Archive for the ‘Arbeit/Uni’ Category

‘Bahnbrechend’

Wednesday, March 4th, 2009

Hallo hallo und guten Abend!

nachdem ich jetzt laenger nichts mehr von mir habe hoeren lassen – was nicht daran lag das nichts passiert waere, im Gegenteil – wollte ich doch mal sagen, dass ich noch lebe – und wie! Ich habe mich selten so lebendig gefuehlt wie gerade jetzt in diesem Augenblick – auch wenn die Gruende dafuer eher erschrecken sollten anstatt einen mit einem wohlbauchigen Gefuehl der Glueckseeligkeit zu ueberwerfen.

Wie allen meinen Bekannten vollkommen klar ist, fahre ich jeden Tag mehrere Stunden Zug – mit etwas Glueck und Segen sind es etwas mehr als 4. Es funktioniert, ich bin noch nie nicht angekommen und so gesehen erfuellt es seinen Zweck. Ich bin umgeben von Menschen, die mich um diese Stunden beneiden – warum? Im Gegensatz zu 4-raedrigen Berufspendlern habe ich den Luxus, mich chaufieren zu lassen und kann so bei der Fahrt Dinge tun, die man beim Autofahren nicht tun kann. Ziemlich genau an dieser Stelle hoert der Luxus dann allerdings auch auf.

Wie das Schicksal das so will, las ich heute in dem Blog einer Freundin eben genau das und dachte darueber nach – auch das geht im Zug. Sie sagt, dass sie lieber Zug fahren wuerde um dann sinnige Dinge erledigen zu koennen. Ich wuenschte ich haette im Zug schoneinmaal die Ruhe gefunden, mich zu konzentrieren, zwischen all diesen Menschen, die wechselnd einander oder ihr Telefon anbruellen. Wenn sie das nicht tun, dann bruellt ihr Telefon mit nervtoetender Lautstaerke zurueck. Ein Hupkonzert im Koelner Stadtverkehr klaenge im Vergleich dazu symphonisch – ja gar beruhigend. Bis zum heutigen Tage daempfte ich jene Geraeusche durch den Einsatz von Ohropax(tm) zumindest herab. Dies jedoch werde ich in Zukunft lassen, nach dem was heute geschah.

Normalerweise reise ich inzwichen zumindest unbehelligt, seit ich keine Fahrkarte mehr fuer die erste Klasse besitze. Ich spare so etwas Geld und Nerven. ich bin zwar kein Mensch der es Leuten uebel nimmt, wenn sie ihm ihre Aufmerksamkeit schenken, dennoch werde ich ungerne mit Aufmerksamkeit bedacht, wenn ich gerade versuche, mich auf eine Sache zu konzentrieren. In Koeln Messe Deutz setzt sich ein junger Mann neben mich und telefoniert, leise und bedacht auf sein Umfeld. Immer wieder unterbricht er sein Gespraech und hustet – redet dann weiter. Ich tue $Dinge an meinem Notebook und nehme eher die schreienden Teenager mir gegenueber wahr, als den Mann neben mir. Als dieser auflegt und sein Handy in die Tasche stopft spricht er mich an und fragt “Wie weit ist es noch bis zum Flughafen Duesseldorf?” … meine Uhr und ich antworten “etwa eine halbe Stunde”. Der Mann sitzt zusammengesunken neben mir und sagt erstmal nichts.

Einige Minuten spaeter bekommt dieser einen relativ heftigen Hustenanfall. Ich beuge mich zu ihm herueber: “Geht es ihnen gut? Ist alles in Ordnung?” .. “Nein”, sagt er. “Kann ich ihnen Helfen?”, frage ich nach… “Nein, ich fuerchte nicht”, schiebt er – unterbrochen von schwerem Husten – nach. Der Hustenanfall laesst nach und ich widme mich wieder meinem Notebook. Seinen zweiten Hustenanfall bemerke ich erst, als dieser in ein Prusten uebergeht und sich etwa ein Viertel seines Mageninhaltes auf meiner Jacke wiederfindet. Ein weiteres Viertel hat er zielsicher auf seiner Jacke untergebracht. Alle Reisenden im Umkreis sind unverletzt und es ist still geworden. Nur die Jungendlichen kichern – vermutlich in Erinnerung an ihren letzten Vollrausch. “Entschuldig..” setzt der junge Mann zu sprechen an, wendet sich ab und platziert die andere Haelfte seines Mageninhaltes im Unterfach eines Kinderwagens. Ich bin der einzige Mensch, der demnach etwas abbekommen hat. Ich wiederhole meine Frage, um ihn etwas zur Ruhe zu bringen: “Kann ich ihnen irgendwie helfen?”. “Entschuldigung”, sagt er immer wieder… “Entschuldigung…”. Ich beruhige ihn noch etwas weiter, waehrend der ganze Wagonteil langsam aber sicher anfaengt, sich mit einem saeuerlichen Duft zu fuellen. Mit einem Papiertaschentuch entferne ich notduerftig ein paar ehemalige koestlichkeiten von meiner Jacke und meiner Hose, die anscheinend auch was abbekommen hat. Die Besitzerin des Kinderwagens hingegen hat von alledem nichts mitbekommen und beendet gerade ihr Telefonat. “Ich habe… aehm, sie sollten”, setzt der Mann an, der Kinderwagenfahrerin zu erklaeren, was gerade abgelaufen ist, “Ich werde das wiedergutmachen…”. Die Frau schaut sehr irritiert und mittlerweile haben auch die Jugendlichen das Lachen eingestellt. “Ich habe ihnen gerade in den Kinderwagen gekotzt.”. Der Frau entgleisen alle Gesichtszuege, waehrend wir sicher Duesseldorf Benrath erreichen, wo der Mann ueberstuerzt den Zug verlaesst.

Den Rest der Fahrt verbringe ich damit, die Blicke der umstehenden auf meine Jacke zu ignorieren und damit zu versuchen, den Geruch auszublenden, was mir nicht gelingt. Noch jetzt, wo meine Jacke und meine Hose bereits in der Waschmaschine ihre Runden drehen und ich die Dusche 2x durchschritten habe (ja, ich weiss, das mit dem Wasser habe ich nicht vergessen ;) ), habe ich diesen fuerchterlichen Geruch in der Nase – irgendwo zwischen Mango, Rote-Beete und verschimmeltem Salat.

Ueberlegt euch also gut, ob euch diese Art der gemeinschaftlichen Ruhe es wert ist, die taeglich zuverlaessigen Staus und Umleitungen auf der A40 und der A3 aufzugeben, wo man wenigstens noch ungehemmt, laut und falsch seine Lieblingssongs mitjaulen kann.

Gruss und alles Liebe,

der angekotzte Sternensucher

Schilderwald

Sunday, February 8th, 2009

Hallo hallo,

wie du weisst, verbringe ich sehr viel Zeit im Zug. Gelegentlich(tm) ist mal eine Aussentuer defekt oder die WCs sind aufgrund dummer Menschen gesperrt. Die Bahn haengt dann immer mal wieder schoene kleine gelbe Schilder auf und ich habe mich gefragt, ob man “im Internet”(tm) diese Schilder als SVG oder Pixelbild bekommen kann. Nach erfolgloser Suche in den einschlaegigen Bildportalen kam ich zu dem Schluss, dass wohl noch niemand bekloppt genug war sich daran zu setzen und diese Schilder nachzubilden.

Hier daher mein Versuch:

WC Unbenutzbar (PNG)

Tür unbenutzbar (PNG)

Angesichts des Zustandes der S-Bahnen im Ruhrgebiet (Besserung ist im Gange) kam mir der Gedanke, ob die “WC unbenutzbar”-Schilder nicht vielleicht dochbesser an den Aussentueren der Zuege angebracht werden sollten. Naja, vielleicht findet ja jemand Verwendung für diese Schilder im privaten Raum – ist dein Klo wirklich sauber? Funktioniert die Spuelung? Verschwinden Gäste bei einem unschuldigen Blick ins Rohr? Klemmt die Haustür? Dann: Aufhaengen – die Schilder – bevor es zu spät ist!

Meine waermsten Empfehlungen fuer Inkscape. Die Inkscape-Dateien als SVG gibt es hier:

WC unbenutzbar (SVG), Tür unbenutzbar (SVG)

Gruss vom Sternensucher

Was ist schon ein einzelner Affe…

Wednesday, November 26th, 2008

… in einer Herde von Katzen?

Wenn ich den Tag heute betrachte, dann frage ich mich, warum er ueberhaupt stattgefunden hat. Ich fuehl mich sche***e und es ist, als waeren die letzten Jahre irgendwie ueber Nacht… oder mitten im Satz verpufft. Wie koennen einen 2 Gedanken, die sich scheinbar in der Warteschlange vor meinem Bewusstsein unterhalten und spontan verstanden haben, einen Gedanklich in eine Zeit zurueckversetzen, die – gefuehlt – mehr weh tut als in dem Moment in dem sie eigentlich stattfand? Und verdammt nochmal, wo kommt das ganze Wasser auf einmal her!?

Es scheint so zu sein, dass diejenigen Menschen, die einem mit aller Kraft nicht weh tun wollen es genau durch den Versuch schaffen eben das abzuwenden. Murphy hat dafuer zwar kein Gesetz, aber es kommt dem sehr nahe. Was du sagst ist falsch, so gut du es meinst. Und eigentlich hat ja niemand etwas gesagt, also ergaenzen wir das ganze mal um ein “… oder nicht sagst …” und stellen es in den Raum. Und da wird mir klar, dass diese Phase des Nichts-sagens nunmehr viereinhalb Jahre andauert. Bedauerlich, es kann allerdings noch nichtmal jemand etwas dafuer, aber wahr: Ach das ist doch alles ein grosser Haufen Sche***.

Es scheint als stuende heute, an dem Tag an dem ich eigentlich mit meinem wenigen geliebten Mitmenschen ein wenig zusammensitzen sollte – am besten mit einer Kanne Tee am See und mit einem besonders geliebten Menschen an der Seite – das Motto ueber allem: “Gedanken ueber Dinge, die jetzt nicht mehr gehen”. Torschlusspanik? Reue? Es ist die Melancholie die mich Bedrueckt und mit der ich zurueckblicke, es ist der Rueckblick, der mich wuetend macht auf meine langst vergangene Reaktion, auf meine vor mir selbst ruecksichtslose Vorsicht, Schuechternheit und Angst, die Dinge beim Namen zu nennen. Vielleicht habe ich gedacht “Bevor du jetzt was falsches machst, mach lieber gar nichts, das wirst du schon ueberstehen.”, und stehe jetzt, nachdem fuer alle anderen beteiligten Personen die Dinge laengst geklaert sind vor dem Problem, dass bestimmte Fragen jetzt nicht mehr beantwortet werden koennen/wollen/sollten. Zumindest habe ich das Gefuehl, eine einmalige und ueberlebenswichtige Chance verpasst zu haben, eine Antwort zu erhalten – die Frage ist mir allerdings selbst bis heute nicht halb so klar wie diese Einsicht.

Ich habe selten so sehr wie heute das Gefuehl gehabt, einige Jahre meines Lebens vertan zu haben – Erfahrungen, Gelegenheiten, Katastrophen und Niederlagen eingeschlossen. Waehrend andere lebten, liebten und weiterlebten, mit der Chance das alles als jugendlichen Leichtsinn oder eine verspielte Schwaermerei abzutun sass ich in meinem Kaemmerchen und legte Wert auf andere Dinge – wurde zu dem Menschen, der erst heute merkt, welche Chancen er vertan hat und sich auch sonst viel zu vieler Dinge bewusst wird. Manchmal ist es ein Segen, manchmal ist es ein Fluch.

Meistens ist es ein Fluch. Dabei ist da nichts was offen ist. Alles ist quasi gesagt, ist zumindest vertanden – wenn auch wortlos – und akzeptiert worden. Diese Halde der Gedanken gehoert mit einem Schild versehen: “Schoen anzusehen und unglaublich schoen erlebt zu haben, aber keinesfalls zur Wiederholung empfohlen” – nicht zuhause nachmachen Kinder.

Und dann frage ich mich, was mir mein Leben damit sagen will, wenn der eine Wunsch den ich habe mich davon abhaelt eine Phase in meinem Leben zu geniessen, die schon in ein paar Monaten unwiederbringlich vorbei sein kann. Nichts laesst einem diese Frage so klar werden wie wenn einem die Leute gratulieren, dass man schon wieder ein Jahr aelter ist. Die klare Tatsache, dass es nicht wenige Monate, sondern noch viele schoene Jahre sein koennen, erscheint – aus welchem Grund auch immer – so gering, dass sie es nur in diesen Text, nicht aber in mein emotionales Bewusstsein schafft. Und es koennten so schoene Jahre werden wenn diese Chance es in mein Bewusstsein schaffen wuerde. Na? Merkt ausser mir noch jemand den Teufelskreis, die Zwickmuehle, die besch***ene Sackgasse in der ich mich die letzten viereinhalb Jahre so haeuslich eingerichtet habe? Klasse! Alle habens gemerkt, sogar ich…  nur mein besch***enes Bewusstsein kriegt die Kurve einfach nicht.

Und das ist noch nicht alles. Als waeren Gedanken nicht schon schlimm genug: Einsamkeit ist ein schlechter Ratgeber. Einsamkeit fuehrt zu Einsamkeit fuehrt zu… moment, das hatten wir schon. Gibts in dem Leben hier keinen Rueckwaertsgang? Wo ist die verdammte Bedienungsanleitung mit den Garantiebedingungen. Irgendwas ist da naemlich kaputt. Auf jeden Fall fuehrt Einsamkeit zu Dingen die man besser lassen sollte. Selbstmitleid, Schuld, Verzweiflung… und dann kommt Vernunft… DER Ratgeber ueberhaupt daher und fuehrt mit meinem einsamen Ich einen Dialog:

V: Hallo Einsames Ich.
E: Hallo Vernunft.
V: Du bist vollkommen auf dem falschen Dampfer da mit deiner Situationsbewaeltigung
E: Hoe?
V: Einsam wird man durch Einsamkeit. Das einzige was du da machst ist deinen Selbsterhaltungstrieb stillen, damit dein Gewohnheitsmitleid nicht abhanden kommt.
E: Bitte?!
V: Jo. Schau dich doch mal an.
E: Ja, ich bin wie ich bin.
V: Und fuehlst du dich gut dabei?
E: Bist du dumm? Natuerlich nicht!
V: Na dann… GEH RAUS und triff Menschen.
E: Ich hab keine Lust, ich bin unmotiviert und fuehle mich schwer.
V: Ach nee.
E: Und jetzt? Sprachlos oder was?
V: Nein, ich warte dass du aufstehst… und ich mache dir ein schlechtes Gewissen.
E: Und dann? Willst du mich weichkochen?
V: Nein, ich warte bis du nicht mehr anders kannst.
E: Ich kann dich gar nicht hoeren… lalalalalalaaaa und doof bist du auch.

Und alles was man davon hat ist Einsamkeit und ein schlechtes Gewissen. Ein Gefuehl wie ein rostiger Fiat in einem Neuwagenhandel… “Waer ich doch zumindest mal zum lackieren gegangen… ich koennte immernoch…” und gleichzeitig: “Ach es ist doch eh zu spaet… aber so will mich ja auch keiner.” … und man hoert ja auch nicht auf zu rosten wenn man im Regen steht, im Hinterkopf zu allem Ueberfluss auch noch die Angst, was einem als rostige Muehle alles so passieren kann, wenn man dann doch aus Versehen jemanden findet der einen haben will… oder was man diesem jemand ganz aus versehen antut… man weiss es ja nicht besser.

Und genau waehrend du das hier liest – wer auch immer du bist – genau in diesem Moment mache ich das was ich immer mache. Genau dieser Text bringt micht zum rosten, macht mich angreifbar, schwach und unattraktiv. Und trotz allem kann ich ihn nicht drin behalten. Sag mal, merk ich noch was? Anscheinend nicht – nicht mal heute.

Und nur nochmal, damit wirklich keine Fragen offen bleiben bei dieser einen Person, die sich angesprochen und angeklagt fuehlen koennte: “Du hast alles richtig gemacht. Ich komm nur nicht damit klar.” – und ich mag dich auf so unglaublich viele Arten, dass du es dir mit mir wohl kaum verscherzen kannst und moechte das auch nicht aufgeben – wenn auch nur als Freund.

Eine gute Nacht wuenscht

der Sternensucher.