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Mal anders…

Wednesday, February 13th, 2008

“Ich laufe durch eine Stadt, es ist fast still, fast vollkommen ruhig. Die Strassen sind leer, keine Autos, keine Passanten. Der Wind kriecht um die Haeuserecken und weht alte Zeitungen ueber die Strasse. Nebelschwaden ziehen unter den den orangenen Gaslampen auf den Kreuzungen her und lassen die Spitzen der Hochhaeuser undeutlich verschwimmen. Der Mond ist auch nur noch ein heller Fleck in der Dunkelheit. Kaelte zieht mir durch die Jacke und laesst meine Haende erstarren. Warum bin ich eigentlich nach draussen gegangen? Vergessen oder sowas… ich weiss es nicht mehr. Vermutlich hat es funktioniert. Meine Schuhe fuehlen sich an, als waere ich hunderte Kilometer gelaufen, trotzdem schwebe ich, laufe ohne es zu merken. Die Kreuzungen kommen mir schon seit einiger Zeit nicht mehr bekannt vor. Egal… wer hin findet, findet auch zurueck, hauptsache es hoert nicht auf… ”

Diese leichte Unruhe, dieses leichte Geraeusch, was noch zur Stille fehlt. Das kleine bisschen melodie in diesem Bild ist “Black Mesa Winds” von “Introspective”. Kahvi Release 236 [kahvi236] ist zu komplett um es im einzelnen beschreiben zu koennen. In tiefer melancholie und ein wenig schwermuetig klingt diese EP wie der Soundtrack zu einer verlassenen Stadt. Nicht aufdringlich, dennoch auch nicht ein hintergrundsaeuseln – Da und gleichzeitig nicht da…

Ich war nicht besonders begeistert von der Musik ansich, zugegeben ist die EP stellenweise sehr anstrengend, aber andere Stellen verschliessen einem die Ohren fuer alles andere. Die Stimmung war so praesent, dass ich einfach nicht anders konnte, als den Weg zu Fuss nach Hause zu nehmen um die EP ganz zu hoeren. Ich hoffe ihr koennt auch was damit anfangen.

Black Mesa Winds - Introspecive (Release Cover Art)

Die EP koennt ihr wie immer kostenlos beim Kahvicollective ueber scene.org oder deren Mirror als OGG oder MP3 beziehen. Ein dicker Dank an alle Beteiligten!

der Sternensucher

Wie Sternenstaub

Wednesday, February 13th, 2008

In den fruehen Januarwochen veroeffentlicht das Kahvicollective seine EP numero 234 [kahvi234] namens “Stardust EP” von bit24 und benutzt das Veroeffentlichungs-Announcement direkt mal fuer eine optimistische und zuversichtliche Ankuendigung, die sinngemaess wohl etwa lautet: “Im Jahr 2008 bringt dir Kahvi die gleiche Qualitaet wie gewohnt und was waere ein besserer Einstieg in dieses Jahr als diese 5-Track EP von bi24?”

Als Gastkuenstler im Kahvicollective darf sich bit24 wohl fuehlen. Neben Leuten wie Stuart Elliot geniesst man nicht nur die Fruechte seines eigenen Glanzes. Allerdings haengen wir – die kritischen hoerer – auch die Messlatte genuegend hoch. Alleine der Name der EP ist fuer mich eine Herausforderung, genauer hinzuhoeren :)

Nach einem etwas duesteren und steinigen Einstieg in die EP, in dem einen das Stueck “aurora” ueber hektische und scharfkantige Beats springen laesst, stellt sich jedoch schnell eine konsistente und treibende klanglandschaft auf. Die Kahvi-Reviewer beissen sich nicht auf die Zunge wenn sie der EP – diesem Stueck im speziellen – einen gewissen Grad an “c64ism” unterstellen, es passt allerdings ausnahmsweise wie die Faust aufs Auge. Was in einem Lo-Fi-inferno begann wird mit klangelementen aus dem Ambient-bereich gegen Ende gar noch melodisch – nicht aber verliert es seinen treibenden Beat.

Track nummer 2 haut noch einen drauf :) . Naja… es laesst sich schwer anders sagen. Ein direkterer Einstieg in die Beats von quantum ist wohl kaum moeglich. Ein Stueck zwischen breakbeat und disco, untermalt von einer sauberern Baseline, dafuer um so schmutzigeren Vibes, die bisweilen ein wenig zu psychodelisch wirken. Melodisch mag man Anleihen aus badloop’s vergangenen Tagen erahnen, wenn man will.

Track nummer 3, der Namensgeber dieser EP, beginnt mit einer sprachlichen Einfuehrung in Raum und Zeit. Die dunkelheit des Kosmos schwingt quasi mit. Langsam tastet sich das Stueck in seine Struktur. Instrumente, die Unreal-Tournament-Spielern der alten Garde sicherlich vertraut sein werden, verleihen dem Stueck die rhythmische praesenz. Ansonsten lebt das Stueck vom zusammenspiel der Voice-Samples, der klaren, wenn auch kleinen Melodie-Elemente und der einfach gehaltenen Base-line.

Es folgt “The space in between”… mit ueber 5 Minuten allerdings mehr als nur ein Lueckenfueller. Dieses Stueck setzt die in “stardust” gesetzten Stimmungen quasi fort, geht dann aber in eine verspieltere Rhythmik ueber. Die Spheres lassen eine klangliche breite entstehen, die den Namen durchaus rechtfertigt.

Zum Abschluss bringt das ganze “parasympathetic”. Der name laesst sich genau so schwer erlaeutern, wie das Stueck selbst. Man moechte fast vermuten, es haette einige schwierigkeiten gegeben, sich fuer ein Tempo zu entscheiden. Ebenso laesst sich in dem Stueck zunaechst kein Schwerpunkt finden. Vielleicht ist es genau das, was dieses Stueck so von den 4 vorhergehenden abgrenzt. Trotz durchaus vorhandener gleichmaessiger Rhythmik, verhindert das Stueck wirkungsvoll, dass ich mich hineinfallen lasse – und das fuer ueber 6 Minuten….

Alles in allem eine gelungene, wenn auch ungewoehnliche EP, finde ich.

bit24 - stardust EP cover

Die stardust ep kommt von bit24, trotz allem leider nur in 16 bit als ogg oder mp3 von scene.org. Die einzelnen Tracks gibts auf der durch das Bild erreichbaren Seite. Soviel zu den Bezugswegen, Danke bit24, Danke kahvi!

der Sternensucher.

Fly away from this place EP

Tuesday, February 21st, 2006

Die im Netlabel Camomille (schon vor laengerer Zeit) als cam067 erschienene EP des Kuenstlers Tang Kai wagt sich in ein gefaehrliches Terrain. Nicht selten wurden Netartists aufgrund von Vocals in der Musik spaeter nicht mehr ernst genommen. Dieses Feld bleibt oft der kommerziellen Musik vorbehalten. Von diesem Vorwurf spricht sich Tang Kai mit einer Selbstverstaendlichkeit frei, die ihresgleichen sucht. Um so mehr freue ich mich diese EP als ein gelungenes Kunstwerk vorstellen zu duerfen, dass sich nicht zu verstecken braucht, weder musikalisch, noch moralisch. Eine treibende Rhythmik und der unverwechselbare zweigleisige Stil von Tang Kai, den die geneigte Hoererin sowie auch der geneigte Hoerer bereits nach wenigen Takten in der Lage ist wiederzuerkennen, schieben einen in 0-Zeit durch die 4 viel zu kurz scheinenden Tracks (von insgesamt gerade mal 23 Minuten Laenge). Leicht zu beschreiben scheint der Stil zu sein, doch ist er es nicht. Sich eine faszinierend abgestimmte Mischung aus Klangblasen im Bassbereich und darauf tanzenden kristallenen Wassertropfen vorzustellen, die im Wind umherwehen hilft vielleicht auch nur wenig, kommt diesem Klangbild allerdings sehr nahe. Zwischen diesen beiden Klangwelten tanzt die Stimme einer grossen Unbekannten, die zwar mit iherr Kraftvollen Stimmung nicht immer zur leichtigkeit des fortfliegens passt, dennoch aber die Seele in ihrem Kern trifft.

Es mag irssinnig klingen, aber trotz der mit 4 Stuecken recht kurz bemessenen Laenge der EP ist diese sehr ausgewogen gestaltet. Die Balance aus Volcals und Intrumentals ist nicht nur Zahlenmaessig sehr ausgewogen, sie ist auch musikalisch schoen gestaltet. Wenn ein Tag 24 Stunden udn 23 Minuten haben sollte, dann damit man sich dieses Album oft genug anhoeren kann um innerhalb eines Lebens daran satt zu werden.

Das Verlangen nach Mehr, wenn die EP dan unverhofft schon zuende ist, wird leider enttaeuscht. Weder im Camomille Netlabel, noch in mir bekannten anderen Netlabels taucht Tang Kai unter diesem Namen nocheinmal auf. Die vom gleichen Kuenstler unter dem Namen Mikael Fyrek unter anderem beim Kahvicollective erschienenen Stuecke erreichen diesen Stil leider bei weitem nicht, gehoeren aber auch in ein ganz anderes Genre.

Die besprochene EP ist bei Camomille auf der Seite des Releases cam067 als Zip mit 4 MP3s und Cover Art herunterzuladen. Ein geheimtip fuer alle, die gerne von dieser Welt fort fliegen… wenn auch nur fuer 23 Minuten.