Muede stolpert er ueber ein paar Äste, die von Schnee bedeckt in seinem Weg liegen. Seine Füße sinken tief in den Schnee und mit jedem Schritt verliert er den Glauben daran, seinem Ziel näher zu kommen. Schon seit Kilometern gehorcht ihm sein Körper nur noch sporadisch, seit Stunden irrt er verlassen durch den Wald – durchs Unterholz. Einen Weg hat er mindestens ebensolang nicht mehr erblicken können und auch keine Lichter. Nur der Mond scheint durch die blattlosen Baumkronen und taucht seine Umgebung in ein leicht bläuliches unsicheres Licht. Kraftlos kämpft er sich den Weg durch Gebüsche und Hecken. Sträucher erscheinen ihm wie die Gitter einer Gefängniszelle – grau und undurchdringlich. “Bloss nicht stehen bleiben…”, denkt er sich immer wieder. Wie ein Mantra murmelt er seinen Gedanken vor sich hin, welcher wie er mit jeden Schritt an Kraft verliert. “… wenn ich stehenbleibe, bin ich erledigt.”. Er stolpert aus einem Gebüsch in eine Gruppe Brombeersträucher, welche ihm durch seine durchnässten Kleider tiefe Risse in die Haut graben. “Ich kann nicht stehenbleiben”, murmelt er weiter, als er merkt, wie das warme Blut ihm den Arm herabrinnt – wärmer als der schmelzende Schnee, der ueberall in seiner Kleidung haftet. “Wären da doch nur ein paar Lichter, nur eine Hütte.”, denkt er, während er die Brombeerstraeucher hinter sich lässt, mehr auf allen Vieren als laufend. Jeder Schritt scheint ihm wie ein Berg, jede Bewegung schmerzt, seine Knochen wollen bersten, doch noch hält er sie zusammen. “Wo ein Wille da ein Weg.”, sagt er sich und schleppt sich weiter. Immer dichter wird das Unterholz und der Mond spendet kaum noch Licht. Sein Atem friert fast in dem Moment, in dem er seinen Mund verlässt und Eiszapfen hängen aus seinem Bart, brennen an seinem Kinn, so kalt sie auch sind. Er kann die Stellen in seinem Körper nicht mehr erkennen, an denen er keine Schmerzen hat, kann sie nicht mehr ertragen. So sehr sie ihn zwingen weiterzuwanken, so sehr rauben sie ihm die Kraft. Er fällt von einem Schritt in den nächsten, trudelt, wankt, aber bleibt nicht stehen. Er rudert mit den Armen durch den Schnee, fängt sich, wankt weiter. “Fussspuren!”, schreit er auf einmal. Tatsächlich liegen vor ihm Fussspuren im tiefen Schnee, mitten im Unterholz. Ungleichmäßig und immer wieder unterbrochen von Büschen. Er spürt Wärme in sich, neue Hoffnung. Er eilt, hastet fast, mit seinen letzten Kräften. Der Schnee staubt unter seinen Füßen und hervor, und er fliegt über die Äste und kleinen Straeucher hinweg, den Spuren nach, in der Hoffnung auf Wärme und einen Platz an dem er neue Kraft sammeln kann. “Spuren! Endlich! … ein Mensch… ein anderer Mensch!”, schreit er schliesslich laut hervor.
Die Spuren führen ihn zu einer Gruppe Brombeersträucher, wo sich eine kleine Blutlaache in den Schnee gegraben hat. Es ist noch nicht gefroren, fast noch warm… und es ist sein Blut. Wie erschlagen sackt er zusammen, als die Hoffnung von ihm weicht. Er hat keine Kraft mehr. “Nur eine Minute… nur eine Minute Pause…”, flüstert er, als sein Herz das letzte mal schlägt. Und nur der Mond wirft Licht auf seinen Körper, der leblos und kalt nach und nach vom leise fallenden Schnee bedeckt wird.