen. Jetzt bin ich endlich wach.

*Fortsetzung folgt*