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Verdammte tat… [Story snippet]

Tuesday, February 12th, 2008

Ein schnipsel, der so aehnlich passiert ist – nichts besonderes aber.

Ich ergattere – mit Glueck – noch einen Platz in dem vollkommen ueberfuellten Zug nach Hause. Mein Zustand der unergruendlichen Muedigkeit macht mich sehr sehr gluecklich ueber einen dieser Plaetze im Zug an der Treppe Richtung Tuer – Ein Platz den ich eh mag. Man muss sich nicht so an den Leuten vorbeiquetschen, wenn man am ZIel ist, ich mag die Leute im Zug nicht. Ich falle foermlich in den Sitz welcher zu meiner Freude auch noch einzeln steht. Mir schraeg gegenueber setzt sich zeitgleich ein aelterer Herr hin. Ich sehe an seinen Augen, dass er sich lieber einen anderen Platz gesucht haette, sehe, wie er mich mustert, missbilligend und von oben herab. Seine Augen sagen “Sowas faehrt Bahn?” … Ich blicke an ihm vorbei auf die Anzeigetafel auf der die Uhrzeit an mir vorbeiscrollt, verfolge die Zahlen und Buchstaben, waehrend ich aus meiner Jacke einen MP3-Player krame und meine Ohren schalldicht verschliesse. Musik…. ein Fluchtweg aus dieser Situation. Die Tafel verschwindet – ich schaue quasi durch sie hindurch, durch den Zug in den immer dunkler werdenen Abendhimmel.
Die Augen fallen mir zu – wozu brauche ich Sie auch, wenn ich der Gegenwart entfliehen moechte und vor meinen Augen tuermen sich Klangwelten zu Bildern auf. Ich lasse mich fallen und schwebe… sinke und falle jaeh zurueck in die Realitaet als der Zug den naechsten Bahnhof erreicht. Eine Ansage katapultiert mich in die Welt zurueck, in der klingende Schwaden aus buntem Rauch in der Vorstellung nur Brimborium eines Wirren Geistes sind. Meine Augen schweifen die Treppe und ein Wesen, dass darauf sitzt. Ihr Erscheinen ist so, dass ich nicht sagen kann ob sie schon die ganze Zeit dort sitzt, ja vielleicht schon dort sass als ich eben diese Treppe herabtaumelte auf der sie jetzt sitzt – oder ob sie erst gerade in den Zug stieg.
Keine bunten Schwaden und keine Klangwelten, nur ihr sitzen haelt mich davon ab wieder in die Phantasiewelt abzugleiten, vielleicht sogar einzuschlafen. Wie sie dort sitzt, fesselt meinen Blick.
Verlegen starre ich wieder einen Moment auf die Uhr, als ich merke, dass ich schon geraume Zeit auf ihre Brille starre, durch die Sie – ebenso gebannt wie ich auf ihre Brille – in einem Buch liest. Ich riskiere einen Blick zurueck und sehe, wie sie wiederholt ihre langen Haare von den Buchseiten streicht, ueber denen sie sich regelrecht zusammenkauert. Immer wieder neigt sie den Kopf auf die andere Seite des Buches… Erneut fuehle ich mich ertappt und starre auf die Uhr. Minuten vergehen, bis ich feststelle, wie schnell die Zeit ploetzlich vergeht.
Ich Blicke zurueck auf die Treppe und das Wesen darauf. Irgendetwas scheint mich anzuziehen, macht mich unfaehig, sie einfach dort sitzen zu lassen und wieder in meine Traumwelt zu verschwinden. Dabei ist an Ihr nichts auffaelliges… Ihre Augen springen ueber das Buch, rennen die Zeilen entlang, immer wieder neigt sie den Kopf und scheint so in der Handlung zu verschwinden, wie ich in meiner Musik… genau… die Musik. Ich kann doch nicht wildfremde Leute im Zug stundenlang anschauen… ich schaue wieder auf die Uhr und hoere auf die Musik… die Muedigkeit ueberwaeltigt mich und ich nicke ein.
Erneut weckt mich eine Ansage, ein Bahnhof. Der Zug haelt… ich schaue auf die Treppe und sie sitzt noch immer dort, studiert ihr Buch waehrend wild fluchend wie Hyaenen die zugestiegenen Fahrgaeste ueber sie hinwegsteigen. Innerlich springt etwas in mir vor Freude… diese Versunkenheit haelt mich fest. In dem Moment dreht sie ihren Kopf erneut… weg vom Buch, weiter nach links und blickt mir direkt in die Augen. Sie laechelt.
Die bunten Schwaden in meinem Kopf explodieren, verwirbeln meine Gedanken. Peinlich rote Zuege erhellen nun mein Gesicht und lassen mich erneut die Uhr studieren. Bis auf die immer wechselnde Uhrzeit weiss ich inzwischen genau wie sie aussieht – trotz allem wage ich es nicht den Kopf erneut zur Treppe zu wenden. Je laenger ich auf die Uhr starre um so langsamer vergeht die Zeit… sie kriecht… schleicht langsamer als der Zug zum naechsten Bahnhof.
Als ich nach der Ansage den Mut fasse, erneut zur Treppe zu blicken, ist das Wesen verschwunden… der einzig schoene Punkt in diesem Zug, der in seiner Uebersehbarkeit nicht zu uebersehen war… so schoen, und doch verschwunden.

Der Sternensucher

Stimmung! – bei der Deutschen Bahn AG – Teil II

Wednesday, December 12th, 2007

Guten Morgen ihr Lieben!

Ich hocke hier gerade in der Regionalbahn RB31 von Xanten nach Duisburg und hoffe, alles geht gut. Das das nicht immer der Fall ist, zeigte sich gestern im gleichen Zug (20105), als schon an der ersten Haltestelle nach Abfahrt (Alpen) fuer mehrere Minuten nichts mehr ging. Eine der Tueren des vorderen Doppelwagens schloss nicht mehr und das Sicherheitssystem sperrte die Weiterfahrt. In Alpen waren alle noch ruhig. Die Strecke laesst durchaus das Herausfahren von 5-7 Minuten Verspaetung zu und … mein Gott … im Berufsverkehr im Ruhrgebiet faehrt eh alle 5 Minuten ein Anschluss ueberall hin.
Die Verspaetung in Alpen summierte sich auf etwa 15 Minuten auf. Nach mehreren An- und Abkopplungsversuchen des vorderen und des hinteren Wagens und nach manueller Intervention des Zugpersonals (2 Leute ziehen an einer Tuer) ging es dann auch weiter. Zu dumm, dass die Tuer an der naechsten Haltestelle (Millingen bei Rheinberg) durch einen Fahrgast wieder geoeffnet wurde. In Millingen (mit +20 Minuten) stellte das Zugpersonal dann fest, dass sich die Tuer auch durch die vorher erfolgreichen manuellen Eingriffe nicht mehr sicher schliessen liess. Man verwies auf den Zwischentakt, der jede Minute aus Alpen in Millingen eintreffen muesse. Wir sollten einfach umsteigen, eine Weiterfahrt sei zu gegebener Zeit mit diesem Zug nicht moeglich.
Schon vor dieser Durchsage machte sich eine Frau lautstark bemerkbar, die der Ansicht war, man solle doch den Fahrgaesten lieber ein Taxi bestellen. Wenn das Zugpersonal unfaehig sei, den Schaden zu beheben, dann braechte das ganze herumgezupfe an der Tuer doch eh nichts. Dieser Meinung verlieh sie auch – insbesondere gegenueber dem Zugfuehrer und dem Zugbegleiter  – lautstark Stimme.
Man bat uns – mit einer zweiten Durchsage – den Zug Richtung  Nebengleis zu verlassen und auf den Zwischentakt zu warten. Die Frau, welche sich schon vorher eigentlich pausenlos lautstark beschwert hatte, platzte fast vor Wut. Das sei ja jetzt wohl die Hoehe, das sei doch nicht mehr zumutbar. Das Bahnpersonal versuchte, die Ruhe zu bewahren und schloss sich in der Fuehrerkabine des vorderen Wagens kurzerhand ein um die Situation zu besprechen. Telefonate wurden gefuehrt mit der Verkehrsleitstelle um die Weiterfahrt zu koordinieren. Sehr schnell stellte sich heraus, dass diese Frau – ein Mitfahrer nannte sie “Blondie – Stadtbekannt, wissen Sie?”, nach einer kurzen Pause, meine Reaktion abwartend, fuegte er hinzu: “Sie ist ja heute geradezu harmlos…. also frueher… boese Zungen behaupten ja, Sie naehme inzwischen was dagegen.”. Ich musste schmunzeln. Noch immer meckerte Blondie pausenlos und so langsam begann es die Mitfahrenden zu nerven. Immer wieder schrie es von irgendwoher “Kann mal bitte jemand diese Frau ruhigstellen?” oder “Hoer mal, merkst du nicht, dass du die einzige bist, die sich aufregt?”.
Nach etwa 40 Minuten warten und einigen Telefonaten aus dem Fuehrerstand mit der Verkehrsleitstelle stellte sich dann heraus, dass der Zwischentakt Xanten gar nicht verlassen hatte. Die Strecke war nicht freigegeben worden und der Gegenzug war – auf der weitestgehend eingleisigen Strecke – schon unterwegs. Man beschloss, den hinteren Wagen abzukoppeln und zurueckzusetzen, um ueber das Nebengleis weiter zu fahren. Wir – die Fahrgaeste aus dem vorderen Wagen – zottelten also zu unseren Kollegen aus dem hinteren Wagen (wo ich meinen alten Gruppenleiter Benedikt aus Las Vegas traf… er sei hier nochmal herzlchst gegruesst… die Welt ist klein!). Blondie brach aus allen Muendern mit Hass-spruehenden Fluechen auf die Deutsche Bahn… und war alleine. Keiner versuchte mehr, sie zu beruhigen, alle wollten einfach nur noch, dass sie entweder aussteigen oder schweigen moege.
Nach Abwarten des Zuges in Gegenrichtung (also mit etwa +60) begann das Zugpersonal mit dem umsetzen des Wagens auf das Nebengleis. Inzwischen waren noch diejenigen Fahrgaeste zugestiegen, die eigentlich mit dem 20107 um 7 Uhr ab Xanten haetten fahren wollen … schliesslich hatten wir ja schon eine Stunde Verspaetung :) . Nach Abfahrt lief dann auch alles – bis auf Platzprobleme – glatt. Schliesslich musste der Verkehr von etwa 4 Wagen (2 Zuege mit 2 Wagen, einer von 6 Uhr und einer von 7 Uhr) mit einem Wagen (halber Zug von 6 Uhr) transportiert werden. Ich war stolz und gluecklich ueber meinen Sitzplatz. Blondie hatte einen Stehplatz und vermutlich haette sie es auch sitzend nicht lange ausgehalten. Permanent rannte sie durch den Zug und versuchte allen Leuten zu erzaehlen, wie sauer sie war. Sie schien nicht zu merken, dass der gesamte Zug anfing, Sie dafuer zu hassen – und auch diesen Beschwerden wurde lautstark Stimme verliehen. Trotzdem der Zug unterwegs und – von der angehaeuften Verspaetung abgesehen – planmaessig fuhr, rief Blondie die Bahn an und fragte, wie es denn nun weiterginge. Man habe ja schliesslich Anspruch auf Schadenersatz und so weiter und so fort. Den Wortlaut der Antwort aus dem Handy kann ich nicht widergeben. Vermutlich wuerde ich das auch nicht wollen. Lasst mich einfach sagen: es war laut und schrill :) .
Schliesslich kamen wir mit etwa +75 in Duisburg an. Blondie eilte zum Schalter der Bahn um sich ueber die Tuer zu beschweren, wo man sie trocken danach fragte, was sie dann am Schalter wolle… diese Beschwerden solle sie doch bitte an die Tuer richten.

Im Nachhinein aergern mich solche Leute. Man steigt in einen Zug ein, mit der Erwartung, dass dieser puenktlich ist. Ist er das nicht, dann ist es halt so, oder? Ich meine, das Zugpersonal kann nichts fuer und nichts gegen eine Tuerstoerung. Wenn sich das Problem nicht unterwegs beheben laesst, dann muss man halt warten. Bis auf eine Stoerung mit manuellem Schrankenbetrieb und einen widerrechtlich auf einem Gleis fahrenden Gueterzug sind mir in den letzten Jahren auch keine gravierenden Stoerungen untergekommen.
Erst dachte ich, ich waere der einzige in dem Zug, der das so sieht, aber nach und nach entfachten, angeregt von Blondies Hass-Predigten, im ganzen Zug Gespraeche, aus denen Fetzen wie “Ja, kann man doch nix machen” oder “Was solls? Holen wir uns halt gleich nen Schein von der Bahn und machen 2 Ueberstunden” zu mir drangen. Blondie schien in dem gesamten Zug die einzige zu sein, die es der Bahn wirklich uebel nahm. Das fand ich – als ehemaliger Dienstleister – sehr angenehm zu wissen. Die Nachsicht und Toleranz der Bahn-Kunden ist also auch nach den Streiks der GDL ausgepraegt.
Wer macht sich auch gerne Stress vor 10? :)

Machts gut,
es gruesst der Sternensucher.