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Mehr vom Tag!

Tuesday, March 10th, 2009

Hiho!

Heute hatte ich einen etwas anderen Weg zur Arbeit, da ich den Wecker ignoriert und selbiges erst eine halbe Stunde zu spaet gemerkt habe. Meine Eile zum Bahnhof war erfolglos – IC weg, Backup RE weg… und das Backup vom Backup fuhr mir vor der Nase weg – doof gelaufen. Mein Blick auf die verfuegbaren Alternativen erbrachte nicht viel, ausser der Moeglichkeit, eine Stunde zu warten oder einen Zug nach Wuppertal zu nehmen und von dort aus weiter zu sehen. Ueberraschend experimentierfreudig machte ich mich auf nach Wuppertal – wo ich folgendes kleines Kunstwerk in einem Ausstellungsobjekt der Bahn entdeckte:

Mehr vom Tag mit Bus und Bahn

Obwohl sich das Gesamtkunstwerk dem Betrachter recht schnell erschliesst, wagte ich einen Interpretationsversuch – die bedeutende Stelle im Bild ist hervorgehoben. “MEHR VOM TAG” verspricht der kurze aber praegnante Text in grossen Lettern – und gibt Raetsel auf. Mehr? Auch wenn im folgenden Sachverlauf die Information praezisiert wird – “mit Bus & Bahn” heisst es weiterhin – bleiben Fragen offen: Mehr was? Dies verraet der Text nicht mehr, denn er endet an dieser Stelle. Unbefriedigt und aufgewuehlt laesst er uns zurueck in einem Haufen aufgeworfener Fragen.

Das Bild vermag diese Spannung ebenfalls nicht zu loesen, beleuchtet es doch nur noch eine weitere Komponente in unseren Fragen: Was tun diese 5 Frauen auf dem Bild, bepackt mit Taschen – vielen Taschen? Und es sind nicht irgendwelche, nein Einkaufstaschen – Jawohl! – welche sie ueberschaeumend euphorisch und voller Risikobereitschaft ueber einer Bruestung in haengender Weise zur Schau stellen. Unter einem blauen Himmel machen sie Gesichter, als wuerde ihnen nichts fehlen – schauen in den Horizont. Der erfahrene Bahn-Fahrer wird hier skeptisch und waehnt einen Zusammenhang zum vorausgehenden Text: “MEHR VOM TAG mit Bus & Bahn”. Mag dies fuer die Freude der Damen ausschlaggebend sein? Stehen sie gar auf einer Bruecke, sich ergoetzend am Schicksal der darunter an einem Bahnhof wartenden Fahrgaeste – in verzweifelter Erwartung der Moeglichkeit ihre bescheidene Rolle in dieser Inszenierung einzunehmen – ja gar an ein Ziel zu gelangen? Ist es jene Verzweiflung, die diesen Frauen diese Euphorie, ja gar Schadenfreude ins Gesicht treibt, bevor sie, wenn sie genug haben zu ihren Autos gehen und heimkehren? Ja ist mit “MEHR” etwa diese Schadenfreude gemeint? Kreischen diese Gesichter nicht geradezu “Sehet her was wir machen, waehrend ihr auf die Bahn wartet”?

Wohl kaum. Eine andere Sprache naemlich sprechen die eilig an das Kunstwerk angebrachten Befestigungsmerkmale. Ungeordnet – ihrer 3 – prangern sie die Organisationsstrukturen in den Fahrplaenen der im Text genannten Mobilitaets-Werte an. Sehr wohl faellt ins Auge, dass beide – Fahrplaene und Befestigung – sogar die selbe Farbe teilen. Auf welch grandiose Weise fuehrt dieser Zug – und es ist irnonisch, dass dieses Werk  Zuege traegt – selbiges auf eine Meta-Ebene und macht den Text zu einer Beschreibung des Werkes selbst: “MEHR VOM TAG  – mit Bus & Bahn” – jetzt wird uns klar, dass wir es mit 2 vollkommen voneinander geloesten Aussagen zu tun haben. MEHR – das Kunstwerk selbst – bei dessen Betrachtung man die nebenstehenden Fahrplaene ausser Acht lassen kann. Ziehen die Farbenspiele an der Befestigung dennoch eine duenne Verbindung zu selbigen Plaenen. Die Schadenfreude jener 5 Frauen – und es ist nun so deutlich dass jede andere Moeglichkeit der Interpretation in selbiger untergeht – gilt diesen Plaenen von “Bus & Bahn” die sich uns an dieser Stelle in schmerzhafte Erinnerung rufen, ihre Euphorie der Erkenntnis, seine Zeit und seinen Tag woanders zu verbringen. “MEHR VOM TAG” … jetzt ist es klar.

Und doch kam dann irgendwann der Zug nach Koeln.

Einen schoenen Abend noch,

der Sternensucher.