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Meet the circus

Tuesday, October 21st, 2008

Radiovision…. was mag das heissen? Egal. Die kuerzlich erschienene EP von Younnat wird vom Kahvicollective nicht umsonst mit den sinngemaess uebersetzten Worten angekuendigt, dass sie angenehm aus dem Rahmen faellt. Der vom Kollektiv angegebene Stil “Elektro Funk” stoesst bei mir zunaechst auf Unverstaendnis, ist jedoch nach kurzem Reinhoeren … zumindest erklaerlich. Einen einzelnen Begriff fuer das was der Kahvi-Audio-Debutant mit der EP abliefert gibt es ohnehin vermutlich nicht.

Durch einen gekonnten Mix verschiedener Rhythmen und einem recht aussergewoehnlichen Instrumenten-Lineup – ja selbst die gewaehlten Synthesizer ueberraschen – rechtfertigt er auf jeden Fall den Begriff Funk, ja, orgelt sich geradewegs ins Ohr. Es existiert keine grundlegende allgemeine Stimmung mit der man diese EP beschreiben koennte, es kommt einfach zu viel zusammen. Von verspielten FM-laeufen, E-Gitarren, einem Funky Organ, Voice Samples, die bisweilen eine fast nervend eingaengige Rhythmusebene malen, dezente Bassbegleitung… Melodisch geht Younnat keinen Mittelweg. Ruecksichtslos schmeisst er die Akkordlehre der modernen Popmusik ueber den Haufen, mischt in das was stehenbleibt Einfluesse aus IDM und Acid, holt die Spraydose heraus und kreiert eine riesenhafte Clowns-Frazte. Was stellenweise klingt, wie ein Experimentalprojekt betrunkener 4-jaehiger gibt auf jeden Fall so viel, dass die angesetzten 6 tracks von je etwa 4 Minuten viel zu kurz erscheinen und hat mit kleinkinderhaftem herumgeklimper mal s gar nichts gemeinsam. Wenn das Elektro-Funk ist, will ich zumindest mehr davon, moeglichst schnell.

WARNUNG: Diese EP begeistert. Runterladen. Hoeren.  Bekloppt werden.

Album Art

  • Release page: HERE
  • Availability: Free of charge
  • Medium: MP3(ZIP) 1,2 – OGG(ZIP) 1,2
  • Playtime: (total: 26:48) 6:28, 3:00, 5:00, 4:06, 4:12, 4:02

Danke Younnat, das hat gut getan.

P.S.: wem das gefaellt, der schaue sich noch die 4 Videos Wheel experience, Sockets Sampler, Dot Matrix Printer Etude und Desktop Keyboard an. Der Mensch ist schon irgendwie … recht verspielt :) .

“angestaubt”

Thursday, March 6th, 2008

“Es ist nicht immer alles einfach und leicht.” … liesse sich die EP “Poussière” von Muhr in wenigen Worten zusammenfassen, muessten sie in etwa so lauten. Da das aber leider nicht geht, muessen ein paar mehr Worte herhalten.

Die Musik die ich in den Netlabeln finde klingt oft rau, experimentell und man mag fast manchmal vermuten, dass einige Kuenstler erstmal alles Veroeffentlichen, was sie so produzieren, ungeachtet der Tatsache, ob gerade die Katze ueber den Midi Controller laeuft oder man ernsthaft versucht eine Struktur aufzubauen. Herrlich lassen sich solche Stuecke in Genres wie IDM einordnen und ziehen das Gesamtbild enorm herunter… Kritiken wie “es klingt deutlich zu anstrengend” entziehen sich diese Leute dann mit Saetzen wie “Das ist nicht anstrengend, das ist nur zu anspruchsvoll fuer dich.” oder “Waere es nicht anstrengend, dann waere es nicht IDM” … Das klingt etwas nach Profilierungsdrang und passt gar nicht in den so verspielten und tiefgruendigen Kontext der Musik.

Vincent Fugere und sein Musikprojekt Muhr sind ein Urgestein der freien Elektronischen Musik und bekannt als ‘der Kopf hinter camomille und dem ronincollective‘ – zwei netlabel, die Platz fuer Kuenstler wie Mikael Fyrek, lackluster und viele weitere boten, die mit ihrer Experimentierfreudigkeit den schmalen Grat zwischen Ertraeglichkeit und einem neuen Weg trafen, als haette man sie auf schienen gesetzt – und das ohne dabei auch nur aehnlich zu klingen. Als 143 ( centquaratne3 ) beteiligt er sich gleichsam mit bildkuenstlerischen Beitraegen an Gesellschaftskritik und Artwork seinen eigenen Netlabeln. Auch fuer die EP “Poussière” schuf er einige Bilder, die leider nicht mit dieser zusammen veroeffentlicht wurden.

unreleased artwork 1
unreleased artwork 2
Unveroeffentlichtes EP Artwork

Das Netlabel serein (UK) beschreibt die EP – deren Titel sich als “Staub” uebersetzen laesst – als die wohl selbstbewussteste musikalische Veroeffentlichung Muhrs in den vergangenen Jahren. Selbstbewusst wohl auch, weil sie sich ohne ein Winperzucken auf das Minenfeld der gewoehnungsbeduerftigen Musik wagt. Wer etwas zu sagen hat, soll kein Blatt vor den Mund nehmen – und Muhr spart sich alle Blaetter und kommt sogar ohne Mund aus. Die 5 Tracks tragen einen nur wenige Meter und setzen einen dann auf einem harten und kalten Steinboden ab. Waermende Klangphaeren erahnt man in der Ferne, doch nie in Reinheit. Muhr stellt klar das problematische in den Vordergrund und laesst einem keine Ruhe in der Musik aufzugehen.
Der Begriff des “zum Nachdenken anregens” ist viel zu ausgetreten um ihn hier nocheinmal anzubringen – vermutlich wuerde er noch nichteinmal passen. Die 5 Tracks halten einen jedoch in einem Zustand des Zuhoerens, der irgendwo zwischen Gruebeln und Traeumen liegt und gewaehren einem Einblick in die Scherben einer melancholischen Welt, in der nichts so ist, wie man es sich ertraeumt. Oft trifft die Musik dieses Bild und traut sich damit, der melancholischen Stimmung vergangener EPs wie der bei miasmah music erschienenen ‘La chute du romantisme en ballades‘ zu widersprechen.

Nicht immer eben ist alles einfach – auch nicht das Zuhoeren. Das Label selbst sagt zu dieser EP: “Diese EP ist ein widerwilliges Biest und braucht ein Paar durchlaeufe um gezaehmt zu werden. Du bist es dir schuldig, das auch zu tun.” – ich moechte das so unterschreiben. Diese EP ist weniger die Art Musik, die man abends an macht, wenn man von einem gestressten Tag nach hause kommt, sondern eher die, Art Musik, die man an einem sonnigen Tag bei einem Blick aus dem Fenster in die schoene bunte Welt mit einem “das ertrag ich jetzt nicht” aus macht. Die Stunde wird kommen… :) .

Artwork
‘Muhr / Poussière’ bei serein UK

Das Album gibt es wie immer mit Klick auf das Bild oder im folgenden Player direkt zum reinhoeren:




Einen guten Abend euch noch und ein erfahrungsreiches Zuhoeren wuenscht

Der Sternensucher

Ohrenfrasz…

Tuesday, March 4th, 2008

… und bitte nicht schlingen!

Es ist mal wieder soweit, sie sind in meinem Kopf. Ich habe keine Ahnung was sie da machen, aber wie sie da hin kommen weiss ich genau. Wieder einmal war es der DE:BUG-Podcast, der mir mal immer so wieder auf die Platte schwaemmt. Letzte Tage hab ich mich mal durchgerungen, das Zeug auf meinen MP3-Player zu kopieren und schon ist es wieder passiert. Diesmal ist es eine Live-EP aus dem Fresh-Poulp-Netlabel aus Frankreich, die meine Aufmerksamkeit erregt. Die EP FPR015 beschreibt sich selbst als Mixtur aus den Stilen 2er Kuenstler – “Rafiralfiro” aus Frankreich und “[wini] 2.0” aus Spanien.

‘Rafiralfiro’ (o-r) (u-l) und ‘[wini] 2.0? (u-r) (o-l)
Die Kuenstler

Musikalisch liegen die beiden gemischt irgendwo im Bereich orientalischer Dub-Tech-Hop. Wie ich darauf komme wird beim ersten Reinhoeren eigentlich ziemlich schnell klar. Ohne Hemmungen vermixen die beiden in diesem aeusserst gut ausproduzierten Live-Set Beat-Loops aus Hip-Hop, Acid und ruhigen Elektro-Stilrichtungen, mischen Sie mit dem Fluss aus IDM und Dub und wuerzen mit allem was in ihrem Ton-Krug an orientalischen Musikkraeutern zu finden ist – eine Prise Vocals nicht zu vergessen.
Teils sind die Stuecke zwar etwas langatmig, dennoch setzt jedes Stueck mindestens 2 stilistische Breakpoints und nicht selten schaut man relativ dumm drein wenn man feststellt, dass man immernoch das gleiche Lied hoert – vielleicht einer der Nebeneffekte dieser explosiven Kooperation.
Keine Sekunde dieser EP empfand ich als nicht hoerenswert. Ueber die leider etwas mageren 128kbit, kann man angesichts der Musikalischen Qualitaeten hinweghoeren. Meiner Meinung nach eine der EPs, die auf Dauer in die Musiksammlung uebergehen koennen.

EP Cover
FPR015 mp3 – 128kbit

Downloaden kann man die EP auf der Seite, welche auf dem Cover verlinkt ist.

Viel Spass beim reinhoeren,

der Sternensucher