Archive for the ‘Bilder und deren Rahmen’ Category

Meet the circus

Tuesday, October 21st, 2008

Radiovision…. was mag das heissen? Egal. Die kuerzlich erschienene EP von Younnat wird vom Kahvicollective nicht umsonst mit den sinngemaess uebersetzten Worten angekuendigt, dass sie angenehm aus dem Rahmen faellt. Der vom Kollektiv angegebene Stil “Elektro Funk” stoesst bei mir zunaechst auf Unverstaendnis, ist jedoch nach kurzem Reinhoeren … zumindest erklaerlich. Einen einzelnen Begriff fuer das was der Kahvi-Audio-Debutant mit der EP abliefert gibt es ohnehin vermutlich nicht.

Durch einen gekonnten Mix verschiedener Rhythmen und einem recht aussergewoehnlichen Instrumenten-Lineup - ja selbst die gewaehlten Synthesizer ueberraschen - rechtfertigt er auf jeden Fall den Begriff Funk, ja, orgelt sich geradewegs ins Ohr. Es existiert keine grundlegende allgemeine Stimmung mit der man diese EP beschreiben koennte, es kommt einfach zu viel zusammen. Von verspielten FM-laeufen, E-Gitarren, einem Funky Organ, Voice Samples, die bisweilen eine fast nervend eingaengige Rhythmusebene malen, dezente Bassbegleitung… Melodisch geht Younnat keinen Mittelweg. Ruecksichtslos schmeisst er die Akkordlehre der modernen Popmusik ueber den Haufen, mischt in das was stehenbleibt Einfluesse aus IDM und Acid, holt die Spraydose heraus und kreiert eine riesenhafte Clowns-Frazte. Was stellenweise klingt, wie ein Experimentalprojekt betrunkener 4-jaehiger gibt auf jeden Fall so viel, dass die angesetzten 6 tracks von je etwa 4 Minuten viel zu kurz erscheinen und hat mit kleinkinderhaftem herumgeklimper mal s gar nichts gemeinsam. Wenn das Elektro-Funk ist, will ich zumindest mehr davon, moeglichst schnell.

WARNUNG: Diese EP begeistert. Runterladen. Hoeren.  Bekloppt werden.

Album Art

  • Release page: HERE
  • Availability: Free of charge
  • Medium: MP3(ZIP) 1,2 - OGG(ZIP) 1,2
  • Playtime: (total: 26:48) 6:28, 3:00, 5:00, 4:06, 4:12, 4:02

Danke Younnat, das hat gut getan.

P.S.: wem das gefaellt, der schaue sich noch die 4 Videos Wheel experience, Sockets Sampler, Dot Matrix Printer Etude und Desktop Keyboard an. Der Mensch ist schon irgendwie … recht verspielt :).

“angestaubt”

Thursday, March 6th, 2008

“Es ist nicht immer alles einfach und leicht.” … liesse sich die EP “Poussičre” von Muhr in wenigen Worten zusammenfassen, muessten sie in etwa so lauten. Da das aber leider nicht geht, muessen ein paar mehr Worte herhalten.

Die Musik die ich in den Netlabeln finde klingt oft rau, experimentell und man mag fast manchmal vermuten, dass einige Kuenstler erstmal alles Veroeffentlichen, was sie so produzieren, ungeachtet der Tatsache, ob gerade die Katze ueber den Midi Controller laeuft oder man ernsthaft versucht eine Struktur aufzubauen. Herrlich lassen sich solche Stuecke in Genres wie IDM einordnen und ziehen das Gesamtbild enorm herunter… Kritiken wie “es klingt deutlich zu anstrengend” entziehen sich diese Leute dann mit Saetzen wie “Das ist nicht anstrengend, das ist nur zu anspruchsvoll fuer dich.” oder “Waere es nicht anstrengend, dann waere es nicht IDM” … Das klingt etwas nach Profilierungsdrang und passt gar nicht in den so verspielten und tiefgruendigen Kontext der Musik.

Vincent Fugere und sein Musikprojekt Muhr sind ein Urgestein der freien Elektronischen Musik und bekannt als ‘der Kopf hinter camomille und dem ronincollective‘ - zwei netlabel, die Platz fuer Kuenstler wie Mikael Fyrek, lackluster und viele weitere boten, die mit ihrer Experimentierfreudigkeit den schmalen Grat zwischen Ertraeglichkeit und einem neuen Weg trafen, als haette man sie auf schienen gesetzt - und das ohne dabei auch nur aehnlich zu klingen. Als 143 ( centquaratne3 ) beteiligt er sich gleichsam mit bildkuenstlerischen Beitraegen an Gesellschaftskritik und Artwork seinen eigenen Netlabeln. Auch fuer die EP “Poussičre” schuf er einige Bilder, die leider nicht mit dieser zusammen veroeffentlicht wurden.

unreleased artwork 1
unreleased artwork 2
Unveroeffentlichtes EP Artwork

Das Netlabel serein (UK) beschreibt die EP - deren Titel sich als “Staub” uebersetzen laesst - als die wohl selbstbewussteste musikalische Veroeffentlichung Muhrs in den vergangenen Jahren. Selbstbewusst wohl auch, weil sie sich ohne ein Winperzucken auf das Minenfeld der gewoehnungsbeduerftigen Musik wagt. Wer etwas zu sagen hat, soll kein Blatt vor den Mund nehmen - und Muhr spart sich alle Blaetter und kommt sogar ohne Mund aus. Die 5 Tracks tragen einen nur wenige Meter und setzen einen dann auf einem harten und kalten Steinboden ab. Waermende Klangphaeren erahnt man in der Ferne, doch nie in Reinheit. Muhr stellt klar das problematische in den Vordergrund und laesst einem keine Ruhe in der Musik aufzugehen.
Der Begriff des “zum Nachdenken anregens” ist viel zu ausgetreten um ihn hier nocheinmal anzubringen - vermutlich wuerde er noch nichteinmal passen. Die 5 Tracks halten einen jedoch in einem Zustand des Zuhoerens, der irgendwo zwischen Gruebeln und Traeumen liegt und gewaehren einem Einblick in die Scherben einer melancholischen Welt, in der nichts so ist, wie man es sich ertraeumt. Oft trifft die Musik dieses Bild und traut sich damit, der melancholischen Stimmung vergangener EPs wie der bei miasmah music erschienenen ‘La chute du romantisme en ballades‘ zu widersprechen.

Nicht immer eben ist alles einfach - auch nicht das Zuhoeren. Das Label selbst sagt zu dieser EP: “Diese EP ist ein widerwilliges Biest und braucht ein Paar durchlaeufe um gezaehmt zu werden. Du bist es dir schuldig, das auch zu tun.” - ich moechte das so unterschreiben. Diese EP ist weniger die Art Musik, die man abends an macht, wenn man von einem gestressten Tag nach hause kommt, sondern eher die, Art Musik, die man an einem sonnigen Tag bei einem Blick aus dem Fenster in die schoene bunte Welt mit einem “das ertrag ich jetzt nicht” aus macht. Die Stunde wird kommen… :).

Artwork
‘Muhr / Poussičre’ bei serein UK

Das Album gibt es wie immer mit Klick auf das Bild oder im folgenden Player direkt zum reinhoeren:





Einen guten Abend euch noch und ein erfahrungsreiches Zuhoeren wuenscht

Der Sternensucher

Ohrenfrasz…

Tuesday, March 4th, 2008

… und bitte nicht schlingen!

Es ist mal wieder soweit, sie sind in meinem Kopf. Ich habe keine Ahnung was sie da machen, aber wie sie da hin kommen weiss ich genau. Wieder einmal war es der DE:BUG-Podcast, der mir mal immer so wieder auf die Platte schwaemmt. Letzte Tage hab ich mich mal durchgerungen, das Zeug auf meinen MP3-Player zu kopieren und schon ist es wieder passiert. Diesmal ist es eine Live-EP aus dem Fresh-Poulp-Netlabel aus Frankreich, die meine Aufmerksamkeit erregt. Die EP FPR015 beschreibt sich selbst als Mixtur aus den Stilen 2er Kuenstler - “Rafiralfiro” aus Frankreich und “[wini] 2.0” aus Spanien.

‘Rafiralfiro’ (o-r) (u-l) und ‘[wini] 2.0? (u-r) (o-l)
Die Kuenstler

Musikalisch liegen die beiden gemischt irgendwo im Bereich orientalischer Dub-Tech-Hop. Wie ich darauf komme wird beim ersten Reinhoeren eigentlich ziemlich schnell klar. Ohne Hemmungen vermixen die beiden in diesem aeusserst gut ausproduzierten Live-Set Beat-Loops aus Hip-Hop, Acid und ruhigen Elektro-Stilrichtungen, mischen Sie mit dem Fluss aus IDM und Dub und wuerzen mit allem was in ihrem Ton-Krug an orientalischen Musikkraeutern zu finden ist - eine Prise Vocals nicht zu vergessen.
Teils sind die Stuecke zwar etwas langatmig, dennoch setzt jedes Stueck mindestens 2 stilistische Breakpoints und nicht selten schaut man relativ dumm drein wenn man feststellt, dass man immernoch das gleiche Lied hoert - vielleicht einer der Nebeneffekte dieser explosiven Kooperation.
Keine Sekunde dieser EP empfand ich als nicht hoerenswert. Ueber die leider etwas mageren 128kbit, kann man angesichts der Musikalischen Qualitaeten hinweghoeren. Meiner Meinung nach eine der EPs, die auf Dauer in die Musiksammlung uebergehen koennen.

EP Cover
FPR015 mp3 - 128kbit

Downloaden kann man die EP auf der Seite, welche auf dem Cover verlinkt ist.

Viel Spass beim reinhoeren,

der Sternensucher

Mal anders…

Wednesday, February 13th, 2008

“Ich laufe durch eine Stadt, es ist fast still, fast vollkommen ruhig. Die Strassen sind leer, keine Autos, keine Passanten. Der Wind kriecht um die Haeuserecken und weht alte Zeitungen ueber die Strasse. Nebelschwaden ziehen unter den den orangenen Gaslampen auf den Kreuzungen her und lassen die Spitzen der Hochhaeuser undeutlich verschwimmen. Der Mond ist auch nur noch ein heller Fleck in der Dunkelheit. Kaelte zieht mir durch die Jacke und laesst meine Haende erstarren. Warum bin ich eigentlich nach draussen gegangen? Vergessen oder sowas… ich weiss es nicht mehr. Vermutlich hat es funktioniert. Meine Schuhe fuehlen sich an, als waere ich hunderte Kilometer gelaufen, trotzdem schwebe ich, laufe ohne es zu merken. Die Kreuzungen kommen mir schon seit einiger Zeit nicht mehr bekannt vor. Egal… wer hin findet, findet auch zurueck, hauptsache es hoert nicht auf… ”

Diese leichte Unruhe, dieses leichte Geraeusch, was noch zur Stille fehlt. Das kleine bisschen melodie in diesem Bild ist “Black Mesa Winds” von “Introspective”. Kahvi Release 236 [kahvi236] ist zu komplett um es im einzelnen beschreiben zu koennen. In tiefer melancholie und ein wenig schwermuetig klingt diese EP wie der Soundtrack zu einer verlassenen Stadt. Nicht aufdringlich, dennoch auch nicht ein hintergrundsaeuseln - Da und gleichzeitig nicht da…

Ich war nicht besonders begeistert von der Musik ansich, zugegeben ist die EP stellenweise sehr anstrengend, aber andere Stellen verschliessen einem die Ohren fuer alles andere. Die Stimmung war so praesent, dass ich einfach nicht anders konnte, als den Weg zu Fuss nach Hause zu nehmen um die EP ganz zu hoeren. Ich hoffe ihr koennt auch was damit anfangen.

Black Mesa Winds - Introspecive (Release Cover Art)

Die EP koennt ihr wie immer kostenlos beim Kahvicollective ueber scene.org oder deren Mirror als OGG oder MP3 beziehen. Ein dicker Dank an alle Beteiligten!

der Sternensucher

Wie Sternenstaub

Wednesday, February 13th, 2008

In den fruehen Januarwochen veroeffentlicht das Kahvicollective seine EP numero 234 [kahvi234] namens “Stardust EP” von bit24 und benutzt das Veroeffentlichungs-Announcement direkt mal fuer eine optimistische und zuversichtliche Ankuendigung, die sinngemaess wohl etwa lautet: “Im Jahr 2008 bringt dir Kahvi die gleiche Qualitaet wie gewohnt und was waere ein besserer Einstieg in dieses Jahr als diese 5-Track EP von bi24?”

Als Gastkuenstler im Kahvicollective darf sich bit24 wohl fuehlen. Neben Leuten wie Stuart Elliot geniesst man nicht nur die Fruechte seines eigenen Glanzes. Allerdings haengen wir - die kritischen hoerer - auch die Messlatte genuegend hoch. Alleine der Name der EP ist fuer mich eine Herausforderung, genauer hinzuhoeren :)

Nach einem etwas duesteren und steinigen Einstieg in die EP, in dem einen das Stueck “aurora” ueber hektische und scharfkantige Beats springen laesst, stellt sich jedoch schnell eine konsistente und treibende klanglandschaft auf. Die Kahvi-Reviewer beissen sich nicht auf die Zunge wenn sie der EP - diesem Stueck im speziellen - einen gewissen Grad an “c64ism” unterstellen, es passt allerdings ausnahmsweise wie die Faust aufs Auge. Was in einem Lo-Fi-inferno begann wird mit klangelementen aus dem Ambient-bereich gegen Ende gar noch melodisch - nicht aber verliert es seinen treibenden Beat.

Track nummer 2 haut noch einen drauf :). Naja… es laesst sich schwer anders sagen. Ein direkterer Einstieg in die Beats von quantum ist wohl kaum moeglich. Ein Stueck zwischen breakbeat und disco, untermalt von einer sauberern Baseline, dafuer um so schmutzigeren Vibes, die bisweilen ein wenig zu psychodelisch wirken. Melodisch mag man Anleihen aus badloop’s vergangenen Tagen erahnen, wenn man will.

Track nummer 3, der Namensgeber dieser EP, beginnt mit einer sprachlichen Einfuehrung in Raum und Zeit. Die dunkelheit des Kosmos schwingt quasi mit. Langsam tastet sich das Stueck in seine Struktur. Instrumente, die Unreal-Tournament-Spielern der alten Garde sicherlich vertraut sein werden, verleihen dem Stueck die rhythmische praesenz. Ansonsten lebt das Stueck vom zusammenspiel der Voice-Samples, der klaren, wenn auch kleinen Melodie-Elemente und der einfach gehaltenen Base-line.

Es folgt “The space in between”… mit ueber 5 Minuten allerdings mehr als nur ein Lueckenfueller. Dieses Stueck setzt die in “stardust” gesetzten Stimmungen quasi fort, geht dann aber in eine verspieltere Rhythmik ueber. Die Spheres lassen eine klangliche breite entstehen, die den Namen durchaus rechtfertigt.

Zum Abschluss bringt das ganze “parasympathetic”. Der name laesst sich genau so schwer erlaeutern, wie das Stueck selbst. Man moechte fast vermuten, es haette einige schwierigkeiten gegeben, sich fuer ein Tempo zu entscheiden. Ebenso laesst sich in dem Stueck zunaechst kein Schwerpunkt finden. Vielleicht ist es genau das, was dieses Stueck so von den 4 vorhergehenden abgrenzt. Trotz durchaus vorhandener gleichmaessiger Rhythmik, verhindert das Stueck wirkungsvoll, dass ich mich hineinfallen lasse - und das fuer ueber 6 Minuten….

Alles in allem eine gelungene, wenn auch ungewoehnliche EP, finde ich.

bit24 - stardust EP cover

Die stardust ep kommt von bit24, trotz allem leider nur in 16 bit als ogg oder mp3 von scene.org. Die einzelnen Tracks gibts auf der durch das Bild erreichbaren Seite. Soviel zu den Bezugswegen, Danke bit24, Danke kahvi!

der Sternensucher.

Blumen im Kopf

Monday, August 27th, 2007

Hallo…

es war wieder einer dieser Tage, an denen man nichts so wirklich toll findet, jede Idee einem eigentlich auf die Nerven geht und man sich in seinem Kopf einmauert - einer dieser Tage, wo man sich eine Fernbedienung mit Vorspulknopf wuenscht, weil eigentlich NICHTS so ist wie es sein soll, trotz allem zweifelnd ob das wohl helfen wuerde. An diesem Tag - dem vergangenen Samstag - habe ich mich dann mal widerwillig dazu entschlossen, mir einige Netlabel releases anzuhoeren, die ich vor einigen Wochen mal in einer Bulk-Aktion heruntergeladen hatte. Nach einigen hinauf und hinabscrollen sprang mir der Name Miasmah ins Auge… eventuell habe ich den letztens in meinem Beitrag ueber “Nest -Nest” erwaehnt. Zufaellig waehlte ich einige Releases aus, einiger Dub war dabei, etwas Minimal und eine winzige Portion Ambient… nicht gerade das, was ich mir vorgestellt hatte in diese Situation.

Meine Reise endete vorerst bei der EP “mia049 - aphilas - Instumentally Ill”. Diese angespielt konnte ich meine Ueberraschung kaum verbergen. Hatte ich etwa aus versehen doch die Groove Salad Playlist aufgemacht? Was zur Hoelle war das? Freudig erschreckt ueber die mir sanft entgegenwehenden erfrischend unelektronischen Klaenge blieb ich erst bei diesem Release. Charakterisieren laesst es sich schwer - es schwankt mit seinen lebendigen, trotz allem unhektischen Grooves, den geborgenen Harmonien und einer Stimmung zwischen “Sonnenuntergang” und “Standkulisse”, den verwendeten Jazz-Instrumentarien und der Entwicklung ueber die 6 Tracks zwischen Chillout-Downtempo und Textless Hip-Hop.

“Lifelong Fiction” beginnt die etwa 30 Minuten lange Reise mit einer ruhigen getragenen Stimmung, die von Strings, E-Piano loops und einfachen Gitarren bestimmt wird. Kleine Stimmeinlagen beleben die Mischung. Mit “That’s just what it’s for” fuehrt man - die Stimmung erhaltend - weiter in diese Richtung. Anleihen aus Jazz und die weiterhin sehr treffenden Vocal-loops - eher ungewoehnlich auf meinem bisherigen Weg durch die Netlabel - heben diese Musik in ein Genre, welches mir liegt. “collective memory loss” intensiviert die Elemente aus Jazz und Hip-Hop. Sax- und Synthie Melodien treiben dieses etwas schnellere Stueck durch die kirzen 3 Minuten. “remain solid” Ein Aufruf? Die Atmosphaere zumindest bleibt “solid”, jedoch wird mit weniger melodischen Elemten eher auf den Beat gezeigt. Nach 4:30 fuehrt diese Reise in ein Stueck namens “blind matador techniques”, das wieder deutlich auf die Hip-Hop-Wurzeln dieser EP. Die leicht verstimmten Synthie-Background-Pads und eine eingaengige Klarinetten-Linie setzten auf dem immernoch sehr tragenden Beat und den Gitarrenriffs auf und schweben leichtgaengig daher. Die leider viel zu kurzen 4 Minuten sind der einzige Haken an diesem Lied :/. Die Reise endet in einem Stueck namens “the dubbed coil of smoke”. Zu einer passenden Uebersetzung bin ich nicht gekommen. Es scheint das ruhigste der Stuecke zu sein. Obwohl es auch einen sehr durchgaengigen Beat besitzt, koennte man es wahrscheinlich ohne weiteres auf Space-Night spielen. Tragende Vocals und Synthie-Pads werden ohne hemmungen mit Jazz-Trumpet-samples verquirlt. Emuliertes Vinyl scheint uns entgegen - und auch der gegen ende etwas in Rage geratene Schlagzeuger vermag uns die vertraeumtheit nicht zu nehmen, die wir so lieb gewonnen haben. Was macht man nur mit so einer EP? Herunterladen. Unter http://www.archive.org/details/mia049 findet ihr das liebenswerte Release (kostenlos) zum Download.


Label

Mit dieser EP hat sich ‘aphilas’ zweifelsohne direkt in mein musikalisches Gedaechtnis gespielt und wird mich nicht mehr los. Fuer mich immer wieder ein Grund zu suchen sind genau diese EPs, die einen hinterruecks anfallen und stundenlang fesseln, auch wenn sie viel zu wenige Minuten dauern. Der Ansicht sind auch einige Kommentator(inn)en auf archive.org. Hier liest man zum Beispiel:

I hate do be a bandwagon jumper but this album is great! Great trip hop, chill out sound to it–interesting loops, much more professional sounding than most netlabels releases. — mmdanziger

this release had me hooked at the first song. i cant stop swaying and bobbing my head. in fact– i think im gonna have to stop writing because i cant see the screen well enough– the music is just moving me too much. — Jon Drews

if you have read the other reviews, you should know that you need to download this ep now! this is absolutely essential netaudio listening. one of my favorite releases ever! great grooves - very unique and original. — electrocelt

Und etwa diese Art Reaktion muss es gewesen sein, die einige Leute bei m3erck records dazu bewog, diese EP als LP auf echtem Vinyl zu veroeffentlichen. Ein Segen fuer alle, die an der Nadel haengen. Unbekannt ist mir allerdings, ob man noch eines der 1500 limitierten Exemplare bekommen kann :). Findet es heraus.

Sepia fuer die Ohnen

Thursday, July 5th, 2007

Guten Abend,

als ich gestern Abend da so im Bett lag und darauf wartete, dass der Schlaf zu mir kam, hab ich aus lauter Verzweifelung mal den Pocast Ordner auf yuki, meinem kleinen Musikportal durchsucht. Ich dachte so “Hm… vielleicht ja mal wieder was interessantes dabei..” und tatsaechlich. Nachdem zum wiederholten mal und aus irgendeinem technischen Wahnsinn die EP “small craft exercise caution” von “relative q” (wirklich schoen, one netlabel release one030) in dem Tagesordner zu sehen war, habe ich weitergezappt und ein herrliches Release gefunden, das genau zu der Stimmung passte, die mich gerade beherrschte. Ich dachte, ich schreib mal wieder was ueber Musik, und lege euch diese EP ans Herz.
Anders als ich es sonst gerne mache, kann ich diese EP beim besten Willen nicht Stueck fuer Stueck beschreiben. Ich kann sie nichtmal im Ganzen Beschreiben, ich fand nur die Erinnerungen und Assoziationen und die Art interessant, mit der sich diese EP in meinem Kopf breit machte. Man koennte es als melancholischen Wald der Toene bezeichnen, vollgeschneit und in der Abenddaemmerung - zumindest beschreibt das Artwork der EP diese so. Ein bisschen erinnert er auch an den ein oder anderen Soundtrack fuer diese Filme, die in den 30ern auf dem Land spielen. Noch viel besser beschreibt man sich diese EP allerdings selbst, waehrend sie mit langsamen und nicht besonders leicht verdaulichen Piano-, Streicher und Harfentoenen in die eigenen Ohren stroemt. Ich lege sie euch zutiefst ans Herz.
Zumindest versuesst sie mit das Warten auf den naechsten Menschen, der mir ein ernst gemeintes Laecheln schenkt.

ser013 Cover
Die EP ‘nest’ von den gleichnamigen Kuenstlern

Die EP ‘nest’ des gleichnamigen Kuenstlerduetts ist im britischen ’serein’-Label erschienen und kostenlos bei archive.org ueber die Projektseite zu erhalten oder kann dort via Stream vorgehoert werden. Bestehend aus 6 Stuecken bringt sie es auf knapp eine halbe Stunde.
Ein Klick auf das Bild fuehrt zur Seite des Releases. Eine stark limitierte Auflage eines serein-Shirts und eine Kopie der EP kann fuer etwa 33 Euro (22 britische Pfund) incl Versand seit dem 2.7.07 beim Label bestellt werden.

Einen schoenen Abend noch,
euer Sternensucher

Bunte Steine auch fuer Blinde…

Wednesday, February 21st, 2007

Meine Lieben, wie ich bereits sagte, habe ich ein neues Stueck Musikgeschichte ausgegraben.

Verzeigung!

Nein, ich knie nicht in tiefer Demug vor euch um euch um Verzeihung zu bitten, viel mehr ist das der Name des Albums, dass uns ‘mosaik’ unlaengst im Netlabel ‘kahvicollective‘ in die Ohren hauchte. Das Releasedatum von ‘apologies’ (kahvi release id #205a-#205g) , welches auf kahvi.org verzeichnet ist - es ist der 13.2.07 - liegt noch nahe genug, als dass man dieses Werk als Neuheit anpreisen darf.

I`m not entirely sure what mosaik is apologising for.” - Ich bin nicht ganz sicher, wofuer mosaik meint, sich entschuldigen zu muessen beginnt die Rezension des Werkes auf der Heimseite des Releases - und stellt damit die selbe Frage, die auch ich mir stellte, als ich die EP das erste mal hoerte. Tatsaechlich klingen Teile der EP etwas schwermuetig, aber das ist durchaus ein Umstand, den man zum persoenlichen Stil von mosaik zaehlen kann. Wenn ich etwas finde, wofuer er sich entschuldigen sollte, dann die Tatsache, dass er uns diese Klaenge so lange vorenthielt.

Die EP beginnt mit einem Stueck namens ‘noa lake‘. Moment! Das klingt vertraut… Fast schwerelos fliegen leichte Gitarrenlaeufe durch ein windiges Hauchen daher… Der ein oder andere mag sich an “Feels so far” erinnern? Ein Stueck, dass, ueberlegen wir, um 2000 von radix (jetzt mosaik) unter einigem Rumoren in der Netaudio-Szene veroeffentlich wurde. Wie ein warmer Sommerregen fliesst das Stueck an uns herab, waehrend wir unter einem Sternenklaren Himmel der Verquirlung aus Klassik und Moderne lauschen.

Einen Track weiter finden wir uns auf einer Sommerwolke voller Sphaerischer Klaenge wieder. Die zu pfluecken bleibt uns erspart: mosaik bringt sie mit ‘cumulus‘ federleicht zu uns. Tatsaechlich fuehlt es sich federleicht an - wie das umherhuepfen in Himmelshoehen. Mit seiner eigenwilligen Rhytmik schafft ‘mosaik’ es immer wieder, seine Zuhoererschaft mit einer Leichtigkeit an den Ohren zu fassen und sie in der musikalischen Traumwelt umherzuwirbeln, wie kaum ein anderer mir bekannter Netlabel Artist.

Darf man das Grosszuegig als “Kissenschlacht” uebersetzen? ‘pillow dance‘, das dritte Stueck der EP neigt sich eher in kuehlere, maschinellere Klangwelten. Doch trotz der dusteren Tendenzen bleibt es federleicht. Mit seinen messerscharf geloesten Synth-Laeufen - so eintoenig sie manchen auch scheinen moegen, erhaelt er diesem Track die Ehre, sich als “Dance” zu bezeichnen. Wie leicht faellt es einem bei einem solchen Klangbild, sich buchstaeblich umhertanzende, ja gar federleicht schwebende Menschen vorzustellen?

Mit ‘fish curves‘ fuehrt mosaik die duesteren Tendenzen aus seinem Kissentanz weiter. Wohldosiert platzierte feine dissonanzen und die gewohnten Base-lines verleihen dem Stueck eine leicht diabolische Drohkulisse. Doch wer glaubt, hier schon alles gehoert zu haben, hat sich schwer vertan. Nicht das erste mal ueberrascht dieses Musik-Talent auch mich mit einem Stueck, dass sich erst im Verlauf zu einem echten Ohrenschmeichler entwickelt. Gegen Munute 3 gewinnt es die Dynamik und Lebendigkeit aus ‘pillow dance’ zurueck - ganz so, als wolle es sich von seinem eigenen Beginn distanzieren.

clover‘ erinnert ein wenig an ‘deadpixel’ (mosaik - minues ep - kahvi108b vom 6.4.2004), denn es ist im Verlauf aehnlich melodisch und ein wenig duster angehaucht. Die leichtfuessige Melodie zieht sich jedoch durch das Stueck wie ein seidener Faden. Ein vierblaettriger Klee ist dieses Stueck aber mindestens.

Wer bei ‘locus fruit‘ nicht spontan das singen anfaengt und wen es noch auf seinem Stuhl haelt, dem ist nicht mehr zu helfen. Mehr vermag ich kaum zu sagen. Wieder sind es die duesteren Drums und der federleichte melodische Lauf, die sich zusammentun und explodieren. Was genau ‘mosaik’ mit locus fruit meint, ist mir zwar nicht ganz klar (Kommentare erwuenscht) geworden, aber mit Sicherheit kann man sagen, dass dieser Track die wohl durchgehenste Linie von allen hat.

winternumb‘ ist genau der richtige Track, um diese EP zu einem gloreichen Ende zu bringen. Man kann in Ruhe ausschweben, und genau so klingt es auch. Die Hintergrundkulisse erweckt ein wenig das Gefuehl, den Heimatbahnhof wieder zu erreichen und endlich heim zu kehren. Aber wollen wir das? Ich freue mich auf jeden Fall schon jetzt auch eine gelungene weitere EP von mosaik und danke!

apologies_covercut.jpg

Den kompletten Release als MP3 oder OGG sowie CoverArts gibt es wie immer auf der Release Homepage

Neues aus der Welt der verkaufsfoerdernden Kurzfilme

Tuesday, May 30th, 2006

Guten Morgen liebe Freunde :)

Seit etwas laengerer Zeit bin ich mal wieder etwas frueher aufgestanden, da ich gleich zu IKEA fahre… ich muss in meinem Zimmer mehr Stauraum bekommen (die aelteren unter euch erinnern sich vielleicht noch an den “Grossen Chaoskiller 2005″, die bislang groesste Reinigungs und Aufraeumaktion in meinen 6 Waenden… Ich habe da etwas groesseres vor. Naja… ich bin eigentlich Krank und sollte mich auskurieren, aber wer die Photos aus meinem Zimmer sieht wird mich verstehen: es ist an der Zeit!.

Mit Ikea und dem Thema aufraeumen sind wir eigentlich schon fast in der richtigen Ecke. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten unter euch auch viel Werbung ertragen muessen. Sobald mal einen Film schaut, der nicht auf einem der oeffentlich-rechtlichen Sender laeuft wird man ja quasi dazu genoetigt. Angenehmere Erfahrungen sind da die Spots von VW, IBM oder eben von IKEA, der neue Spot von Sharp fuer die Aquos LCD TVs und - waere der Spot nicht von Vodaphone - auch der dieser Firma (ich sage nur Eintagsfliege). Nennen sollte man hier auch Sony mit einigen recht einfallsreichen Ideen oder auch die (etwas angestaubte) Doppelkeks Werbung mit den singenden Erdbeeren (wer von euch zwischen 1986 und 1992 schon TV-Junkie war wird sich mit sicherheit an die kurzlebige Sorte “Erdbeere” erinnern). Neben diesen Werbespots, die auf irgendeine Weise einfach nur Stil haben und bei denen durchscheint, dass sich einige Leute doch noch Gedanken darueber machen, wie man ein Produkt ins rechte Licht rueckt, gibt es auch immer wieder welche bei denen man nur denkt “Oh Mann!”. Hier waeren saemtliche Spots fuer Reinigungsmittel (Cilit Bang und Freunde), Kosmetik und Pflege (Thema “Haesslich gebohren, verkleistert gestorben”) sowie viele der Lebensmittel-Spots (Besonders Frischware wie Kaese, Suessigkeiten und so weiter, ich sage nur Fruchtzwerge (siehe MaBU)) ein treffendes Beispiel. Diese scheinen einen einfach nur fuer unglaublich Dumm zu halten oder versuchen sich auf genau diese Weise in unser Unterbewusstsein zu schleichen. Dieser Gruppe widme ich meinen heutigen Zornessturm.

Ich ganz persoenlich halte Werbespots fuer ein Gesellschaftsabbild aus erster Hand… kein besonders treffendes, zumindest aber eins, dass zeigt, was die Werbe- und Produktdesigner dieser Welt von unserem Kaufverhalten halten oder wie sie es sich vorstellen.

Was wie beworben wird scheint mir oft genug ein recht zuverlaessiger Spiegel fuer unsere niedersten Aengste zu sein. Als Beispiel koennten so ziemlich alle Werbespots fuer Damenkosmetik sowie auch die juengst vermehrt auftauchende Werbung fuer Herrenkosmetik sein. Diese spielen mit unserer unbeschreiblichen Panik vor dem alt werden. Jeden Samstag Abend, den ich vor dem Fernseher verbringe frage ich mich erneut “Was bitte soll das?”. Dort werden Frauen und Maenner gezeigt, die (reduziert dargestellt), beschmiert mit dem Produkt der Firma X endlich von ohrer Umwelt geliebt werden. Diese Darstellung bleibt, ob man will oder nicht, haengen und ich frage mich morgens vor dem Spiegel, wenn ich dann mal wieder auf den matschigen Kloss auf meinem Hals schaue (von dem ich genau weiss, dass er sich in spaetestens einer Stunde wieder in seiner alt bekannten und hinreichend schoenen Form befindet), ob ich nicht doch mit bestimmten Pflegeprodukten schoener waere… zumidnest fuer einen kurzen Moment frage ich mich das, dann uebernimmt das Gehirn wieder die Kontrolle und verjagt diese Gedanken mit Feuer und Mistgabel aus meinem morgendlich verschlafenen Unterbewusstsein. Warum ueberhaupt schoener werden als man ist? Jeder von uns wird auf seine weise schoen gebohren und ich frage mich immer wieder, warum man sich nicht einfach akzeptiert? Warum streben so viele danach begehrenswerter, “huebscher” oder wie auch immer auszusehen? Ich haette gerne mal eine Antwort darauf von jemandem, der so ueber sich denkt. Es interessiert mich wirklich. Wenn eine mir entfallene Firma (ich glaube aber es war Jade) fuer ein Anti-Aging Produkt wirbt, so ist fuer meinen Geschmack alleine der Name eine Farce. Wir werden alle aelter (naja, ich gebe zu, ich mit meinen 21 Jahren noch nicht so sichtbar ;)) und ich bin der Meinung, jeder fuer sich sollte das akzeptieren. Thema Eintagsfliege und so… wissen schon… mit dem was man an sich findet zufrueden sein und so. Ausserdem sind die Frauen und Maener aus der Werbung aus vorher schon - dem beworbenen Ideal entsprechend - schoen. Ich moechte sagen, dass ich die meisten davon einfach nur ueberzogen und haesslich finde.
Lebensmittelwerbung ist ein anderes interessanes Feld, dass schon wieder ganz anders beworben wird. Hier wird selten mit, wie ich es jetzt mal nenne “Folgeauswirkungen” des Konsums (”Nachdem sie sich diese Wunderpaste ins Gesicht geschmiert haben werden Sie von allen geliebt werden!!”), sondern vielmehr mit der Zufriedenheit fuer den Moment geworben. “Ich will Genuss, sofort” - ein alter Werbespruch eines Kaffeeroesters, der damals noch erschreckend offensichtlich aeusserte, auf was der Spot zielte. In der Lebensmittelwerbung rueckt der Zustand, in dem man grenzenlos zufrieden ist und sich jeden Genuss sofort leisten kann in freifbare naehe… zumindest fuer die 15 Sekunden Sendezeit, in der man dieser Illusion ausgeliefert ist. Ein Beispiel, dass ich immer weider gerne heranziehe ist die Toffifee-Werbung mit der Mutter, die immer volles Haus hat. Mit einer Selbstverstaendlichkeit die Ihresgleichen sucht haucht uns die selbsternannte Toffi-Fee ein “Klar - hab ich!” durch den Aether und erwartet, dass wir wie die Schafe in die Laeden Rennen und Toffifee kaufen. Besonders interessant ist hier, wie in vielen Lebensmittel-Spots, wie mit der Torschlusspanik gespielt wird. “Bloss immer Suessigkeiten da haben, damit mich meine Kinder und deren Freunde auch moegen!”. Angesichts der Tatsache scheinen Aktionen wie die Ferrero-Sommerpause auch wie ein billiger Scherz. Hier wird eine Zeit, in der traditionell kaum Schokolade konsumiert wird auf zugegebenerweise recht intelligente Art fuer einen gleich doppelten Verkaufserfolg genutzt. Einmal vor der Sommerpause “Thema Torschlusspanik”) und einmal danach (Thema “Endlich wieder da”). Auch spriessen hunderte Spots aus dem Boden die fuer sogenannte Sonderausgaben oder Limitierte Ausgaben werben. Nicht umsonst klingt mir beim Thema Werbung immer das typische “Jetzt nur fuer kurze Zeit”-Singsang im Ohr. Um allerdings schlussendlich zum Ausgangspunkt zurueckzukehren bleibt nur festzustellen, dass Lebensmittelwerbung uns den Moment des Konsums als besonders genussvoll und herausragend und erstrebenswert dazustellen. Ich sage nur “Happy Meal”…

Auch eine sehr interessante Gruppe an Werbespots sind die fuer Reinigungsartikgel. Diese traditionell auf undglaubliche weise entstellten Werbespots haben unter den genannten Gruppen mit Abstand die verzerrteste Weltsicht. Da man Reinigungsmittel im allgmeinen nicht geniesst oder durch sie zu einem agesehenen Menschen avanciert bleibt fast nur, mit deren Effektivitaet in bestimmten Problembereichen zu werben. Einige Hersteller jedoch (besonders traditionell sticht hier Lenor aus der Erinnerung ins Bild. Wer erinnert sich nicht an die Lenor-Flasche, die mit unglaublicher Sanftheit in den Handtuchstapel faellt und die vielen Gesichter die an der Lenor-bedufteten Kleidung schnuppern. Auch Perwoll bleibt im Hinterkopf) werben trotzdem mit Genuss, Wohlgefuehl oder Anerkennung. Die Regel ist allerdings wie angedeutet die Effektivitaet des Produktes. In der vergangenen Zeit schwappte eine Welle an Werbung fuer - wie ich sie nenne - Wundermittelchen aus Amerika zu uns herueber. In diesen Kurzwerbespots wird auf erschreckend alberne Weise von einem Moderator oder einer Moderatorin (schlecht synchronisiert) gezeigt wie gut ein Waschmittel Fett loest oder wie gut ein Badreiniger kalk entfernt. Die Beispiele sind offensichtlich gestellt und auch die befragten Personen schaemen sich nicht, das Produkt vor laufender Kamera ueber den gruenen Klee zu loben wahrscheinlich ohne es jemals benutzt oder auch nur gesehen zu haben. Wem klingt es bei dem Gedanken nicht noch im Ohr: “Und um zu beweisen wie effektiv es ist, geben wir noch eine ganze Flasche Jod dazu”. Aber auch die traditionellen Reiniger glaenzen weniger durch ein nach Anwendung sauberes Bad, sondern vielmehr durch die ausgesprochen schwachsinnige Selbstdarstellung. Offensichtlich fuer Dumm verkfauft uns Konsumenten z.B. die Werbung fuer einen Badreiniger-Allrounder, der auch verstopfte Abfluesse frei bekommen soll… dazu kippt man - laut Werbung - einfach in das Halbvolle Waschbecken und: Tadaaaa!! Der Haarknoten ist hinfort! Wer da nicht sofort 3 Flaschen davon in das Waschbecken kippt (dass sich daraufhin sofort schaeumend aufloest) muss ja vollkommen WAHNSINNIG sein. Angesichts der Inhaltsstoffe wird so allerdings der eben genannte gruene Klee bald eher verwelkt und braun sein, denn gesund sind diese mit Sicherheit nicht.

Eine letzte Gruppe, die ich zur Sprache bringen moechte sind die Spielwaren. Bei meinen wenigen Beruehrungen mit dem privaten Kinderfernsehen (Spongebob… wissen schon) breche ich regelmaessig zusammen in einer Mischung aus Wut und Beklopptheit. Wenn einem einmal klar wird auf welch stumpfe Weise man versucht Kindern Spielwaren zu verkaufen, moechte man noch einmal Kind sein und diese Werbung aus Trotz schlicht ignrieren. Kinder sind die in der Werbung am meisten fuer Dumm verkaufte Zielgruppe… und anscheinend zumindest in Teilen zurecht. Hier moechte ich jedoch auf Beispiele verzichten, denn im Prinzip sind alle Spots gleich strukturiert: Ein Produkt wird in einer vollkommen Weltfremden Kulisse und Situation als unglaublich kurzweilige langanhaltende und vielseitige Unterhaltung dargestellt - diese hat bei den Jungen-Speilzeugen meist mit Action und Krawall zu tun, bei den Maedchen mit einem beschaulichen Prinzesschen-Dasein. Die Situation wird untermalt mit einer absolut unpassenden Musik und einem Sprecherkommentar der die zahlreichen Features des Produktes anpreist. Diese sind, aus zeitlicher Ferne und Reifheit betrachtet, fuer etwa 5 Minuten unterhaltsam und dann schon wieder langweilig. Anscheinend wirkt es jedoch auf unsere Kleinen aeusserst bereichernd und beeindruckend.
Um diesen Wahnsinn nicht auf eine gefaehrliche Spitze zu treiben werde ich an dieser Stelle einmal aufhoeren. Ich denke es ist hinreichend klar geworden aus welchem Grund ich immer mehr auf das Privatfernsehen verzichte, so lange es nicht einen wirklich sehenswerten Film zu sehen gibt.

Ich wuensche euch in diesem Sinne einen schoenen Tag.

Euer Sternensucher

Viel getoese…

Monday, February 27th, 2006

Hi ihr. Ich habe fuer euch einen ganzen Haufen Musikempfehlungen fuer Elektroniker… um mal vom begriff Metaller zu devirierern… Ich schreibe euch einfach welche EPs mir besonders gut gefallen haben in den letzten tagen und ihr hoert sie euch an… machmer dat so?

Danke erstmal an alle Kuenstlerinnen und Kuenstler, die ihre Arbeiten fuer uns Suechtige frei zugaenglich machen. Ich liebe euch dafuer auf ewig!

Die EP “Luo” von bad loop (one018) hat es echt in sich. Wer bad loops Musik zu schaetzen weiss und seinen Stil kennt wird diese EP lieben. Sein unverwechselbarer Stil und Ruhe, die seine Musik ausstrahlt, ohne dabei langweilig zu klingen tragen eindeutig seine Handschrift. Ich hoere dieses Album immer weider gerne. Die Stuecke (oder zumindest einige davon) koennten regelmaessig-Syncern der kahvi-Releases bekannt vorkommen, denn im mix “badloop an recue live” werden einige Stuecke aus dieser EP verwendet. Freunde dieses Mixes == Freinde dieser EP :). Ein live-Video dieses Mixes gibt es auch unter dem genannten Link. Die EP zusammen mit ein bisschen Cover-Art and stuff gibts unter dem oben angegebenen Link. Ich wuensche euch viel Vergnuegen.

Die EP “Ultrasonic” von Stuart Elliott (kahvi142a-h, Audio 75) ist fuer eine EP bei kahvi reichlich lang. Das sagen sogar die Kahvi eigenen reviewer ueber diese EP, die einen in fremde Klangwelten entfuehrt. Etwas ueber eine Stunde gibt Mr. Elliott seinen Zuhoererinnen und Zuhoerern, um in sanft saegenden vibes und tech-fremd, ja fast realistisch klingenden, drumsets zu schwimmen. Dann laesst er sie mit seinen Schlusstrack “The Shores Of The Cosmic Ocean” in einem 8-minuetigen schlussfeuerwerk in die Realitaet zurueckschwimmen. Mit Sicherheit eine der schoensten EPs, die mir bislang untergekommen sind. Die EP, die technisch leider im oberen Frequenzband aufgrund zu geringer bitraten etwas schwaechelt, bekommt ihr unter dem oben genannten Link.

Ebenfalls ein Highlight war Die EP “Sandkorn” von Emil Klotzsch (one17). Dieser Kuenstler aus Koeln malt in seiner EP mit tristen Farben ein Bild, das sich nicht durch Worte beschreiben laesst. Es ist keinesfalls trist und langweilig, spielt jedoch mit melancholischen, fast minimalistischen Themen und umkreist diese effektvoll und abwechslungsreich. Einige Vocals lockern diese fast 40 Minuten lange Parade der Grau und Brauntoene etwas auf und verhelfen ihr sogar zu etwas Tiefgang. Insgesamt klingt “Sandkorn” wie der verzweifelte Versuch eine Sphaere fuer die Seele zu schaffen, in der diese endlich ruhen moege. Ich bitte euch, macht euch euer eigenes Bild. Cover Art und Album wie immer versteckt hinter dem oben zu lesenden Link.

Viel Spass beim reinhoeren… machts gut. Der Sternensucher.

Fly away from this place EP

Tuesday, February 21st, 2006

Die im Netlabel Camomille (schon vor laengerer Zeit) als cam067 erschienene EP des Kuenstlers Tang Kai wagt sich in ein gefaehrliches Terrain. Nicht selten wurden Netartists aufgrund von Vocals in der Musik spaeter nicht mehr ernst genommen. Dieses Feld bleibt oft der kommerziellen Musik vorbehalten. Von diesem Vorwurf spricht sich Tang Kai mit einer Selbstverstaendlichkeit frei, die ihresgleichen sucht. Um so mehr freue ich mich diese EP als ein gelungenes Kunstwerk vorstellen zu duerfen, dass sich nicht zu verstecken braucht, weder musikalisch, noch moralisch. Eine treibende Rhythmik und der unverwechselbare zweigleisige Stil von Tang Kai, den die geneigte Hoererin sowie auch der geneigte Hoerer bereits nach wenigen Takten in der Lage ist wiederzuerkennen, schieben einen in 0-Zeit durch die 4 viel zu kurz scheinenden Tracks (von insgesamt gerade mal 23 Minuten Laenge). Leicht zu beschreiben scheint der Stil zu sein, doch ist er es nicht. Sich eine faszinierend abgestimmte Mischung aus Klangblasen im Bassbereich und darauf tanzenden kristallenen Wassertropfen vorzustellen, die im Wind umherwehen hilft vielleicht auch nur wenig, kommt diesem Klangbild allerdings sehr nahe. Zwischen diesen beiden Klangwelten tanzt die Stimme einer grossen Unbekannten, die zwar mit iherr Kraftvollen Stimmung nicht immer zur leichtigkeit des fortfliegens passt, dennoch aber die Seele in ihrem Kern trifft.

Es mag irssinnig klingen, aber trotz der mit 4 Stuecken recht kurz bemessenen Laenge der EP ist diese sehr ausgewogen gestaltet. Die Balance aus Volcals und Intrumentals ist nicht nur Zahlenmaessig sehr ausgewogen, sie ist auch musikalisch schoen gestaltet. Wenn ein Tag 24 Stunden udn 23 Minuten haben sollte, dann damit man sich dieses Album oft genug anhoeren kann um innerhalb eines Lebens daran satt zu werden.

Das Verlangen nach Mehr, wenn die EP dan unverhofft schon zuende ist, wird leider enttaeuscht. Weder im Camomille Netlabel, noch in mir bekannten anderen Netlabels taucht Tang Kai unter diesem Namen nocheinmal auf. Die vom gleichen Kuenstler unter dem Namen Mikael Fyrek unter anderem beim Kahvicollective erschienenen Stuecke erreichen diesen Stil leider bei weitem nicht, gehoeren aber auch in ein ganz anderes Genre.

Die besprochene EP ist bei Camomille auf der Seite des Releases cam067 als Zip mit 4 MP3s und Cover Art herunterzuladen. Ein geheimtip fuer alle, die gerne von dieser Welt fort fliegen… wenn auch nur fuer 23 Minuten.