Archive for the ‘Geschichten’ Category

Es geht bergab…

Saturday, April 26th, 2008

Eine kleine Kurzgeschichte…

“Es geht bargab”, sagte Markus mit einem bedaechtigen blick auf das die Glasschale vor ihm auf dem Tisch, in der ein Himbeer-Eis mit Sahne vor sich hinschmolz. Darun herumstochernd seufzte er tief und stuetzte den Kopf auf dem linken Arm auf. Birte und Michael sahen sich fassungslos an. “Was ist los, Markus? Du bist doch sonst immer so lebhaft.”, durchbrach Birte Markus’ Monolog. “Genau! Dein Eis ueberlebt sonst nichtmal eine Minute…”, frotzelte Michael dazwischen. “Ach wisst ihr, was soll der ganze Mist eigentlich? Morgends steh ich auf, gehe arbeiten, komme Abends nach Hause. Der einzige der mich gruesst ist der Kaktus im Flur… und das auch nur, weil er so verdorrt ist, dass der Luftzug ihn zum Wackeln bringt…”. “MEIN Kaktus?”. Birte war sichtlich schockiert, “Den habe ich dir letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt!”. Markus seufzte nocheinmal. “Sag mal, was erhoffst du dir in dem Eis zu finden? Du sollst das ESSEN, nicht darin herumbohren.”, meinte Michael mit einem ueberzeichnenden Tonfall. “Was solls denn? Ihr sitzt hier mit mir und ich frage mich ‘Warum eigentlich?’ und das tue ich mit allem was ich tue. Warum tue ich ueberhaupt irgendwas?”. “Man KANN nicht nichts tun.”, Birte war ueberzeugt, diese Feststellung muesse Markus aufmuttern - welcher sich hingegen nur zu einem erneuten Seufzer aufraffen liess. “Die Phantasie ist viel interessanter”, sagte Markus, inzwischen tief in Gedanken versunken, “wenn man sich mal so ueberlegt, was man sich alles vorstellen kann. Man braucht nichts tun ausser sich hinzusetzen und zu traeumen, ploetzlich ist alles moeglich”. “Na und dann?”. Michael schien Markus’ Meinung nicht zu teilen, “Was bringt dir das dann?”. “Ich sitze da und brauche nichts tun. In meinen Gedanken ist alles moeglich, weisst du? Wenn man diese kleine Wahrnehmungsgrenze ueberwinden koennte, die Phantasie in einem real wuerde, dann…”. “Du hast doch ne Macke!”, unterbrauch Michael, “Was soll das bringen? Davon wird die Welt auch nicht besser…”. “Deine vielleicht nicht, meine…” - “Sag ich doch!”, fiel Michael Markus erneut ins Wort. “Lass ihn doch mal ausreden mensch, unser Freund steckt in einer Krise…”. Birtes Ironie war kaum zu ueberhoeren. “Ihr haltet mich fuer wahnsinnig oder? Wenn der Traum so real wird wie die Realitaet…” - “Du hast es erfasst”. Wie aus einem Munde stimmten die beiden Markus zu, der noch immer in seinem inzwischen verfluessigten Himbeereis herumfuhrwerkte, den Kopf haltend als drohe er im naechsten Moment abzufallen. “Ihr seid doof. Was ich meinte ist: Wo ist denn der Unterschied? Wenn es in meinem Kopf wahr ist und ich akzeptiere dass es dass es wahr ist, was ist so falsch daran?” “Nichts… eigentlich. Aber was haben wir davon? Oder anders gefragt: was hast du davon?”, Michael schien noch immer nicht zu begreifen. “Ich sage doch, wo ist der Unterschied? Wenn es mir reicht?”, schom Markus nach. “Och Markus… du weisst doch, dass wir fuer dich da sind.” -  Birtes letzter Versuch Markus zu troesten. “Ihr begreift es einfach nicht… ihr begreift es einfach nicht.”. Markus stand kopfschuettelnd auf, trug seine Himbeersuppe zum Tresen, zahlte und verliess das Lokal, Birteund Michael zuruecklassend, die sich Schulterzuckend Blicke zuwarfen. Dann oeffnete er die Augen, stand auf und verliess den Zug - den Geruch von Himbeeren noch immer in der Nase.

… Danke, euer Sternensucher.

Dem Alten ein Ende. Ein Nachruf an 3 geschenkte Jahre

Wednesday, March 5th, 2008

Hallo und guten Abend!

Ich melde mich nur um zu Sagen, dass ich die Geschichten aus dem Computerfachhandel wieder online gestellt habe. Die Kategorie werde ich allerdings nicht weiter schreiben. Ich hoffe es hat euch Spass gemacht und verabschiede mich hiermit aus der Welt des Customer-Care.

Mit einem vor Freude lachenden Traenchen im Auge blicke ich auf diese Geschichten zurueck, die mich 3 Jahre lang Nerven gekostet haben. An dieser Stelle moechte ich all denen gegenueber mein aufrichtiges Mitleid ausdruecken, die sich Tag fuer Tag um die kleinen profanen Zimperlein der Computerbenutzer kuemmern. Diese Spezies, die aus jeder Muecke eine Horde Elefanten zaubert, die Fliegen mit dem Selbstbewusstsein von Hornissen zuechtet und Uhren zu besitzen scheint, die nach Feierabend wieder bei Arbeitsbeginn anfangen… diese Spezies schrieb diese Geschichten fuer euch… nicht nur bei mir, auch bei so vielen anderen in der Branche.

Ich moechte diese Gelegenheit auch nutzen um mich nocheinmal von meinen beiden Chefs verabschieden, die mich durch diese 3 Jahre gehen liessen. Ich danke euch fuer die Moeglichkeit, Erfahrungen zu machen, die mich davon abhielten im Computervertrieb fuer Endkunden zu bleiben und meine Leidenschaft zu vernachlaessigen. Danke auch, dass ihr in dieser Zeit meinen permanenten Leidensstrom ertragen habt und trotz allem standhaft geblieben seid. Ihr habt das klasse gemacht!
Dem Mann mit dem M auch Danke fuer die zahllosen Abende in der alten Werkstatt, die Gespraeche ueber Musik und das Leben und den ganzen Kram, der nicht zu den schoenen Tagen gehoerte an die ich mich erinnere :).
Dem Mann mit dem T einen Dank fuer diene ironische Piesackerei. Die hat mir gezeigt, dass wir auf der gleichen Seite des Tresens stehen, wenn ich schon fast anderer Meinung war. Danke, dass ihr meine Entscheidung respektiert.

Steffen, danke fuer diene unermuedliche Art mich aufzuheitern, wenn gerade wieder ein Mensch wie Fincki (wissen schon) da war. Dein “Na… Joel?!” wenn du schmergelnd durch mein Buero stapftest hat mir so manches Grinsen spendiert, wenn ich eigentlich haette explodieren sollen. Die vielen Gespraeche im Lager, von denen die betroffenen Kunden mit Sicherheit die Haelfte mitbekommen haben, die vielen Kartons, die nie gefunden wurden und unter Gelaechter fuer verschwunden erklaert… Schade, dass ich nicht mehr da sein kann um die Last Minute Kohlen aus dem Feuer zu holen… ich denke aber Alex ist ein wuerdiger Nachfolger, dem ich hiermit alles Gute wuensche… und die gleiche Ausdauer fuer die bald beginnende Ausbildung.

Martin! Mein Held :). Mehr sag ich dazu nicht, es sagt schon genug. Das gleiche gilt fuer Marcel. Danke euch fuer die zahllosen Verleugnungen meiner Person am Telefon, wenn ich wutkrampfend in der Ecke sass und in mich hineindampfte. Danke fuer euer 2 gegen 20 im Laden, wenn ich in der Werkstatt die gluehenden Kohlen jonglierte, den Telefonhoerer in der Hand. Ihr wart toll.

All denen von euch, die mit dieser Firma - die ich zum Ende des Jahres 2007 verliess - weiterhin ihr Leben finanzieren wuensche ich, dass man das, was am Ende raus kommt noch Leben nennen kann und dass ihr alle frisch bleibt.

Ich komm euch mal besuchen und schaue, was passiert,

machts gut, der Sternensucher.

Verdammte tat… [Story snippet]

Tuesday, February 12th, 2008

Ein schnipsel, der so aehnlich passiert ist - nichts besonderes aber.

Ich ergattere - mit Glueck - noch einen Platz in dem vollkommen ueberfuellten Zug nach Hause. Mein Zustand der unergruendlichen Muedigkeit macht mich sehr sehr gluecklich ueber einen dieser Plaetze im Zug an der Treppe Richtung Tuer - Ein Platz den ich eh mag. Man muss sich nicht so an den Leuten vorbeiquetschen, wenn man am ZIel ist, ich mag die Leute im Zug nicht. Ich falle foermlich in den Sitz welcher zu meiner Freude auch noch einzeln steht. Mir schraeg gegenueber setzt sich zeitgleich ein aelterer Herr hin. Ich sehe an seinen Augen, dass er sich lieber einen anderen Platz gesucht haette, sehe, wie er mich mustert, missbilligend und von oben herab. Seine Augen sagen “Sowas faehrt Bahn?” … Ich blicke an ihm vorbei auf die Anzeigetafel auf der die Uhrzeit an mir vorbeiscrollt, verfolge die Zahlen und Buchstaben, waehrend ich aus meiner Jacke einen MP3-Player krame und meine Ohren schalldicht verschliesse. Musik…. ein Fluchtweg aus dieser Situation. Die Tafel verschwindet - ich schaue quasi durch sie hindurch, durch den Zug in den immer dunkler werdenen Abendhimmel.
Die Augen fallen mir zu - wozu brauche ich Sie auch, wenn ich der Gegenwart entfliehen moechte und vor meinen Augen tuermen sich Klangwelten zu Bildern auf. Ich lasse mich fallen und schwebe… sinke und falle jaeh zurueck in die Realitaet als der Zug den naechsten Bahnhof erreicht. Eine Ansage katapultiert mich in die Welt zurueck, in der klingende Schwaden aus buntem Rauch in der Vorstellung nur Brimborium eines Wirren Geistes sind. Meine Augen schweifen die Treppe und ein Wesen, dass darauf sitzt. Ihr Erscheinen ist so, dass ich nicht sagen kann ob sie schon die ganze Zeit dort sitzt, ja vielleicht schon dort sass als ich eben diese Treppe herabtaumelte auf der sie jetzt sitzt - oder ob sie erst gerade in den Zug stieg.
Keine bunten Schwaden und keine Klangwelten, nur ihr sitzen haelt mich davon ab wieder in die Phantasiewelt abzugleiten, vielleicht sogar einzuschlafen. Wie sie dort sitzt, fesselt meinen Blick.
Verlegen starre ich wieder einen Moment auf die Uhr, als ich merke, dass ich schon geraume Zeit auf ihre Brille starre, durch die Sie - ebenso gebannt wie ich auf ihre Brille - in einem Buch liest. Ich riskiere einen Blick zurueck und sehe, wie sie wiederholt ihre langen Haare von den Buchseiten streicht, ueber denen sie sich regelrecht zusammenkauert. Immer wieder neigt sie den Kopf auf die andere Seite des Buches… Erneut fuehle ich mich ertappt und starre auf die Uhr. Minuten vergehen, bis ich feststelle, wie schnell die Zeit ploetzlich vergeht.
Ich Blicke zurueck auf die Treppe und das Wesen darauf. Irgendetwas scheint mich anzuziehen, macht mich unfaehig, sie einfach dort sitzen zu lassen und wieder in meine Traumwelt zu verschwinden. Dabei ist an Ihr nichts auffaelliges… Ihre Augen springen ueber das Buch, rennen die Zeilen entlang, immer wieder neigt sie den Kopf und scheint so in der Handlung zu verschwinden, wie ich in meiner Musik… genau… die Musik. Ich kann doch nicht wildfremde Leute im Zug stundenlang anschauen… ich schaue wieder auf die Uhr und hoere auf die Musik… die Muedigkeit ueberwaeltigt mich und ich nicke ein.
Erneut weckt mich eine Ansage, ein Bahnhof. Der Zug haelt… ich schaue auf die Treppe und sie sitzt noch immer dort, studiert ihr Buch waehrend wild fluchend wie Hyaenen die zugestiegenen Fahrgaeste ueber sie hinwegsteigen. Innerlich sprint etwas in mir vor Freude… diese Versunkenheit haelt mich fest. In dem Moment dreht sie ihren Kopf erneut… weg vom Buch, weiter nach links und blickt mir direkt in die Augen. Sie laechelt.
Die bunten Schwaden in meinem Kopf explodieren, verwirbeln meine Gedanken. Peinlich rote Zuege erhellen nun mein Gesicht und lassen mich erneut die Uhr studieren. Bis auf die immer wechselnde Uhrzeit weiss ich inzwischen genau wie sie aussieht - trotz allem wage ich es nicht den Kopf erneut zur Treppe zu wenden. Je laenger ich auf die Uhr starre um so langsamer vergeht die Zeit… sie kriecht… schleicht langsamer als der Zug zum naechsten Bahnhof.
Als ich nach der Ansage den Mut fasse, erneut zur Treppe zu blicken, ist das Wesen verschwunden… der einzig schoene Punkt in diesem Zug, der in seiner uebersehbarkeit nicht zu uebersehen war… so schoen, und doch verschwunden.

Der Sternensucher

Das ist ja eine schoene Geschichte!

Tuesday, November 13th, 2007

Liebe Freunde,

vermutlich erwartet ihr hier an dieser Stelle die ein oder andere Geschichte aus meinem Arbeitsalltag. Ich habe mich dazu entschlossen, diese vorerst nicht mehr hier zur Verfuegung zu stellen. Eventuell sind einige Entschaerfungen notwendig.

Joel

“Die Welt ist schlecht… euer Laden erst recht!” oder “Ja wo fahren Sie denn?”

Tuesday, October 16th, 2007

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Guten Tag meine lieben,

was waere ein Arbeitstag ohne einen erfolgreichen Feierabend? Ich meine… was gibt einem ein erfuellenderes Gefuehl als die Arbeitsstaette zu verlassen, festzustellen, dass - ohne Ausnahme - jedes Nervenende blank gekaut und das letzte Bisschen Geduld hastig ausgeschlueft ist? Wohl kaum ein einziges. Dieses fuellt einen naemlich so aus, dass kaum noch ein Platz fuer anderes ist ;). Jetzt guckt nicht so gespannt, es geht ja gleich weiter. Ich habe allerdings vorher noch eine Grundsatzfrage zu klaeren, auf die ich gerne eine Antwort wuesste. Keine Angst, ich erinnere gleich nocheinmal daran, dass ihr mir auch wirklich antwortet.

Stellt euch vor, ihr steht in einem Autohaus und habt gerade einem Kunden ein Auto verkauft. Der Kunde hat das Auto mitgenommen, ist damit vom Hof gefahren und ihr zaehlt gerade noch einmal die Scheinchen… Ihr habt gerade zuende gezaehlt (denn es waren VIELE Scheinchen) da rollt der Wagen des Kunden mit quietschendem Geraeusch aus dem Motorraum, einer eingeschlagenen Scheibe und einer riesigen Delle im Kuehler auf den Hof. Der Wagen kommt unter dem Ausstoss eines letzten Gurgelns zum stehen. Entruestet steigt der Kunde aus, schlaegt die Tuer zu, die sich daraufhin aus ihrer Verankerung loest und scheppernd zu Boden faellt. Er marschiert auf euren Tresen zu mit einem Gesicht, welches eher nach einem Dampfkessel ausschaut und droht zu explodieren.

Er: “Hoeren Sie mal, was haben Sie mir denn da verkauft? Das soll ein Auto sein?!”

Du (den Haufen Elend betrachtend): “Hm… wenn sie mich so fragen, sah es noch mehr nach einem Auto aus, bevor sie gefahren sind. ”

Er: “Das ist eine Frechheit, sowas ist mir im Leben noch nicht passiert!”

Du: “Ja nun erzaehlen Sie doch erstmal was passiert ist. Das sieht ja aus, als habe Ihnen da ein ganzer Wald im Weg gestanden.”

Er: “Wollen Sie mich verarschen? Das ist doch alles Ihre Schuld!”

Du: “o_O”

Er: “Ja jetzt gucken Sie doch nicht so unwissend! SIE haben mich doch ins offene Messer laufen lassen!”

Du: “O_o”

Er: “Ich fahre hier vom Hof, keine 100m weit ist eine Ampel, ich fahre drauf zu, das dingen wird nicht gruen! Da kommt von rechts so ein Mercedes und faehrt mir fast in die Seite. Ich weiche noch nach links aus und fahre gegen die Laterne! Was bitte ist das denn fuer ein Auto?!”

Du: “Das war ein sehr gutes Auto. Immerhin scheinen Sie nicht verletzt zu sein! Warum haben Sie denn vor der roten Ampel nicht gebremst?”

Er: “ICH?! Gebremst?!? Wollen Sie mich verarschen? Das Auto soll gefaelligst bremsen. Und ueberhaupt? Warum hat es die Laterne nicht umfahren?”

Du: “Ja aber…”

Er: “Nichts ‘ja aber’! Erkleren sie mir das mal, hm? Der Hammer kommt ja noch. Ich moechte weiterfahren, da springt die Karre nicht mehr an. ‘Bitte Tanken’ steht im Display. Warum sagen Sie mir nicht, dass dieses Auto betankt werden muss? Und warum sagen Sie mir nicht, dass dieses Auto ohne Vorwarnung einfach irgendwo gegen faehrt, wenn man nicht selbststaendig ausweicht? Das darf doch nicht so sein!”

… wie ich bereits erwaehnte: Wir IT-Leute vergleichen sehr sehr gerne gegenueber Kunden den Computer mit einem Auto. Nahezu jedes Problem das so ein Computer haben kann, kann man so auf allgemeinverstaendliche Art und Weise dem Kunden verstaendlich machen, denn: Wie auch bei dem erworbenen Computer, so meint der Kunde auch ueber sein Auto alles zu wissen. Warum sonst klappt jeder noch so technisch-analphabetische Autofahrer nach einer Panne mit einem Sorgenvollen aber zielstrebigen Blick seine Motorhaube auf? Und hierbei ist vollkommen egal, ob nur der Reifen platt ist.

Im oben genannten Dialog bleibt euch als Autoverkaeufern zum Glueck noch ein Satz zu dem es in der IT-Branche keine analogie gibt: “Haben Sie einen Fuehrerschein?!”. Wahrscheinlich haettet ihr das den Kunden schon gefragt, BEVOR er mit dem Auto wegfaehrt. Das Ergebnis ist jedoch das selbe: Man kann voraussetzen, dass jemand, der ein Auto kauft, gewisse Vorkenntnisse im Umgang damit besitzt. Tut man selbiges in der IT-Branche, so stoesst man schnell an einen Punkt, an dem es Widerworte hagelt. Ein Beispiel ist mir in den letzten 2 Wochen besonders ans Herz gewachsen… allerdings eher parasitaer als in einer liebevoll-romantischen Zuneigung.

Der Kunde heisst Weichold und ist ein aelterer Herr, ich moechte sagen: inzwischnen verrentet, verheiratet und voller ueberschuessiger Zeit. Man moechte meinen, dass Rentner ausgeglichene Menschen sind, die nach Jahrelanger Arbeit ihren lang ersehnten RUHE(!!)stand geniessen und das Leben und das, was davon noch uebrig ist an sich vorbei fliessen lassen wie Angler an einem Fluss. Herr Weichold, um in dieser Angler-analogie zu bleiben, verhaelt sich hingegen eher gegenteilig.

Vor etwa 3 Wochen betritt Herr Weichhold unseren Laden mit einem vertoerten Grinsen im Gesicht. er moechte einen neuen Computer kaufen und sich beraten lassen. Mike, der Herrn Weichhold noch ernst nimmt, kuemmert sich vorbildlich um den Mann und seine, wie wir spaeter feststellen werden, verdaechtigen Fragen. Nachdem Mike den Herrn etwa eine halbe Stunde lang zu einem kleinen Office Geraet beraten hat faellt dem Herrn ein, dass er doch ein Geraet mit etwas mehr Leistung haben moechte. Schliesslich haette ja auf dem alten Geraet, dass er aktuell besitze der Start der Textverarbeitung schon Jahrzehnte in Anspruch genommen und nun moege man nicht mehr so lange warten. Auch zu dem Thema darf sich Herr Weichhold eine weitere halbe Stunde gut beraten fuehlen. Trotz unserer deutlich zur Sprache gekommenen Zweifel zu Windows Vista und den aktuell noch bestehenden Problemen mit diverser Hard- und Software, laesst sich Herr Weichhold auch hier ein Angebot zusammenstellen. Es umfasst das leistungsstaerkste System aus unsererm Sortiment und die Umruestung aus Windows Vista Business. Er schlaegt alle Warnungen und Empfehlungen in den Wind. Man will ja schliesslich serioese Arbeiten damit durchfuehren und nicht herumspielen, so Herr Weichhold. Das Angebot ist geschrieben und der Herr verlaesst den Laden mit dem gleichen verstoerten Grinsen, mit dem er ihn betreten hat.
Noch am selben Tag erhalte ich einen Telefonanruf aus dem Hause Weichhold, in welchem sich der gesamte Beratungsstrang ueber die angebotenen Systeme wiederholt. Das verstoerte Grinsen schwebt mir waehrend dieses Gespraeches jede Sekunde (der etwa 1800 die das Gespraech dauert) wieder vor Augen. Herr Weichhold ist sich nun sicher, er moechte das Geraet kaufen, auch - und gerade - weil wir ihm davon abraten. Er habe schliesslich zu Dienstzeiten auch schon mit Computern gearbeitet und wisse, worauf es ankaeme. Er bittet mich des Weiteren noch einen der kabellosen Maus/Tastatur-Saetze der Firma Imagitech zur Seite zu legen. Man moechte ja das Kabelchaos beseitigen. Zur Kenntnis nimmt er meine Zweifel an Kabellosen Geraeten betreffend die Betriebs- und Datensicherheit sowie die Lebensdauer der notwendigen Batterien anscheinend nicht.

Nur etwa 7 Tage spaeter laesst sich Herr Weichhold in unserem Laden blicken um das bestellte Geraet abzuholen. Die Zahlung moechte er, der er ja eine vertrauenserweckende Erscheinung macht, natuerlich per Rechnung leisten. Schliesslich kenne man ihn in diesem Staedtchen und er wohne ja auch um die Ecke. Die Vertrauenserweckende Erscheinung, die da labil ueber die Theke laechelt, reicht allerdings weder mir noch Mike. Und sowieso… Privatkaeufer die Erstkunden sind zahlen bei uns nie auf Rechnung. Das mag konservativ klingen, hat aber seine Gruende :). Vielleicht schreibe ich da ja auch mal etwas zu.
Herr Weichhold verlaesst also einen Hochleistungs-PC mit 20″ Flachbildschirm, einer hochmodernen Imagitech wireless desktop solution und sein breites verstoert-labiles Grinsen tragend um 990 Euro in Bar leichter unser Ladengeschaeft - im Schlepptau unsere Aushilfe, die das Pech hatte bei unserem manipulierten Streichholz-ziehen den Kuerzeren zu selbigen. Herr Weichhold moechte das Geraet naemlich auch aufgebaut bekommen. Er wisse ja aus seiner Berufszeit schliesslich noch worauf es ankommt :).
Als 2 Stunden spaeter Monty aus der Weichholdschen Heimat-Hoelle wieder zu uns in die Firma stoesst, traegt seine Seele tiefe Narben. Ein Blick in seine Augen reicht um zu verstehen, was zwischen ihm, Herrn Weichhold und dem Computer passiert ist. Herr Weichhold hatte anscheinend eigenmaechtig die Lieferung des Rechners und dessen Aufbau zu einer umfassenden Einfuehrung in die Funktionsweise eines Computers abgewandelt. Schliesslich weiss er ja noch aus seiner Berufszeit worauf es ankommt. Als Monty beispielhaft eine Frage von Herrn Weichhold zum Besten gibt, schaut Mike mich an, wie ich es selten gesehen habe - gleiches wird er spaeter von mir behaupten. “Herr Weichhold… moechte gerne eine Bedienungsanleitung fuer die Tastatur haben”, sagt Monty vollkommen resigniert und ausser Atem. “Er hat mich nach allen Tasten auf der Tastatur gefragt”, faehrt er immernoch ausser Atem fort, ” - die Buchstaben ausgenommen.”. Ich wundere mich etwas, finde mich dann aber damit ab mich in Herrn Weichhold geirrt zu haben. Die Buchstaben kannte er anscheinend schon aus seiner Berufszeit. “Er hat darauf bestanden ein Handbuch fuer die Tastatur zu bekommen. Was sollte ich machen? Ich habe versprochen, dass ihr euch darum kuennert.”, fuegt Monty schuldbewusst hinzu. Verstaendnisvoll schauen Mike und ich zu Monty, welcher in die Kueche verschwindet. Jeder wuerde nach so einer Aufgabe einen Kaffee brauchen. Der Rest des Tages verlaeuft ruhig. Mike und ich verbringen ihn damit, online nach einem Handbuch zu fahnden, dass ueber die “Verbinden Sie die Geraete neu” und “Ueberpruefen Sie alle Kabel” Floskeln hinaus geht. Monty verbringt ihn zitternd - in einer Ecke meines Bueros kauernd und hin und wieder mit weit aufgerissenen Augen Dinge murmelnd, die ich nur teilweise verstehe. Hat ihn wirklich hart erwischt.

2 Tage spaeter steht unverhofft kurz nach Anbruch der Mittagspause Herr Weichhold im Laden. Anscheinend ist ihm das labile Grinsen in die Wiege gelegt. Mit einer Stimme, die eher zu den Worten “Moechten Sie noch eine Tasse Kaffee, Sir?” passt formuliert er den Satz “Ich bin sehr unzufrieden mit Ihnen und Ihrem Laden. Ich moechte fast sagen, der Service ist nicht vorhanden. In der Schule haette man gesagt: Setzen, sechs, nicht wahr?”. Sein labiles grinsen zuckt kurz, waehrend er den Kopf schraeg legt. Ich fuehle mich regelrecht ueberfahren und komme gar nicht dazu zu antworten, als Mike schon neben mir steht. “Was ist denn los?” fragt er - deutlich zu erkennen ist, dass Mike von diesem Satz ebenso wenig angetan ist wie ich. “Naja… der Monitor macht keinen Ton. Und ich habe immernoch keine Bedienungsanleitung fuer die Tastatur, nicht wahr?”. Mir faellt schon wieder ein Zucken in seinen Mundwinkeln auf. “Wir sind da ja auch immernoch nicht fuendig geworden. Das ist, muessen Sie verstehen, auch gar nicht so einfach.”, gibt Mike zu verstehen. “Und was ich noch sagen wollte: Insgesamt haben Sie mich ja kein Stueck beraten. Ihr kleiner Kollege da, also derjenige welcher das Geraet bei mir aufgestellt hat, hat mir dann eroeffnet, dass die Tastatur und die Maus auch Batterien brauchen, nicht wahr? Und die halten ja nichtmal ein ganzes Jahr, nicht wahr?”. Waehrend er das Wort “aufgebaut” artikuliert macht er mit den Haenden eine Gaensefuesschen-Bewegung in der Luft. Weder Mike noch ich sind von der Situation und dem Umgang des Herrn Weichhold mit unserem Servicemitarbeiter sehr angetan und komplimentieren ihn mit dem Hinweis, dass er unsere Mittagspause stoere und wir uns weiter nach Kraeften bemuehen wuerden ihm sein Handbuch zu besorgen aus dem Laden.

Die folgenden 2 Stunden ertragen wir - begleitet von permanentem Telefongeschelle ausgehend von ein und der selben Nummer. Waehrend der Telefonate beschreibt uns der Herr am anderen Ende der Leitung diverse Kabel, die fuer die Nichtfunktion der klanglichen Eigenschaften seines Monitors verantwortlich sein sollen. Die Kabelbeschreibungen sind so Absurd, dass Mike ihm gegen Ende des Telefonats anbietet, wenn er auch nur ein einziges dieser Kabel zu uns in den Laden bringen und davon sicher sagen koenne, er habe es von uns erhalten, so wuerden wir ihm den gesamten Rechnungsbetrag zurueckerstatten. Ob das eine gute Idee war? Schliesslich weiss Herr Wichhold ja noch aus seiner Berufszeit worauf es ankommt! Und natuerlich habe er schon alle Lautstaerkeregler durchprobiert…
Ein Kabel bringt uns Herr Weichhold jedoch nicht, jedoch einen Bildschirm mit vollstaendig abgeschalteten Audio-Funktionen. Im Gegensatz zur Tastatur lag fuer den Bildschirm allerdings ein Handbuch vor… und mehr als hinweisen kann man nicht.

In den Tagen darauf beschwert sich Herr Weichhold sowohl telefonisch als auch bei uns im Ladenlokal ueber diverse Dinge, fuer die wir verantwortlich sein sollen - und JA, ich meine das so wie es da steht. Er beschwerte sich ueber diese dinge SOWOHL telefonisch als dann auch noch bei den gleichen Leuten im Laden… ich wusste, dieses labile Grinsen hat eine Ursache.
Zu den Dingen zaehlen einfachere Probleme wie das Verbinden der kabellosen Tastatur und Maus mit dem Empfaenger, die Installation diverser Anwendersoftware auf dem Windows Vista und aehnliches, allerdings auch Gipfel wie das Installieren eines Canon BJC-210 unter Windows Vista und die Frage, ob man bei den neuen USB-Druckern nich einfach seitlich ein Stueck absaegen koenne, damit sie in sein Regal passen. Schlussendlich lasse ich mich im Beisein des Kunden direkt 2x hintereinander von der Imagitech Consumer Hotline auslachen, als ich Herrn Weichhold demonstrieren moechte, dass selbst der Hersteller des Geraetes kein Handbuch fuer das Geraet fuehrt.

Bis zum heutigen Tag erhalten wir fast taeglich anrufe dieses Herrn und jedes Mal, wenn seine Nummer auf dem Telefondisplay oder sein labiles Grinsen jenseits der Theke erscheint wuensche ich mir, der Computerfuehrerschein waere schon vor langem eingefuehrt worden. Ich wuensche mir nur einmal diesen Satz sagen zu koennen, diese Frage stellen zu koennen, die uns die Auto-Industrie voraus hat: “Wo haben Sie denn ihren Fuehrerschein gemacht?!”

Danke fuer eure Aufmerksamkeit.

Zum Schluss moechte ich euch nach eurer Meinung fragen: So Frei der Umgang mit dem Medium Internet und mit dem Werkzeug Computer auch sein sollte, was haltet Ihr von einer schulungspflicht fuer Internetnutzer? Euer Kommentar ist mir wichtig. Danke :)

Machts gut, euer Sternensucher
(Fehler werden wie immer hinterher korregiert. Ich bin froh das zu Ende geschrieben zu haben)

Kundentypen erklaert: Der Erzieher-Typ

Sunday, June 24th, 2007

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Sie sind schrecklich, meistens reich, sprechen sehr gewaehlt und meistens gleichzeitig sehr unverschaemt. Sie kommen und gehen mit einem kantigen Gruss und lassen sich selten zu einem Spass oder einem Laecheln ueberreden. Ihre Augen sind wie Messer und durchsuchen routiniert das Gesichtsfeld nach Fehlern… und nach deren Verursachern…

So oder so aehnlich koennte eine lexikale Beschreibung der Kunden aussehen, die sich in letzter Zeit vermehrt in meinem Geschaeftsfeld sehen lassen. Diese veranlassen mich zu dieser weniger witzig denn aergerlichen Situationsumschreibung, welche eh kein Stueck weiter fuehrt. Trotz allem werde ich sie mal an euch los:

Es ist ca 12, Zeit fuer die Mittagspause (oder sollte ich sagen “kundenfreie Arbeitszeit”?) und ich schlendere Richtung Tuer um diese gegen versehentlich hineinschlendernde Stoerenfriede zu verriegeln. Den Schluessel in der Hand komme ich bei der Tuere an, friemel am Schloss herum, als ein Mann aus einem Wagen auf dem Parkplatz steigt. Den Wagen bemerke ich leider erst jetzt, sonst haette ich bestimmt schon vorher Schritte ergriffen um die Tuere zu verriegeln. “Halt! Lassen Sie die Tuer offen, es ist noch nicht 12, ich bin puenktlich!”, schneidet mir eine amtsmaennisch geschliffene Stimme ins Ohr. ‘Jetzt erst recht’ denke ich, schlage die Tuer zu und lasse den Schluessel 2x sicher im Schloss rotieren. Der Mann laesst sich nicht von seinem Weg abbringen und klopft an die schwere Glastuer, die undurchdringbar zwischen ihm und mir steht: “Was soll das? Es ist noch keine Mittagspause.”. Jetzt erkenne ich den Mann. Als er vor 2 Wochen ein Angebot fuer einen PC hat erstellen lassen hat er damit bei unserem Verkaeufer einen seelsorgerischen Notstand ausgeloest und somit die Einberufung unseres internen Krisenrats verursacht. Das Treffen des selben artete in eine zweistuendige Abfolge von Beschimpfungen und Beschwerden aus und ist zu dem Moment wo der Mann jetzt erneut bei uns vor der Tuer steht in der Erinnerung noch immer praesent. Ich grinse und wende mich ab, doch unterschaetze ich diesen Mann damit in einer unverzeihlichen Art und Weise. So haette ich doch wissen sollen, diese Art Kunde, wenn sie einmal den Entschluss gefasst hat ihr Opfer zu vernichten, diesem Vorhaben weder Tuer noch Tor in die Quere kommen lassen wird.

Noch im umdrehen sehe ich ihn abdrehen. “Endlich…”, denke ich, “er hat es doch verstanden.”. Doch ich irre gewaltig. Anstatt sich zu seinem Auto zu begeben begibt sich der Mann auf den Weg zu unserem Hintereingang. Dieser steht oft genug zum Zwecke der Frischluftversorgung - quasi als Grossfenster - offen und ich bin noch nicht ganz in meinem Buero angekommen, als der Mann sich vor mir aufbaut. “Ich habe noch gar nicht gewusst, dass das Hausrecht neuerdings von unseren Kunden ausgeuebt wird”, gebe ich ihm eine Ladung Pfeffer in sein vor stolz-geroetetes Gesicht. Ihm ist das Eindringen in die Geschaeftsraeume ausserhalb der Geschaeftszeit nicht im geringsten peinlich. “Insbesondere jetzt… um … aehm … 5 Minuten nach 12″, fahre ich nach einem Blick auf meine unbestechliche Funkuhr fort. “Na wenn Ihnen Kunden etwas so unangenehmes sind, kann ich auch wieder verschwinden…”. Was der Mann andeuten moechte ist, dass er bei derartiger Behandlung den Kauf gerne bei einem unserer - zu Neudeutsch - Mitbewerber fortsetzen moechte, die zu Gunsten der Kunden auf ihre Mittagspause verzichten. Er und ich wissen, dass das nach dem erhaltenen Angebot nicht moeglich ist.

“Naja, jetzt wo Sie sich schon Zutritt zu unseren Geschaeftsraeumen verschafft haben, kann ich wengstens anhoeren, was sie von uns wuenschen.”, gebe ich ein Stueck weit nach. Inzwischen hat auch Mike Interesse an dieser Unterredung bekommen und lugt aus seinem Buero. Auch er - als unser Chef und Verkaeufer und als genau derjenige, der das Pech hatte, diesem Kunden ein Angebot unterbreiten zu muessen - erkennt den Mann sofort wieder. “Wie sind sie denn hier hereingekommen?!”, fragt er mit einer kaum steigerungsfaehigen Runzel-Stirn. “Nachdem ihre Aushilfe hier versucht hat mich auszusperren, habe ich den Hintereingang genommen.”, sagt der Mann mit einem abfaelligen Blick auf meine Wenigkeit. Ich habe mich geirrt, Mikes Stirn ist noch zu deutlich mehr Runzeln in der Lage. Er schaut mich an, ich schaue zurueck und wir beide schauen den Mann an. Dieser faehrt fort: “Nun… ich moechte den Rechner abholen, den ich bestellt habe… vor inzwischen 2 Wochen.”. Das “2 Wochen” betont er, als handele es sich um einen Milliarden schweren Rechenfehler im Bundeshaushalt. Ich blicke wieder zu Mike, er zu mir. Schulterzucken.

Nachdem wir etwa 10 Sekunden in dieser Pose verharren, stuermen durch den Hintereingang 2 weitere Personen in den Laden und enttarnen sich durch laute “Papa!”-Rufe direkt als die Kinder des Mannes. Mike faehrt erscheckt zusammen, weicht zurueck und geht in Defensivposition. Ich verkneife mir ein lautes Schreien und springe aus dem Weg. Die beiden Jungen sind etwa 14 und 16 und sehen aus, wie Mini-Ausgaben ihres maennlichen Erzeugers. “Wo bleibst du denn? Wir wollen unseren neuen Rechner ausprobieren!”. Wie Benzin auf einen Grossbrand wirkt diese Frage und veranlasst den Mann dazu, seinen Wunsch im Beisein seiner Kinder neu zu formulieren: “Ich will den bestellten und laengst ueberfaelligen Rechner fuer meine Kinder abholen, haben Sie mich verstanden?!”. Offensichtlich moechte er seinen Kindern vermitteln, dass ER die Lage im Griff hat. Ich schaue Mike an: “Weisst du etwas von einer Bestellung? Haben wir ueberhaupt einen Anzahlungsschein?”. Mike zuckt erneut mit den Schultern: “Ich weiss von keiner Bestellung. Ein Angebot, ja. Aber eine Bestellung? Und eine Anzahlung wurde auch nicht geleistet. Ausserdem ist das Angebot nur eine Woche gueltig gewesen.”. Der Mann wird rot… weniger aus Peinlichkeit, nein. Wer denkt, er habe seinen Fehler erkannt und waere kurz davor diesen einzugestehen irrt gewaltig. Viel mehr nimmt sein oberes Koerperende die Funktion eines Teekessels ein und steht kurz vor dem floeten. “Sie wollen mir damit also sagen, dass Sie mit der Fertigstellung meines Rechners in zwei Wochen noch nicht einmal begonnen haben, weil Sie nicht in der Lage sind ein Angebot und eine Bestellung zu unterscheiden?”.

Mike merkt, dass der Mann versucht, das Problem rethorisch auf der Beziehungsebene auszufechten und schreitet ein: “Nun ist es ja so…”, beginnt er mit einer seiner beruehmten diplomatischen Reden, “Wir haben Ihnen ein Angebot unterbreitet und ueber eine Anzahlung gesprochen. Diese haben Sie nicht geleistet, somit ist keine Bestellung zustande gekommen. Richtig?”. Der Mann stellt gereizt seinen Kopf schreag, nimmt eine Trotzhaltung ein und man hoert seinen Kopf quasi brodeln. Ich bin gespannt, wann er platzt. “Abgesehen davon ist der Rechner inzwischen verkauft und das Angebot am letzten Montag ungueltig geworden. Ich kann ihnen ein neues Angebot schreiben und DANN koennen wir ueber eine Bestellung sprechen.”.

Vielleicht kennt der ein oder andere von euch dieses leichte Zittern im Kopf eines Gegenuebers, dass einen baldigen Wutausbruch mit erschreckender Sicherheit vorhersagt. Dieses leichte Zittern beobachte ich im Moment bei diesem Herrn hinter der Theke. “Sie wollen mit also im Ernst sagen, dass sie, obwohl sie fuer meine Bestellung 2 Wochen Zeit hatten nicht einen einzigen Handschlag getan haben? Und SIE wollen mit einen Rechner verkaufen?”. Der Mann wiederholt sich, muss mir auffallen. “Nein, eignetlich wollen Sie gerade bei uns spontan einen Rechner kaufen. Ich wollte ihnen damals nicht einmal das Angebot schreiben.”, Mike laesst sich nicht auf eine Diskussion ein. Normalerweise sollte man anders mit seinen Kunden sprechen, aber dieser hier… nun gut.

“Das ist eine Frechheit! Sie halten einen Vertrag nicht ein und behaupten dann auch noch, Sie waeren im Recht! Wissen Sie was das fuer ihren Laden irgenwann mal bedeutet? Das ist… “. “Nunja”, unterbricht ihn Mike, “Es gibt keinen Nachweis ueber ihren so genannten Vertrag oder? Nach unseren Geschaeftsbeingungen kommt ein Kaufvertrag erst mit Entrichtung einer Anzahlung zustande… haben Sie das verstanden?” “Ja, aber…” “Guuut”. Inzwischen hat Mike diesen gefaehrlich-diabolischen Unterton in der Stimme. “Guuut”, wiederholt er etwas leiser. “dann werden Sie mir jetzt entweder den Nachweis ueber die Anzahlung zeigen koennen oder nach Ihrem Verhalten die Geschaeftsraeume verlassen, derer ich Sie hiermit unter Anwendung meines Hausrechtes verweise bis Sie sich beruhigt haben. Samt ihrer beiden Soehne!”. Mike ist sichtlich genervt. “Treten Sie immer so auf, wenn Sie vergessen haben sich rechtzeitig um etwas zu bemuehen?”, schiebt er mit Psychologenstimme nach. Ja, ich gebe euch vollkommen recht. Dieser Nachsatz war nicht noetig und nein, selbstverstaendlich gibt es keinen Nachweis ueber eine Anzahlung die nie geleistet wurde.

Bis zu diesem Moment war es fast noch ein alltaegliches Gespraech… doch die Tatsache, dass der Mann seine Kinder dabei hat, spielt eine gravierende Rolle im Folgenden. Denn erstens: Verletze nie die Ehre eines Kunden im Beisein seiner Kinder - und zweitens: Der Kunde hat zwar nicht recht, aber lass ihn ruhig in dem Glauben er habe recht. “Ich gehe ohne Meinen Rechner nirgendwo hin und Ihre Mittagspause geht mir am Arsch vorbei.”, beginnt der Teekessel langsam zu pfeifen und entlaesst dabei zischend giftige Worte in die Umwelt. “SIE sind unfaehig und nicht in der Lage zu arbeiten. SIE sind es, der hier vergessen hat, sich um etwas zu kuemmern und ich nehme mein Recht auf Auslieferung hier und jetzt wahr. Haben Sie mal ueber die rechtlichen Folgen nachgedacht, die DAS HIER fuer SIE haben koennte?”. Dem Mann zerreisst dieser Wutanfall fast die Stimmbaender. Ich schlendere - bemueht die Fassung zu bewahren - zum Telefon und waehle die 110. “Was machen sie da?”, schreit mich der Mann an. “Ich kuemmere mich darum, dass wir ueber die rechtlichen Folgen ihres Auftrittes hier informiert werden.”, erwidere ich mit einem stumpfen Zittern in der Stimme. “Haben Sie mal ueber Hausfriedensbruch nachgedacht?”, schiebe ich nach. Der Mann holt weiter aus: “Ach so ist das?”, feixt er Mike an, “Erst halten Sie Bestimmungen nicht ein, dannunterstellen Sie Hausfriedensbruch… und jetzt rufen Sie die Polizei?”. “So aehnlich.”, sagt Mike, “So aehnlich.”

Inzwischen hebt am anderen Ende des Telefons jemand ab: “Ja?”, ertoent eine tiefe maennliche Stimme. Ich schildere den Sachverhalt und hoere ein “mhm, ich schicke gleich jemanden vorbei.”. Der Kunde hoert mit einem halben Ohr mit, nimmt seine Kinder und verlaesst den Laden um viertel nach 12. Er kann nicht wissen, dass die 110 die interne Nebenstellen-Nummer unseres Lageristen ist.

Fuer euch habe ich den Text auch mal eingelesen :)

 
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Ehrlich wehrt sich am laengsten…

Wednesday, March 14th, 2007

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Liebe Kaufhausdetektive, Polizisten, Fernseh- und echte Anwaelte, Richter und Staatsanwaelte, liebe Notare - oder: Liebe Menschen, die ihr euer Geschaeft mit der Ehrlichkeit bestreitet: Ich fuehle mit euch… warum? Lest selbst:

Ein wunderbarer Tag geht zuende… nicht nur, dass ich die Hoffnung habe, dass mit dem Feierabend und dem darauf folgenden Entspannen auf der heimischen Couch meine Bauchschmerzen verschwinden, nein. Auch die Sonne neigt sich gen Westen und versprueht somit nicht mehr dieses graesslich-helle Licht in alle Welt. Ich mag die Abendsonne… aber dieses Zeug, das einem den ganzen Tag lang in den Kopf scheint… nein danke. Es ist kurz vor 18 Uhr und ich beginne langsam die Werkstatt aufzuraeumen. Das ist eine neue kleine lieb gewonnene Angewohnheit von mir: Erstens vergeht dadurch etwas Zeit mit sinnvoller Arbeit und zweitens schaut es, wenn man Feierabend macht und des naechsten Morgens zur Arbeit kommt nicht aus wie Kraut, Rueben und Kartoffeln. Das hebt die Arbeitsqualitaet in Himmelshoehen. “DingDong” schallt es in meine himmlischen Hoehen, in denen ich von aufgeraeumten Reparaturwerkbaenken und ESD-Armbaendern traeume. ‘DingDong’… nicht irgendein ‘DingDong’ … sondern DAS ‘DingDong’, dass nur die Kunden beim durchqueren der Lichtschranke erzeugen, die etwas zu verbergen haben. Es ist kein akustischer Unterschied… lediglich so ein Gefuehl der Hektik. Ich plupse aus meinen friedlichen Gedanken hart auf den Boden der Tatsachen zurueck. Ein Blick auf den kleinen Ueberwachungsmonitor bringt Gewissheit. Ein Mann, vielleicht mitte Vierzig steht vor dem Tresen, seinen Computer in der Hand… kaufen moechte er bestimmt nichts. Wie teilnahmslos sein Blick die Regale schteift, bestaerkt meinen Verdacht: “Unzufrieden, gehetzt und schrecklich in Eile” - oder Kurz: eine Ugse [Ug:xe]. Seinen Rechner umklammert wie einen Rettungsring steht er da und starrt eher an meinen vielen schoenen Artikeln vorbei. Wenn er so weitermacht haben wir mehr Loecher als Luft in der Luft. Wird es ein Kampf? Wir werden sehen.

Ich weiss nicht mehr genau, warum ich ihn ueberhaupt bediene, raeume ich doch gerade meine Werkstatt auf, mein Heiligtum, meine Quelle des Friedens (bin ich bekloppt? naja, angesichts der Situation)! Wahrscheinlich teibt mich die Neugier - nein etwas anderes, vielleicht schon jetzt Schadenfreude ueber das Gesicht des Mannes wenn er sagt “Ich hab gar nichts gemacht”. Eine diablolische Stimme lacht in einer dunklen Ecke meines Bewusstseins, in der Stroeme aus Lava nur ein wenig fad’-rotes Glimmen an die Hirnwaende werfen. Manchmal mache ich mir selbst Angst. “Wie kann ich ihnen helfen zu spaeter Stund’?” klingt es mittelalterlich-dienerhaft aus meinem Munde. In dem Moment stellt sich Mike zu meiner rechten. Anscheinend hat auch der das “DingDong” richtig gedeutet - kein Wunder bei der Berufserfahrung. Er ugst einmal kurz in meine Richtung, und tut dann so, als wuerde er an der Wand im Kassenbereich Tintenpatronen sortieren. Selbst diese offensichtlich fadenscheinige Tarnung faellt dem Kunden nicht mehr auf, der mir uebrigens immernoch nicht geantwortet hat. Jedes Kind weiss, dass unsere Patronenwand nie sortiert ist. “Womit kann ich dienlich sein?” wiederhole ich noch etwas unterwuerfiger. Endlich erwacht es aus seinem intensiven Bohrvorhaben in unserer frischen kuehlen Sommerluft und wendet mir seinen Blick zu sowie die folgenden Worte an mich: “Ich habe gestern dieses Mainboard bei euch gekauft und das geht nicht.”. Der Mann deutet mit beiden Zeigefingern auf das Zentrum des Rechners, ohne diesen auf der freien und aufgeraeumten (!) Theke abzustellen. “Wenn ich Ihn anschalte, geht er gleich wieder aus.”. Mein inzwischen recht reicher Erfahrungsschatz mit dieser Problematik noetigt mich, meine Mundwinkel schelmisch gen Himmel zu schicken. “Dabei habe ich alles richtig verkabelt!”.

“Die haeufigste Ursache fuer dieser Art Probleme”, hebe ich an, “sind Verkabelungsfehler. Lassen Sie mich mal einen Blick in den Rechner werfen.”. Dem Mann fallen saemtliche Falten aus dem Gesicht und machen weitaus groesseren Furchen Platz. “Aber ich habe alles richtig verkabelt, so wie es im Handbuch steht!”. Aha… eine erste Einschraenkung also. Der Mann gibt also zu, dass er versucht hat, das Handbuch zu lesen. Ich ziehe eine Augenbrauhe hoch und blicke zu Mike. Dieser hat sein “Wenn wir ,jedes mal wenn wir diesen Satz hoeren, 5 Euro bekaemen…”- Gesicht aufgezogen und ist immernoch emsig mit den Patronen beschaeftigt. Auch ich weiss, wie es um die Like-a-Brick Mainboard-Handbuecher steht. Viel mehr Sorgen macht mir allerdings der Gedanke, wie es meist um die Kunden dieser Firma steht. “Na wenn Sie schon sagen, sie haetten nach Handbuch verkabelt… wir wissen doch beide, wie es dieser Tage um die Handbuecher dieser Mainboards steht…”. Ich schaue verstaendnisvoll. “Aber das Mainboard kann alles… “, meint der Kunde zu bedenken geben zu muessen. “Eierlegende Woll-Milch-Sau halt”, gibt Mike einsilbig zu bedenken. Waehrend ich einen Schraubendreher aus meiner himmlisch aufgeraeumten Werkstatt holen gehe, denke ich ueber die Krankheiten ‘Vogelgrippe’, ‘Maul und Klauenseuche’ sowie ‘Rinderwahn’ nach und komme zu dem Schluss, dass die Kombination aus allem ganz vortrefflich zu diesem Hersteller passt.

Wenige Sekunden spaeter luefte ich den Gehaeusedeckel vor den Augen des Kunden schwungvoll in die Hoehe. Waehrend der Kunde etwas schreckhaft zurueckweicht, schwenkt Mikes Interesse von der Patronenwand zum Inneren des Gehaeuses. Beim Anblick der Verkabelung fuehle ich mich an meine Umbauaktionen erinnert - damals, als ich noch dachte, der PCI-Bus verkehrte zwischen Portugal, China und Indien - und meine Erwartungen werden deutlich uebertroffen. “Schauen Sie doch bitte nochmal in das Handbuch…”, bitte ich den Kunden, der anscheinend schon ahnt, was gleich passieren wird, “…, ich gehe derweil meine Kamera holen.”. Seinen Blick entnehme ich, dass ich mich geirrt habe. Damit hat er nicht gerechnet.

Waehrend er hektisch versucht, die Reste des in Kaffee getraenkten Handbuches auf die Schnelle doch noch zu begreifen, schiesse ich seelenruhig ein paar Bilder aus verschiedenen Positionen und mache einige erstaunte Laute dabei. “Schliessen sie ihn doch mal an, dann werden Sie schon sehen, was ich meine!”, versucht er, die Situation fuer sich zu retten. “Es liegt mich Sicherheit nicht an der Verkabelung, die habe ich, glaube ich, wirklich nach Handbuch durchgefuehrt!”. Mir fallen auf den ersten Blick schon 3 Stellen ein, die mit Sicherheit nicht so im Handbuch stehen. Weniger Eindrucksvoll als die hastig abgezogene Wanne des CD_AUDIO-Sockets gibt sich der fehlende 12V Stecker auf dem Mainboard. Beides jedoch wird deutlich ueberfluegelt von dem doppelten Maleur am Floppykabel, bei dem nicht nur das falsche Ende im Motherboard steckt, sondern - und das waere nun wirklich nicht mehr noetig gewesen um uns zu beeindrucken - auch noch falsch herum. Begleitet wird dies von noch einigen weiteren Unzulaenglichkeiten im Bereich der Spannungsversorgung, bei der der erforderliche bereits erwaehnte Stecker gaenzlich durch Abwesenheit glaenzt. “Sehen Sie doch nun endlich mal ins Handbuch, das hat alles seine Richtigkeit. Ich habe wirklich fast alles nach Handbuch angeschlossen”. Erst ist er sich sicher alles sei richtig, dann sagt er es sei nach Handbuch richtig und nun gesteht er sogar durch das Woertchen ‘fast’ fast einen Fehler ein. Wir kommen der Sache also schon naeher… ob er es noch merkt? Entgegen seinem Rat, entscheide ich mich gegen das Handbuch und auch gegen seine Verkabelung und tausche Schlichtweg das Netzteil. “Aber das hat doch funktioniert! In meinem alten Rechner war das vollkommen ausreichend.”. Ohne Worte winke ich mit dem 4-poligen 12V Stecker und deute daraufhin mit selbigem auf die Stelle im Handbuch, die er gerade vorgibt, mit Hingabe zu stdieren. Mike, der dem Herrn inzwischen ueber die Schulter in das Handbuch blickt, liest die besagte Zeile laut vor, als habe er gerade durch Zufall bemerkt, dass er lesen koenne: “Ach-tung. Das Netz-teil muss ue-ber ei-ne se-pe-ra-te vier-po-li-ge Zwoelf-Volt-Lei-tung ver-fue-gen komma so komma wie sie un-ten ab-ge-bil-det ist.”, und grinst ganz abscheulich herablassend. Erneut weise ich mit dem Stecker auf die Abbildung des Steckers.

Als das Netzteil sitzt zupfe ich noch eine weitere Kabel aus dem Geraet und platziere sie an den vorgesehenen Stellen. Mike setzt kopfschuettelnd die Wanne des CD_AUDIO-Steckers wieder auf die 4 vollkommen entstellten Kontaktpfosten, die einsam und verlassen aus der Platine ragen wie abgeknickte Grashalme. Nach etwa 5 Minuten ist das System anstaendig verkabelt - ja sogar 5 Kabelbinder wurden appliziert. “Entzueckend…”, gebe ich dem sprachlosen Kunden das Ende unserer Arbeit zu erkennen und kann es mir nicht verkneifen: “.. und sehen Sie? Sogar den CD_AUDIO-Stecker hat der Chef wieder hinbekommen!”. Mike macht ein Gesicht, als habe er gerade sein Lieblings-Haustier beerdigt. “Aber den habe ich gar nicht angefasst!”, lamentiert der Kunde. Mikes Mimik festigt sich und ich ich schaue etwas frustriert, als das System das erste Mal sauber startet…

Sein Name war Ehrlich und dennoch hat er gelogen. Traurig.

Machts gut, und seid ehrlich :). Auch wenn Ihr mit unseren Waren mal Mist gebaut habt, helfen wir euch weiter.

Der Sternensucher

Kundentypen erklaert: Der Technophob - oder: Der Azubi auf Reisen

Tuesday, October 10th, 2006

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Es gibt Momente im Leben eines Technikers/Verkaeufers/Managers/Arsch fuer alles, die einem zeigen, wie gross das Unverstaendnis eines Kunden - und gleichzeitig - wie klein seine Vorstellungskraft ist, wenn es im die Ausmasse des Internet geht. Einer dieser Momente ereignete sich unlaengst, als ich den grossen Fehler beging, einen Rechner zu verkaufen. Computer eignen sich im Allgemeinen hervorragend als Internet-Endgeraet, nicht jedoch im Falle dieses besagten Systemes, das gerade einen unser pingeligsten Kunden als neuen Besitzer erwischte. Es gibt eben auch Momente im Leben eines Rechners, die schreien foermlich: “Verdammt, warum bin ich nicht schon an jemand anderen verkauft worden?!”.

An jenem schoenen Tag betrat Herr Ford unseren schoenen kleinen Laden. Herr Ford ist ein Mensch, der alles ganz genau nimmt, anders als sein Namensvetter, der den Fehler beging, Autos zu bauen. Herr Ford ist Lehrer - das ist zunaechst nichts schlimmes, allerdings muss man sich in einem Verkaufsgespraech darauf einstellen. Gerade Lehrer, warum auch immer, haben eine ehrgeitzige Art, fuer moeglichst wenig Geld moeglichst viel Leistung zu bekommen. Das beschraenkt sich nicht nur auf Computer, jedoch hat es hier fatale Folgen. Zum Beispiel lassen sich in 90% der Faelle, in denen uns ein Lehrer einen Rechner bringt der Macken hat, diese auf billige Hardware einschlaegig vorbestrafter Hersteller zurueckfuehren, die hier namendlich nicht weiter aufgefuehrt werden sollen. Manchmal ist billig eben doch sehr teuer ;). Fahren wir aber nun mit Herrn Ford fort, der uebrigens einen VW faehrt.

Als Herr Ford den Laden betritt und sich wie ueblich selbst, vollkommen in Gedanken versunken, wegen der durch sein Eintreten ausgeloesten Tuerschelle erschreckt, mache ich den folgenschweren Fehler, hinter dem Tresen zu stehen. Warum ich diesen Fehler immer wieder mache ist mir in diesem Moment nicht klar, auch wenn ich angestrengt nachdenke. Das tue ich allerdings nur um an etwas anderes zu denken als an die Frage, die Herr Ford nun gleich stellen wird: “Herr Sternensucher”, beginnt er seine schon bereitgelegte Rede, fuer die er keinen Zettel braucht, “Herr Sternensucher, ich brauche einen neuen Rechner und… bevor Sie jetzt schon wieder an ihre Spiele denken”, phantasiert er vollkommen ohne Halt und Ansatz, “denken Sie lieber daran, dass ich mit dem System wirklich etwas bewegen muss. Ich brauche ein Leistungsstakes Arbeitssystem mit viel Speicher und - vor allem - aber das wissen Sie ja mit Sicherheit inzwischen selbst - mit viel Leistung.”. Ich atme tief durch. “Des weiteren habe ich nicht viel Geld dafuer eingeplant. Unsere Tochter studiert, wissen Sie? Das frisst an meinem Gehalt.”, setzt er nach. “Aber sicher”, denke ich bei mir. Im Kopf gehe ich die 20 Fehlgeleiteten BTO-Ruecklaeufer durch, die wir noch an den Kunden bringen muessen. “Also fuer IHRE speziellen und ausgesprochen aussergewoehnlichen Anforderungen haben wir Systeme ab etwa 450 Euro auf Lager”, setze ich an, ” aber - wie Sie sich sicher denken koennen - sind nach oben wie immer keine Grenzengesetzt.”. Ich sehe bei dem Wort “oben” seine Wimpern zucken.

An dieser Stelle moechte ich den Verlauf des Verkaufsgespraeches nicht weiter ausfuehren. Es verlief wie ein typisches Lehrerverkaufsgespraech, lediglich an einer Stelle, schon nachdem unser Herr Ford sich fuer den Rechner seiner Wahl - ein ganz normales P4 Arbeitsgeraet ohne schnoerkel - entschieden hatte, wendete sich das Gespraech, quasi noch im Bezahlvorgang, in eine voellig neue Richtung:

“Ach Herr Sternensucher, was ich vollkommen vergessen habe: wird mein Internet jetzt auch endlich schneller? Das hat frueher immer so EWIG gedauert mit den ganzen Seiten!”, faellt es ihm unglaublich frueh auf. “Was haben Sie denn fuer einen Internet-Anschluss?”, hake ich nach. “Ach wissen Sie, ich habe ISDN und bin damit immer zufrieden gewesen. Allerdings merke ich inzwischen, dass mein Rechner das alles nicht mehr verpackt. Ich bin eigentlich nicht so fuer diesen ganzen neuen Krams.”. Ich denke mit nostalgischem Blick an meine Modemtage zurueck. Herr Ford ruft mich jeoch schnell aus meinen Gedanken und noetigt mich zu einem Erklaerungsversuch: “Wissen Sie Herr Ford, ISDN…”, ich mache eine Pause und seufze, als haette ich es ihm schon 1000 mal erklaert, “ISDN ist eine Technik, mit einem _normalerweise_ feststehenden Limit von 7 bis 8kb/s. Heutige Webseiten sind haeufig mit Bildern und Animationen gespickt, die leicht mal 600kb gross sind. Der geneigte Mathematiker erkennt also schnell, dass eine derartige Seite dann schnell mal eine Minute bis 90 Sekunden laed. Und dabei gehen wir schon davon aus, dass alles optimal laeuft, was - wie Sie sicher wissen - selten genug passiert.”. Ich mache wieder eine taktische Pause. Herrn Fords Kopf nimmt eine fragende leicht geneigte Stellung ein, wobei seine Brille nervoes auf seiner Nase hin und her rutscht. “Sie wollen mir also sagen, dass der Rechner das Internet gar nicht schneller macht?!”. “Ich sage nur, dass die Moeglichkeit besteht.” … Soweit so gut. Nachdem ich Herrn Ford dann noch erklaert habe, dass er - je nach installiertem Browser - in diesen 1.5 Minuten mitunter gar nichts sieht, verlaesst dieser weniger zufrieden als gehofft den Laden.

Die naechsten 2 Wochen hoeren wir nichts von Herrn Ford, seinem Rechner und seinem ISDN Anschluss. Die Ruhe truegt. Das weiss zwar noch niemand, doch wir ahnen es. Die Gewissheit kommt wie immer prompt mit dem Betreten des Ladens durch den Kunden. Sein Gesicht macht ein Gespraech eigentlich unnoetig, aber trotz allem bricht es aus ihm heraus. Die Tatsache dass noch 3 Kunden vor ihm an der Reihe sind ist ihm herzlich egal: “Scheisse! Alles scheisse! Was soll das? Mein Internet ist langsamer als vorher, die Scheisskarre stinkt nach spaetestens 2 Stunden als wuerden da drinnen saemtliche Kabel schmoren und der Drucker von euch geht auch nicht! Scheisse Scheisse Scheisse!”. Erwaehnte ich eigentlich schon, dass Herr Ford Berufs-Choleriker ist? Man sieht den Chef und einen Azubi in heller Panik. Soetwas ist der GAU… man fuehrt ein Verkaufsgespraech und ein Kunde kommt mit genau dem Geraet unter dem Arm herein, das man gerade verkaufen moechte. Wenn er das Produkt der Wahl dann noch lauthals bewirbt, ist jeder Verkaeufer der Ohnmacht nahe. Um schlimmeres abzuwenden veranlasst mein lieber Chef (notiert: ohne dass ich mich wehren kann) einen sofortigen Aussendiensttermin mit mir in der Hauptrolle. “Das ist nicht mein Ding aber es gibt Momente… ” halt! Das hatten wir schonmal.

Ich reise also mit Herrn Ford in seinem VW zu ihm nach Hause. Dieser prinzipiell einfache Sachverhalt ist weiniger normal als man vermuten koennte, denn Herr Ford wohnt keine 100m von unserem Laden, sein Rechner ist sehr leicht und so einen Diesel faehrt man ja nur sehr ungerne mal eben so nur bis zum Baecker. Als er wie der Passatwind auf seine Einfahrt fegt, kippt im Kofferraum der Rechner um… wer ihn da hineingestellt hat?! Ich war es nicht. Dennoch wirft Herr Ford beaengstigende Blicke auf meine Nase, die inzwischen den Anschein erweckt, ich hiesse Rudolf und waere ein Paarhufer. Warum muss ich die Probleme meiner Kunden immer zu meinen machen?!. Ich weiss es nicht und wahrscheinlich werde ich es nie erfahren… wobei wahrscheinlicher ist, dass es die Ursache hat, dass ich davon lebe ihre Probleme zu meinen zu machen. Dennoch bin ich sehr Ahnungslos, als ich das Auto verlasse und den Rechner aus dem Kofferraum hole, der ein beaengstigendes Scheppern von sich gibt. Zu dem Zeitpunkt hoffe ich noch, dass das die nicht fixierten Kabel sind, die gegen die Gehaeuseseiten schlagen, doch diese Hoffnung soll sich bald… SEHR bald in Luft aufloesen - aehnlich schnell wie die Bettwaesche beim ALDI an Tagen verschwindet, an denen man sie dort wieder im Sonderangebot findet.

Als ich den Rechner in Herrn Ford’s Wohnung trage merke ich schon, warum er so ein Choleriker ist. Alles ist in grellen Rot-Toenen oder in Grau gehalten. Die Lichtsituation laesst einen zu emotionalem Eis erstarren und Fenster gibt es so gut wie keine. Ich bleibe vor Schreck stehen. Herr Ford reisst mir den Rechner aus der Hand und gibt mir mit einem “Geben Sie schon her!” zu verstehen, ich haette schon genug kaputt gemacht. Ich bin ueberrascht… ich haette nicht gedacht, dass er so zurueckhaltend und nett sein kann :). Nachdem wir sein Arbeitszimmer betreten haben, schliesst Herr Ford seinen Rechner gleich an den Strom an.. und schaltet ein. Es piept, ein Bild erscheint auf seinem Monitor und der Rechner geht aus… was dann passiert enbehrt jeglicher Logik: Herr Ford verstummt, tritt 2 Schritte zurueck und setzt sich in seinen Sessel. Er schweigt. Kein vorwurfsvoller Blick, kein Gebruell, lediglich ein zittern in seinem Mundwinkel. Es ist als haette ihn die Atmosphaere seines eigenen Heimes besaenftigt. “Sollen wir uns den Rechner mal von innen ansehen?” frage ich vorsichtig und bereit, hinter einem umherstehenden Moebel in Deckung zu gehen… noch traue ich dem Frieden nicht. Er aber nickt nur abwesend und zuckt weiter mit dem Mundwinkel. Vorsichtig ziehe ich den Schraubendreher aus meinem Werkzeug-Etui, die Bewegungen meines Gegenuebers immer im Auge behaltend. Keine Reaktion… nur weiterhin das nervoese Zucken in seinem Mundwinkel. Er hat mich ueberzeugt, keine Gefahr. Flink oeffne ich das Geraet, auf das Schlimmste vorbereitet. Die Seitenwand und der Deckel sind schnell entfernt.

Das Bild was sich mir bietet laesst mich tief durchatmen. CPU-Kuehler und Grafikkarte haben ihre angestammten Plaetze verlassen und sind innerhalb des Gehaeuses abgaengig auf Erkundungstour. Schnell untersuche ich die entsprechenden Halterungen auf Beschaedigungen… und atme auf. Keine nachhaltigen Schaeden. Ich setze die Hardware wieder ein, schliesse das Geraet erneut an und schalte ein… Das Zucken in den Mundwinkeln meines gebeutelten Kunden hoert schlagartig auf, als das Startlogo seines Betriebssystemes auf dem Monitor erscheint, ebenso verfluechtigt sich die wohlige Ruhe in seinem Verhalten. “Jetzt kann ich ihnen ja zeigen, was fuer ein Dreckshaufen dieses Geraet ist.”, faehrt er fort. Uebrigens ist das einzige was bisher verbrannt riecht der Schnurrbart des Herrn Ford, denn er spuckt wieder Feuer. Zumindest uebergeht er so spielend einfach die Tatsache, dass er um ein Haar seinen eigenen Rechner durch eine zu schnittige Kurvenlage zerlegt haette.

Nachdem der Rechner anstandslos gebootet hat und auch die Internetverbindung stabil mit 7.2kb/s eingemessen wurde erklaere ich ihm mit ruhiger gelassener Stimme, dass das bisher gezeigte Verhalten des Geraetes vollkommen normal ist und weder er, noch der Rechner etwas fuer diese Langsame Verbindung kann. Da ich meine Ruhe und Gelassenheit seinem Aufbrausen anzupassen versuche brauche ich fuer diese Erklaerungen mehr als 10 Minuten und da der Ausgang meiner Erklaerungsversuche ihn hoechst unbefriedigt laesst, erklaert er kurzerhand mich fuer schuldig: “Was fingern Sie da eigentlich die ganze Zeit an meinem Rechner herum? Meine Einstellungen waren doch alle in Ordnung?”. Naja… gut. Ich finde eine CD von Commundo im CD-Laufwerk und frage ihn ob er sie installiert haette… und er hat. Auf meie Frage, ob er darueber informiert sei, dass der Internetanbieter Commundo seit mehreren Jahren Lycos Online heisse und der beworbene Einheitenpreis von 1.8 Pfennig pro Minute auch schon seit spaetestens 2002 nicht mehr aktuell sei, reagiert er auf die gleiche Weise wie schon zuvor. erst faellt er in seinen Sitz zurueck, danach wieder ein kurzes Zucken mit dem Mundwinkel, doch er springt schnell wieder auf: “Ich weiss nicht was das damit zu tun haben soll, dass mein Rechner verbrannt riecht”. Aha. er lernt anscheinend dazu und versucht es mit der Verwirrungstaktik. Nach kurzem Schnueffeln erkenne ich jedoch keinen Brandgeruch in der Luft (von seinem lodernden Bart einmal abgesehen). Als ich ihn darauf hinweise bittet er mich, das Haus zu verlassen und mich Zwecks Besprechung der Rueckgabebedingungen fuer den Rechner zurueck in die Firma zu begeben - allerdings formuliert ER das etwas anders. Den genauen Wortlaut erspare ich euch lieber. Ich verrate euch allerdings dass die Worte “Scheissteil” “Arschloch” und “Chef” in engem Kontext zueinander stehend auftauchten, gefolgt von einem freundlichen “Raus hier!” als Verabschiedung.

Zurueck in der Firma hat Mike schon ein Auftragsformular fuer einen DSL-Anschluss in der Hand. “Er braucht nur noch zu unterschreiben”, fluestert er grinsend zu mir herueber, “Ich habe ihn schon fertig ausgefuellt”. Nie haette ich gedacht wie recht er hat.

Seid lieb zum Aussendienst, Auch zu dem der Telekom :).

Euer Sternensucher

Wenn man mal rausgeht…

Monday, October 9th, 2006

DIE FOLGENDE GESCHICHTE IST EINE UEBERSPITZTE DARSTELLUNG MEINER VORSTELLUNGSKRAFT. KEINE DER GENANNTEN PERSONEN IST REAL, KEINE DER GEZEIGTEN SZENEN IST REAL. AEHNLICHKEITEN MIT REAL EXISTIERENDEN PERSONEN, SITUATIONEN UND ALLTAGSPLAGEN SIND ZUFAELLIG UND KEINE BOESE ABSICHT!

Nun… an einem beonderen Tag wie diesem steht man etwas eher auf um puenktlich bei der Firma zu sein. Der letzte Bürotag in alten Raeumen. Wie? Habe ich das vergessen? Wir ziehen um und ich habe Ausblick auf ein eigenes Büro! Aber das nur nebenbei… Ich stehe auf jeden Fall um kurz nach 9 vor der Firmentuer und wundere mich. Keiner da. Ihr muesst wissen, dass ich in dem Moment noch gar nicht weiss, dass es erst kurz nach 9 ist. Seit einiger Zeit trage ich keine Uhr. Nachdem ich im Laden über fuerchterliche Verrenkungen vor dem Fenster auf der Uhr die Zeit ablesen kann, entschliesse ich mich, doch erstmal zum Baecker zu gehen, bevor ich aufschliesse. Beim Baecker angekommen steht vor dessen Tür, ich muss dazusagen, mitten auf der Hauptstrasse neben einer sehr engen verkehrsinsel ein weisser Golf 3. Mein erster Gedanke ist, dass eine ältere Frau den Wagen beim abbiegen abgewuergt hat. Ausserdem haben aeltere Leute die Angewohnheit, wie bei diesem Fahrzeug auch, saemtliche Ecken rund zu kollidieren. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass saemliche Scheinwerfer am Fahrzeug ihr Schutzglas eingebuesst haben - oder zumidnest alle, die ich auf den ersten Blick sehen kann. Waehrend ich noch kopfschuettelnd das Auto betrachte, steigt aus der Fahrertuer eine undefiniert junge Frau aus. Ich schaetze sie eher auf 40, wahrscheinlich ist sie aber wesendlich jünger. Sie traegt ein pinkes Hemd, einen Jeans-Rock, unter dem eine schwarze hautenge Aerobic-Hose hervorlugt. Sie tippelt auf ihren Pfennigabsaetzen etwas unbeholfen richtung Baeckerei. Ich kann mein amuesiertes Grinsen nicht verstecken, als sie vor die Tuer rennt, auf der in grossen Buchstaben steht “Tür oeffnet nach aussen”. “Naja, vielleicht ist sie Farbenblind und kann die rot leuchtenden Neonfarben nicht erkennen”, denke ich bei mir. Als ich vor der Baeckerei stehe hat sie es inzwischen geschafft in die Baeckerei zu kommen. Ich werfe einen Blick in ihr Auto, aus dem mich ein kleines Baby anschaut. Die traurigen Augen sprechen deutliche Worte: “Weisst du was ich durchmachen muss?!”. Ich nicke…

Hinter dem Auto der Frau staut sich inzwischen der Verkehr. Kein Mensch in diesem Dorf wuerde um diese Uhrzeit wegen soetwas hupen… zumindest noch nicht. Die gequaelten Blicke der Autofahrer zeigen mir ein breites Spektrum an Emotionen. Von einem fluchenden Blick Richtung Sperrung bis hin zu betenden bis flehenden Blicken in den Fahrzeughimmel. Ich betrete die Baeckerei. Fuer mehr Mitleid fehlt mir so frueh am Tag der noetige Kaffee. Vor mir am Tresen stehen 2 aeltere Damen und unterhalten sich ueber den Tag. Die Bedienung hinter der Theke redet ein bisschen mit, waehrend sie ihnen das Fruehstuekc aus der Reichhaltigen Auswahl in die Tueten sortiert. Hinter den Frauen steht ein Herr im Anzug, der etwas aufgeregt von einem Bein aufs andere tippelt, dahinter eine Frau mit einem Kinderkorb in der Hand. Das Baby darin blickt mit den gleichen Augen wie das im Auto auf unsere Autofahrerin, die direkt vor mir und hinter der dem Baby steht. Die Auto-Frau, nenen wir sie Pinky, verschafft sich bei den dem Anzugtraeger und der Babytraegerin Gehoer: “Wuerden sie mich mal vorbei lassen? Sie merken doch, dass ich in Eile bin!”. Beide blicken etwas verwirrt drein. “Mein Auto steht mitten auf der Strasse”. “Ist das mein Problem?”, erwidert der Anzugtraeger und bestellt seelenruhig seine Broetchen. Die Frau mit dem baby tritt deeskalativ einen Schritt zurueck und laesst die Frau vor. Die beiden aelteren Damen mustern Pinky beim herausgehen mit einem Blick zwischen skeptisch und abfaellig.

Inzwischen hat der Herr seine Broetchen erhalten und kramt in seinem Portemonaie. “2 Cent… die habe ich doch noch irgendwo. Ich bin mir sicher.”. Man hoert deutlich den provozierenden Ton in seiner Stimme und auch die Kassiererin kann sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen. Pinky ist hochrot und langsam aber sicher faengt die pinke Bluse ihr zu stehen an - sie passt zu ihrem Gesicht. Was man allerdings nicht erkennt ist, ob sie vor Wut oder Scham rot anlaeuft, denn inzwischen bricht auf der Strasse doch das unvermeidliche Hupkonzert los. Der Herr im Anzug hat inzwischen 2 Cent aus seiner Hosentasche gezaubert und winkt damit der Kassiererin, die sie ihm aus der Hand nimmt und in die Kasse legt, als sei das 2-Cent-Stueck ein rohes Ei. Der Mann nimmt seine Broetchen und schlendert aus dem Laden. Er grinst dabei so breit, dass man fast denken koennte, er haette die Broetchen umsonst bekommen. Als Pinky nun endlich dran ist, bruellt sie der Kassiererin buchstaeblich die Bestellung ins Gesicht: “5 Quarkbroetchen, 3 davon in einer seperaten Tüte. 2 Müslibroetchen in die Tuete mit den 2 Quarkbroetchen und dann noch zu den 3 Quarkbroetchen 2 Schokocroissants. Natuerlich noch eine ‘Bild der Frau’. Ich zahle getrennt.”. Der Kassiererin faellt jeglicher Sinn fuer Humor aus dem Gesicht. Sie rekonstruiert gedanklich die Bestellung, packt alles in eine Tuete, einschliesslich der ‘Bild der Frau’, summiert an der Kasse auf und nennt den zu zahlenden Betrag. Pinky’s Gesicht wird noch einen Schlag roter. Sie wiederholt ihre Bestellung nochmal und betont das “in einer seperaten Tuete” lautstark. Die sonst nette Bedienung reisst eine weitere Tuete vom Haken, zerknuellt sie, stopft sie in die Tuete mit den Broetchen un der ‘Bild der Frau’. Sie nennt den Betrag +20 Cent. Pinky bezahlt mit einem mehr als unfreundlichen “Hier hast du!”-Gesicht und verlaesst unbeholfen tippelnd die Baeckerei. Nachdem die Frau mit dem Baby ihre Bestellun auch erhalten und bezahlt hat und ich mein Fruehstueck in Haenden halte verlasse ich die Baeckerei. Der Anblick der sich mir bietet ueberrascht mich kein bisschen. Pinky steht mit ihrem weissen Golf quer auf der Verkehrsinsel, Ihre Raeder haengen in der Luft und der Verkehr steht. Genuesslich beisse ich in mein Schokobroetchen und mache mich auf, die Welt zu retten… in den Laden.

Machts gut, bleibt hungig und alles Gute

euer Sternensucher

D.N.b - Szene 1: S-Bahn

Saturday, August 19th, 2006

Legende:

  • J: Jürgen
  • D: Doris
  • C: Chris
  • SP: Sprecher
  • Kommentar oder Regieanweisung

Informationen ueber die Charaktere und eine Einleitung finden sich in der Entsprechenden Page zu “Der Naechste bitte” (auf der rechten Seite im Menu).

SP: Meine Damen und Herren, hier sehen wir Jürgen, wie er auf seine Doris wartet. Wie ueblich sitzt er an seinem Couchtisch im Sessel und bruetet noch ueber einigen Vorlagen fuer seine Firma…

J: Hmm… Wenn mir doch nur einfiele was da an die Nordwand fuer eine Farbe soll… Herr Finkemann ist so ein Anspruchsvoller Kunde (seuftzt). Sowas regt einen auf. Wie ueblich fallen mir nur laecherlich schrille Dinge ein. Verdammt nochmal, das muss doch zu schaffen sein.

Es klingelt ein Telefon

J: Ach Mann, ich hatte gerade eine Idee.

Er steht auf und geht zum Telefon, hebt ab. Man hoert leise eine Frauenstimme aus dem Hoerer.

D: Hallo Jürgen.

J: (erleichtert) Ach Doris, du bists.

D: Ich wollte dir nur kurz sagen… (zoegert) ich komme eine halbe Stunde spaeter, also so gegen 9. Ich habe die S-Bahn verpasst (Jürgen seufzt) und irgendwie geht heute alles schief.

J: (etwas genervt) Ist ok…

D: So wie ich dich kenne hast du noch nichtmal angefangen zu kochen. Stimmts?

J: Mhm…

D: Na dann schaetz dich gluecklich. Ich habe Hunger und gleich moechte ich zusammen mit dir was schoenes essen (macht eine kurze Pause). Bruetest wohl wieder ueber deinen Farben oder?

J: Jap…

D: Ich schau gleich mal danach. Bis gleich. Ich lieb dich.

J: Danke, Bis gleich. (haengt ein)

Man hoert Rumpeln. Es kommt aus dem oberen Stockwerk

J: (genervt) Na toll. Jetzt geht das wieder los und ich muss bei dem Laerm auch noch kochen.

Geschirr rappelt, draussen Hupen Autos. Jürgen bedient einen Herd und schneidet Gemuese. Waehrend dessen:

J: (regt sich auf) Sie verpasst die S-Bahn. Ich dachte wir kochen zusammen was schoenes aber Sie verpasst die S-Bahn. Hrm. Und jetzt? Ach verdammt, die Eier (Geschirr rappelt, ein Topf faellt zu Boden. Man hoert Wasser kochen).

5 Sekunden Stille

SP: Naja… Doris hat ein gutes Gespuer, was mit ihrem Freund so los ist. Schliesslich kennt sie ihren Jürgen nun schon viele Jahre. Und da Sie ahnt was gerade in seiner Kueche passiert, macht sie sich in der verbleibenden Viertelstunde, die sie sonst auf die S-Bahn gewartet haette noch ein bisschen im Bahnhof nuetzlich.

Kulisse eines Schnellrestaurantes. Grosskuechenaehnliche hektische Geraeusche, im Hintergrund unterhalten sich mehrere Leute. Einer lacht.

D: (wartet bis das Gelaechter vorbei ist) 2x von dem Huehnchen suess sauer und dazu eine grosse Portion Bami-Goreng. Zum mitnehmen bitte. (kramt im Portemonaie)

Verkaeufer: Bitteschoen. 5.50

D: Danke. (Tütenrascheln, danach Schritte zur Tuer. Die Restaurant-Geraeusche werden leiser. Man hoert mehrere Leute laufen. Eine Bahnhofsansage)

SP: (zweifelnd) ob das Jürgen schmecken wird? Wir werden sehen.
Wieder zurueck in Jürgens Kueche

J: (flucht) Ach verdammt. Warum brennt mir immer alles an? (Entlehrt den Topf in den Muelleimer) Und was sag ich Doris jetzt? Ausserdem hab ich Hunger ohne Ende. (uebertreibt ironisch) Ich hoffe nur sie erschlaegt mich nicht. Uhh. (wieder Poltern) Hrm. Erstmal lueften. Das stinkt ja abscheulich verbrannt. Ich wusste nicht, dass Moeren SO stinken koennen. (Ein Fenster wird Geoeffnet. Strassengeraeusche). Ah! (wieder ironisch) Frische leise Landluft. Und diese Stille.

SP: Na das ist ja gerade nochmal gut gegangen. Und waehrend Jürgen so da steht und auf Doris wartet denkt er weiter ueber die Nordwand von Herrn Finkemann nach.

Der Naechste bitte - Einleitung und Vorwort

Saturday, August 19th, 2006

“Der Naechste bitte” ist eine Hoerspielvorlage, die ich immer mal umsetzen wollte aber mangels Freizeit nie dazu gekommen bin. Bisher war es nur eine wirre Ansammlung an Gedanken, aber eventuell entwickelt sich daraus ja etwas produzierbares.

DIE CHARAKTERE:

Jürgen (erste Hauptrolle) - Jürgen ist ein junger Mann mitte Vierzig, frustriert von seinem Leben, seinem Arbeitsrhythmus und eigentlich seinem gesamten Tagesablauf. Was er tut tut er widerwillig und nur, wenn es absulut unvermeidbar ist. Wenn ihn etwas stoert dreht er vollkommen durch, verliert die Kontrolle und tut Dinge, an die er sich spaeter nur ungerne erinnert.

Chris (zweite Hauptrolle) - Chris ist ein 16 Jahre alter Jugendlicher, ein richtiger Draufgaenger und eigentlich immer unterwegs mit genuegend Dummheiten im Kopf um im Knast zu landen. Auch er ist leicht reizbar, allerdings eher durch Leute die ihm bloed kommen. Die meiste Zeit zieht er mit seiner “Crowd” - wie er sie nennt - durch die Strassen. Wo immer sie langkommen hinterlassen sie eine Spur der Verwuestung.

Doris - Doris ist die Freundin von Jürgen. Ohne sie waere er wahrscheinlich total im Chaos untergegangen. Sie zwingt ihn dazu, sich immer mal wieder am Riemen zu reissen, auch wenn es ihr immer schwerer faellt, das von ihm zu verlangen. Immer wieder spielt sie mit dem Gedanken sich von ihm zu trennen, aber sie kann ihn nicht seinem Schicksal ueberlassen, auch wenn sie sich oft alleine gelassen fuehlt und seine Launen nur schwer ertragen kann. Wenn sie sich mal nicht sehen koennen ruft sie ihn immer zur selben Zeit auf seinem Handy an.

DER SCHAUPLATZ:

Das Hoerspiel findet statt in einer groesseren Stadt ohne einen speziellen Namen. Man kann sich, um es sich besser vorstellen zu koennen, vielleicht eine Stadt wie Essen vorstellen. Kaum Charakter, duestere Atmosphaere und kaum Menschen die Laecheln.

Jürgen lebt in einem groesseren Mietshaus in der Weidemannstrasse im 4. Stock. Das Haus liegt direkt an einer Bushaltestelle. Wenn er im Wohnzimmer sitzt kann er selbst bei geschlossenem Fenster die Strasse hoeren, auf der taeglich tausende Autos an seinem Haus vorbeifahren. Wenn er die Strasse nicht hoert, dann hoert er in der Nachbarwohnunh ein Baby schreien oder wie sich die Nachbarn ueber ihm wieder ueber kleinigkeiten streiten. Ihn regt das auf, aber er sagt selten etwas.

Doris lebt nicht bei Jürgen. Auch wenn sie schon viele Jahre zusammen sind - das wuerde sie nicht ertragen. Dafuer besucht sie ihn oft. Da Jürgen zuhause arbeitet kommt er eher selten bei ihr vorbei.

Chris lebt bei seinem Vater, auch wenn sie sich fast nie sehen. Wenn Chris um 9 Uhr das Haus verlaesst um, wie sein Vater denkt zur Schule zu gehen ist dieser schon 2 Stunden auf der Arbeit. Chris’ Vater ist Vermoegensberater und viel unterwegs. Sein Sohn besucht allerdings seit mehreren Monaten die Schule nicht mehr und sorgt dafuer, dass die Briefe der Schule und des Jugendamtes nicht in der Villa ankommen in der beide Wohnen. Chris’ Vater stoert das Verhalten seines Sohnes zwar, aber er ist machtlos dagegen.

Exkurs: Warum Kunden einen missverstehen - das ‘Kurze Frage’-Syndrom

Friday, August 18th, 2006

Liebe Freundinnen und Freunde des oertlichen Einzelhandels,

in meiner letzten Geschichte erwaehnte ich einen Zug in der Psychologie des Kunden an sich, der sich einem schnellstmoeglich offenbaren sollte - sonst geht man frustriert im Alltag unter.

Das Problem: Ein Kunde oder eine Kundin erwischen einen in einer sehr unguenstigen Situation und begreifen nicht, dass diese Situation unguenstig ist, auch wenn man es ihnen mehrfach mitteilt.

Ursache: Kunden wenden sich an einen als eine art hoehere Instanz. Sie klassifizieren ein Problem in seiner Wichtigkeit nach ihrem eigenen - gelegentlich nicht ausreichenden - Fachwissen. Dass Probleme dadurch fuer Sie groesser erscheinen als sie in Wirklichkeit sind versteht sich von selbst. Da sich viele dieser Kunden ihres unzureichenden Wissens durchaus bewusst sind, klassifizieren sie das Problem der gefragten Person gegenueber neu - nach den Maßstaeben des bei der gefragten Person vermuteten Wissens.

Ein Loesungsansatz: Aufgrund der haeufig vorkommenden Ueberschaetzung treten somit 2 Klassifizierungen fuer das Problem auf. Fuer die Person selbst ist es ein schwerwiegendes Problem, dass schnell geloest werden soll. Fuer die gefragte Person hingegen ist das Problem aus Sicht des Kunden eine Kleinigkeit. Fragt ein Kunde also nach dieser “Kleinigkeit”, so ist er sich der Tatsache nicht bewusst, dass das Problem ansich zwar ein einfaches ist, allerdings die Interpretation der Beschreibung und die Erklaerung des Loesungsweges aufgrund des deutlichen Wissensunterschiedes erhebliche Zeitmengen in Anspruch nehmen. Wegen dieser Fehleinschaetzung seitens des Kunden ist ein “Ich habe nicht viel Zeit” fuer den Kunden gar kein Problem, denn er denkt ja immernoch, dass das Problem schnell zu loesen waere.

Wichtig fuer das Uebrigbleiben eines kleinen Fetzens Gelassenheit ist daher die Kenntnis ueber diesen Sachverhalt, der dem Kunden oder der Kundin vorsichtig erklaert werden will. Besondere Vorsicht ist bei nachhaltigen Draenglern geboten. Je vehementer eine Person auf Bearbeitung eines Problemes draengt, um so schwerer ist es fuer die gefragte Person, die Problemqualitaet einzuschaetzen ohne der fragenden Person vor den Kopf zu stossen.

Hoffe geholfen zu haben, der Sternensucher ;)