Archive for the ‘Schnipsel’ Category

Es geht bergab…

Saturday, April 26th, 2008

Eine kleine Kurzgeschichte…

“Es geht bargab”, sagte Markus mit einem bedaechtigen blick auf das die Glasschale vor ihm auf dem Tisch, in der ein Himbeer-Eis mit Sahne vor sich hinschmolz. Darun herumstochernd seufzte er tief und stuetzte den Kopf auf dem linken Arm auf. Birte und Michael sahen sich fassungslos an. “Was ist los, Markus? Du bist doch sonst immer so lebhaft.”, durchbrach Birte Markus’ Monolog. “Genau! Dein Eis ueberlebt sonst nichtmal eine Minute…”, frotzelte Michael dazwischen. “Ach wisst ihr, was soll der ganze Mist eigentlich? Morgends steh ich auf, gehe arbeiten, komme Abends nach Hause. Der einzige der mich gruesst ist der Kaktus im Flur… und das auch nur, weil er so verdorrt ist, dass der Luftzug ihn zum Wackeln bringt…”. “MEIN Kaktus?”. Birte war sichtlich schockiert, “Den habe ich dir letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt!”. Markus seufzte nocheinmal. “Sag mal, was erhoffst du dir in dem Eis zu finden? Du sollst das ESSEN, nicht darin herumbohren.”, meinte Michael mit einem ueberzeichnenden Tonfall. “Was solls denn? Ihr sitzt hier mit mir und ich frage mich ‘Warum eigentlich?’ und das tue ich mit allem was ich tue. Warum tue ich ueberhaupt irgendwas?”. “Man KANN nicht nichts tun.”, Birte war ueberzeugt, diese Feststellung muesse Markus aufmuttern - welcher sich hingegen nur zu einem erneuten Seufzer aufraffen liess. “Die Phantasie ist viel interessanter”, sagte Markus, inzwischen tief in Gedanken versunken, “wenn man sich mal so ueberlegt, was man sich alles vorstellen kann. Man braucht nichts tun ausser sich hinzusetzen und zu traeumen, ploetzlich ist alles moeglich”. “Na und dann?”. Michael schien Markus’ Meinung nicht zu teilen, “Was bringt dir das dann?”. “Ich sitze da und brauche nichts tun. In meinen Gedanken ist alles moeglich, weisst du? Wenn man diese kleine Wahrnehmungsgrenze ueberwinden koennte, die Phantasie in einem real wuerde, dann…”. “Du hast doch ne Macke!”, unterbrauch Michael, “Was soll das bringen? Davon wird die Welt auch nicht besser…”. “Deine vielleicht nicht, meine…” - “Sag ich doch!”, fiel Michael Markus erneut ins Wort. “Lass ihn doch mal ausreden mensch, unser Freund steckt in einer Krise…”. Birtes Ironie war kaum zu ueberhoeren. “Ihr haltet mich fuer wahnsinnig oder? Wenn der Traum so real wird wie die Realitaet…” - “Du hast es erfasst”. Wie aus einem Munde stimmten die beiden Markus zu, der noch immer in seinem inzwischen verfluessigten Himbeereis herumfuhrwerkte, den Kopf haltend als drohe er im naechsten Moment abzufallen. “Ihr seid doof. Was ich meinte ist: Wo ist denn der Unterschied? Wenn es in meinem Kopf wahr ist und ich akzeptiere dass es dass es wahr ist, was ist so falsch daran?” “Nichts… eigentlich. Aber was haben wir davon? Oder anders gefragt: was hast du davon?”, Michael schien noch immer nicht zu begreifen. “Ich sage doch, wo ist der Unterschied? Wenn es mir reicht?”, schom Markus nach. “Och Markus… du weisst doch, dass wir fuer dich da sind.” -  Birtes letzter Versuch Markus zu troesten. “Ihr begreift es einfach nicht… ihr begreift es einfach nicht.”. Markus stand kopfschuettelnd auf, trug seine Himbeersuppe zum Tresen, zahlte und verliess das Lokal, Birteund Michael zuruecklassend, die sich Schulterzuckend Blicke zuwarfen. Dann oeffnete er die Augen, stand auf und verliess den Zug - den Geruch von Himbeeren noch immer in der Nase.

… Danke, euer Sternensucher.

Verdammte tat… [Story snippet]

Tuesday, February 12th, 2008

Ein schnipsel, der so aehnlich passiert ist - nichts besonderes aber.

Ich ergattere - mit Glueck - noch einen Platz in dem vollkommen ueberfuellten Zug nach Hause. Mein Zustand der unergruendlichen Muedigkeit macht mich sehr sehr gluecklich ueber einen dieser Plaetze im Zug an der Treppe Richtung Tuer - Ein Platz den ich eh mag. Man muss sich nicht so an den Leuten vorbeiquetschen, wenn man am ZIel ist, ich mag die Leute im Zug nicht. Ich falle foermlich in den Sitz welcher zu meiner Freude auch noch einzeln steht. Mir schraeg gegenueber setzt sich zeitgleich ein aelterer Herr hin. Ich sehe an seinen Augen, dass er sich lieber einen anderen Platz gesucht haette, sehe, wie er mich mustert, missbilligend und von oben herab. Seine Augen sagen “Sowas faehrt Bahn?” … Ich blicke an ihm vorbei auf die Anzeigetafel auf der die Uhrzeit an mir vorbeiscrollt, verfolge die Zahlen und Buchstaben, waehrend ich aus meiner Jacke einen MP3-Player krame und meine Ohren schalldicht verschliesse. Musik…. ein Fluchtweg aus dieser Situation. Die Tafel verschwindet - ich schaue quasi durch sie hindurch, durch den Zug in den immer dunkler werdenen Abendhimmel.
Die Augen fallen mir zu - wozu brauche ich Sie auch, wenn ich der Gegenwart entfliehen moechte und vor meinen Augen tuermen sich Klangwelten zu Bildern auf. Ich lasse mich fallen und schwebe… sinke und falle jaeh zurueck in die Realitaet als der Zug den naechsten Bahnhof erreicht. Eine Ansage katapultiert mich in die Welt zurueck, in der klingende Schwaden aus buntem Rauch in der Vorstellung nur Brimborium eines Wirren Geistes sind. Meine Augen schweifen die Treppe und ein Wesen, dass darauf sitzt. Ihr Erscheinen ist so, dass ich nicht sagen kann ob sie schon die ganze Zeit dort sitzt, ja vielleicht schon dort sass als ich eben diese Treppe herabtaumelte auf der sie jetzt sitzt - oder ob sie erst gerade in den Zug stieg.
Keine bunten Schwaden und keine Klangwelten, nur ihr sitzen haelt mich davon ab wieder in die Phantasiewelt abzugleiten, vielleicht sogar einzuschlafen. Wie sie dort sitzt, fesselt meinen Blick.
Verlegen starre ich wieder einen Moment auf die Uhr, als ich merke, dass ich schon geraume Zeit auf ihre Brille starre, durch die Sie - ebenso gebannt wie ich auf ihre Brille - in einem Buch liest. Ich riskiere einen Blick zurueck und sehe, wie sie wiederholt ihre langen Haare von den Buchseiten streicht, ueber denen sie sich regelrecht zusammenkauert. Immer wieder neigt sie den Kopf auf die andere Seite des Buches… Erneut fuehle ich mich ertappt und starre auf die Uhr. Minuten vergehen, bis ich feststelle, wie schnell die Zeit ploetzlich vergeht.
Ich Blicke zurueck auf die Treppe und das Wesen darauf. Irgendetwas scheint mich anzuziehen, macht mich unfaehig, sie einfach dort sitzen zu lassen und wieder in meine Traumwelt zu verschwinden. Dabei ist an Ihr nichts auffaelliges… Ihre Augen springen ueber das Buch, rennen die Zeilen entlang, immer wieder neigt sie den Kopf und scheint so in der Handlung zu verschwinden, wie ich in meiner Musik… genau… die Musik. Ich kann doch nicht wildfremde Leute im Zug stundenlang anschauen… ich schaue wieder auf die Uhr und hoere auf die Musik… die Muedigkeit ueberwaeltigt mich und ich nicke ein.
Erneut weckt mich eine Ansage, ein Bahnhof. Der Zug haelt… ich schaue auf die Treppe und sie sitzt noch immer dort, studiert ihr Buch waehrend wild fluchend wie Hyaenen die zugestiegenen Fahrgaeste ueber sie hinwegsteigen. Innerlich sprint etwas in mir vor Freude… diese Versunkenheit haelt mich fest. In dem Moment dreht sie ihren Kopf erneut… weg vom Buch, weiter nach links und blickt mir direkt in die Augen. Sie laechelt.
Die bunten Schwaden in meinem Kopf explodieren, verwirbeln meine Gedanken. Peinlich rote Zuege erhellen nun mein Gesicht und lassen mich erneut die Uhr studieren. Bis auf die immer wechselnde Uhrzeit weiss ich inzwischen genau wie sie aussieht - trotz allem wage ich es nicht den Kopf erneut zur Treppe zu wenden. Je laenger ich auf die Uhr starre um so langsamer vergeht die Zeit… sie kriecht… schleicht langsamer als der Zug zum naechsten Bahnhof.
Als ich nach der Ansage den Mut fasse, erneut zur Treppe zu blicken, ist das Wesen verschwunden… der einzig schoene Punkt in diesem Zug, der in seiner uebersehbarkeit nicht zu uebersehen war… so schoen, und doch verschwunden.

Der Sternensucher

Ikarus - Der Sonne entgegen

Monday, July 31st, 2006

“Der Sonne entgegen” dachte Ikarus… so wie sein Namensvetter schon vor vielen Jahrhunderten. Doch so ganz alleine mit dem Gleiter auf dem Dach war es schon ein anderes Gefuehl als in seinen Gedanken, als er - das was er jetzt zu tun bereit zu sein glaubte - geplant hatte. Erzaehlt hatte er es niemandem. Warum auch? Seine Bekannten erzaehlten ihm ja auch nicht, wenn sie Abends noch ein Bier trinken gingen.

Die Sonne war kurz davor im Westen den Tag zu einem Ende zu bringen und huellte sich in ein goldgelbes Wolkenkleid. Dunst stieg auf aus den Strassen. Der Tag war heiss gewesen und am spaeten Nachmittag hatte es geregnet. Auch auf dem Dach auf dem Ikarus stand gab es noch einige Pfuetzen. in denen sich die untergehende Sonne spiegelte. “Ein komisches Gefuehl”, dachte er so bei sich, “fast wie ein Pilot.”. Vor ihm lag das Dach wie eine Startbahn, die gluehenden Pfuetzen wie Positionslichter, die ihm verfuehrerisch entgegenleuchteten. Ein Ziel hatte er nicht vor Augen… vielleicht wollte er einmal die Stadt von oben sehen. Natuerlich wollte er heile landen, aber sonst…

“Es ist Zeit” dachte er und atmete durch. Der ganze Gleiter bebte und setze sich langsam in Bewegung… entschlossen und kraftvoll setzte er einen Fuss vor den anderen - erst langsam, dann immer schneller und schneller, lief, rannte schliesslich. Kurz bevor seine Fuesse ueber die Kante des Daches hinweg flogen, presste er den Greifhebel von sich um dem Gleiter den noetigen Auftrieb zu verleihen. Nur einen Wimpernschlag spaeter lagen zwischen ihm und dem Boden viele Meter Luft, auf der er nun durch den Abend segelte. In langsamen Kreisen stieg er auf mit dem Dunst, bis schliesslich auch das Haus, von dem aus er gestartet war unter ihm lag…