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Hallo meine Lieben,
letzte Woche endete endlich und nach nicht viel mehr als 3 Jahren Warten die Berufsschulzeit meiner Ausbildung zum Fachinformatiker SI. “Ein letztes Mal”, dachte ich, “nach Duisburg zum Berufskolleg.”. In einer mehr oder weniger feierlichen Stimmung beendeten einige wichtige Figuren aus der Schulzeit die Unterrichtstage mit der ein oder anderen Rede und uebergaben die Zeugnisse an die Opfer. Alkohol durfte nicht fehlen, und so wurden die knapp 100 Schuelerinnen und Schueler (wobei die Zahl der maennlichen Schueler etwa 95% der Menge ausmachten und etwa 98% der Masse) auch noch mit Sekt versorgt.
Fuer mich ist das das Ende eines Abschnittes meines beruflichen Werdegangs, der mir besonders 2 Dinge vermittelt hat: Erstens lernt es sich alleine am besten, zweitens hat man kaum Chancen auf einen guten Job, wenn man sich nicht selbst weiterbildet. Der Berufsschul-Stoff deckt nichtmal einen Bruchteil dessen ab, was man im spaeteren Berufsleben braucht und leider ist er nicht mehr auf dem neusten Stand. Insbesondere einige Fachlehrer verweigern sich auch strikt den Neuerungen der Technik und preisen altbackene Technik in nie dagewesener Form als den heiligen Gral an – walzen alles Platt was ihnen einen Weg in die Realitaet zeigen moechte.
Meine anfaengliche Hoffnung auf “das letzte Mal” wurden jedoch bitter enttaeuscht, als ich das Zeugnis aufschlug. Den Bildungsgang “IT-Systemelektroniker”, dessen erfolgreicher Abschluss mir damit bescheinigt wurde, habe ich seit fast 2 Jahren nicht mehr besucht. Naja… dann muss ich wohl noch einmal in die U79 Richtung Oberbilk steigen und ein berichtigtes Dokument abholen…
Auf bald,
der Sternensucher
Hiho!
Heute hatte ich einen etwas anderen Weg zur Arbeit, da ich den Wecker ignoriert und selbiges erst eine halbe Stunde zu spaet gemerkt habe. Meine Eile zum Bahnhof war erfolglos – IC weg, Backup RE weg… und das Backup vom Backup fuhr mir vor der Nase weg – doof gelaufen. Mein Blick auf die verfuegbaren Alternativen erbrachte nicht viel, ausser der Moeglichkeit, eine Stunde zu warten oder einen Zug nach Wuppertal zu nehmen und von dort aus weiter zu sehen. Ueberraschend experimentierfreudig machte ich mich auf nach Wuppertal – wo ich folgendes kleines Kunstwerk in einem Ausstellungsobjekt der Bahn entdeckte:

Obwohl sich das Gesamtkunstwerk dem Betrachter recht schnell erschliesst, wagte ich einen Interpretationsversuch – die bedeutende Stelle im Bild ist hervorgehoben. “MEHR VOM TAG” verspricht der kurze aber praegnante Text in grossen Lettern – und gibt Raetsel auf. Mehr? Auch wenn im folgenden Sachverlauf die Information praezisiert wird – “mit Bus & Bahn” heisst es weiterhin – bleiben Fragen offen: Mehr was? Dies verraet der Text nicht mehr, denn er endet an dieser Stelle. Unbefriedigt und aufgewuehlt laesst er uns zurueck in einem Haufen aufgeworfener Fragen.
Das Bild vermag diese Spannung ebenfalls nicht zu loesen, beleuchtet es doch nur noch eine weitere Komponente in unseren Fragen: Was tun diese 5 Frauen auf dem Bild, bepackt mit Taschen – vielen Taschen? Und es sind nicht irgendwelche, nein Einkaufstaschen – Jawohl! – welche sie ueberschaeumend euphorisch und voller Risikobereitschaft ueber einer Bruestung in haengender Weise zur Schau stellen. Unter einem blauen Himmel machen sie Gesichter, als wuerde ihnen nichts fehlen – schauen in den Horizont. Der erfahrene Bahn-Fahrer wird hier skeptisch und waehnt einen Zusammenhang zum vorausgehenden Text: “MEHR VOM TAG mit Bus & Bahn”. Mag dies fuer die Freude der Damen ausschlaggebend sein? Stehen sie gar auf einer Bruecke, sich ergoetzend am Schicksal der darunter an einem Bahnhof wartenden Fahrgaeste – in verzweifelter Erwartung der Moeglichkeit ihre bescheidene Rolle in dieser Inszenierung einzunehmen – ja gar an ein Ziel zu gelangen? Ist es jene Verzweiflung, die diesen Frauen diese Euphorie, ja gar Schadenfreude ins Gesicht treibt, bevor sie, wenn sie genug haben zu ihren Autos gehen und heimkehren? Ja ist mit “MEHR” etwa diese Schadenfreude gemeint? Kreischen diese Gesichter nicht geradezu “Sehet her was wir machen, waehrend ihr auf die Bahn wartet”?
Wohl kaum. Eine andere Sprache naemlich sprechen die eilig an das Kunstwerk angebrachten Befestigungsmerkmale. Ungeordnet – ihrer 3 – prangern sie die Organisationsstrukturen in den Fahrplaenen der im Text genannten Mobilitaets-Werte an. Sehr wohl faellt ins Auge, dass beide – Fahrplaene und Befestigung – sogar die selbe Farbe teilen. Auf welch grandiose Weise fuehrt dieser Zug – und es ist irnonisch, dass dieses Werk Zuege traegt – selbiges auf eine Meta-Ebene und macht den Text zu einer Beschreibung des Werkes selbst: “MEHR VOM TAG – mit Bus & Bahn” – jetzt wird uns klar, dass wir es mit 2 vollkommen voneinander geloesten Aussagen zu tun haben. MEHR – das Kunstwerk selbst – bei dessen Betrachtung man die nebenstehenden Fahrplaene ausser Acht lassen kann. Ziehen die Farbenspiele an der Befestigung dennoch eine duenne Verbindung zu selbigen Plaenen. Die Schadenfreude jener 5 Frauen – und es ist nun so deutlich dass jede andere Moeglichkeit der Interpretation in selbiger untergeht – gilt diesen Plaenen von “Bus & Bahn” die sich uns an dieser Stelle in schmerzhafte Erinnerung rufen, ihre Euphorie der Erkenntnis, seine Zeit und seinen Tag woanders zu verbringen. “MEHR VOM TAG” … jetzt ist es klar.
Und doch kam dann irgendwann der Zug nach Koeln.
Einen schoenen Abend noch,
der Sternensucher.