Posts Tagged ‘Bahn’

Komische Wesen

Wednesday, March 18th, 2009

Im Zug trifft man auf manch komisches Gewaechs. Als ich jedoch heute von der Firma nach Hause fuhr, lachte mich aus der Sitzreihe vor mir folgendes Wesen an

InterCi-Tier

Intensive Nachforschungen ergaben, dass es sich bei diese, Freude-strahlenden Etwas um ein InterCi-Tier handelt. Dreht man ihm an der Nase, so oeffnet es sein Maul und man kann seinen Kram drauf abstellen. Praktisch, oder?

Mehr vom Tag!

Tuesday, March 10th, 2009

Hiho!

Heute hatte ich einen etwas anderen Weg zur Arbeit, da ich den Wecker ignoriert und selbiges erst eine halbe Stunde zu spaet gemerkt habe. Meine Eile zum Bahnhof war erfolglos – IC weg, Backup RE weg… und das Backup vom Backup fuhr mir vor der Nase weg – doof gelaufen. Mein Blick auf die verfuegbaren Alternativen erbrachte nicht viel, ausser der Moeglichkeit, eine Stunde zu warten oder einen Zug nach Wuppertal zu nehmen und von dort aus weiter zu sehen. Ueberraschend experimentierfreudig machte ich mich auf nach Wuppertal – wo ich folgendes kleines Kunstwerk in einem Ausstellungsobjekt der Bahn entdeckte:

Mehr vom Tag mit Bus und Bahn

Obwohl sich das Gesamtkunstwerk dem Betrachter recht schnell erschliesst, wagte ich einen Interpretationsversuch – die bedeutende Stelle im Bild ist hervorgehoben. “MEHR VOM TAG” verspricht der kurze aber praegnante Text in grossen Lettern – und gibt Raetsel auf. Mehr? Auch wenn im folgenden Sachverlauf die Information praezisiert wird – “mit Bus & Bahn” heisst es weiterhin – bleiben Fragen offen: Mehr was? Dies verraet der Text nicht mehr, denn er endet an dieser Stelle. Unbefriedigt und aufgewuehlt laesst er uns zurueck in einem Haufen aufgeworfener Fragen.

Das Bild vermag diese Spannung ebenfalls nicht zu loesen, beleuchtet es doch nur noch eine weitere Komponente in unseren Fragen: Was tun diese 5 Frauen auf dem Bild, bepackt mit Taschen – vielen Taschen? Und es sind nicht irgendwelche, nein Einkaufstaschen – Jawohl! – welche sie ueberschaeumend euphorisch und voller Risikobereitschaft ueber einer Bruestung in haengender Weise zur Schau stellen. Unter einem blauen Himmel machen sie Gesichter, als wuerde ihnen nichts fehlen – schauen in den Horizont. Der erfahrene Bahn-Fahrer wird hier skeptisch und waehnt einen Zusammenhang zum vorausgehenden Text: “MEHR VOM TAG mit Bus & Bahn”. Mag dies fuer die Freude der Damen ausschlaggebend sein? Stehen sie gar auf einer Bruecke, sich ergoetzend am Schicksal der darunter an einem Bahnhof wartenden Fahrgaeste – in verzweifelter Erwartung der Moeglichkeit ihre bescheidene Rolle in dieser Inszenierung einzunehmen – ja gar an ein Ziel zu gelangen? Ist es jene Verzweiflung, die diesen Frauen diese Euphorie, ja gar Schadenfreude ins Gesicht treibt, bevor sie, wenn sie genug haben zu ihren Autos gehen und heimkehren? Ja ist mit “MEHR” etwa diese Schadenfreude gemeint? Kreischen diese Gesichter nicht geradezu “Sehet her was wir machen, waehrend ihr auf die Bahn wartet”?

Wohl kaum. Eine andere Sprache naemlich sprechen die eilig an das Kunstwerk angebrachten Befestigungsmerkmale. Ungeordnet – ihrer 3 – prangern sie die Organisationsstrukturen in den Fahrplaenen der im Text genannten Mobilitaets-Werte an. Sehr wohl faellt ins Auge, dass beide – Fahrplaene und Befestigung – sogar die selbe Farbe teilen. Auf welch grandiose Weise fuehrt dieser Zug – und es ist irnonisch, dass dieses Werk  Zuege traegt – selbiges auf eine Meta-Ebene und macht den Text zu einer Beschreibung des Werkes selbst: “MEHR VOM TAG  – mit Bus & Bahn” – jetzt wird uns klar, dass wir es mit 2 vollkommen voneinander geloesten Aussagen zu tun haben. MEHR – das Kunstwerk selbst – bei dessen Betrachtung man die nebenstehenden Fahrplaene ausser Acht lassen kann. Ziehen die Farbenspiele an der Befestigung dennoch eine duenne Verbindung zu selbigen Plaenen. Die Schadenfreude jener 5 Frauen – und es ist nun so deutlich dass jede andere Moeglichkeit der Interpretation in selbiger untergeht – gilt diesen Plaenen von “Bus & Bahn” die sich uns an dieser Stelle in schmerzhafte Erinnerung rufen, ihre Euphorie der Erkenntnis, seine Zeit und seinen Tag woanders zu verbringen. “MEHR VOM TAG” … jetzt ist es klar.

Und doch kam dann irgendwann der Zug nach Koeln.

Einen schoenen Abend noch,

der Sternensucher.

‘Bahnbrechend’

Wednesday, March 4th, 2009

Hallo hallo und guten Abend!

nachdem ich jetzt laenger nichts mehr von mir habe hoeren lassen – was nicht daran lag das nichts passiert waere, im Gegenteil – wollte ich doch mal sagen, dass ich noch lebe – und wie! Ich habe mich selten so lebendig gefuehlt wie gerade jetzt in diesem Augenblick – auch wenn die Gruende dafuer eher erschrecken sollten anstatt einen mit einem wohlbauchigen Gefuehl der Glueckseeligkeit zu ueberwerfen.

Wie allen meinen Bekannten vollkommen klar ist, fahre ich jeden Tag mehrere Stunden Zug – mit etwas Glueck und Segen sind es etwas mehr als 4. Es funktioniert, ich bin noch nie nicht angekommen und so gesehen erfuellt es seinen Zweck. Ich bin umgeben von Menschen, die mich um diese Stunden beneiden – warum? Im Gegensatz zu 4-raedrigen Berufspendlern habe ich den Luxus, mich chaufieren zu lassen und kann so bei der Fahrt Dinge tun, die man beim Autofahren nicht tun kann. Ziemlich genau an dieser Stelle hoert der Luxus dann allerdings auch auf.

Wie das Schicksal das so will, las ich heute in dem Blog einer Freundin eben genau das und dachte darueber nach – auch das geht im Zug. Sie sagt, dass sie lieber Zug fahren wuerde um dann sinnige Dinge erledigen zu koennen. Ich wuenschte ich haette im Zug schoneinmaal die Ruhe gefunden, mich zu konzentrieren, zwischen all diesen Menschen, die wechselnd einander oder ihr Telefon anbruellen. Wenn sie das nicht tun, dann bruellt ihr Telefon mit nervtoetender Lautstaerke zurueck. Ein Hupkonzert im Koelner Stadtverkehr klaenge im Vergleich dazu symphonisch – ja gar beruhigend. Bis zum heutigen Tage daempfte ich jene Geraeusche durch den Einsatz von Ohropax(tm) zumindest herab. Dies jedoch werde ich in Zukunft lassen, nach dem was heute geschah.

Normalerweise reise ich inzwichen zumindest unbehelligt, seit ich keine Fahrkarte mehr fuer die erste Klasse besitze. Ich spare so etwas Geld und Nerven. ich bin zwar kein Mensch der es Leuten uebel nimmt, wenn sie ihm ihre Aufmerksamkeit schenken, dennoch werde ich ungerne mit Aufmerksamkeit bedacht, wenn ich gerade versuche, mich auf eine Sache zu konzentrieren. In Koeln Messe Deutz setzt sich ein junger Mann neben mich und telefoniert, leise und bedacht auf sein Umfeld. Immer wieder unterbricht er sein Gespraech und hustet – redet dann weiter. Ich tue $Dinge an meinem Notebook und nehme eher die schreienden Teenager mir gegenueber wahr, als den Mann neben mir. Als dieser auflegt und sein Handy in die Tasche stopft spricht er mich an und fragt “Wie weit ist es noch bis zum Flughafen Duesseldorf?” … meine Uhr und ich antworten “etwa eine halbe Stunde”. Der Mann sitzt zusammengesunken neben mir und sagt erstmal nichts.

Einige Minuten spaeter bekommt dieser einen relativ heftigen Hustenanfall. Ich beuge mich zu ihm herueber: “Geht es ihnen gut? Ist alles in Ordnung?” .. “Nein”, sagt er. “Kann ich ihnen Helfen?”, frage ich nach… “Nein, ich fuerchte nicht”, schiebt er – unterbrochen von schwerem Husten – nach. Der Hustenanfall laesst nach und ich widme mich wieder meinem Notebook. Seinen zweiten Hustenanfall bemerke ich erst, als dieser in ein Prusten uebergeht und sich etwa ein Viertel seines Mageninhaltes auf meiner Jacke wiederfindet. Ein weiteres Viertel hat er zielsicher auf seiner Jacke untergebracht. Alle Reisenden im Umkreis sind unverletzt und es ist still geworden. Nur die Jungendlichen kichern – vermutlich in Erinnerung an ihren letzten Vollrausch. “Entschuldig..” setzt der junge Mann zu sprechen an, wendet sich ab und platziert die andere Haelfte seines Mageninhaltes im Unterfach eines Kinderwagens. Ich bin der einzige Mensch, der demnach etwas abbekommen hat. Ich wiederhole meine Frage, um ihn etwas zur Ruhe zu bringen: “Kann ich ihnen irgendwie helfen?”. “Entschuldigung”, sagt er immer wieder… “Entschuldigung…”. Ich beruhige ihn noch etwas weiter, waehrend der ganze Wagonteil langsam aber sicher anfaengt, sich mit einem saeuerlichen Duft zu fuellen. Mit einem Papiertaschentuch entferne ich notduerftig ein paar ehemalige koestlichkeiten von meiner Jacke und meiner Hose, die anscheinend auch was abbekommen hat. Die Besitzerin des Kinderwagens hingegen hat von alledem nichts mitbekommen und beendet gerade ihr Telefonat. “Ich habe… aehm, sie sollten”, setzt der Mann an, der Kinderwagenfahrerin zu erklaeren, was gerade abgelaufen ist, “Ich werde das wiedergutmachen…”. Die Frau schaut sehr irritiert und mittlerweile haben auch die Jugendlichen das Lachen eingestellt. “Ich habe ihnen gerade in den Kinderwagen gekotzt.”. Der Frau entgleisen alle Gesichtszuege, waehrend wir sicher Duesseldorf Benrath erreichen, wo der Mann ueberstuerzt den Zug verlaesst.

Den Rest der Fahrt verbringe ich damit, die Blicke der umstehenden auf meine Jacke zu ignorieren und damit zu versuchen, den Geruch auszublenden, was mir nicht gelingt. Noch jetzt, wo meine Jacke und meine Hose bereits in der Waschmaschine ihre Runden drehen und ich die Dusche 2x durchschritten habe (ja, ich weiss, das mit dem Wasser habe ich nicht vergessen ;) ), habe ich diesen fuerchterlichen Geruch in der Nase – irgendwo zwischen Mango, Rote-Beete und verschimmeltem Salat.

Ueberlegt euch also gut, ob euch diese Art der gemeinschaftlichen Ruhe es wert ist, die taeglich zuverlaessigen Staus und Umleitungen auf der A40 und der A3 aufzugeben, wo man wenigstens noch ungehemmt, laut und falsch seine Lieblingssongs mitjaulen kann.

Gruss und alles Liebe,

der angekotzte Sternensucher

Schilderwald

Sunday, February 8th, 2009

Hallo hallo,

wie du weisst, verbringe ich sehr viel Zeit im Zug. Gelegentlich(tm) ist mal eine Aussentuer defekt oder die WCs sind aufgrund dummer Menschen gesperrt. Die Bahn haengt dann immer mal wieder schoene kleine gelbe Schilder auf und ich habe mich gefragt, ob man “im Internet”(tm) diese Schilder als SVG oder Pixelbild bekommen kann. Nach erfolgloser Suche in den einschlaegigen Bildportalen kam ich zu dem Schluss, dass wohl noch niemand bekloppt genug war sich daran zu setzen und diese Schilder nachzubilden.

Hier daher mein Versuch:

WC Unbenutzbar (PNG)

Tür unbenutzbar (PNG)

Angesichts des Zustandes der S-Bahnen im Ruhrgebiet (Besserung ist im Gange) kam mir der Gedanke, ob die “WC unbenutzbar”-Schilder nicht vielleicht dochbesser an den Aussentueren der Zuege angebracht werden sollten. Naja, vielleicht findet ja jemand Verwendung für diese Schilder im privaten Raum – ist dein Klo wirklich sauber? Funktioniert die Spuelung? Verschwinden Gäste bei einem unschuldigen Blick ins Rohr? Klemmt die Haustür? Dann: Aufhaengen – die Schilder – bevor es zu spät ist!

Meine waermsten Empfehlungen fuer Inkscape. Die Inkscape-Dateien als SVG gibt es hier:

WC unbenutzbar (SVG), Tür unbenutzbar (SVG)

Gruss vom Sternensucher

Das Leben in vollen Zügen…

Monday, May 5th, 2008

Ein Experiment…

Wie tolerant ist unser Bahnvolk eigentlich heute? Diese frage stelle ich mir jeden Morgen. Seit einiger Zeit bin ich auf den öffentlichen Personen-Nahverkehr angewiesen und fahre im Ruhrgebiet von Ost nach West und wieder zurück. Diese Strecke ist vermutlich durch Berufspendler und den dicht besiedelten Raum eine der meistgenutzten Strecken Deutschlands. Die Deutsche Bahn transportiert täglich tausende Menschen zu ihrer Arbeit und wieder nach Hause… und wie benehmen sich diese Menschen in den Zügen eigentlich gegenüber einander?
Es leuchtet ein, dass viele verschiedene Menschen sich entscheiden Bahn zu fahren. Der Konzern “Deutsche Bahn AG” sieht in seinen Zügen eine 2-Klassen-Trennung vor, eine für Leute die mehr zahlen und eine für Leute die weniger zahlen. In einigen Zügen ist das tatsächlich die einzige Trennung, die Ausstattung ist öfter denn gewünscht die gleiche.
Abseits der Differenzierung zwischen viel Geld und weniger Geld kann ein Ticket fuer die erste Klasse einem morgends das Leben retten. Sardinen-Feeling ist bei der Bahn keine Seltenheit und oft hört man den lautstarken Wunsch nach mehr Wagons. Die Bereiche der ersten Klasse sind oftmals zumindest bestehbar und deutlich öfter als in den gefragten Reihen in der zweiten Klasse findet man hier noch einen Sitzplatz. Aus diesem Grund investiere ich jeden Monat etwa 35 Euro in einen Zuschlag fuer die Nutzung der ersten Klasse mit meiner Monatskarte.
“Eigentlich schade”, dachte ich oft genug, denn in der zweiten Klasse finden sich meite die sympatischeren Menschen. Ich fühle mich meist deutlich wohler – zumindest von meinem sozialen Empfinden – wenn ich nicht von Zeitung lesenden Schlipsen umgeben bin. Ich gebe zu, das wird auf Gegenseitigkeit beruhen, ich gliedere mich optisch denkbar schlecht in die erste Klasse ein: Eine ausgetragene schlabbrige graugruene Jacke, wüstes Haar, unrasiert, meist eine alte Jeans und die Brille schräg auf der Nase.
Dieser Umstand liess mich einige Beobachtungen machen, die ich euch hier ein bisschen näher bringen möchte. Aus persönlicher Sicht sind das mit Sicherheit keine besonders erfreulichen Geschichten, im Rückblich werfen sie allerdings ein düsteres und mahnendes Licht auf unsere Gesellschaft, insbesondere auf die, denen das Geld aus den Taschen hängt, oder diejenigen, die dies zumindest glauben.

Der Morgen verläuft meist so: Ich begebe mich mittels Stadtbahn zum Bahnhof, hetze mich etwas ab um einen Zug zu erwischen und bewege mich an den Wagons entlang, bis ich einen der Wagen mit gelbem Streifen finde. Diese Wagen beherbergen einige Sitze der ersten Klasse. Ich setze mich, wenn ich so weit komme, klappe mein Notebook auf und erledige ein bisschen Kleinkram (wie diesen Text) oder unterhalte mich mit Bekannten. Oft passiert einen bis 2 Bahnhoefe nichts, dann beginnen meist, ob des enger werdenen Platzes skeptische Blicke und Seufzer in meine Richtung – meist von Leuten die keinen Sitzplatz erhalten haben oder mir gegenüber sitzen (ich vermeide, wenn möglich, dass das überhaupt vorkommt, ich ertrage den Anblick einfach nicht). Nicht selten werde ich allerdings schon auf der Treppe angesprochen oder Menschen versuchen sich mit einem grimmigen “erste Klasse” auf der Treppe an mir vorbei zu drängen. Wenn möglich versperre ich mit einem “Ah, danke, da wollte ich auch hin.” den Weg und gehe meines selbigen.
Weniger Angenehm sind Menschen, die versuchen meinen Sitzplatz zu übernehmen. Meist stellen sie sich sehr aufdringlich neben einen – besonders Herren mit Kroko-Leder-(Imitat-)Aktentaschen – und beginnen sich den Mantel auszuziehen mit den Worten “stehen Sie bitte auf, das ist hier erste Klasse.”. Selten reagiere ich darauf. Ohne Kaffee kann ich mir manchmal ein Nachfragen nach einem Schwerbehindertenausweis nicht verkneifen, meist gefolgt von heftigen Ausbrüchen des Gegenüber, man habe schliesslich fuer den Platz bezahlt. “Ich auch.” sage ich meist, und widme mich wieder meinem Bildschirm. Andere sind etwas subtiler und versuchen es mit einem “Jaja, die koennten hier mal groessere Schilder in die erste Klasse haengen” zu sich selbst und gerade eben so laut dass ich es hoeren kann. Ein Mann in meiner Nähe antwortete mal auf so einen Kommentar mit den Worten “Eigentlich kann man die gut lesen, vielleicht brauchen Sie eine Brille?” – Humor ist so selten.
Man fragt sich was sich diese Leute denken. “Lass es einfach meine Sorge sein”, denke ich bei mir und fühle mich bevormundet und beleidigt. Nicht, dass ich mich eingliedern möchte, dass ich in der Menge dieser ganzen gestylten gehobenenn Angestellten untergehen möchte, ich lasse mich nur ungerne voreingenommen beurteilen. Ganz nebenbei, es geht um eine Fahrkarte und nicht um einen Wohltaetigkeitsball mit Kleiderordnung.
Handgreiflichkeiten gehören zum Glück zu den seltensten Gegebenheiten. Ein oder Zwei mal ist es mir jedoch passiert, dass man mich harsch am Arm von meinem Sitz ziehen wollte. Die Dame, die sich das ohne Vorwarnung und in voller Überzeugung der Menschheit einen grossen Gefallen zu tun traute, fand sich wenige Augenblicke später auf dem Bahnhof Wattenscheid wieder, wild protestierend, sie wolle doch nach Düsseldorf und sie wuerde nie mehr Bahn fahren wenn man sie jetzt vor die Tür setzte. Der gleiche Bahnangestellte, der sie an diesem Tag vor die Tür setzte – nicht ohne ein wohlwollendes Lächeln in meine Richtung – kontrollierte am naechsten Tag (noch immer oder) wieder wohlwollend lächelnd ihre Fahrkarte.
Häufiger als das passiert es, dass sich Leute um des Recht haben wollens vor dem gesamten Zug und auch dem eben schon löblich erwähnten Bahnpersonal auf unmenschliche Art blamieren. Oft genug machte der ein oder andere schon ein Gesicht als wolle er auf der Stelle im Boden versinken, auch auf die Gefahr hin, dann – bauartbedingt – in der zweiten Klasse zu landen. Ein Beispiel war eine Dame, die – nur etwa 10 Jahre älter als ich – meinte, von ihrem – wie sie es nannte – Altersvorrecht gebrauch machen zu wollen. Nach 5-minütiger Diskussion über die Beförderungsbedingungen der Bahn (in denen von “alten und gebrechlichen Menschen” oder “Menschen mit körperlicher Behinderung” die Rede ist, nicht aber von “Menschen die älter sind als diejenigen die da schon sitzen”) und darauf folgenden 15 Minuten purem Ignorieren ihrer Person meinerseits war sie fest entschlossen, ihr sicher vermutetes Recht mit Hilfe des Bahn-Personals durchzusetzen. Das Personal – sichtlich amüsiert – verwies sie dann darauf, sich in etwa 50 Jahren nochmal in diesem Anliegen zu melden, woraufhin die Dame schwer erbost den Wagen verlassen wollte, aber nicht konnte. Es war zu voll. Selten habe ich in so tiefer Genugtuung gelächelt wie in diesen Momenten.

Ich finde es beängstigend, wie stark Elite für diejenigen Menschen, die sich so benehmen mit Geld verbunden ist, ja wie die Oberflaechlichkeit wie jahrelang nicht gereinigte Fliesen einer öffentlichen Toilette aus ihrem Gehabe meilenweit gegen den Wind stinket. Fragt man sich, warum man dieses Ticket ueberhaupt gekauft hat. “Reisen sie bequemer und in Ruhe…”, wirbt die Deutsche Bahn, während ich mir Züge suche, die nicht in Düsseldorf enden um den Snobs zu entgehen. Danke, ruhiger und bequemer ist es mit Sicherheit in der zweiten Klasse. Mein Ticket erster Klasse? Ich sehe es als Investition in ein allmorgentliches Unterhaltungsprogramm. Vielleicht trifft man sich ja mal.