Archive for the ‘Schnipsel’ Category

getraeumt [Snippet]

Sunday, May 10th, 2009

Gemeinsam sitzen sie in der Luft in diesem Grossen Raum, dessen Waende aus massiven Metallplatten bestehen. Woher das Licht kommt ist nicht zu erkennen, die quadratischen Metallplatten jedoch erscheinen in ihrer vollstaendigen Kuehle und bedrueckenden Stille um sie herum. Ein eiskalter Kubus aus Metall genau in dessen Mitte im Schneidersitz sich gegenueber diese beiden Seelen in der Luft.

Sie starrt mich an. Leer und doch nicht annaehernd so kalt und ziellos wie die Atmosphaere um uns herum. Ich starre zurueck. Stille. Dann oeffne ich meinen Mund. “Leere”, sage ich. Sie starrt weiter.

Er starrt mich an. Ziellos, doch nicht annaehernd so Leer wie der Raum in dem wir schweben. Ich starre zurueck. Er oeffnet seinen Mund. “Leere” durchbricht die Stille. Ein Wort ohne Inhalt hallt zwischen dem Metall. Der einzige brechende Punkt sind wir, Ist er, bin ich.

“Leere” verhallt langsam. Sie starrt weiter, leer, aber warm. Sie wartet, bis Stille die Leere wieder abloest, dann oeffnet Sie den Mund. “Ewigkeit”, sagt sie und die Worte hallen wider, ein Echo an den Waenden und in meinem Kopf. Sie verschwimmt vor meinen Augen, waehrend der Rest des Raumes stabil bleibt. Ihr Bild zerfaellt zu einer Wolke aus farbigem Rauch, der ebenso wie das Echo, langsam in den Ritzen des Raumes versickert.

Ich hoere die Leere verhallen, langsam, fast stillstehend. Wie Luft legt sich das Wort um mich, umfasst mich, laesst meine Gedanken schwinden. Ewige Leere. Ich oeffne meinen Mund. “Ewigkeit” – ein Wort der Akzeptanz, des Ausblicks auf ewige Leere. Ich spuere wie ich verschwimme, mich aufloese, eins werde mit dem Raum. Dann verliere ich mein Bewusstsein, bin nicht mehr. Ich hoere auf zu existieren, fuer immer.

“Einsamkeit” verlaesst meine Lippen. Kein warmer leerer Blick mehr, der an mir haftet. Nur an mir noch kann sich die Einsamkeit brechen. Nur ich kann sie verhallen lassen, in diesem leeren kalten Raum

(ein leicht surrealer Traum, den ich vor einiger Zeit hatte… hat mich etwas inspiriert hier)

Schienen-Reim

Thursday, April 23rd, 2009

Zwei Seelen (2002)

Ein altes Gedicht von mir und ein altes Photo von mir finden zusammen. Ganz klassisch – ich finde, auch wenn es nicht hier hin passt, gehört es hier hin.

Und hoffen wir – in unserer Identität als Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer – dass wir nicht in der Nähe sind, wenn dieser Traum wahr wird.

Gruss vom Sternensucher

P.S.: Manche Sterne findet man in der Bahn… auch wenn sie recht schnell wieder weit weg sind.

Laufen… [snippet]

Sunday, February 15th, 2009

Muede stolpert er ueber ein paar Äste, die von Schnee bedeckt in seinem Weg liegen. Seine Füße sinken tief in den Schnee und mit jedem Schritt verliert er den Glauben daran, seinem Ziel näher zu kommen. Schon seit Kilometern gehorcht ihm sein Körper nur noch sporadisch, seit Stunden irrt er verlassen durch den Wald – durchs Unterholz. Einen Weg hat er mindestens ebensolang nicht mehr erblicken können und auch keine Lichter. Nur der Mond scheint durch die blattlosen Baumkronen und taucht seine Umgebung in ein leicht bläuliches unsicheres Licht. Kraftlos kämpft er sich den Weg durch Gebüsche und Hecken. Sträucher erscheinen ihm wie die Gitter einer Gefängniszelle – grau und undurchdringlich. “Bloss nicht stehen bleiben…”, denkt er sich immer wieder. Wie ein Mantra murmelt er seinen Gedanken vor sich hin, welcher wie er mit jeden Schritt an Kraft verliert. “… wenn ich stehenbleibe, bin ich erledigt.”. Er stolpert aus einem Gebüsch in eine Gruppe Brombeersträucher, welche ihm durch seine durchnässten Kleider tiefe Risse in die Haut graben. “Ich kann nicht stehenbleiben”, murmelt er weiter, als er merkt, wie das warme Blut ihm den Arm herabrinnt – wärmer als der schmelzende Schnee, der ueberall in seiner Kleidung haftet. “Wären da doch nur ein paar Lichter, nur eine Hütte.”, denkt er, während er die Brombeerstraeucher hinter sich lässt, mehr auf allen Vieren als laufend. Jeder Schritt scheint ihm wie ein Berg, jede Bewegung schmerzt, seine Knochen wollen bersten, doch noch hält er sie zusammen. “Wo ein Wille da ein Weg.”, sagt er sich und schleppt sich weiter. Immer dichter wird das Unterholz und der Mond spendet kaum noch Licht. Sein Atem friert fast in dem Moment, in dem er seinen Mund verlässt und Eiszapfen hängen aus seinem Bart, brennen an seinem Kinn, so kalt sie auch sind. Er kann die Stellen in seinem Körper nicht mehr erkennen, an denen er keine Schmerzen hat, kann sie nicht mehr ertragen. So sehr sie ihn zwingen weiterzuwanken, so sehr rauben sie ihm die Kraft. Er fällt von einem Schritt in den nächsten, trudelt, wankt, aber bleibt nicht stehen. Er rudert mit den Armen durch den Schnee, fängt sich, wankt weiter. “Fussspuren!”, schreit er auf einmal. Tatsächlich liegen vor ihm Fussspuren im tiefen Schnee, mitten im Unterholz. Ungleichmäßig und immer wieder unterbrochen von Büschen. Er spürt Wärme in sich, neue Hoffnung. Er eilt, hastet fast,  mit seinen letzten Kräften. Der Schnee staubt unter seinen Füßen und hervor,  und er fliegt über die Äste und kleinen Straeucher hinweg, den Spuren nach, in der Hoffnung auf Wärme und einen Platz an dem er neue Kraft sammeln kann. “Spuren! Endlich! … ein Mensch… ein anderer Mensch!”, schreit er schliesslich laut hervor.

Die Spuren führen ihn zu einer Gruppe Brombeersträucher, wo sich eine kleine Blutlaache in den Schnee gegraben hat. Es ist noch nicht gefroren, fast noch warm… und es ist sein Blut. Wie erschlagen sackt er zusammen, als die Hoffnung von ihm weicht. Er hat keine Kraft mehr. “Nur eine Minute… nur eine Minute Pause…”, flüstert er, als sein Herz das letzte mal schlägt. Und nur der Mond wirft Licht auf seinen Körper, der leblos und kalt nach und nach vom leise fallenden Schnee bedeckt wird.