Archive for the ‘Mein Arbeitstag’ Category

Einmal noch Richtung Oberbilk…

Monday, April 27th, 2009

Hallo meine Lieben,

letzte Woche endete endlich und nach nicht viel mehr als 3 Jahren Warten die Berufsschulzeit meiner Ausbildung zum Fachinformatiker SI. “Ein letztes Mal”, dachte ich, “nach Duisburg zum Berufskolleg.”. In einer mehr oder weniger feierlichen Stimmung beendeten einige wichtige Figuren aus der Schulzeit die Unterrichtstage mit der ein oder anderen Rede und uebergaben die Zeugnisse an die Opfer. Alkohol durfte nicht fehlen, und so wurden die knapp 100 Schuelerinnen und Schueler (wobei die Zahl der maennlichen Schueler etwa 95% der Menge ausmachten und etwa 98% der Masse) auch noch mit Sekt versorgt.

Fuer mich ist das das Ende eines Abschnittes meines beruflichen Werdegangs, der mir besonders 2 Dinge vermittelt hat: Erstens lernt es sich alleine am besten, zweitens hat man kaum Chancen auf einen guten Job, wenn man sich nicht selbst weiterbildet. Der Berufsschul-Stoff deckt nichtmal einen Bruchteil dessen ab, was man im spaeteren Berufsleben braucht und leider ist er nicht mehr auf dem neusten Stand. Insbesondere einige Fachlehrer verweigern sich auch strikt den Neuerungen der Technik und preisen altbackene Technik in nie dagewesener Form als den heiligen Gral an – walzen alles Platt was ihnen einen Weg in die Realitaet zeigen moechte.

Meine anfaengliche Hoffnung auf “das letzte Mal” wurden jedoch bitter enttaeuscht, als ich das Zeugnis aufschlug. Den Bildungsgang “IT-Systemelektroniker”, dessen erfolgreicher Abschluss mir damit bescheinigt wurde, habe ich seit fast 2 Jahren nicht mehr besucht. Naja… dann muss ich wohl noch einmal in die U79 Richtung Oberbilk steigen und ein berichtigtes Dokument abholen…

Auf bald,

der Sternensucher

Mehr vom Tag!

Tuesday, March 10th, 2009

Hiho!

Heute hatte ich einen etwas anderen Weg zur Arbeit, da ich den Wecker ignoriert und selbiges erst eine halbe Stunde zu spaet gemerkt habe. Meine Eile zum Bahnhof war erfolglos – IC weg, Backup RE weg… und das Backup vom Backup fuhr mir vor der Nase weg – doof gelaufen. Mein Blick auf die verfuegbaren Alternativen erbrachte nicht viel, ausser der Moeglichkeit, eine Stunde zu warten oder einen Zug nach Wuppertal zu nehmen und von dort aus weiter zu sehen. Ueberraschend experimentierfreudig machte ich mich auf nach Wuppertal – wo ich folgendes kleines Kunstwerk in einem Ausstellungsobjekt der Bahn entdeckte:

Mehr vom Tag mit Bus und Bahn

Obwohl sich das Gesamtkunstwerk dem Betrachter recht schnell erschliesst, wagte ich einen Interpretationsversuch – die bedeutende Stelle im Bild ist hervorgehoben. “MEHR VOM TAG” verspricht der kurze aber praegnante Text in grossen Lettern – und gibt Raetsel auf. Mehr? Auch wenn im folgenden Sachverlauf die Information praezisiert wird – “mit Bus & Bahn” heisst es weiterhin – bleiben Fragen offen: Mehr was? Dies verraet der Text nicht mehr, denn er endet an dieser Stelle. Unbefriedigt und aufgewuehlt laesst er uns zurueck in einem Haufen aufgeworfener Fragen.

Das Bild vermag diese Spannung ebenfalls nicht zu loesen, beleuchtet es doch nur noch eine weitere Komponente in unseren Fragen: Was tun diese 5 Frauen auf dem Bild, bepackt mit Taschen – vielen Taschen? Und es sind nicht irgendwelche, nein Einkaufstaschen – Jawohl! – welche sie ueberschaeumend euphorisch und voller Risikobereitschaft ueber einer Bruestung in haengender Weise zur Schau stellen. Unter einem blauen Himmel machen sie Gesichter, als wuerde ihnen nichts fehlen – schauen in den Horizont. Der erfahrene Bahn-Fahrer wird hier skeptisch und waehnt einen Zusammenhang zum vorausgehenden Text: “MEHR VOM TAG mit Bus & Bahn”. Mag dies fuer die Freude der Damen ausschlaggebend sein? Stehen sie gar auf einer Bruecke, sich ergoetzend am Schicksal der darunter an einem Bahnhof wartenden Fahrgaeste – in verzweifelter Erwartung der Moeglichkeit ihre bescheidene Rolle in dieser Inszenierung einzunehmen – ja gar an ein Ziel zu gelangen? Ist es jene Verzweiflung, die diesen Frauen diese Euphorie, ja gar Schadenfreude ins Gesicht treibt, bevor sie, wenn sie genug haben zu ihren Autos gehen und heimkehren? Ja ist mit “MEHR” etwa diese Schadenfreude gemeint? Kreischen diese Gesichter nicht geradezu “Sehet her was wir machen, waehrend ihr auf die Bahn wartet”?

Wohl kaum. Eine andere Sprache naemlich sprechen die eilig an das Kunstwerk angebrachten Befestigungsmerkmale. Ungeordnet – ihrer 3 – prangern sie die Organisationsstrukturen in den Fahrplaenen der im Text genannten Mobilitaets-Werte an. Sehr wohl faellt ins Auge, dass beide – Fahrplaene und Befestigung – sogar die selbe Farbe teilen. Auf welch grandiose Weise fuehrt dieser Zug – und es ist irnonisch, dass dieses Werk  Zuege traegt – selbiges auf eine Meta-Ebene und macht den Text zu einer Beschreibung des Werkes selbst: “MEHR VOM TAG  – mit Bus & Bahn” – jetzt wird uns klar, dass wir es mit 2 vollkommen voneinander geloesten Aussagen zu tun haben. MEHR – das Kunstwerk selbst – bei dessen Betrachtung man die nebenstehenden Fahrplaene ausser Acht lassen kann. Ziehen die Farbenspiele an der Befestigung dennoch eine duenne Verbindung zu selbigen Plaenen. Die Schadenfreude jener 5 Frauen – und es ist nun so deutlich dass jede andere Moeglichkeit der Interpretation in selbiger untergeht – gilt diesen Plaenen von “Bus & Bahn” die sich uns an dieser Stelle in schmerzhafte Erinnerung rufen, ihre Euphorie der Erkenntnis, seine Zeit und seinen Tag woanders zu verbringen. “MEHR VOM TAG” … jetzt ist es klar.

Und doch kam dann irgendwann der Zug nach Koeln.

Einen schoenen Abend noch,

der Sternensucher.

‘Bahnbrechend’

Wednesday, March 4th, 2009

Hallo hallo und guten Abend!

nachdem ich jetzt laenger nichts mehr von mir habe hoeren lassen – was nicht daran lag das nichts passiert waere, im Gegenteil – wollte ich doch mal sagen, dass ich noch lebe – und wie! Ich habe mich selten so lebendig gefuehlt wie gerade jetzt in diesem Augenblick – auch wenn die Gruende dafuer eher erschrecken sollten anstatt einen mit einem wohlbauchigen Gefuehl der Glueckseeligkeit zu ueberwerfen.

Wie allen meinen Bekannten vollkommen klar ist, fahre ich jeden Tag mehrere Stunden Zug – mit etwas Glueck und Segen sind es etwas mehr als 4. Es funktioniert, ich bin noch nie nicht angekommen und so gesehen erfuellt es seinen Zweck. Ich bin umgeben von Menschen, die mich um diese Stunden beneiden – warum? Im Gegensatz zu 4-raedrigen Berufspendlern habe ich den Luxus, mich chaufieren zu lassen und kann so bei der Fahrt Dinge tun, die man beim Autofahren nicht tun kann. Ziemlich genau an dieser Stelle hoert der Luxus dann allerdings auch auf.

Wie das Schicksal das so will, las ich heute in dem Blog einer Freundin eben genau das und dachte darueber nach – auch das geht im Zug. Sie sagt, dass sie lieber Zug fahren wuerde um dann sinnige Dinge erledigen zu koennen. Ich wuenschte ich haette im Zug schoneinmaal die Ruhe gefunden, mich zu konzentrieren, zwischen all diesen Menschen, die wechselnd einander oder ihr Telefon anbruellen. Wenn sie das nicht tun, dann bruellt ihr Telefon mit nervtoetender Lautstaerke zurueck. Ein Hupkonzert im Koelner Stadtverkehr klaenge im Vergleich dazu symphonisch – ja gar beruhigend. Bis zum heutigen Tage daempfte ich jene Geraeusche durch den Einsatz von Ohropax(tm) zumindest herab. Dies jedoch werde ich in Zukunft lassen, nach dem was heute geschah.

Normalerweise reise ich inzwichen zumindest unbehelligt, seit ich keine Fahrkarte mehr fuer die erste Klasse besitze. Ich spare so etwas Geld und Nerven. ich bin zwar kein Mensch der es Leuten uebel nimmt, wenn sie ihm ihre Aufmerksamkeit schenken, dennoch werde ich ungerne mit Aufmerksamkeit bedacht, wenn ich gerade versuche, mich auf eine Sache zu konzentrieren. In Koeln Messe Deutz setzt sich ein junger Mann neben mich und telefoniert, leise und bedacht auf sein Umfeld. Immer wieder unterbricht er sein Gespraech und hustet – redet dann weiter. Ich tue $Dinge an meinem Notebook und nehme eher die schreienden Teenager mir gegenueber wahr, als den Mann neben mir. Als dieser auflegt und sein Handy in die Tasche stopft spricht er mich an und fragt “Wie weit ist es noch bis zum Flughafen Duesseldorf?” … meine Uhr und ich antworten “etwa eine halbe Stunde”. Der Mann sitzt zusammengesunken neben mir und sagt erstmal nichts.

Einige Minuten spaeter bekommt dieser einen relativ heftigen Hustenanfall. Ich beuge mich zu ihm herueber: “Geht es ihnen gut? Ist alles in Ordnung?” .. “Nein”, sagt er. “Kann ich ihnen Helfen?”, frage ich nach… “Nein, ich fuerchte nicht”, schiebt er – unterbrochen von schwerem Husten – nach. Der Hustenanfall laesst nach und ich widme mich wieder meinem Notebook. Seinen zweiten Hustenanfall bemerke ich erst, als dieser in ein Prusten uebergeht und sich etwa ein Viertel seines Mageninhaltes auf meiner Jacke wiederfindet. Ein weiteres Viertel hat er zielsicher auf seiner Jacke untergebracht. Alle Reisenden im Umkreis sind unverletzt und es ist still geworden. Nur die Jungendlichen kichern – vermutlich in Erinnerung an ihren letzten Vollrausch. “Entschuldig..” setzt der junge Mann zu sprechen an, wendet sich ab und platziert die andere Haelfte seines Mageninhaltes im Unterfach eines Kinderwagens. Ich bin der einzige Mensch, der demnach etwas abbekommen hat. Ich wiederhole meine Frage, um ihn etwas zur Ruhe zu bringen: “Kann ich ihnen irgendwie helfen?”. “Entschuldigung”, sagt er immer wieder… “Entschuldigung…”. Ich beruhige ihn noch etwas weiter, waehrend der ganze Wagonteil langsam aber sicher anfaengt, sich mit einem saeuerlichen Duft zu fuellen. Mit einem Papiertaschentuch entferne ich notduerftig ein paar ehemalige koestlichkeiten von meiner Jacke und meiner Hose, die anscheinend auch was abbekommen hat. Die Besitzerin des Kinderwagens hingegen hat von alledem nichts mitbekommen und beendet gerade ihr Telefonat. “Ich habe… aehm, sie sollten”, setzt der Mann an, der Kinderwagenfahrerin zu erklaeren, was gerade abgelaufen ist, “Ich werde das wiedergutmachen…”. Die Frau schaut sehr irritiert und mittlerweile haben auch die Jugendlichen das Lachen eingestellt. “Ich habe ihnen gerade in den Kinderwagen gekotzt.”. Der Frau entgleisen alle Gesichtszuege, waehrend wir sicher Duesseldorf Benrath erreichen, wo der Mann ueberstuerzt den Zug verlaesst.

Den Rest der Fahrt verbringe ich damit, die Blicke der umstehenden auf meine Jacke zu ignorieren und damit zu versuchen, den Geruch auszublenden, was mir nicht gelingt. Noch jetzt, wo meine Jacke und meine Hose bereits in der Waschmaschine ihre Runden drehen und ich die Dusche 2x durchschritten habe (ja, ich weiss, das mit dem Wasser habe ich nicht vergessen ;) ), habe ich diesen fuerchterlichen Geruch in der Nase – irgendwo zwischen Mango, Rote-Beete und verschimmeltem Salat.

Ueberlegt euch also gut, ob euch diese Art der gemeinschaftlichen Ruhe es wert ist, die taeglich zuverlaessigen Staus und Umleitungen auf der A40 und der A3 aufzugeben, wo man wenigstens noch ungehemmt, laut und falsch seine Lieblingssongs mitjaulen kann.

Gruss und alles Liebe,

der angekotzte Sternensucher